Jump to Navigation
Startseite

Magazin im Juni:
Deutschland auf dem Weg zum 100-Millionen-Volk

Hurra, wir wachsen!
  • Magazin
  • Mediathek
  • Literaturen
  • Service
  • Newsletter
  • Shop
  • Abo
  • Berliner Republik
  • Weltbühne
  • Kapital
  • Stil
  • Salon
  • Bücher
  • Themen der Zeit
  • Kolumnen
  • Blogs
  • Ressorts
  • Dossiers
  • Karikaturen
  • Suche

Suchformular


Mein Cicero


Sie sind hier: Startseite > Magazin
 > Im Anfang war der Mord

Salon

KriminalpsychiatrieIm Anfang war der Mord

Interview mit Hans Ludwig Kröber 8. Oktober 2012
picture alliance
Kriminalpsychologie, Mord, Gäfke, Cicero-Empfehlung
Schrift:
Seite 2 von 3

Das besorgt Sie als Kriminalpsychiater?
Naja, für uns ist das insofern ein sehr reales Problem, als wir es relativ viel mit ehemaligen Heimkindern zu tun bekommen. Bei denen war es schon Zuhause chaotisch, meist alleinerziehende Mütter mit wechselnden Partnern, was schon schwierig genug ist, aber in Heimen geht das Kind dann unter in der Anonymität, es verliert seinen Namen und seine Individualität. Es kann sich eigentlich nur Respekt und Aufmerksamkeit verschaffen, in dem es sich durchschlägt und den dicken Larry macht. Oft genug endet das in Kriminalität. Und ich kann mir nicht vorstellen, dass das in den Kitas ganz anders ist. Wenn man sich mal anschaut, was da wirklich los ist, stellt man fest, wie überidealisiert das immer beschrieben wird. Kleinkinder benötigen nicht viele Beziehungen, sondern enge und gute.

Beschäftigen Sie sich durch Ihre Arbeit eigentlich mit der Frage nach Gut und Böse?
Normalerweise gehört das nicht zu meinem Beruf. Aber die Frage drängt sich manchmal schon auf. Es gibt immer wieder Taten, die selbst mich noch entsetzen. Wie dieser Fall im Westerwald, wo ein Försterhaus überfallen wurde, und die Einbrecher alle vier Bewohner umgebracht haben, einen 10jährigen Jungen vor den Augen seines Vaters. Das hat mich zutiefst erschüttert, das übersteigt für mich Psychologie und Juristerei und ist ein moralischer Skandal.

Also eine böse Tat?

Eine böse Tat.

Trennen Sie denn zwischen Tat und Täter? Oder saßen Sie schon einmal vor einem Menschen, von dem Sie sagen mussten: Der ist böse?
Die meisten lassen das ja nicht so raus. Aber bei der Begutachtung komme ich hinter die Fassaden, und bei manchen Menschen ist es dort eben so stockfinster und auf Zerstörung ausgerichtet, dass es mir schon mal kalt den Rücken runter läuft. In Bayern gab es einen Mann, der bei seinen Banküberfällen völlig grundlos fünf Menschen ermordet hat. Der saß seit Jahrzehnten im Gefängnis, wirkte äußerlich kalt und förmlich. Aber sobald er über seine Taten sprach, blühte er auf, war voller Energie und berichtete, als wäre es gestern geschehen. Diese Morde waren sein Lebenselexier. Diese Vernichtungskraft ist mir – das kann ich nicht anders sagen – zutiefst unheimlich.

Können solche Begegnungen einem altgedienten Kriminalpsychiater wie Ihnen noch wirkliche Angst machen?
Es ist sehr selten, aber in bestimmten Situationen durchaus. Bei der Begegnung mit Menschen, die derartig von einer starken Vernichtungsbereitschaft ausgefüllt sind, als wären Kleidung und Haut nur noch die Hülle dafür. Die kaum verhüllte, offensive Absage an unsere moralischen Kriterien, die es bei sehr wenigen Tätern gibt,  kann einem Angst machen. Das wird nicht besser, wenn man als Gutachter in manchen Haftanstalten mit den Leuten alleine in eine Zelle gesperrt wird. Zusammen mit einem wegen Mordes verurteilten Muskelmann, der immer noch voller Rachefantasien war, und mir vorwarf, ich würde ihm mit meiner Einschätzung die Schlinge um den Hals legen. Ich musste an ihm vorbei zur Tür, dann 30 Meter durch einen leeren Gang und hoffen, dass sich schnell irgendwo ein Beamter finden lässt, der uns die Türe aufschließt. Der Mann hätte in der Zwischenzeit alles Mögliche mit mir anstellen können, niemand hätte es gehört. Man versucht in solchen Momenten natürlich keine Angst zu zeigen, weil man den nicht auf dumme Gedanken bringen will. Aber das klappt nicht immer.

Erkennen Sie inzwischen eigentlich Mörder? Gibt es irgendetwas, was Ihnen nach all Ihrer Erfahrung sagt: Mit diesem Menschen würde ich meine Frau, mein Kind nicht alleine lassen?
So nicht. Aber Camus hat einmal gesagt: Mit dreißig ist jeder für sein Gesicht verantwortlich. Ich finde schon, dass man manchen Tätern nach einigen Jahren ansieht, dass sie schlimme Sachen hinter sich haben und auch schuldig geworden sind. Das ist jetzt eine sehr gewagte These und gilt natürlich nicht für alle, sonst wären wir fein raus. Aber die Verrohung und der Verlust an Selbstachtung, die meist mit solchen Taten einhergehen, zeichnen ein Gesicht häufig doch. Man sieht: Da ist etwas kaputt gegangen. Vielleicht ist es die Enttäuschung darüber, dass das Leben nie wieder richtig hinkommen kann.

Seite 3: „Die Menschheitsgeschichte beginnt mit dem Brudermord“

  • « vorherige Seite
  • 1
  • 2
  • 3
  • nächste Seite »
Twitter
drucken
merken
in mein Dossier
versenden

zum Ressort
Zu diesem Artikel gibt es
2 Kommentare
Diese Artikel könnten
Sie auch interessieren:

Boston nach dem Terror
Tatort Öffentlichkeit
von
24.04.2013
Terror-Prävention
Integration statt Kontrolle!
von
24.04.2013
NSU-Prozess
Das Unfassbare fassen
von
15.04.2013
Doku-Thriller „Revision”
Tod im Gerstenfeld
von
12.04.2013
Strafverteidiger zum NSU-Prozess
„Wir wahren Rechte des Täters”
Interview mit
Jürgen Möthrath
12.04.2013

Twitter
zum Ressort
Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:

Boston nach dem Terror
Tatort Öffentlichkeit
von
24.04.2013
Terror-Prävention
Integration statt Kontrolle!
von
24.04.2013
NSU-Prozess
Das Unfassbare fassen
von
15.04.2013
Doku-Thriller „Revision”
Tod im Gerstenfeld
von
12.04.2013
Strafverteidiger zum NSU-Prozess
„Wir wahren Rechte des Täters”
Interview mit
Jürgen Möthrath
12.04.2013

 
Zu Dossier hinzufügen:
  • Europa
  • Kommentare
  • Detuschland
  • Jochen Thies, Was Hitler wirklich wollte
  • Goetz
  • Goetz
  • afrika
  • afrika
  • Syrien
  • Euro krise
  • familienpolitik
  • familienpolitik
  • familienpolitik
  • familienpolitik
  • familienpolitik
  • filosofia
  • Offenen Demokratie
  • LINKE
  • Vorbereitung_Wahlen
  • Cicero
  • Politik
  • Politik
  • Wirtschaft
  • Grüne
  • Wahlen in D
  • Atomenergie
  • Terror
  • Lesenswert
  • Serina
  • _Wj
  • Papstreise 2011 Deutschland
  • Kapitalismus
  • Kapitalismus
  • Piraten
  • Grüne
  • Grüne
  • Grüne
  • Leben
  • haha
  • Migration
  • Generation 2.0
  • Kunst
  • Kunst aA
  • Kunst
  • EURO
  • Russland
  • Steuerpolitik
  • Internet-Kultur
  • Wulf
  • Wulf
  • Parteien
  • Parteien
  • Parteien
  • Finanzkrise und Staatsschulden
  • Gesellschaftspolitik
  • Gesellschaftspolitik
  • Gesellschaftspolitik
  • kindle
  • kindle
  • Rechtsradikalismus
  • USA
  • Religion und Tradition
  • Architektur & Bauen
  • Architektur & Bauen
  • Architektur & Bauen
  • Architektur & Bauen
  • Parteien
  • Kirche
  • Grass
  • Linke
  • Linke
  • Linke
  • Linke
  • Netz
  • Politik, Gesellschaft ...
  • Politik, Gesellschaft ...
  • Politik, Gesellschaft ...
  • politik
  • Tourismus
  • Moral
  • Urheberrecht
  • favs
  • Digitalisierung
  • A Nachlesen
  • A Nachlesen
  • internet
  • Film
  • Literatur
  • Literatur
  • NH
  • Polemik
  • Praktische Philosophie
  • diethart
  • Steinbrück
  • Bildung & Schule
  • Bildung & Schule
  • Bildung & Schule
  • Mark Twain
  • Mark Twain
  • Mark Twain
  • MILANKO
  • Entwicklungspolitik
  • Gunter Hofmann
  • dudelfunk
  • pit
  • Material-SK
  • Steuern
  • Antisemitismus
  • Intellektuelle
  • Türkei
  • Jan von Alen
  • Autoren
  • Autoren
  • Autoren
  • Doppelte Staatsbürgerschaft
  • Test
  • Hyperkorrekte
  • Stasi
  • Fernsehen Qualität
  • Kretschmer
  • Kretschmann
  • Politik
  • Pressegleichschaltung
  • NSU
  • gender
  • gender
Neues Dossier anlegen:

Korrektur

Liebe Redaktion, muss es nicht heißen "AM Anfang war der Mord"? Nur so eine Frage. Danke!

  • Antworten
Gude Gude08.10.2012 | 18:05 Uhr

AM Anfang

Die Frage ist, wie eine diese Taten, forensisch interessant.

  • Antworten
roxspoz10.10.2012 | 02:12 Uhr

Ihr Kommentar zu diesem Artikel

Der Inhalt dieses Feldes wird nicht öffentlich zugänglich angezeigt.
Bildergalerie

„Die nackte Wahrheit und anderes“ − Aktfotografie um 1900

zur Bildergalerie
Anzeige

Wulf Schmiese

Leicht gesagt. Die Mittwochskolumne von Wulf Schmiese

Von der Volks- zur 20-Prozent-Partei

SPD-Chef Gabriel auf der Pressekonferenz zum Parteijubiläum

Ist alt, sieht auch so aus: Cicero-Kolumnist Wulf Schmiese über den 150. Geburtstag der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands


DAS NEUESTE AUS DEN BLOGS VON CICERO ONLINE

Bild des Benutzers Eric Bonse - Lost in EUrope
Brüssels neue Gurke

Die EU-Kommission ist in der Defensive. Nach der umstrittenen Konzessionsrichtlinie zum Wasser…

zum Blogeintrag

Frage des Tages

Kann ein Handelskrieg verhindert werden?
In Kooperation mit dem Tagesspiegel
zur Frage

Thema der Woche

150 Jahre SPD: Vom Fürstenfeind zur Kaviarlinken
zum Dossier
Zu viel Nähe zwischen Medien und Politik?
Das Cicero-Meinungsbild

Eine Umarmung zwischen Diekmann und Rösler löst eine Debatte aus

Umfrage
150 Jahre SPD: Ist die SPD noch eine Volkspartei?
Ja, die SPD wird wieder deutlich zulegen
38%
Nein, die SPD ist nicht mehr zeitgemäß
62%
Gesamtstimmen: 110
zur Umfrage
Medizin, Gesundheitssystem, krank
Dossier

Wie krank ist unser Gesundheitssystem?

zum Dossier

Die letzten 24 Stunden
Dossier

Die letzten 24 Stunden

zum Dossier

Mittelstand,Mittelschickt,Bürgertum,Internetstore AG
Dossier

Mythos Mittelstand

zum Dossier

Anzeige
Anzeige

Video

„Deutschland wird nicht mehr zu den G8 gehören“

Video
alle Videos
Anzeige

Jetzt den Newsletter von Cicero Online abonnieren

Liebe Leserinnen und Leser. Gerne informieren wir Sie regelmäßig über das aktuelle Angebot von Cicero Online. Bitte tragen Sie ihre E-Mail-Adresse ein und wir schicken ihnen montags bis freitags unseren täglichen Newsletter.

E-Mail*
Anrede
Vorname
Nachname

Anzeige

Weitere Angebote des Ringier Verlags: Monopol – Magazin für Kunst und Leben | Geschenkidee.de – Der Shop für ausgefallene Geschenkideen
© Cicero 2013
  • Impressum
  • Nutzungsbedingungen
  • AGB
  • Stellenangebote

Weitere Angebote des Ringier Verlags: Monopol – Magazin für Kunst und Leben | Geschenkidee.de – Der Shop für ausgefallene Geschenkideen
© Cicero 2013
 
RESSORTS
Startseite
Berliner Republik
Weltbühne
Kapital
Stil
Salon
Bücher
Karikaturen
Bildergalerien
Videos
Blogs
Dossiers
Newsletter
 
  • Datenschutz
  • Impressum
  • Redaktion
© Cicero Online 2013zum Seitenanfang