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 > Elkes Himmelfahrt

Salon
Literarische Reise

Elkes Himmelfahrt

von 
Elke Heidenreich
14. Oktober 2011
picture alliance
Elke, Heidenreich, Literatur, Buchmesse, Frankfurt
Elke Heidenreich hat keine einfache Beziehung zur Buchmesse

Deutschlands bekannteste Literaturkritikerin war vor kurzem eine Weile tot. Sie hätte das Paradies haben können – und entschied sich doch für einen Besuch der Frankfurter Buchmesse

Seite 1 von 3

Vor Kurzem war ich eine Weile tot, vor lauter Kummer, sowas gibt es, aber man kriegt manchmal eine zweite Chance und kann auf diese Erde zurück. Es war so enttäuschend – der Himmel ist nicht das, was wir uns darunter vorstellen. Gut, man trifft Menschen, die zu treffen man sich immer erträumt hat, aber die haben nur wenig Lust, sich mit unsereins zu unterhalten. Da fehlen einfach ein paar Jahrhunderte. Sie haben an uns und unseren glänzenden Bewunderungsaugen nicht das geringste Interesse.

Sie müssen sich das so vorstellen: Man kommt oben an, und es ist etwa wie bei John Malkovich und George Clooney in der Kaffeewerbung, nette Begrüßung, ein kleiner Handel um dies und das, dann ist man drin. Die Tür steht immer weit offen, Luther nagelt mit einem Hammer täglich neue Thesen an. Alles ist ziemlich hell, Gott hat keinen Bart, trägt kein langes weißes Nachthemd, aber eine Brille von Fielmann. Er thront in einem großen Salon, für alle erreichbar, aber er spielt eigentlich die meiste Zeit mit Johann Sebastian Bach „Fang den Spitz“ oder „Schnippschnapp“, und wenn Bach dann wieder Lob, Preis und Ehre anstimmt, sagt Gott freundlich und etwas erschöpft: „Lass gut sein, Wastel.“ Im Hintergrund spielt Glenn Gould einmal täglich ja sowieso das Gesamtwerk von Bach durch. Auf dem Flügel liegt Mozart, mit Schokolade beschmiert und giggelt. Stockhausen steht bei Gott und Bach, mit glühenden Augen, er will mitreden, er will mitspielen, aber Bach sagt streng: „Kinder bei Tisch, stumm wie der Fisch.“

Seit Schlingensief oben ist, hat Gott wenig Ruhe. Er muss immerzu diskutieren und sich anhören, dass Afrika Opernhäuser braucht. „Bau Opernhäuser, Mensch, Gott!“, schreit Schlingensief, und Gott sagt: „Siehst du, da haben wir das ganze Dilemma: der da“ – er zeigt durch die Wolken auf Pierre Boulez –, „der da sagt, reißt die Opernhäuser ab, du sagst, baut neue, wie ich es auch entscheide, es ist ja immer falsch!“ Schlingensief ist sehr enttäuscht von Gott und wartet jetzt auf Steve Jobs, der es besser machen wird, davon ist er überzeugt. Aber Steve Jobs wird erst lange im Raum der Stille bleiben, wo man sich ein paar Jahrzehnte ausruhen darf – Loriot liegt da, lächelnd neben Tabori, der inzwischen noch schöner geworden ist.

In einer Ecke des Salons hocken Maria, Jesus und der Heilige Geist zusammen, und ich hörte sie streiten, wohin man mal verreisen könnte. Jesus schlug Lourdes vor, wo seine Mutter doch so verehrt wird, aber auf so viele moribunde Rentner hatte sie gar keine Lust, sie wollte lieber nach Bethlehem oder Jerusalem fahren. Jesus war entgeistert: Da, wo sie ihn gekreuzigt haben? In die Gegend will er nie wieder, und jetzt fahren sie, soviel ich mitgekriegt habe, demnächst nach Rom, weil der Heilige Geist gesagt hat: „Rom ist prima, da war ich noch nie! Die werden staunen, wenn ich komme!“ Es wurde sehr gelacht, und Gott drehte sich um und freute sich: „Dass die auch mal lachen!“, sagte er vergnügt. Aber da näherte sich auch schon Adorno, und Gott sagte rasch: „Oh! Schon wieder Schluss mit lustig. Schade.“

Über weitläufig verzweigte Gänge kommt man in viele verschiedene Räume, vorbei an einem Kämmerchen, in dem Sartre und Beauvoir sitzen und rauchen, was das Zeug hält und auf ihre Schreibmaschinen eindreschen. Sie ist beleidigt, weil Gott sie gebeten hat, wenigstens im Himmel diese unseligen Turbane nicht zu tragen, und er ist beleidigt, weil Evelyn Hamann zu ihm gesagt hat: „Nehmen Sie doch mal die Maske ab!“

Lesen Sie weiter auf der nächsten Seite, was Verdi, Wagner, Puccini, Franchetti, Schumann, Bach und ihre enttäuschten Musikergattinnen im Himmel treiben 

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Ein Himmelreich für die Genies

Typisch in Elke Heidereichs Himmel wimmelt es nur so an Prominenten und Berühmten. Man bleibt halt unter sich. Wo sind die Bäcker,Schlachter,Elektriker...? All die " kleinen Leute ", die einst
für unser Wohlbefinden sorgten? Ausgeschlossen, weil nur eine Elite für Höheres berufen scheint. Der Pförtner bleibt da auf der Srecke, selbst wenn er - nachweislich - Philosophie studiert hat.Der Himmel ist nur für die Meinungsmacher die Genialen reserviert. Selbst dann,
wenn sie alles Himmlische leugneten, sie haben den Olymp verdient.
Heiden war bisher das Himmelreich verschlossen ? Oder gerade wegen
"Heiden - reich" ( nomen est omen), wird hier und jetzt bestimmt, wer
oben maßgeblich einen reichen, ja einflußreichen Takt,mitspielen darf.
Ist der Himmel nicht für Alle da? Elke Heidenreich sollte darüber nocheinmal reflektieren. All in One and One in All.

  • Antworten
bernd von frankenberg06.11.2011 | 16:49 Uhr

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