Jump to Navigation
Startseite

Magazin Cicero im Mai:

Moral-Standort Deutschland

Republik der Rechthaber
  • Magazin
    • Berliner Republik
    • Weltbühne
    • Kapital
    • Salon
    • Themen der Zeit
    • Merkel-Projekt
    • Kolumnen
    • Blogs
  • Mediathek
    • Bilder
    • Videos
    • Karikaturen
    • Titelbilder
  • Bücher
  • Service
    • Impressum
    • Anzeigen/Media
    • Redaktion
    • Autoren
    • Presse
    • Über uns
  • Newsletter
  • Shop
  • Abo

Suchformular


Mein Cicero


Sie sind hier: Startseite > Magazin
 > Ich geb' dir konkret Deutsch!

Salon
Verkehrsregeln

Ich geb' dir konkret Deutsch!

von 
Manfred Schneider
29. Oktober 2009
Foto: Dittmeyer
Ich geb' dir konkret Deutsch!
Die neuen Sprachreiniger sorgen sich um Fremdwörter, die neue Rechtschreibung und hören auf das Sprachgefühl des Volkes. Aber wem gehört die deutsche Sprache?
Seite 1 von 4

Wem gehört die deutsche Sprache, und wer hat darüber zu bestimmen? Der Staat, die Kultusminister, die Dichter, die Linguisten, die Verleger oder alle? Sollte sich die Bundesregierung demnächst entschließen, die deutsche Sprache zu privatisieren wie die Bundesbahn oder die Bundespost, dann gingen erhebliche Aktienanteile an andere Völker und Volksgruppen, die deutsch sprechen, an die Österreicher und Schweizer, an Rumänen, Italiener, Franzosen, Belgier und Luxemburger. Die Sache wird nicht einfach.

Derlei Gedanken gehen einem Leser neuester Veröffentlichungen über die deutsche Sprache durch den Sinn. Gewiss gab es solche Bücher auch früher schon, aber nach dem berühmten linguistic turn des vergangenen Jahrhunderts, der die Sprache zum zentralen Thema der Philosophie, der Soziologie und der Psychoanalyse erhob, beobachten wir einen neuen turn, den wir aus Gründen, die mit diesem turn zu tun haben, als «Wende» bezeichnen wollen: eine Sprachwende zum Deutschen hin.

Bemerkenswert an diesen Büchern über die deutsche oder die besondere österreichische Sprache ist zunächst die Tatsache, dass das Sprechen und Schreiben der Deutschen überhaupt wieder zu einem Thema avanciert. Innerhalb der hypermodernen elektronischen, oralen Kultur galten Forderungen nach Sprachnormierung, gutem Stil, richtigem Schreiben und Sprechen bis vor kurzem als steinzeitlich. Eben noch gaben Zeitgeistdenker den Ton an, die das Schreiben für ebenso obsolet erklärten wie richtiges Sprechen: Nicht Orthografie, sondern Mobiltelefone und Bildschirm-Oberflächen, Grafik und neue Mündlichkeit beschleunigen unsere Kommunikation. Trotz dieser Orakel ist die deutsche Sprache wieder zu einem Thema geworden. Die Fragen dazu kommen aber nicht nur aus den Mündern von Sprachwissenschaftlern oder Leitkultur-Strategen, sondern von Schriftstellern.

Sprechen die Deutschen immer noch deutsch? Und was für ein Deutsch sprechen sie? Während die berufenen, nämlich professionellen Sprachwissenschaftler das Problem der Sprachnormen, die Unterscheidung von Richtig und Falsch oder gar von Gut und Schlecht aus ihrer Disziplin verbannt haben, treten immer mehr Laien auf den Plan, um eben diese Unterschiede wieder zu diskutieren. Das ist gut so. Den Studienräten ist im Fortschrittsrausch der vergangenen Jahrzehnte die rote Tinte getrocknet; sie hatten in ihren Pflichtkursen über Sozio-Linguistik einst gelernt, dass es keine eingeschränkten Sprachkompetenzen gibt, sondern dass Leute, die Sprachstandards nicht einhalten können, durchaus über gleichwertige Ausdrucksmöglichkeiten verfügen. Das Defizit ist eine Differenz: Das mussten sie nachbeten. Spracherziehung galt einer ganzen Epoche als pure Machtausübung, um soziale Unterschiede zu stabilisieren.


Verhunzt wird Deutsch durch die Deutschen

Aus diesem sozio-linguistischen Schlaf sind aber nicht die Sprachwissenschaftler aufgewacht, sondern Autoren, die sich einen kindlichen Blick bewahrt haben und sagen, dass der Kaiser nackt ist, oder in unserem Falle: dass Schüler, die schlecht schreiben, schlecht schreiben. Wir verdanken dem PISA-Schock eine Wiedergeburt der alten studienrätlichen Sorge um die deutsche Sprache. Sie ist in vielerlei Hinsicht berechtigt. Nicht die Ausländer bringen die deutsche Sprachkultur in Gefahr, sondern die Deutschen selbst. Seit langem ist bekannt, dass Sprach- und Schreibkompetenz mit Schulerfolg direkt zusammenhängen. Und die Internet-Kommunikation verlangt gleichfalls wieder Schreibkompetenz. Medien dienen zwar auch der Verblödung, aber tatsächlich sind sie Evolutionskräfte.

Dafür spricht auch, dass Bastian Sicks sprachkritische «Zwiebelfisch»-Kolumne bei «Spiegel-Online» eine so große Resonanz erfuhr. Viele dieser Texte mit witzi­gen und klugen Anregungen sind nun als Buch erschienen – unter dem Titel «Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod» – und tragen dazu bei, dass eine Diskussion über den Sinn von Sprachnormen wieder möglich wird. Sick vermutet, dass «die meisten von uns ein völlig intaktes Sprachgefühl haben und wissen, an welcher Stelle sie welches Wort zu gebrauchen haben». Nur die Werbesprache, das unverständliche Politiker-Deutsch und schlechter Jour­nalismus brächten Verwirrung in dieses Gefühl. Es ist natürlich romantischer Glaube, dass das Volk über das richtige Sprachgefühl verfüge, nicht aber Bürokraten, Kaufleute und Journalisten. Offensichtlich kommt Sprachkritik nicht ohne Sündenböcke aus. Dabei ist es die so genannte Sprachgemeinschaft selbst – und als ganze –, die die Verantwortung trägt.

  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • nächste Seite »
Twitter
drucken
merken
in mein Dossier
versenden

zum Ressort

zurück zum Dossier

Weiterführende Links

Diese Artikel könnten
Sie auch interessieren:


zum Dossier Die BUCH-SEITEzum Dossier Literaturen
Aus Literaturen  
Mai 2005

 
Zu Dossier hinzufügen:
  • Europa
  • Kommentare
  • Detuschland
  • Jochen Thies, Was Hitler wirklich wollte
  • Goetz
  • Goetz
  • afrika
  • afrika
  • Syrien
  • Euro krise
  • familienpolitik
  • familienpolitik
  • familienpolitik
  • familienpolitik
  • familienpolitik
  • filosofia
  • Offenen Demokratie
  • LINKE
  • Vorbereitung_Wahlen
  • Cicero
  • Politik
  • Politik
  • Wirtschaft
  • Grüne
  • Wahlen in D
  • Atomenergie
  • Terror
  • Lesenswert
  • Serina
  • _Wj
  • Papstreise 2011 Deutschland
  • Kapitalismus
  • Kapitalismus
  • Piraten
  • Grüne
  • Grüne
  • Grüne
  • Leben
  • haha
  • Migration
  • Generation 2.0
  • Kunst
  • Kunst aA
  • Kunst
  • EURO
  • Russland
  • Steuerpolitik
  • Internet-Kultur
  • Wulf
  • Wulf
  • Parteien
  • Parteien
  • Parteien
  • Finanzkrise und Staatsschulden
  • Gesellschaftspolitik
  • Gesellschaftspolitik
  • Gesellschaftspolitik
  • kindle
  • kindle
  • Rechtsradikalismus
  • USA
  • Religion und Tradition
  • Architektur & Bauen
  • Architektur & Bauen
  • Architektur & Bauen
  • Architektur & Bauen
  • Parteien
  • Kirche
  • Grass
  • Linke
  • Linke
  • Linke
  • Linke
  • Netz
Neues Dossier anlegen:

Ihr Kommentar zu diesem Artikel

Der Inhalt dieses Feldes wird nicht öffentlich zugänglich angezeigt.
Buch, Bücher, Literatur
Dossier

Die BUCH-SEITE

zum Dossier

  • Meist gelesen
  • Meist kommentiert
24h | letzte Woche | letzter Monat
Peter Altmaier Twittern und Kochen für die Kanzlerin
heute-show Welkes Spiel mit der Politikverachtung
Menschen bei Maischberger FC Islam gegen VfB Katholische Kirche
Norbert Röttgen Beim Wähler durchgefallen, von Merkel entlassen
Verwilderung der Sitten Fußball als Kampfsport
Kunstsammler Heiner Pietzsch „Man muss auch Fehler kaufen!“
Sechs Gründe... ...warum Norbert Röttgen in NRW schon verloren hat
Wahltrend Keine Wechselstimmung. Nirgends
Merkels Europapolitik Die Kanzlerin hat verloren
Die Erben der Magda Goebbels
Die Erben der Magda Goebbels
„Europa, das ist, was zählt“
CDU Röttgens Niederlage ist Merkels Problem
Piraten und Urheberrecht Wirklichkeitsfremde Gratis-Konsumenten
NRW Ein Sieg für die Currywurst
24h | letzte Woche | letzter Monat
heute-show Welkes Spiel mit der Politikverachtung
Piraten und Urheberrecht Wirklichkeitsfremde Gratis-Konsumenten
Modetrend Occupy Bankenproteste sind anmaßend
Menschen bei Maischberger FC Islam gegen VfB Katholische Kirche
FDP nach NRW-Wahl Was wird aus Philipp Rösler?
heute-show Welkes Spiel mit der Politikverachtung
Republik der Rechthaber Sarrazin, der Euro und die Brüllaffen
Bankenschwindel Wie aus der Finanz- eine Schuldenkrise gemacht wurde
Piraten und Urheberrecht Wirklichkeitsfremde Gratis-Konsumenten
Letzte Chance NRW Das Projekt Linkspartei droht zu scheitern
heute-show Welkes Spiel mit der Politikverachtung
Die Emanzipation ? ein Irrtum?
Claus Kleber Selbstdemontage eines Nachrichtenstars
Gedicht zum Israel-Iran-Konflikt Was spricht in Günter Grass?
Piraten Digital naiv, neoliberal und gefährlich
Anzeige

DAS NEUESTE AUS DEN BLOGS VON CICERO ONLINE

Bild des Benutzers Göttinger Demokratie-Forschung
Himmelhoch jauchzend oder zu Tode betrübt

Seit dem heißen Stuttgarter Sommer des Jahres 2010 meint man, dass in Deutschland Proteste aller…

zum Blogeintrag
Bildergalerie

Das Ruhrgebiet - Keine Kohle im Revier

zur Bildergalerie
Die FDP in der Dauerkrise
Dossier

Die FDP in der Dauerkrise

zum Dossier

Thema der Woche

Ist die NATO noch zu retten?
zum Dossier
Euro, Krise, ratingagenturen, Tod des Euros, AAA+, Herabstufung
Dossier

Des Euros letztes Stündlein?

zum Dossier

Konservativ, Henkel, Bär, Schirrmacher
Dossier

Konservatismus heute

zum Dossier

Frage des Tages

Stellen sich Hollande und SPD gegen Merkel?
In Kooperation mit dem Tagesspiegel
zur Frage

Die Mai-Ausgabe jetzt am Kiosk

Moral-Standort Deutschland
Republik der Rechthaber

Ziemlich beste Feinde
Das FDP-Fernduell Lindner gegen Rösler

Leseprobe
Inhaltsverzeichnis
Hier bestellen

Video

Merkel und Hollande - Wie steht es um die deutsch-französische Harmonie?

Video
alle Videos
Anzeige
Merkel-
Projekt

Was macht
Angela Merkel heute?
Anzeige
Add to Google

Anzeige

© Cicero 2012
  • Impressum
  • Nutzungsbedigungen
  • Stellenangebote
  • Weitere Titel des Ringier Verlags: Monopol - Magazin für Kunst und Leben