Jump to Navigation
Startseite

Magazin im Juni:
Deutschland auf dem Weg zum 100-Millionen-Volk

Hurra, wir wachsen!
  • Magazin
  • Mediathek
  • Literaturen
  • Service
  • Newsletter
  • Shop
  • Abo
  • Berliner Republik
  • Weltbühne
  • Kapital
  • Stil
  • Salon
  • Bücher
  • Themen der Zeit
  • Kolumnen
  • Blogs
  • Ressorts
  • Dossiers
  • Karikaturen
  • Suche

Suchformular


Mein Cicero


Sie sind hier: Startseite > Magazin
 > "Ich bin nur bei mir zu Hause"

Salon

Das Journal"Ich bin nur bei mir zu Hause"

Von Caroline Neubaur16. November 2009
Schrift:
Christa Wolf und die Emigrantin Charlotte Wolff finden ihre gemeinsame Heimat in der Sprache
Seite 1 von 2

«Nicht alles, was wahr ist, gehört zur Gruppe der Tatsachen.» So lautete der erste Satz eines Roman-Entwurfs von Christa Wolf, aus dem später die Erzählung «Unter den Linden» wurde. Als sie den Satz schrieb, im Jahr 1967, bedeutet er eine direkte Kampfansage. Jeder kann sie hören, dem noch die Standardfloskel der DDR-Oberen im Ohr hängt: Das ist Fakt! Ebenso könnte er aber auch als Motto über dem Briefwechsel zwischen Christa Wolf und Charlotte Wolff stehen, eine dauerhafte Mahnung.

Es handelt sich hier nicht um einen «großen» Briefwechsel, immerhin aber doch um einen kleinen großen. Rührend ist er allemal. Denn so wahr es ist, dass – wie der Titel des Buches sagt – beider Kreise sich berühren, so bedürftig sind sie doch im Grunde beide, beide «transzendental obdachlos». Christa Wolfs Sommerhaus in Mecklenburg brennt  ab (da wird die Wirklichkeit zur politischen Metapher), und Charlotte Wolffs Wohnungen sind längst verbrannt oder waren ihr nur «wie Bahnhöfe», Zwischenstationen zwischen Aufbrüchen und Fluchten. Ihr sei es recht so, schreibt sie, denn «ich bin nur bei mir zu Haus». Der Briefwechsel kam in den frühen 80er Jahren dadurch zustande, dass Christa Wolf sich in Charlotte Wolffs Autobiografie bei der imaginären Begegnung der Günderrode mit Kleist in «Kein Ort. Nirgends» zitiert fand. Das störte sie auf: «Sie werden verstehen, daß ich Ihnen schreiben muß.»

Als Jüdin im heute polnischen Riesenburg geboren, studierte Charlotte Wolff erst Medizin in Freiburg, genoss dann mit allen Fasern «das Paradies für Homosexuelle», das tolerante Berlin der 20er Jahre. Im letzten Augenblick gelang ihr die Flucht vor den Nazis nach Paris. Hatte sie schon in Berlin mit Else Lasker-Schüler an einem Kaffeetisch gesessen und war bei Walter Benjamin und Franz Hessel ein- und ausgegangen, so hatte sie auch in Paris alsbald Zugang zur Künstler-Avantgarde. Schließlich blieb sie in London hängen und brachte sich mit ihrer Handlesekunst durch, weil sie als Ärztin nicht praktizieren durfte.

«Augenblicke verändern uns mehr als die Zeit» – der Titel von Charlotte Wolffs Autobiografie formuliert das Credo der zwanziger Jahre, dasjenige ihrer Erotik, der Begegnungsphilosophie und der Expressionisten: Jede Begegnung löst ein Chaos aus, aus dem wir neu geboren werden. Charlotte Wolff ist so etwas wie eine überlebende Expressionistin, in ihrer androgynen Schönheit eine Figur der zwanziger Jahre par excellence. Nicht so sehr in ihren Texten wie in ihrer Handlesekunst war sie eine expressionistische Künstlerin, obschon sie hervorragende Portraits – von Benjamin bis Virginia Woolf – verfasste.


Jenseits des Ost-West-Problems

Am Ende ihrer Autobiografie begibt sie sich auf zwei Berlinreisen zu feministischen Gruppen. Aber nicht so sehr die Begegnungen mit den Frauen geben ihr Deutschland wirklich zurück. Das gelingt erst Christa Wolf. Durch sie hat Charlotte Wolff, wie sie im Briefwechsel schreibt, die deutsche Sprache zurückgewonnen, kann sie wieder eine Liebesbeziehung zu ihr eingehen.

  • 1
  • 2
  • nächste Seite »
Twitter
drucken
merken
in mein Dossier
versenden

zum Ressort

zurück zum Dossier

Weiterführende Links

Diese Artikel könnten
Sie auch interessieren:

Hörbuch
Wenn die Toten sprechen
von
17.02.2013
Christa Wolf
Was hilft?
von
Frauke Meyer-Gosau
21.06.2010
Bücher des Monats
Zu sich selbst gekommen
von
Frauke Meyer-Gosau
01.12.2009
Kurz und Bündig
Christa Wolf: Mit anderem Blick
von
Frauke Meyer-Gosau
19.10.2009

zum Dossier Die Buch-Seitezum Dossier Literaturen
Aus Literaturen  
Mai 2004
Twitter
zum Ressort

zurück zum Dossier

Weiterführende Links

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:

Hörbuch
Wenn die Toten sprechen
von
17.02.2013
Christa Wolf
Was hilft?
von
Frauke Meyer-Gosau
21.06.2010
Bücher des Monats
Zu sich selbst gekommen
von
Frauke Meyer-Gosau
01.12.2009
Kurz und Bündig
Christa Wolf: Mit anderem Blick
von
Frauke Meyer-Gosau
19.10.2009

 
Zu Dossier hinzufügen:
  • Europa
  • Kommentare
  • Detuschland
  • Jochen Thies, Was Hitler wirklich wollte
  • Goetz
  • Goetz
  • afrika
  • afrika
  • Syrien
  • Euro krise
  • familienpolitik
  • familienpolitik
  • familienpolitik
  • familienpolitik
  • familienpolitik
  • filosofia
  • Offenen Demokratie
  • LINKE
  • Vorbereitung_Wahlen
  • Cicero
  • Politik
  • Politik
  • Wirtschaft
  • Grüne
  • Wahlen in D
  • Atomenergie
  • Terror
  • Lesenswert
  • Serina
  • _Wj
  • Papstreise 2011 Deutschland
  • Kapitalismus
  • Kapitalismus
  • Piraten
  • Grüne
  • Grüne
  • Grüne
  • Leben
  • haha
  • Migration
  • Generation 2.0
  • Kunst
  • Kunst aA
  • Kunst
  • EURO
  • Russland
  • Steuerpolitik
  • Internet-Kultur
  • Wulf
  • Wulf
  • Parteien
  • Parteien
  • Parteien
  • Finanzkrise und Staatsschulden
  • Gesellschaftspolitik
  • Gesellschaftspolitik
  • Gesellschaftspolitik
  • kindle
  • kindle
  • Rechtsradikalismus
  • USA
  • Religion und Tradition
  • Architektur & Bauen
  • Architektur & Bauen
  • Architektur & Bauen
  • Architektur & Bauen
  • Parteien
  • Kirche
  • Grass
  • Linke
  • Linke
  • Linke
  • Linke
  • Netz
  • Politik, Gesellschaft ...
  • Politik, Gesellschaft ...
  • Politik, Gesellschaft ...
  • politik
  • Tourismus
  • Moral
  • Urheberrecht
  • favs
  • Digitalisierung
  • A Nachlesen
  • A Nachlesen
  • internet
  • Film
  • Literatur
  • Literatur
  • NH
  • Polemik
  • Praktische Philosophie
  • diethart
  • Steinbrück
  • Bildung & Schule
  • Bildung & Schule
  • Bildung & Schule
  • Mark Twain
  • Mark Twain
  • Mark Twain
  • MILANKO
  • Entwicklungspolitik
  • Gunter Hofmann
  • dudelfunk
  • pit
  • Material-SK
  • Steuern
  • Antisemitismus
  • Intellektuelle
  • Türkei
  • Jan von Alen
  • Autoren
  • Autoren
  • Autoren
  • Doppelte Staatsbürgerschaft
  • Test
  • Hyperkorrekte
  • Stasi
  • Fernsehen Qualität
  • Kretschmer
  • Kretschmann
  • Politik
  • Pressegleichschaltung
  • NSU
  • gender
  • gender
Neues Dossier anlegen:

Ihr Kommentar zu diesem Artikel

Der Inhalt dieses Feldes wird nicht öffentlich zugänglich angezeigt.
Buch, Bücher, Literatur
Dossier

Die Buch-Seite

zum Dossier

Bildergalerie

„Die nackte Wahrheit und anderes“ − Aktfotografie um 1900

zur Bildergalerie
Anzeige

Wulf Schmiese

Leicht gesagt. Die Mittwochskolumne von Wulf Schmiese

Von der Volks- zur 20-Prozent-Partei

SPD-Chef Gabriel auf der Pressekonferenz zum Parteijubiläum

Ist alt, sieht auch so aus: Cicero-Kolumnist Wulf Schmiese über den 150. Geburtstag der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands


DAS NEUESTE AUS DEN BLOGS VON CICERO ONLINE

Bild des Benutzers Eric Bonse - Lost in EUrope
Brüssels neue Gurke

Die EU-Kommission ist in der Defensive. Nach der umstrittenen Konzessionsrichtlinie zum Wasser…

zum Blogeintrag

Frage des Tages

Kann ein Handelskrieg verhindert werden?
In Kooperation mit dem Tagesspiegel
zur Frage

Thema der Woche

150 Jahre SPD: Vom Fürstenfeind zur Kaviarlinken
zum Dossier
Zu viel Nähe zwischen Medien und Politik?
Das Cicero-Meinungsbild

Eine Umarmung zwischen Diekmann und Rösler löst eine Debatte aus

Umfrage
150 Jahre SPD: Ist die SPD noch eine Volkspartei?
Ja, die SPD wird wieder deutlich zulegen
37%
Nein, die SPD ist nicht mehr zeitgemäß
63%
Gesamtstimmen: 116
zur Umfrage
Medizin, Gesundheitssystem, krank
Dossier

Wie krank ist unser Gesundheitssystem?

zum Dossier

Die letzten 24 Stunden
Dossier

Die letzten 24 Stunden

zum Dossier

Mittelstand,Mittelschickt,Bürgertum,Internetstore AG
Dossier

Mythos Mittelstand

zum Dossier

Anzeige
Anzeige

Video

„Deutschland wird nicht mehr zu den G8 gehören“

Video
alle Videos
Anzeige

Jetzt den Newsletter von Cicero Online abonnieren

Liebe Leserinnen und Leser. Gerne informieren wir Sie regelmäßig über das aktuelle Angebot von Cicero Online. Bitte tragen Sie ihre E-Mail-Adresse ein und wir schicken ihnen montags bis freitags unseren täglichen Newsletter.

E-Mail*
Anrede
Vorname
Nachname

Anzeige

Weitere Angebote des Ringier Verlags: Monopol – Magazin für Kunst und Leben | Geschenkidee.de – Der Shop für ausgefallene Geschenkideen
© Cicero 2013
  • Impressum
  • Nutzungsbedingungen
  • AGB
  • Stellenangebote

Weitere Angebote des Ringier Verlags: Monopol – Magazin für Kunst und Leben | Geschenkidee.de – Der Shop für ausgefallene Geschenkideen
© Cicero 2013
 
RESSORTS
Startseite
Berliner Republik
Weltbühne
Kapital
Stil
Salon
Bücher
Karikaturen
Bildergalerien
Videos
Blogs
Dossiers
Newsletter
 
  • Datenschutz
  • Impressum
  • Redaktion
© Cicero Online 2013zum Seitenanfang