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John Hurt

„Ich weiß nicht, wer ich bin“

Interview mit John Hurt 16. Februar 2012
Berlinale
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John Hurt (l.) neben Robert Duvall in "Jayne Mansfield's Car"

Über das Kriegsverständnis der Generationen, Hippie-Armreifen und den Sinn des Lebens: Der große britische Schauspieler John Hurt im Interview. Auf der Berlinale ist er im Film „Jayne Mansfield's Car“ von Billy Bob Thornton zu sehen

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John Hurt, der Große, Weise, Alte des europäischen Kinos betritt den Raum. Ihn, den runzligen Briten, bekannt als David Lynchs „Elephant Man“ oder Professor Dumbledore in den Harry Potter Filmen, der im Berlinale-Wettbewerbsfilm „Jayne Mansfield's Car“ einen kriegserprobten Familienpatriarchen in den 60er Jahren spielt, hatte man sich im echten Leben als würdevollen Sir im Tweedjackett vorgestellt. Den Raum betritt jedoch irritierenderweise ein zerzaust-peppiger Ethno-Opa: kesser Igelschnitt, Ziegenbärtchen, um den Hals ein Esoterik-Amulett an einem Lederband, Schlabbershirt, Jeans, Silberarmreif...

Mr. Hurt, wir sind, gelinde gesagt, enttäuscht. Wir hatten uns irgendwie einen distinguierten Gentleman mit gut gebundener Krawatte erwartet. Offen gestanden: Der Hippie-Look passt nicht so Recht zu dem Bild, was wir uns von Ihnen gemacht hatten.
Es gibt kein Bild von mir. Ich weiß nicht, wer ich bin. Deshalb habe ich auch kein Bild. Den komischen Haarschnitt habe ich von Dreharbeiten. Ich soll damit  aussehen wie Samuel Beckett. Diese Silberarmreifen sind mir dagegen wichtig. (Er zieht sie aus und legt sie auf den Tisch) Wissen sie, was da drauf steht? Hier: „All shall be well, and all shall be well, and all manner of thing shall be well.“ Keine Ahnung, ob das für mich auch zutreffen wird. Hoffen wir es mal.

Bisher lief es ja offenbar nicht schlecht. Über vierzig Jahre als Schauspieler: Wird man da nicht irgendwann amtsmüde?
Oh nein. Nein, Schauspieler zu sein ist der perfekte Job für mich. Ich habe das sehr gerne, so zu tun als wäre ich jemand anderes. Eigentlich habe ich das viel lieber, als ich selbst zu sein.

Ihnen Gegenüber im Film spielt die Amerikanische Kinolegende Robert Duvall. Macht einen die Aussicht, mit so einem Dinosaurier zusammen vor der Kamera zu stehen in ihrem Alter noch nervös?
Ich bitte sie, Bobby Duvall, das war unfassbar. Ich habe den Mann seit Jahrzehnten aus der Ferne bewundert, und jetzt auf einmal darf ich mit ihm drehen. Nein, das war sehr aufregend. Übrigens gilt das auch für die Arbeit mit Billy Bob Thornton, der die Regie geführt hat.

Dabei ist Thornton ja von Hause aus Schauspieler, der sich neuerdings auch als Regisseur versucht. Macht es das für Schauspieler einfacher, sozusagen von einem Kollegen geführt zu werden? Oder eher nicht?
Merkwürdig, dass fragt mich jeder. Dabei sind die allermeisten Regisseure nie in ihrem Leben vor der Kamera gestanden, immer nur dahinter, und können sich trotzdem perfekt in unsere Rolle versetzten. Warum fragen sie das?

Naja, es wäre doch denkbar, dass ein Schauspieler hinter der Kamera den Schauspielern vor der Kamera ganz anders auf die Nerven geht als ein geschulter Regisseur.
Nein, das war bei Billy Bob nicht der Fall. Der Mann ist unendlich viel intelligenter als er einem erlaubt zu ahnen. Und man ahnt ja bereits, dass er ein schlaues Kerlchen ist. Ich meine, alleine die Art wie er den Plot des Filmes konstruiert hat. Was ein Drama von einem Dokumentarfilm unterscheidet, ist dass es eben nicht versucht eine Art kontrollierter Wirklichkeit abzubilden, sondern seine eigenen Realitäten erzeugt. Dafür braucht es Werkzeuge. Eines der effektivsten sind verschiedene Generationen. Eine anderes sind verschiedene Kulturen. Aber für eine Thema - den Umgang mit den eigenen Kriegserfahrungen – zwei Generationen auf zwei Kulturen treffen zu lassen, wie im Film, das ist genial.

Hurt über Pazifismus und den Sinn des Lebens

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