Der deutsche Wirtschaftskriminelle Kim Schmitz ist wieder hinter Gittern. Früher haben Sie den dicken Schmitz verspottet, diesmal wird er weltweit als digitaler Märtyrer im Kampf um die Downloads gefeiert. Und die Piratenpartei vergleicht Hollywood mit den Nazis
Kim Schmitz ist zurück. Schon in den frühen Neunzigern war er ein Star, zeigte dem Fernsehpublikum wie man kostenlos telefoniert. Unter dem Pseudonym Kimble agierte er erst als Hacker, dann holte er die deutsche Auktionsplattform letsbuyit aus der Insolvenz, räkelte sich bei Harald Schmidt, gründete ein Unternehmen für IT-Sicherheit. Schließlich flog Schmitz mit Insidergeschäften auf. Zwischendurch drängte der profilneurotische Schmitz den belgischen Polizeichef mit seinem Sportwagen von der Straße.
Seit ein paar Tagen nun sitzt Kim Schmitz, dieser schwerreiche Kindskopf mit den Allmachtsphantasien, in der neuseeländischen Untersuchungshaft. Sein Gesicht war bei einer ersten öffentlichen Anhörung kreidebleich. Die Anklage lautet auf Verschwörung zu kriminellen Geschäften, Bandenbildung, Geldwäsche und vor allem – vorsätzlicher Urheberrechtsverletzung.
Von Teilen der Netzgemeinde wird Schmitz nun als Märtyrer gefeiert, als Antwort auf seine Verhaftung überlasteten Mitglieder der Gruppe Anonymous in den USA mehrere Websites aus dem Umfeld von Rechtelobbys und Justiz. Sogar die Piratenpartei nimmt den Wirtschaftskriminellen in Schutz, spricht von einer Kampfansage Hollywood versus the Internet. Ein Problem nur, dass sich dieser Mann so gar nicht in die Rolle des barmherzigen Kämpfers für die gute Sache zwängen lässt.
2006, Kim Schmitz hatte gerade erst eine Bewährungsstrafe in Deutschland abgesessen, gründete er in Hongkong die Megaupload Limited. Kim Schmitz nannte sich nun Kim Dotcom. In den Folgejahren entwickelte sich Megaupload zum größten Anbieter von direkten Downloads. Jeder konnte dort Dateien hochladen und den Link zu diesen weitergeben. Unter dem Deckmantel eines Angebotes zur privaten Nutzung kursierten auf Megaupload jedoch vor allem illegale Kopien von Software, Filmen und Musik, die zeitweise 4 Prozent des gesamten Datenaufkommens im Internet ausmachten.
In der vergangenen Woche wurde das in der Anklageschrift als „Mega-Verschwörung“ bezeichnete Kartell hochgenommen. Es umfasst 18 Domains, darunter megaupload.com und megaporn.com, mehrere Tausend Server in Virginia und an anderen Standorten weltweit. Schmitz und seine Partner werden beschuldigt, aktiv und gegen Bezahlung illegale Inhalte begünstigt zu haben, ein ganzes Netzwerk von Zulieferern und Abnehmern unterhalten zu haben. Darunter auch die im vergangenen Jahr zerschlagene deutsche Streamingseite „kino.to“.
Als der Zugriff auf sein Anwesen in der Nähe von Auckland passierte, flüchtete sich Schmitz in einen Schutzraum im Inneren des Gebäudes, die Beamten mussten sich durch die Panzertüren schneiden. Auf der Liste der beschlagnahmten Besitztümer aus seinem 24-Hektar Anwesen befinden sich mehrere Mercedes-Benz, ein Rolls-Royce mit dem Nummernschild „GOD“, ein seltener Lamborghini und ein Maserati. Insgesamt hatten Schmitz und seine Verschwörer über 175 Millionen US-Dollar erwirtschaftet. Der Abtransport seiner Luxusgüter war öffentlichkeitswirksam genug, um der gesamten Branche mit dem halblegalen Datenspeicher das Fürchten zu lehren. Die Aktion ging auf, ähnliche Anbieter nahmen ihre Angebote vom Netz. Die Ermittler zielten auf den Kopf und schlugen hart zu.
Julian Assange, der letzte Schützling der Netzaktivisten, wies mit Wikileaks auf politische Mißstände hin, deckte Staatskriminalität auf. Im Falle des ehemaligen Hackers Schmitz, soll nicht er der Schuldige sein, sondern wieder der Unrechtsstaat. Die Regierungen von Neuseeland und den USA seien nur Marionetten in der Hand der Lobbyindustrie aus Musik und Kino, heißt es. Es ist der Nimbus des Establishmentgegners, des Internetrebellen, mit dem Schmitz zum Märtyrer stilisiert werden soll. Auf seine Person vereinen sich die Hoffnungen, dem Zeitalter der Kulturindustrie zu entkommen. Zu Unrecht.
Warum ein Pirat Hollywood mit den Nazis vergleicht











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