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 > Falsche Märtyrer, die Piraten und ein Nazivergleich

Salon
Megaupload

Falsche Märtyrer, die Piraten und ein Nazivergleich

von 
Paul Solbach
25. Januar 2012
picture alliance
Kim, schmitz, Kimble, Dotcom, Megaupload, Megabox, Copyright, Anklage, urheberre
Kim Schmitz ohne Gewinnerlächeln vor Gericht in Neuseeland

Der deutsche Wirtschaftskriminelle Kim Schmitz ist wieder hinter Gittern. Früher haben Sie den dicken Schmitz verspottet, diesmal wird er weltweit als digitaler Märtyrer im Kampf um die Downloads gefeiert. Und die Piratenpartei vergleicht Hollywood mit den Nazis

Seite 1 von 3

Kim Schmitz ist zurück. Schon in den frühen Neunzigern war er ein Star, zeigte dem Fernsehpublikum wie man kostenlos telefoniert. Unter dem Pseudonym Kimble agierte er erst als Hacker, dann holte er die deutsche Auktionsplattform letsbuyit aus der Insolvenz, räkelte sich bei Harald Schmidt, gründete ein Unternehmen für IT-Sicherheit. Schließlich flog Schmitz mit Insidergeschäften auf. Zwischendurch drängte der profilneurotische Schmitz den belgischen Polizeichef mit seinem Sportwagen von der Straße.

Seit ein paar Tagen nun sitzt Kim Schmitz, dieser schwerreiche Kindskopf mit den Allmachtsphantasien, in der neuseeländischen Untersuchungshaft. Sein Gesicht war bei einer ersten öffentlichen Anhörung kreidebleich. Die Anklage lautet auf Verschwörung zu kriminellen Geschäften, Bandenbildung, Geldwäsche und vor allem – vorsätzlicher Urheberrechtsverletzung.

Von Teilen der Netzgemeinde wird Schmitz nun als Märtyrer gefeiert, als Antwort auf seine Verhaftung überlasteten Mitglieder der Gruppe Anonymous in den USA mehrere Websites aus dem Umfeld von Rechtelobbys und Justiz. Sogar die Piratenpartei nimmt den Wirtschaftskriminellen in Schutz, spricht von einer Kampfansage Hollywood versus the Internet. Ein Problem nur, dass sich dieser Mann so gar nicht in die Rolle des barmherzigen Kämpfers für die gute Sache zwängen lässt.

2006, Kim Schmitz hatte gerade erst eine Bewährungsstrafe in Deutschland abgesessen, gründete er in Hongkong die Megaupload Limited. Kim Schmitz nannte sich nun Kim Dotcom. In den Folgejahren entwickelte sich Megaupload zum größten Anbieter von direkten Downloads. Jeder konnte dort Dateien hochladen und den Link zu diesen weitergeben. Unter dem Deckmantel eines Angebotes zur privaten Nutzung kursierten auf Megaupload jedoch vor allem illegale Kopien von Software, Filmen und Musik, die zeitweise 4 Prozent des gesamten Datenaufkommens im Internet ausmachten.

In der vergangenen Woche wurde das in der Anklageschrift als „Mega-Verschwörung“ bezeichnete Kartell hochgenommen. Es umfasst 18 Domains, darunter megaupload.com und megaporn.com, mehrere Tausend Server in Virginia und an anderen Standorten weltweit. Schmitz und seine Partner werden beschuldigt, aktiv und gegen Bezahlung illegale Inhalte begünstigt zu haben, ein ganzes Netzwerk von Zulieferern und Abnehmern unterhalten zu haben. Darunter auch die im vergangenen Jahr zerschlagene deutsche Streamingseite „kino.to“.

Als der Zugriff auf sein Anwesen in der Nähe von Auckland passierte, flüchtete sich Schmitz in einen Schutzraum im Inneren des Gebäudes, die Beamten mussten sich durch die Panzertüren schneiden. Auf der Liste der beschlagnahmten Besitztümer aus seinem 24-Hektar Anwesen befinden sich mehrere Mercedes-Benz, ein Rolls-Royce mit dem Nummernschild „GOD“, ein seltener Lamborghini und ein Maserati. Insgesamt hatten Schmitz und seine Verschwörer über 175 Millionen US-Dollar erwirtschaftet. Der Abtransport seiner Luxusgüter war öffentlichkeitswirksam genug, um der gesamten Branche mit dem halblegalen Datenspeicher das Fürchten zu lehren. Die Aktion ging auf, ähnliche Anbieter nahmen ihre Angebote vom Netz. Die Ermittler zielten auf den Kopf und schlugen hart zu.

Julian Assange, der letzte Schützling der Netzaktivisten, wies mit Wikileaks auf politische Mißstände hin, deckte Staatskriminalität auf. Im Falle des ehemaligen Hackers Schmitz, soll nicht er der Schuldige sein, sondern wieder der Unrechtsstaat. Die Regierungen von Neuseeland und den USA seien nur Marionetten in der Hand der Lobbyindustrie aus Musik und Kino, heißt es. Es ist der Nimbus des Establishmentgegners, des Internetrebellen, mit dem Schmitz zum Märtyrer stilisiert werden soll. Auf seine Person vereinen sich die Hoffnungen, dem Zeitalter der Kulturindustrie zu entkommen. Zu Unrecht.

Warum ein Pirat Hollywood mit den Nazis vergleicht 

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Hier sind noch ein paar Quellen zum Bezahlmodell der Megabox, die ein wenig relativieren.
Von den Piraten http://wp.me/p1vyKy-6J
Von Neunetz http://www.neunetz.com/2012/01/23/musiker-konnten-mit-megaupload-geld-verdienen/

  • Antworten
Stefan Poschmann25.01.2012 | 14:26 Uhr

Zugegeben,

der Typ eignet sich als Buhmann. Doch ist die Regulierung der Grauzone Internet eine zweischneidige Sache. Vielleicht ist Megaupload mit Kim Schmitz ein guter Präzedenzfall. Er kann sich die besten Anwälte leisten und ein bisschen Diät im Gefängnis wird ihm nicht schaden. Allerdings würde man sich eine differenziertere, informative Berichterstattung wünschen. Es geht hier um Urheberrecht und Copyright und nicht um eine schillernde Persönlichkeit. Leider nähern sich auch seriöse Medien bei diesem Thema dem Boulevardmileu.

  • Antworten
Christoph Kuhlmann25.01.2012 | 17:17 Uhr

SIe sprechen mir damit aus

SIe sprechen mir damit aus der Seele, die sogenannte seriöse Presse hat längst erkannt, dass die Mehrheit auch schlecht recherchierte Artikel mit Freude schluckt und sich deshalb die Mühe einer umfassenden Situationsbeleuchtung nicht mehr oft aufdrängt. Wichtig ist nur einen Buh-Mann zu haben, auf den man mit dem Finger zeigen kann, ob Schmitz, Wulff, oder der "faulste Arbeitslose Deutschlands", der durch die Manege gezrrt wird...

  • Antworten
Helle Brezel20.05.2012 | 19:41 Uhr

Replik

Lieber Herr Solbach,

bitte nehmen sie meine Replik auf ihre Anschuldigungen zur Kenntnis.

https://andipopp.wordpress.com/2012/01/26/eine-replik-an-paul-solbach-megaupload/

Viele Grüße
Andreas Popp

  • Antworten
Andreas Popp26.01.2012 | 10:08 Uhr

Hintergrund

Ich will hier keine inhaltliche Kritik üben - das hat Andreas Popp in seiner Replik bereits ausführlich getan.
Zum Verständnis, wieso dieser Artikel hier speziell die Position der Piraten diskreditiert, ein paar Hintergrundinformationen zu dieser Publikation:
cicero.de gehört zur Ringier Verlagsgruppe, dem größten privaten Medienunternehmen in der Schweiz. Deren CashCow, blick.ch, ist inetwa das deutsche Pendant zu bild.de - auf jedenfall mit vergleichbaren "Qualität". Die Positionen der Piraten (auch in der Schweiz) zum Urheber- und insbesondere zum Verwertungsrecht bedrohen auch direkt das Geschäftsmodell der Verlagsgruppe und dieser Publikation. Herr Solbach tut nichts weiter als den Ihm zugewiesenen Platz im Zuggeschirr der Content-Mafia einzunehmen.

  • Antworten
robbyb26.01.2012 | 12:20 Uhr

Schluss mit dieser Art von Unterstellungen

@ robbyb: Es bekäme Ihnen aber gut, sich in inhaltlicher Auseinandersetzung zu üben. Wenn Ihnen und anderen Piratenanhänger zu Kritik weiterhin nichts anderes einfällt, als in den Kommentaren den jeweiligen Schreiber zu diffamieren, als gekauft und Teil von Konspirationen zu beschimpfen, müssen sich nicht wundern, wenn eines Tages neben einem Protestwählerpotenzial keine anderen Wähler übrig bleiben als Neonazis, Verschwörungsideologen und sonstige Zeitgenossen, die gegen "Systemmedien" ins Felde ziehen.

Das sage ich Ihnen als ehemaliger Piratenwähler, dem diese Netzstammtischpoltererei mittlerweile so derartig auf die Nerven geht, dass ich aktiv in meinem Umfeld Antipiratenwerbung mache.

Aber vielleicht wollen Sie auch keine Wähler gewinnen und Kritiker widerlegen, sondern nur Gegner "wegbeißen", wie Sie das in irgendwelchen Foren gelernt haben. Dann: Willkommen in der Bedeutungslosigkeit!

  • Antworten
erpee31.03.2012 | 00:54 Uhr

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