Peter Kohl, jüngster Sohn des Altkanzlers, rechnet mit der zweiten Frau seines Vaters ab. In seiner Darstellung sind Gut und Böse klar verteilt. Schwierig nur, dass die Beschuldigte sich nicht zu Wort meldet
Peter Kohl rechnet zum 80. Geburtstag seiner Mutter mit der zweiten Frau des Altkanzlers Helmut Kohl ab. Gut und Böse sind klar verteilt in der Familiengeschichte, die Kohl im Vorwort der Neuauflage der Hannelore-Kohl-Biographie „Ihr Leben“ skizziert.
Vor etwa zehn Jahren stand die Schrift des jüngsten Kohl-Sohnes und seiner Co-Autorin Dona Kujancinski schon einmal auf den Bestsellerlisten. Damals interessierten sich die Leser vor allem für das Leben und Sterben der Kanzlergattin, die sich nach langer und schwerer Krankheit in der Nacht vom 4. auf den 5. Juli 2001 mit Schmerz- und Schlaftabletten das Leben genommen hatte. In der kommenden Woche wäre Hannelore Kohl 80 Jahre alt geworden. Wenn das Buch dieses Mal die Bestsellerlisten erobern sollte, dürfte das vor allem dem Interesse an Maike Kohl-Richter geschuldet sein.
Legenden ranken sich um diese Frau, die sich seit Jahren der Öffentlichkeit entzieht. Weder Interviews noch Homestories lässt sie zu. Und so erfolgreich wie sie ihr eigenes Leben unter Verschluss hält, setzt sie alles dran, auch ihren Ehemann Helmut Kohl aus dem Scheinwerferlicht der Öffentlichkeit zu halten. Und nicht nur das: Genauso penibel hat sie in den vergangenen Jahren dafür gesorgt, dass Kohl auch vor alten Freunden und der Familie seine Ruhe hatte. Die Öffentlichkeit nimmt ihr die Abstinenz Übel und dankt es mit kritischer Berichterstattung. Und auch die Kohl-Söhne sind tief getroffen von den Gräben, die sich zwischen ihnen und dem Vater aufgetan haben.
Und so liest sich das knapp 30 Seiten lange Vorwort der Hannelore-Kohl-Biografie wie die Abrechnung mit einer Frau, die den Söhnen Walter und Peter in den vergangenen Jahren sukzessive ihren Vater nahm. Es soll nun nichts mehr weichgezeichnet werden. Peter Kohl, eigentlich der zurückhaltende der beiden Brüder, schreibt die Zeilen in tiefer Trauer und Verbitterung.
Sehr deutlich räumt er etwa mit einer der Legenden um Maike Kohl-Richter und den Altkanzler auf: Zur Feier des 75. Geburtstag des Altkanzlers habe sein großer Bruder Walter Kohl von einem „engsten Vertrauten“ seines Vaters die Wahrheit über dessen Beziehung mit Maike Richter erfahren: Die beiden sollen schon in der zweiten Hälfte der 90er Jahre ein Paar gewesen sein – lange vor dem Freitod von Hannelore Kohl also. Getuschelt wurde darüber schon lange, bestätigt wurde nie etwas.
Peter Kohl zeichnet das Bild einer Besessenen, die sich, wie sie es selbst einmal nennt, zu den „Kohlianern“ zähle. Bei einem Besuch in ihrer Wohnung sei sich Peter Kohl vorgekommen wie in einem privaten Helmut-Kohl-Museum: „Wo man auch hinschaute, hingen oder standen Helmut-Kohl-Fotografien. Es gab gemeinsame Bilder, Bilder mit anderen Menschen, Bilder mit Widmungen, Wahlkampf-Memorabilia, ein unter Glas und Passepartout gerahmter Brief mit seiner Unterschrift und sonstige Helmut-Kohl-Artefakte. Das Ganze sah nach jahrzehntelanger, akribischer Sammelleidenschaft zum Zwecke der Heldenverehrung aus, wie man es vielleicht auch von Berichten über Stalker kennt.“












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