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KriminalpsychiatrieIm Anfang war der Mord

Interview mit Hans Ludwig Kröber 8. Oktober 2012
picture alliance
Kriminalpsychologie, Mord, Gäfke, Cicero-Empfehlung
Schrift:

Der Kriminalpsychiater Hans Ludwig Kröber über die Gefahren flächendeckender Kitas, sein neues Buch „Mord“, die Vernichtungskraft des Bösen und seine Weigerung den Kindermörder Magnus Gäfgen zu Begutachten

Seite 1 von 3

Professor Kröber, im Vorwort zu Ihrem Buch „Mord“ behaupten sie „keineswegs jeder“ Mensch könne einen Mord begehen. Ist das wirklich wahr?
Wenn man es eng nimmt und Totschlag - besonders reaktive Aggressivität - ausklammert, würde ich sagen das stimmt. Es gibt, glaube ich, viele Menschen die gezwungen werden können, andere zu töten. Aber andere eben nicht. Jan Philipp Reemtsma hat zur Neueröffnung der Wehrmachtsausstellung einen Vortrag über den freien Willen gehalten. Dabei hat er drei Wehrmachtsoffiziere und ihre Reaktion auf den Tötungsbefehl an der Ostfront verglichen. Einer hat sofort und willig mitgemordet, der Zweite hat gezögert aber am Ende kapituliert, der Dritte hat ihn konsequent verweigert. Ich glaube, dass wir bei der ganzen Diskussion um Prägung und Zufälle den Eigenanteil der Täter oft unterschätzen. Wir haben die Fähigkeit, die Welt selbst zu gestalten, und wir haben eher zu viel Freiheit, als zu wenig. Auch dafür, uns selbst unter Druck dem Morden zu verweigern.

Warum überschreiten so viele Menschen dann trotzdem die Grenze zum Mord?
Es sind unter geordneten Bedingungen sehr wenige, einer von eine Million Menschen pro Jahr. Dass es so selten ist, führt zu der Frage, warum dieser es dann doch tut. Wir forensischen Psychiater versuchen oft das Unheimliche, Irritierende und Unerklärliche an solchen Taten mit psychologischen Erklärungen einzufangen. Das wird dann meist auf ein paar Grundfaktoren abgebucht: Impulsivität, Narzissmus, Dominanz, sexuelles Begehren und so weiter. Aber das greift sehr kurz, und kann immer nur einen Teil erklären. Es bleibt am Ende sehr viel übrig, was einen äußerst nachdenklich macht.

Den Eindruck hat man auch beim Lesen ihres Buches. Dort schildern Sie neun Kriminalfälle - vom Kidnapper, der eine Frau wochenlang als Sex-Sklavin hält, über eine Frau, die einen Auftragsmord für ihren Freund bestellt, bis hin zur Geschichte eines Kindermörders - , liefern aber keine Deutungen und Interpretationen des Geschehenen mit. Warum nicht?
Deuten  muss ich in meinen Gutachten schon genug. Gerichte wollen oft nicht mehr als eine simple, schwarz-weiße Bewertung. Deswegen war es für mich sehr befreiend, einmal keine Gutachten zu schreiben, sondern die Geschichte erzählen zu dürfen; es sind ja spannende, sonderbare Geschichten. Aber tatsächlich wollte ich mit meinem Buch auch sagen: So einfach, wie man es sich gern macht mit dem Leben eines Täters, ist es nicht, und wenn man sich nur durch die Klischees hangelt, bleibt das Meiste rätselhaft. Früher, in den deutungswütigen 70er und 80er Jahren, war es noch schlimmer. Da wusste man immer genau, warum Täter etwas getan hatten, und welche seelischen Verletzungen dabei eine Rolle gespielt haben. Bei Eberhard Schorsch, einem der Heroen der forensischen Psychiatrie, war es regelhaft das fragile männliche Selbstbewusstsein, mein Vorgänger Wilfried Rasch gab die Schuld gern den Müttern, und die abschließende Lösung fand der Gerichtsreporter Gerhard Mauz.

Wobei auch in Ihrem Buch verdächtig viele Mütter eine Rolle spielen...
Naja, in vier der neun Geschichten tauchen bedeutsame Mütter auf. Aber auch dort ereignet sich ein Zusammenspiel mit dem Eigenwillen des Täters und den lebensgeschichtlichen Zufällen. Gerade bei den dissozialen Straftätern spielen aus meiner Sicht abwesende Väter und ihr fehlendes Vorbild eine viel wichtigere Rolle. Was die Ausschaltung der Mütter anbetrifft, schickt sich Deutschland ja demnächst an, ein Massenexperiment durchzuführen, wenn die Kinder alle schon mit einem Jahr in die Kita müssen und dann von ehemaligen Hartz-4 Empfängern in die Mehrsprachigkeit eingeführt werden...

Sie sind ein Kita-Skeptiker?
Ehrlich gesagt, ich finde die ganze Diskussion entsetzlich. Die Idee ist doch knallhart darauf ausgerichtet, Frauen so schnell und pausenlos wie möglich dem Arbeitsmarkt zur Verfügung zu stellen. Es gibt keine andere vernünftige Begründung. Dass man auf diese Weise einjährige Kinder aus bildungsfernen Schichten frühzeitig in den Bildungsprozess einbezieht – das halte ich wirklich für Schrott. Inzwischen belegen empirische Untersuchungen, dass die fitten Kinder die frühe Fremdbetreuung mit wechselnden Personen gut überstehen, während gerade die anfälligen, entwicklungsbehinderten Kinder dort gleich wieder vernachlässigt werden, weil sie den Erzieherinnen keinen Spaß machen und nichts zurückgeben. Und wenn man erklärt, man müsse türkischen Müttern ihre Kinder möglichst bald wegnehmen, ist das nicht schlichter Rassismus?

Seite 2: „Die Morde waren sein Lebenselexier“

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Liebe Redaktion, muss es nicht heißen "AM Anfang war der Mord"? Nur so eine Frage. Danke!

  • Antworten
Gude Gude08.10.2012 | 18:05 Uhr

AM Anfang

Die Frage ist, wie eine diese Taten, forensisch interessant.

  • Antworten
roxspoz10.10.2012 | 02:12 Uhr

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