Patriarchen haben es heute bekanntlich auch nicht mehr einfach. Sollte Ihr Vorgesetzter bei Ihnen auf Unverständnis stoßen, schauen Sie sich dieses Wochenende doch ein paar Folgen der amerikanischen Fantasy-Soap „Game of Thrones“ an, oder besser noch Wagners „Ring“
Ich mache schon relativ viel für meinen inneren Frieden. Ich ernähre mich gesund, gehe regelmäßig zur Analyse und habe im vergangenen Jahr so viel Yoga gemacht, dass ich heute einen Handstand beherrsche und das Chakrasana – eine Stellung, bei der man rückwärts auf seinen Händen und Füßen steht und sein Bäuchlein beweglich gen Himmel streckt, für Männer eine echte physiologische Herausforderung. Aber für die Situation, in der ein Vorgesetzter im Büro etwas Unerfindliches von mir will und mich bei der Arbeit stört, bin ich trotzdem nicht gewappnet. Selbst wenn besagter Vorgesetzter eigentlich ganz nett ist, plötzlich steht er in all seiner Machtausübung vor einem und man wünscht sich nur, man wäre wie Melvilles Bartleby und könnte einfach „I would prefer not to“ sagen. Ist man aber nicht. Sie kennen das Gefühl.
Ich habe gelernt, dass es durchaus den Versuch wert ist, anstatt sich zu ärgern, ein bisschen Verständnis für den Vorgesetzten aufzubringen. Denn Patriarchen haben es heute bekanntlich auch nicht mehr einfach. Das liegt am System, ob die Frauenquote nun kommt oder nicht. Sollten Sie daran Zweifel haben, empfehle ich Ihnen, sich an diesem verregneten Wochenende die amerikanische Fantasy-Soap „Game of Thrones“ anzuschauen, in deren erster Staffel gleich zwei große Herrscher umstandslos ins Jenseits befördert werden.
„Game of Thrones“ macht einen Mörderspaß. Zwar ist die Serie recht brutal und man muss sich auf viel Blut, Intrigen, Leichen, Misogynie und alle Art von körperlicher Gewalt einstellen, aber dafür wird sie mit einer überraschenden psychologischen Finesse erzählt. Zudem gibt es epische Sexszenen, treu die Zähne fletschende Wolfswelpen und drei niedliche Babydrachen(!). In einigen amerikanischen Kritiken wurde gesagt, dass es sich bei der Serie um eine Mischung aus den „Sopranos“ und dem „Herrn der Ringe“ handelt, und das stimmt irgendwie. Westeros, das Reich, in dem die Serie spielt, sieht aus wie ein mittelalterliches, von bärtigen Hipstern mit wuscheligen Haaren bevölkertes Schottland. Es besteht aus sieben Königsreichen, deren Herrscherfamilien sich verbünden und bekriegen, sich gegenseitig heiraten und abschlachten – je nachdem, wie der Wind zu stehen scheint.
Aristokratie ist in „Game of Thrones“ so etwas wie die sichere Abfolge häuslicher Traumata. Jeder neue Herrscher muss seine Blutsbande gegen immer neue Gegner verteidigen, von denen die meisten auch irgendwie mit ihm verwandt sind, waren oder sein werden. In der zweiten Staffel, in der ein noch ungleich größeres Patriarchensterben vorbereitet wird, übernimmt ein kluger Liliputaner namens Tyrion vorübergehend die Macht über King’s Landing, der Hauptstadt von Westeros. Aber für das Endspiel setze ich in jedem Fall auf Daenerys, eine zarte, platinblonde Prinzessinnenwitwe, die sich mutig auf den Scheiterhaufen ihres gestorbenen Mannes begeben hat, um im Feuer die besagten drei Drachenbabys auszubrüten.
Seite 2: Nirgends wird das Problem des Patriarchen besser beschrieben als im „Ring des Nibelungen“











