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Salon

Literaturnobelpreis für TranströmerRoth und Franzen müssen warten

Von Michael Naumann6. Oktober 2011
picture alliance
Literaturnobelpreis, Schweden, Lyriker, Tomas Tranströmer
Immerhin: In Schweden kennt man Tomas Tranströmer.
Schrift:

Wie schafft es die schwedische Jury des Literaturnobelpreises eigentlich Jahr für Jahr, um die Amerikaner herum zu kommen? Das fragt sich Cicero-Chefredakteur Michael Naumann in Anbetracht der Verleihung des Preises für den schwedischen Lyriker Tomas Tranströmer.

Nein, der Literaturnobelpreis für den schwedischen Lyriker Tomas Tranströmer ist keine wirkliche Überraschung, wenngleich Marcel Reich-Ranicki freimütig bekennt, dass ihm der Poet unbekannt sei – obwohl der Münchner Hanser Verlag unter der kundigen Leitung von Michael Krüger drei seiner Gedichtbände verlegt hat. Man kann nicht alles lesen. Stimmt.  Die Werke des Auserwählten alsbald auch nicht: Sie werden innerhalb der nächsten Woche ausverkauft sein. Lyrikbände müssen sich gewöhnlich mit einer Startauflage von 800 Exemplaren begnügen (außer, in diesem Falle, in Schweden, dort ist Tranströmer ein Bestseller-Autor.)

Aber „Das Große Rätsel“ (ein Tranströmer-Titel) der Stockholmer Akademie wird immer größer: Wie gelingt es den Juroren eigentlich jedes Jahr aufs Neue, einen großen Umweg über die amerikanische Literatur einzuschlagen? John Updike ist preisfrei gestorben, Philip Roth wird ganz gewiss nicht nobilitiert, Thomas Pynchon natürlich auch nicht. Er würde den Preis auch nicht annehmen, hat er einmal gesagt, weil Henry Kissinger auch ein Nobelpreisträger sei, diese Nähe sei ihm unangenehm.

Ausgeschlossen aufgrund ihres Reisepasses sind wohl auch Cormac McCarthy, Richard Ford, und ein Jonathan Franzen oder ein Jeffrey Eugenides muss noch fünfzig Jahre warten, bis sich das anti-amerikanische Ressentiment der schwedischen Jury verflüchtigt hat. Sie hatte in der Vergangenheit stets ein feines politisches Gespür bei ihrer Auswahl bewiesen aber auch eine gewisse Ängstlichkeit. Als Salman Rushdies „Satanische Verse“ ganz zu Recht in der engsten Auswahl stand, zuckten die Herren der Akademie zurück – es wäre ein fabelhaftes Zeichen literarischer und menschenrechtlicher Solidarität mit dem verfemten Dichter gewesen, dessen Leben seit Ayatollah Khomeinis  mordlustiger „Fatwa“ höchst gefährdet war.

Ach, die Liste der Stockholmer Versäumnisse ist lang und bitter: Marcel Proust, Rainer Maria Rilke, Vladimir Nabokov, Graham Greene – dafür aber Dario Fo, dessen Auszeichnung ein witziger Kopf im Feuilleton der FAZ einmal so beschrieb: Sein Preis gleiche dem Medizin-Nobelpreis für den Erfinder von Dr. Scholls Einlegesohlen. Selbst der unsterbliche Leo Tolstoy, der 1910 starb, fand nicht die Gnade der Akademie. Im gleichen Jahr zeichnete sie den deutschen Dichter Paul Heyse aus. An ihn erinnert heute eine Straße in der Nähe des Münchner Hauptbahnhofs.

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Lieber Herr Naumann,
Ihr Engagement für amerikanische Autoren in allen Ehren, aber es gibt ja auch noch andere Kriterien als die sprachliche und regionale Herkunft von des Nobelpreis würdigen Autorinnen und Autoren. Wie lange hat zum Beispiel man als Freund der modernen Poesie warten müssen, daß auch einmal wieder ein Lyriker in den Mittelpunkt der literarisch interessierten Weltöffentlichkeit gestellt wird. Jetzt wurde - mit großem Recht - Tomas Tranströmer mit dem Nobelpreis geehrt und schon wieder geht das Gestänkere bei einigen aus der Kritikerszene los. Sie erwähnen immerhin noch, dass Tranströmer in Schweden ein "Erfolgsautor" sind, aber MRR scheint noch nicht einmal das zur Kenntnis genommen zu haben. Also müssen Sie wohl nein weiteres Jahr auf einen amerikanischen Nobelpreisträger warten. Ich hingegen würde mir endlich mal wieder einen afrikanischen Autor oder - endlich einmal - einen aus Australien oder Neuseeland wünschen.
Nichts für ungut und 'Cheers for Tomas Tranströmer....
Carl Wilhelm Macke ( München )

  • Antworten
Carl Wilhelm Macke07.10.2011 | 11:56 Uhr

Kommentar Herr Macke

bin vollkommen einverstanden, so sehe ich das auch.

  • Antworten
Monika Mochtar07.10.2011 | 17:12 Uhr

Re: Macke

"Ich hingegen würde mir endlich mal wieder einen afrikanischen Autor oder - endlich einmal - einen aus Australien oder Neuseeland wünschen."

Ist das nicht genau konträr zu:

"es gibt ja auch noch andere Kriterien als die sprachliche und regionale Herkunft von des Nobelpreis würdigen Autorinnen und Autoren"

;-)

  • Antworten
KMB10.10.2011 | 11:59 Uhr

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