Jump to Navigation
Startseite

Magazin im Mai: Nichts klappt, alle lieben sie: Das Geheimnis der verschlunzten Hauptstadt

Babel Berlin
  • Magazin
  • Mediathek
  • Literaturen
  • Service
  • Newsletter
  • Shop
  • Abo
  • Berliner Republik
  • Weltbühne
  • Kapital
  • Stil
  • Salon
  • Bücher
  • Themen der Zeit
  • Kolumnen
  • Blogs
  • Ressorts
  • Dossiers
  • Karikaturen
  • Suche

Suchformular


Mein Cicero


Sie sind hier: Startseite > Magazin
 > Die Zeit ist ein Schläger

Salon

Madonna, Jennifer Egan und das AlternDie Zeit ist ein Schläger

Von Daniel Schreiber31. März 2012
picture alliance
Madonna, Super Bowl
Madonna bei ihrem phänomenalen Super-Bowl-Auftritt im Februar
Schrift:

Jede Beziehung hinterlässt Spuren im Gesicht. Cicero-Kolumnist Daniel Schreiber hat ein Rezept gegen den Gram: Er empfiehlt neben der neuen Madonna-CD die Lektüre von Jennifer Egans preisgekröntem Roman „Der größere Teil der Welt“

Wir alle kennen diese Phasen. Meistens gehen sie mit Fällen von Liebeskummer einher. Ich rede hier nicht von den Tagen, in denen man beim Yoga, im Büro oder auch in der U-Bahn plötzlich unkontrollierbaren Heulattacken anheimfällt. Auch nicht von den depressiven Wochen, in denen man auf Zähneputzen verzichtet und wieder mit dem Rauchen anfängt.

Nein, ich rede von jener Stimmungslage, die sich am ehesten als eine Art melancholischer Klarheit beschreiben lässt. In dieser Phase bekommt man plötzlich ein ziemlich gutes Gefühl dafür, wie schwierig es doch ist, so ein Leben zu leben. Und beim Blick in den Spiegel, auf die neuen, kleinen Fältchen unter den Augen und die grauen Härchen an den Schläfen, versteht man intuitiv, dass die Lage gerade ein bisschen hoffnungsloser, dass man selbst wieder etwas älter geworden ist. Ich meine das gar nicht biologisch. Vielmehr erkennt man, dass die Zeit gerade ein neues Blatt gespielt, dass ein vorübergegangener Lebensabschnitt Spuren auf dem Gesicht hinterlassen hat.

Sie, liebe Leser, werden die traurige Wahrheit, die ich an dieser Stelle aussprechen muss, vielleicht nicht hören wollen: Das einzige, was man in diesen Situationen machen kann, ist, den Tatsachen ins Auge zu schauen und sie zu akzeptieren. Akzeptanz natürlich kommt nicht über Nacht. Aber sie ist ein sanfter Prozess, den man unterstützen kann, zum Beispiel, indem man bestimmte Bücher liest. Ein Buch, das ich in diesem Kontext sehr hilfreich fand, ist Jennifer Egans im vergangenen Jahr mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichneter Roman „Der größere Teil der Welt“. Darin geht es genau um diese Momente im Leben, in denen man etwas, ohne es selbst genau wissen zu müssen, hinter sich lässt, und in denen unmerklich die Weichen für etwas Neues gestellt werden.

Bildergalerie: Cicero Umfrage: Die wichtigsten Schriftsteller 2011
  •  Wichtigste zeitgenössische Schriftsteller 2011
  • Wichtigste zeitgenössische Schriftsteller 2011
  • Wichtigste zeitgenössische Schriftsteller 2011
  • Wichtigste zeitgenössische Schriftsteller 2011
  • Wichtigste zeitgenössische Schriftsteller 2011
  • Wichtigste zeitgenössische Schriftsteller 2011
  • Wichtigste zeitgenössische Schriftsteller 2011
  • Wichtigste zeitgenössische Schriftsteller 2011
  • Wichtigste zeitgenössische Schriftsteller 2011
  • Wichtigste zeitgenössische Schriftsteller 2011
  • Wichtigste zeitgenössische Schriftsteller 2011
  • Wichtigste zeitgenössische Schriftsteller 2011
  • Wichtigste zeitgenössische Schriftsteller 2011
  • Wichtigste zeitgenössische Schriftsteller 2011
  • Wichtigste zeitgenössische Schriftsteller 2011

Die Übersetzung des Titels ist ein wenig irreführend. Im Original heißt das Buch der Brooklyner Autorin „A Visit from the Goon Squad“, „Willkommen in der Schlägerbande“. Irgendwann in der Mitte des Buches wird die kryptische Zeile, die nichts mit tatsächlichen Schlägertypen zu tun hat, aufgelöst: Zwei Jugendfreunde, die einmal zusammen in einer Punkband spielten, sitzen sich hier zum ersten Mal seit Jahren wieder gegenüber. Einer von ihnen ist ein mittelloser, sich kurz an der Obdachlosigkeit vorbeimogelnder Hausmeister geworden, der andere ein erfolgreicher Musikproduzent. „Time is a goon“, „Die Zeit ist ein Rowdy“, sagt der eine – und der andere weiß genau, was er meint.

Die lose aneinander gereihten Geschichten des Buches spielen alle in verschiedenen Jahren und an verschiedenen Orten; Egan spannt den Bogen von einer afrikanischen Safari in den siebziger Jahren über das Los Angeles des achtziger Jahre bis hin zum New York der nahen Zukunft. Die Erzählungen haben nur gemeinsam, dass ihre Figuren Sasha kennen, kennen werden oder gekannt haben – die rätselhafte, kleptomanisch veranlagte Assistentin des Musikproduzenten. Sie alle bewegen sich an den Fransen von Sashas Leben. Der Roman ist vieles, er schreibt etwa eine Geschichte der sterbenden Musikindustrie und er versucht sich an einem gewagten literarischen Experiment. Aber vor allem ist er berührend. Berührend, weil er einem die schwierige Idee der Fügung so nahe bringt. Ein mittelprächtiger One-Night-Stand in einer schäbigen Küche in der Lower East Side kann hier viele Jahre später zu einem Ereignis führen, das das Leben tausender Menschen verändert. Man weiß nie, wozu und für wen die Erfahrungen gut sind, die man macht, erst recht, wenn es sich um unschöne Erfahrungen handelt. Das hat etwas sehr Tröstliches.

Wie Sie wissen, gehen auch die Phasen melancholischer Klarheit einmal vorüber. Irgendwann hat man sich daran gewöhnt, wie man aussieht. Irgendwann sind die neuen Fältchen nicht mehr neu, und man wendet sich anderen Menschen und anderen Dingen zu. Und irgendwann hört man das nächste Madonna-Album und kennt nach einer Weile alle neuen Lieder auswendig. Aber ein Wissen um diese Erfahrung bleibt, irgendwo im Hinterkopf, genau wie die früher mal so großen Songs von den ganzen anderen Alben. Man sollte dieses Wissen schätzen lernen.

Twitter
drucken
merken
in mein Dossier
versenden

zum Ressort

zurück zum Dossier
Diese Artikel könnten
Sie auch interessieren:

Zu Besuch bei Hans-Olaf Henkel
Zwischen Ost und West und Jazz
von
18.05.2013
Bibliotheksporträt
Milbergs Bücherberge
von
20.04.2013
Andreas Altmann
„Ein Leben als Versager hätte ich nicht ausgehalten“
Interview mit
Andreas Altmann
04.03.2013
Ingvild Goetz
Die Fernweh-Bibliothek
von
23.02.2013
Netzriese
„Amazon ist kein Buchhändler“
Interview mit
Pia Ziefle
22.02.2013

Zu den Kolumnisten von CICERO ONLINE
zum Dossier Die Buch-Seitezum Dossier Belletristik
Twitter
zum Ressort

zurück zum Dossier
Diese Artikeln könnten Sie auch interessieren:

Zu Besuch bei Hans-Olaf Henkel
Zwischen Ost und West und Jazz
von
18.05.2013
Bibliotheksporträt
Milbergs Bücherberge
von
20.04.2013
Andreas Altmann
„Ein Leben als Versager hätte ich nicht ausgehalten“
Interview mit
Andreas Altmann
04.03.2013
Ingvild Goetz
Die Fernweh-Bibliothek
von
23.02.2013
Netzriese
„Amazon ist kein Buchhändler“
Interview mit
Pia Ziefle
22.02.2013

 
Zu Dossier hinzufügen:
  • Europa
  • Kommentare
  • Detuschland
  • Jochen Thies, Was Hitler wirklich wollte
  • Goetz
  • Goetz
  • afrika
  • afrika
  • Syrien
  • Euro krise
  • familienpolitik
  • familienpolitik
  • familienpolitik
  • familienpolitik
  • familienpolitik
  • filosofia
  • Offenen Demokratie
  • LINKE
  • Vorbereitung_Wahlen
  • Cicero
  • Politik
  • Politik
  • Wirtschaft
  • Grüne
  • Wahlen in D
  • Atomenergie
  • Terror
  • Lesenswert
  • Serina
  • _Wj
  • Papstreise 2011 Deutschland
  • Kapitalismus
  • Kapitalismus
  • Piraten
  • Grüne
  • Grüne
  • Grüne
  • Leben
  • haha
  • Migration
  • Generation 2.0
  • Kunst
  • Kunst aA
  • Kunst
  • EURO
  • Russland
  • Steuerpolitik
  • Internet-Kultur
  • Wulf
  • Wulf
  • Parteien
  • Parteien
  • Parteien
  • Finanzkrise und Staatsschulden
  • Gesellschaftspolitik
  • Gesellschaftspolitik
  • Gesellschaftspolitik
  • kindle
  • kindle
  • Rechtsradikalismus
  • USA
  • Religion und Tradition
  • Architektur & Bauen
  • Architektur & Bauen
  • Architektur & Bauen
  • Architektur & Bauen
  • Parteien
  • Kirche
  • Grass
  • Linke
  • Linke
  • Linke
  • Linke
  • Netz
  • Politik, Gesellschaft ...
  • Politik, Gesellschaft ...
  • Politik, Gesellschaft ...
  • politik
  • Tourismus
  • Moral
  • Urheberrecht
  • favs
  • Digitalisierung
  • A Nachlesen
  • A Nachlesen
  • internet
  • Film
  • Literatur
  • Literatur
  • NH
  • Polemik
  • Praktische Philosophie
  • diethart
  • Steinbrück
  • Bildung & Schule
  • Bildung & Schule
  • Bildung & Schule
  • Mark Twain
  • Mark Twain
  • Mark Twain
  • MILANKO
  • Entwicklungspolitik
  • Gunter Hofmann
  • dudelfunk
  • pit
  • Material-SK
  • Steuern
  • Antisemitismus
  • Intellektuelle
  • Türkei
  • Jan von Alen
  • Autoren
  • Autoren
  • Autoren
  • Doppelte Staatsbürgerschaft
  • Test
  • Hyperkorrekte
  • Stasi
  • Fernsehen Qualität
  • Kretschmer
  • Kretschmann
  • Politik
  • Pressegleichschaltung
  • NSU
  • gender
  • gender
Neues Dossier anlegen:

Ihr Kommentar zu diesem Artikel

Der Inhalt dieses Feldes wird nicht öffentlich zugänglich angezeigt.
Buch, Bücher, Literatur
Dossier

Die Buch-Seite

zum Dossier

Bildergalerie

Erste Figuren, letzte Ideen – die Karikaturen der Woche

zur Bildergalerie
Anzeige

Kisslers Konter

Dienstagskolumne von Alexander Kissler

Fetischisierung der Sexualität über die Grenzen hinaus

Im Zentrum der Kritik: Theodor-Heuss-Preisträger Daniel Cohn-Bendit

Kisslers Konter: Die Grünen geraten aufgrund früherer Positionen zur Pädophilie unter immer heftigeren Druck. Sicher ist: Das Thema wird die Partei noch lange beschäftigen


DAS NEUESTE AUS DEN BLOGS VON CICERO ONLINE

Bild des Benutzers Christian Jakubetz - unhipster
Ruhe bitte, wir arbeiten gerade!

Netzgemeinde? Digitaler Graben, gesellschaftliche Kluft? Unfug - tatsächlich handelt es sich…

zum Blogeintrag

Frage des Tages

Klone der Schöpfung
In Kooperation mit dem Tagesspiegel
zur Frage

Thema der Woche

150 Jahre SPD: Vom Fürstenfeind zur Kaviarlinken
zum Dossier
Sollte die Bundeswehr Drohnen kaufen?
Das Cicero-Meinungsbild

Das Verteidigungsministerium will unbemannte Flugkörper kaufen. Ist das ethisch zu vertreten?

Umfrage
Die Türkei muss in die EU, fordert Gerhard Schröder im Cicero. Hat er Recht?
Ja, ein Beitritt ist dringend nötig, um die Region zu stabilisieren
15%
Nein, die EU wäre heillos überfordert
85%
Gesamtstimmen: 752
zur Umfrage
Medizin, Gesundheitssystem, krank
Dossier

Wie krank ist unser Gesundheitssystem?

zum Dossier

Dossier

Nordkorea zündelt

zum Dossier

Mittelstand,Mittelschickt,Bürgertum,Internetstore AG
Dossier

Mythos Mittelstand

zum Dossier

Anzeige
Anzeige

Video

„Deutschland wird nicht mehr zu den G8 gehören“

Video
alle Videos
Anzeige

Jetzt den Newsletter von Cicero Online abonnieren

Liebe Leserinnen und Leser. Gerne informieren wir Sie regelmäßig über das aktuelle Angebot von Cicero Online. Bitte tragen Sie ihre E-Mail-Adresse ein und wir schicken ihnen montags bis freitags unseren täglichen Newsletter.

E-Mail*
Anrede
Vorname
Nachname

Anzeige

Weitere Angebote des Ringier Verlags: Monopol – Magazin für Kunst und Leben | Geschenkidee.de – Der Shop für ausgefallene Geschenkideen
© Cicero 2013
  • Impressum
  • Nutzungsbedingungen
  • AGB
  • Stellenangebote

Weitere Angebote des Ringier Verlags: Monopol – Magazin für Kunst und Leben | Geschenkidee.de – Der Shop für ausgefallene Geschenkideen
© Cicero 2013
 
RESSORTS
Startseite
Berliner Republik
Weltbühne
Kapital
Stil
Salon
Bücher
Karikaturen
Bildergalerien
Videos
Blogs
Dossiers
Newsletter
 
  • Datenschutz
  • Impressum
  • Redaktion
© Cicero Online 2013zum Seitenanfang