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 > „I love the guy“

Salon
Von Uslar über Bushido

„I love the guy“

von 
Moritz von Uslar
9. Januar 2012
picture alliance
Bushido, Moritz von Uslar
„Warum sollte er ein kleiner Peter Maffay werden wollen?“

14 bekannte Juroren küren im neuen Cicero in sieben unterschiedlichen Kategorien ihre Auf- und Absteiger des Jahres. Der Schriftsteller und Reporter Moritz von Uslar nominiert den Rapper und Bambi-Gewinner Bushido als Aufsteiger

 

 

Diesen Text finden Sie auch in der neuen Ausgabe des Cicero - jetzt am Kiosk zu kaufen oder hier zu bestellen

 

Die Wahrheit ist doch, dass der angebliche Rüpelrapper selber ein wenig wie das Rehkitz aussieht, das er angeblich nicht verdient hat – schön zu sehen während der Bambi-Verleihung, bei der Bushido eine wirklich irre, wirre und schwer verständliche Rede hielt: Der lange Oberkörper fuhr sinnlos hin und her, die Hände fuchtelten, die großen dunklen Bushido-Augen guckten ängstlich in den Saal. Der Zuschauer sah: Da ist ein Mann, der sich irgendwie entschuldigen will, aber gleichzeitig unbedingt eine Entschuldigung vermeiden möchte, damit ihm seine Kumpels, die draußen vor der Tür warten, später nicht zu doll auf die Schulter boxen. Kurz vor Bushidos Auftritt hatte Peter Plate, Sänger der Band Rosenstolz, verkündet, dass die Verleihung des Bambis für Integration an den Rüpelrapper „nicht korrekt“ sei. Es war also keine einfache Rede für Bu­shido, den „schlimmsten Rapper im ganzen Land“ (du liebes bisschen, ja). Vielleicht hat er es gar nicht so schlecht gemacht.

Ach Bushido, du Killer-Proll, du böser, harter, gemeiner, angeblich so menschenverachtender Gangsterrapper. Man musste schon Familienministerin sein oder SPD-Ministerpräsident oder Sänger der Band mit dem brutal spießigen Namen Rosenstolz, um nicht zu sehen, wie gut daneben, wie niedlich oder einfach saukomisch die Sprüche und Aktionen des Bushido in den vergangenen Jahren waren: all die lustigen Lieder mit den verbotenen Worten „Tunte“ und „Nutte“; die lustige Böse-Buben-Fehde zwischen Bushido und seinem Gangster-Rap-Kollegen Sido; das lustige Wort „Schwanzlutschen“, das Bushido so gerne in Talkshows in den Mund nahm; das lustige Wort „topintegriert“, das Bushido in letzter Zeit so gerne aufsagt; der lustige Volkssänger Heino, der sein Bambi wegen Bushido zurückgab. Wenn sich einer ganz, ganz schlimm benimmt, man weiß es doch eigentlich, dann ist meistens alles gar nicht so schlimm.

Echt rührend, ein zum Scheitern verurteilter Ausflug in die moderne Sprachkritik, waren Bushidos Versuche in verschiedenen Talkshows, die Plastizität seines Liedvokabulars zu erklären: Das böse Wort „schwul“ beispielsweise sei eben keine Diskriminierung einer Minderheit, sondern ein schlichtweg in allen deutschen Schulen sehr populärer Begriff, der in maximaler Indifferenz so große Gefühle wie Missfallen, Irritation, Erstaunen und Amusement zum Ausdruck bringt (hat bis heute niemand verstanden). Lustig war zuletzt das Missverständnis des Bambi-Laudators Peter Maffay, der dachte, der Junge mit dem Reh in der Hand sei ein geläuterter Sünder, auf gutem Weg, ein geachtetes Mitglied der Gesellschaft zu werden. Irre Idee: Warum sollte Deutschlands erfolgreichster Rapper ein kleiner Peter Maffay werden wollen?

Wenn es in der Gute-Laune-Republik Deutschland in den vergangenen Jahren einen sozialen Aufsteiger gegeben hat – und zwar einen, der im schönsten Sinne da oben stört –, dann war es ­Bushido. Bei der Bambi-Verleihung war er es, der den Showgiganten unseres Landes, die Verena Pooth, Eva Padberg, Barbara Becker und Ruth-Maria Kubitschek heißen, für einen Abend die Show stahl: Dafür musste man ihm schon mal dankbar sein. Und nun stellt Bushido uns superduften, aufgeklärten und windelweichen Bundesbürgern die Frage: Sind wir wirklich so liberal wie wir immer tun?

Offen ist die Frage, ob der eklige Bandname Rosenstolz das ästhetische Empfinden von nicht mindestens so vielen Menschen verletzt hat wie alle Pöbeltexte von Bushido zusammen. Weiter ließe sich argumentieren, dass eine der ultrahässlichen, mit Strasssteinen besetzte Killer-Proll-Jeans, die Bu­shido so gerne trägt, für mehr Irritation und Widerspruch sorgt als alle Reden des Bundespräsidenten Wulff. Man könnte fortfahren mit der These, dass Bushidos Pöbeltexte viel Aufregung ausgelöst haben und damit, auf verquere Art, so viel für die Akzeptanz von Homosexuellen und anderen Minderheiten getan haben wie alle tapfer kämpfenden Schwulenverbände und rosafarbenen Aktionsgruppen.

Der Burda-Verlag und Peter Maffay hätten Bushido gerne in ihrer Mitte aufgenommen, damit er endlich still ist und ein weiterer trostloser Gutbürger wird. Aber daraus wird nichts: Der Rapper wird weiter Scheiße bauen. Und so viel Gutes tun. I love the guy.

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Super Artikel musste oft an

Super Artikel musste oft an einer oder anderen Stelle lächeln

  • Antworten
Felix 09.01.2012 | 10:42 Uhr

Super

des Bundeskanzlers Wulff?? Ansonsten ein echt guter Artikel!

  • Antworten
MeMyselfAndI09.01.2012 | 11:19 Uhr

danke für den hinweis, wulff

danke für den hinweis, wulff ist natürlich kein bundeskanzler, dafür aber bundespräsident

  • Antworten
Marie Preuss09.01.2012 | 11:52 Uhr

Endlich mal eine Person die

Endlich mal eine Person die das ausdrücken kann was ich damals,bei der bambi-Verleihung gefühlt habe!!! Diese ganze sinnlose Kritik an bushido ist so überflüssig wie die band rosenstolz! Man(n) sollte besser akzeptieren als auf verleihungen irgendwelche Kritik zu äußern.
Danke für diesen sooo guten Artikel!

  • Antworten
wayneinteressierts09.01.2012 | 11:54 Uhr

Ach, verquerer Uslar

In Uslars Logik muss man alle bösen Menschen feiern, weil sie ja das Augenmerk auf das jeweilige Böse gelenkt haben. Tolle Idee. Und dieser Kolumnen-Schreiber-Zwang, partout denen beizuspringen, die erheblicher und angeblich so unberechtigter Kritik ausgesetzt sind, nur um damit ein bisschen zu provozieren, dieser Zwang im Kolumnen-Journalismus nervet auch ein bisschen. Letztlich ist das, was Uslar hier betreibt, eine oberflächliche Stil-Kritik, die nichts damit zu tun hat, was Bushido vorgeworfen wird. Sie ist folglich inhaltsleer und sagt gar nichts. Und offenbar traut sich Uslar auch nicht, hier tatsächlich Stellung zu beziehen. Es geht ihm nur um das Aufsehen-Erregen an der Oberfläche: Seht her, ich traue mich, etwas zu sagen, was alle anderen nie sagen würden. Die Frage, ob die anderen (sogar wenn es viele sind, und sogar, obwohl sie sich in den Medien äußern!) Recht haben könnten, die stellt und beantwortet er nicht. Schwach von Uslar. Schwach aber auch von Cicero, sich auf das Niveau einer Diskussions-Simulation zu begeben!

  • Antworten
M Schneider09.01.2012 | 12:59 Uhr

hahaha geil

Haha geil wie er die wahrheiz sagr und damit voll rosenstolz fertig macht aber sie haben es auch verdient!!! Einfach Bushido fertig machen wollen sowas kann nicht gut gehn und habt ihr das lachen von bushido gesehn als dieser rosenstolz igitti schleimer gesagt hat bushido hatte es nichz verdient?? Bushido mach einfach so weiter

  • Antworten
Ey jo09.01.2012 | 13:04 Uhr

Wir sind nicht so liberal?

Wir sind nicht so liberal? Was denken Sie denn bitte was liberal heißt. Liberal sein kann ja vieles bedeuten.

Einem Menschen einen Preis für Integration zu verleihen, der sich als 'künstlerische' Person zum Erfolg definiert hat indem er <em>wertmindernde</em> Aussagen über Frauen (so lang sie nicht seinem Ideal-Bild entsprachen, wie es scheint) und Homosexuelle (interessante Untersuchung zum Thema Homophobie http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/8772014), und wer weiss wen noch, getroffen hat; ist nicht liberal, sondern einfach nur lächerlich. Es muss doch in Deutschland Menschen geben, die sich tatsächlich für ein respektvolles Miteinander engagieren. Nur stehen die nicht in der Öffentlichkeit und haben wohl auch keine Berater und Manager, die sie auf die Bühne der Toleranz bringen könnten. Schade eigentlich.

Ob wir liberal sind? Sowieso eher nicht. Wir sind auf jeden Fall lächerlich. Da passt der Artikel dann auch wieder irgendwie ins Bild.

  • Antworten
@dllxllb09.01.2012 | 14:28 Uhr

Kann man so nicht stehen lassen Herr von Uslar!

Ich kann die Wahl Bushidos zum größten Aufsteiger des Jahres zwar verstehen, bloß sollte diese Verleihung meiner Meinung nach eine Ironische bleiben.
Die Kritik an Bushido richtet sich weniger an geschmackliche und ästhetische Maßstäbe als an dem Inhalt seiner Texte. Von Uslar schreibt leider kein Wort davon welche Konkrete Wirkung die Texte Bushidos auf seine Hörer haben. Das ist, wie ich finde: schwach [bitte als konstruktive Kritik verstehen!].
Ich kann nur aus eigener Erfahrung sprechen: Viele Bushido-Fans (also Leute die ihn regelmäßig hören, nicht nur mal aus Recherchegründen in 3-4 Tunes reinhören) erkennen in seinen Texten weniger das Aufzeigen und Aussprechen von sozialen und kulturellen Brennpunkten, also eine Erkenntnis auf einer Meta-Ebene der Aussagen, sondern sie nehmen die Aussage selbst als wahr/ richtig/ cool usw. hin, identifizieren sich damit, richten daran teilweise ihr Denken - vielleicht sogar Handeln - aus. Ich kenne einige Schulabbrecher (auch mit Migrationshintergrund), denen die Texte nicht gerade ein Bild davon vermitteln, wie man ein selbsttragender Teil der Gesellschaft wir. Egal welche Intentionen Bushido mit seinen Texten auch verfolgt, die Wirkung auf die meisten Rezipienten (auch mit höherer Bildung) ist die Vermittlung von Verhaltensweisen, die gelinde ausgedrückt, keine Basis für ein sich selbst erhaltendes gesellschaftliches Zusammenleben bieten. Auch unintentionale Wirkungen entbehren nicht der Verantwortung für das eigene Handeln.
PS: Irgendwie scheint die hälfte des Textes nicht wirklich von Bushido, sondern [indirekt] von Rosenstolz zu handeln.

  • Antworten
F. Erich09.01.2012 | 16:20 Uhr

Sinnlos!!

Diese Artikel ist Sinnlos Herr Uslar"

  • Antworten
hnlkswd10.01.2012 | 14:11 Uhr

I love the guy???

Ja genau Herr von Uslar. Wer am lautesten schreit, meint es in Wahrheit gar nicht so. Klar. Gerade Bands wie Störkraft, Screwdriver und die Zillertaler Türkenjäger haben auf sicher genauso verquere Art genauso viel getan für die Integration von Ausländern und Juden, da einige "Pöbeltexte" -immer wieder zitiert- für ordentlich Aufmerksamkeit und Solidarität mit den "Bepöbelten" sorgten. Ganz zu schweigen von der NSU. "I love the guys" kommt mir deshalb aber noch lange nicht über die Lippen...

  • Antworten
Tristan von Berg10.01.2012 | 18:42 Uhr

unfassbar dumm

charmant und pointiert geschrieben.

aber: unfassbar dumm.

wie kann man behaupten, bushido hätte irgendwas für die akzeptanz von schwulen getan? nach wie vor ist er die gallionsfigur der homophoben masse von aggressiven halbwüchsigen.

dieser text ist einer zeitschrift wie CICERO nicht würdig und wird das Ansehen dieses Mediums in meinen Augen nachhaltig beschädigen.
Ich jedenfalls kann eine Redaktion nicht mehr ernst nehmen, die so einen himmelschreienden Unfug in einem Magazin für politische Kultur veröffenlicht.

(da hört auch jeder Sinn für Satire / Ironie / des Teufels Advokat / vom-Bravsein-gelangweilt-sein ... auf.)

  • Antworten
bastian10.01.2012 | 21:40 Uhr

Kann nur !

Ich kann die nur mit ja zu stimmen" hast Wollkommen RECHT!

  • Antworten
hnlkswd11.01.2012 | 14:32 Uhr

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