David Van Reybroucks monumentale Geschichte des Kongo erzählt von einem Land, das durch die belgische Kolonialmacht schlagartig in die Moderne gebombt wurde. Darin zeichnen sich Tragödien mit einem operettenhaften Unterhaltungswert.
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Langsam scheint sich herumgesprochen zu haben, dass Afrika mehr als Finsternis und Safari-Tourismus zu bieten hat – dass es geradezu «vor dem großen Sprung» steht. Und immer mehr Reporter finden im Hinterland ihrer Katastrophenberichte auch das Positive: Gemeinsinn und Kreativität.
Der Kongo aber gilt als eines der letzten lohnenden Ziele für Extremjournalisten. Der britische Kriegsreporter Tim Butcher reiste 2004 den «Blood River» hinunter, bevor es ihn «Auf der Fährte des Teufels» nach Liberia und Sierra Leone verschlug. Auch Denis Johnson warf in diesen Ländern seine «Blicke in den Abgrund der Welt».
Insbesondere der Kongo gilt aber noch immer als das «Herz der Finsternis». Er steht für Verkommenheit und für den Verlust der inneren und äußeren Zivilisation. Nun aber erscheint endlich eine Geschichte dieses Landes, der weder dekadente Gefahrengeilheit noch romantischer Abgrund-Exotismus vorzuwerfen sind.
Der Belgier David Van Reybrouck verfügt über vielfältige Schreibtalente, er ist Dramatiker, Journalist, Archäologe und Historiker und hat auch schon Belletristik vorgelegt. Sein Buch trägt den kompakten Titel «Kongo. Eine Geschichte» und setzt auf die in der Ethnografie unübertroffene Methode der teilnehmenden Beobachtung.
Im Jahr 2008 reist der 41-jährige Autor mit aufstrebenden Geschäftsfrauen von Kinshasa ins chinesische Guangzhou, kauft ein paar Fake-iPhones mit doppelter Simkarte und wird sie, zurück in Kinshasa, für das Zehnfache los. Weil aber auch viele der chinesischen Billigimporte Schrott sind, der nicht lange hält, hat sich in Kinshasa das neue abschätzige Wort «nguanzu» (abgeleitet von Guangzhou) eingebürgert.
Auch eine Frau, die fremd geht, ist «nguanzu». Eine Frau, die fremdgeht? Das ist modern. Entwurzelung trägt zur Emanzipation bei. Das erkannten schon die belgischen Missionare, die den Wilden die Vielweiberei abgewöhnten und dafür die Sünde und die Kernfamilie mitbrachten. Und da sind wir schon fast am Anfang dieser langen Geschichte des Kongo.
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