Ohne ihn hätte es die berühmte MoMA-Ausstellung in Berlin nicht gegeben: Der Jurist Peter Raue kämpft für Künstler und Urheberrechte – sogar für das umstrittene Vertragswerk Acta. Dass Deutschland sich weigert, das Abkommen zu ratifizieren, hält er im Cicero-Online-Interview für „äußerst problematisch“
Peter Raue ist Honorarprofessor für Urheberrecht an der Freien Universität Berlin. Als Mitbegründer des Vereins der Freunde der Nationalgalerie holte er 2004 bedeutende Werke der Kunstgemäldesammlung des New Yorker Museum of Modern Art (MoMA) nach Deutschland. Wegen des großen Erfolgs der Ausstellung galt Raue in der Öffentlichkeit als „Mr. Moma“
Herr Raue, wie viele Abmahnungen haben Sie in diesem Jahr schon verschickt?
Gar keine. Ich bin kein Freund dieser Schnellabmahnungen, auf gar keinen Fall bei minimalen Urheberrechtsverletzungen.
Sie vertreten doch die Verlage und Inhalteanbieter.
Ja. Ich kann Ihnen auch von meinem Lieblingsfall berichten: Ein Galerist, den ich vertrete, veröffentlichte auf seiner Webseite einen berühmten Satz von Karl Valentin: „Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit.“ Der Galerist wurde dafür abgemahnt mit hoher Anwaltsrechnung und Schadensersatzforderung. Da kann man nur mit dem Kopf schütteln.
Sie haben aber einen Urheberrechts-Appell des Handelsblattes unterstützt.
Das stimmt.
Warum haben Sie dann nicht auch den jüngsten Appell der Abertausend Urheber unterschrieben?
Weil ich kein Urheber bin. Ich hätte den Aufruf mitgezeichnet, ich stehe auf der Seite der Urheber.
Die dortigen Künstler und Autoren wehren sich damit gegen die Urheberrechts-Ideen der Piraten. Was halten Sie von deren Forderungen?
Man muss ihnen ja dafür dankbar sein, dass sie die Debatte um das Urheberrecht geradezu dramatisiert haben. Denn diese Diskussion wäre selbst dann nötig, wenn es die Partei nicht gäbe. Wir haben in der Tat mit dem Urheberrecht im digitalen Zeitalter ein Riesenproblem.
Sie haben die Piraten als kriminell bezeichnet. Deren Forderungen seien „Irrsinn“ und „geistiges Kidnappen“.
Ja, dabei bleibe ich auch. Wenn sich eine Angestellte in einem Lebensmittelladen einen kleinen Pudding für ihr Kind einsteckt, dann fliegt sie raus. Die Piraten wollen den Urhebern erhebliche Gelder, die ihnen nach dem Gesetz zustehen, entziehen. Das ist eine subtile Form des Raubes oder Betruges.
Wie sollte das Urheberrecht denn aus Ihrer Sicht an das Internet angepasst werden?
Die Lösung ist sicher nicht ganz einfach. Man muss sich zunächst überlegen, wie man das von den Piraten uneingeschränkt geforderte kostenlose Filesharing bekämpft. Filesharing ist der Panzerknacker des Urhebers.
Eine Legalisierung, wie sie die Piratenpartei fordert, halten Sie also nicht für richtig?
Nein. Das halte ich nicht nur für nicht richtig, sondern für geradezu abartig. Wenn rechtswidriges Verhalten nicht mehr mit Strafe bedroht werden kann, ist doch ein Verbot nichts mehr als eine stumpfe Waffe – oder eigentlich, gar keine Waffe mehr. Wir Juristen sprechen dann von einem lex imperfecta. Auch die Erklärung, Filesharing soll nur für den Privatgebrauch erlaubt sein, ist unsinnig. Denn wenn ich Filme illegal aus China herunterladen kann, dann gehe ich nicht mehr ins Kino.
Seite 2: Warum Raue das Filesharing gern verboten sehen würde












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