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 > Aufmarsch der Hyperkorrekten

Salon

Veggie-Day und Unisex-ToilettenAufmarsch der Hyperkorrekten

Von Alexander Kissler5. März 2013
picture alliance
 Es gibt offenbar Myriaden von Menschen, die sich keinem Geschlecht zugehörig fühlen können oder wollen.
Es gibt offenbar Myriaden von Menschen, die sich keinem Geschlecht zugehörig fühlen können oder wollen.
Schrift:

Unisex-Toiletten, gleiche Rechte für gleichgeschlechtliche Paare - überhaupt für alle Menschen und Menschinnen. Wer es wagt, leise Zweifel an der neuen politischen Korrektheit anzumelden, der wird in Bann und Acht gesteckt

Seite 1 von 2

Die Säkularisierung des Westens mag noch so stracks fortschreiten, ganz ohne Religion kommt der Mensch offenbar nicht aus. Ist’s kein Gott, so müssen viele Götzen her, denn das Gewissen schlummert nie. Es soll uns gemahnen, unerbittlich: Spare dir das Fleisch, denke das Richtige, meide die falschen Worte. Die Hyperkorrekten sind unter uns, sie verstehen keinen Spaß. Sie machen sich das abgründige Motto aus der „Zauberflöte“ drakonisch zu Eigen. „Wen solche Lehren nicht erfreu‘n, / Verdient es nicht, ein Mensch zu sein.“

Natürlich hat es noch keinem geschadet, den Fleischkonsum auf ein moderates Maß einzuschränken. Verdrießlich aber stimmt die Verbissenheit, mit der die Hohenpriester der Hyperkorrektheit sich an die Umerziehung des Menschen machen. Wer raucht, muss sich schon lange rechtfertigen, obwohl es wahrlich riskantere Laster gibt und obwohl die Freiheit des Menschen immer auch eine Freiheit zum Laster ist.

Nun soll es den Fleischessern an den Kragen gehen. Der Tag scheint  nicht mehr fern, da der momentan heiß diskutierte „Veggie-Day“ von einem Angebot zur staatsbürgerlichen Pflicht wird: Beweise, dass du dich beherrschen kann, sonst kürzen wir dir Lohn, Gehalt oder Rente. Ein schlimmer Puritanismus im Gewand der Fürsorge greift um sich. Letztlich verbirgt sich dahinter die pure Misanthropie, der Mensch als Störfall der Schöpfung.

Von Hyperkorrektheiten ist auch der Streit um die „Homo-Ehe“ geprägt. Sich für diese einzusetzen, hat selbstverständlich jeder und jede alles Recht dieser Welt. Wer es aber wagt, leise Zweifel anzumelden, zum Beispiel, ob vielleicht Homosexuelle doch nicht die besseren Eltern sind, der wird in Bann und Acht gesteckt, vergleichbar dem mittelalterlichen Spießrutenlauf.

Wo bleibt die Freiheit, wenn es nicht eine Freiheit ist zum Widerspruch, zur Absage, zur Minderheit? Was ist eine Toleranz, was eine Gleichberechtigung wert, wenn in deren Namen ganz intolerant Denkverbote ausgesprochen und Platzverweise erteilt werden?

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Wenn es so weitergeht,

Wenn es so weitergeht, bestimmen die Ansichten verbissener Minderheiten den traurigen Alltag ursprünglich fröhlicher Mehrheiten.

  • Antworten
Rudolf Jahns05.03.2013 | 12:47 Uhr

Mehrheit - Minderheit

Ich halte genau DAS für den (gefährlichen) Denkfehler: es geht NICHT darum, ob Mehrheiten der Minderheit oder Minderheiten der Mehrheit etwas vorschreiben. Sondern es geht darum, dass jeder, egal ob Mehr- oder Minderheit so leben können sollte, wie er will. Nur wenn er damit die subjektiven Rechte anderer (egal, ob die zur Minderheit gehören oder zur Mehrheit) verletzen würde, soll ihm das verboten sein. Die Gefahr ist die Gleichmacherei, auch und gerade wenn sie von einer "gezählten" Merhheit veranstaltet wird.

  • Antworten
Leo05.03.2013 | 15:21 Uhr

Jeder soll und darf nach

Jeder soll und darf nach seiner Facon glücklich werden.
Jeder muss aber auch die Konsequenzen seines Handelns kennen und ertragen können, zB dass zwei Männer keine Kinder bekommen können.
Auch das Verfassungsgericht, dass sich mal wieder (!) mit dem Souverän verwechselt hat, kann keinen Gesetzgeber zwingen, ein Recht auf "Frausein für Männer" zu beschliessen.
Die sog. "Mütter und Väter" (!) des Grundgesetzes haben die Ehe und Familie nicht ohne Grund unter den besonderen Schutz des Staates gestellt, dass damit gerade nicht die sog. "Homo-Ehe" gemeint ist, versteht sich von selbst und ist als Keimzelle der Gesellschaft von elementarer Bedeutung.
Auch wenn im Einzelfall auch jeder homosexuelle Mensch ein liebevolles Elternteil sein kann, kann dies nicht zur gesellschaftlichen Norm erklärt werden, auch nicht von Prof. Voßkuhle.

  • Antworten
Mann und Frau06.03.2013 | 10:01 Uhr

Richtig,

das mit der Facon.

Die folgenden beiden Argumente verstehe ich nicht:

1. Warum sind die Verfasser des GG und deren Auffassung vom Schutz der "Ehe und Familie" per se zutreffender als z.B. die von Hr. Voßkuhle? Gründe, auch zeitgebundene, gab es für alle Ausarbeitungen im Laufe der Verfassungsgeschichte. Aber das macht sie doch nicht "unberührbar" für alle Zeit?

2. Ich habe das nicht so verstanden, dass es nun gesellschaftliche Norm werden soll, dass Homosexuelle Kinder adoptieren. Das werden in Zukunft meist Heterosexuelle sein. Die das, wenn der Adoptionswunsch auf Unfruchtbarkeit beruht, nach ihrer Argumentation ja auch nicht tun dürften: denn wenn "die Natur" gewollt hätte, dass sie Kinder kriegen, hätte sies eingerichtet. Streng genommen ist damit die Adoption nur den Heterosexuellen zu erlauben, die bereits bewiesen haben, dass sie auch EIGENE Kinder zeugen können?

Merken Sie, wie merkwürdig diese Argumente sind, wenn man sie zu Ende denkt?

  • Antworten
Leo07.03.2013 | 12:30 Uhr

Auch ich bin überzeugt, daß

Auch ich bin überzeugt, daß es die Ausnahme sein wird, daß zwei homosexuelle Männer ein Kind zur Adoption bekommen. Natürlich ändern sich die zeiten und damit die Meinungen. Aber, ob es dem Wohl des Kindes dient in einer solchen eheähnlichen Gemeinschaft aufzuwachsen, scheint niemand so richtig zu interessieren. Auch heute ist nicht auszuschließen, daß solche Kinder von Gleichaltrigen gehänselt oder gar lächerlich gemacht und gemobt werden. Wie sich das auf die Entwicklung auswirkt, scheint aber niemand zu interessieren. Die Selbstverwirklichung steht über allem.

  • Antworten
Klaus Hildebrand09.03.2013 | 11:20 Uhr

Wie so häufig geizt Kissler

Wie so häufig geizt Kissler mit Beispielen für seine Thesen und argumentiert unsauber. Ein "Veggie-Day" hat eine weitaus geringere gesellschaftliche Bedeutung als die "Homo-Ehe", deren Gegnern übrigens keine Strafen drohen, die mittelalterlichen auch nur entfernt vergleichbar sind. Alles, was dem Autor nicht passt, wird unter dem Schwurbelbegriff "politische Korrektheit" zusammengefasst und die Kolumne ist kein Ruf nach Freiheit, sondern nach weiterer Unterdrückung: Schwule sollen eben nicht gleiche Rechte haben und Arme sollen nicht sagen dürfen, welche Begriffe sie als diskriminierend empfinden. Das ist wahre Misanthropie.

  • Antworten
Thomas ex Gotha05.03.2013 | 13:06 Uhr

Sie verwechseln

Sie verwechseln Meinungsfreihiet mit (verordneter) Meinungsgleichheit.

  • Antworten
Otto Meyer05.03.2013 | 14:04 Uhr

Arme finden ARMUT

Arme finden ARMUT diskriminierend. Die Annahme, Armut wäre leichter zu ertragen, wenn man sie nur schön genug benennt, ist ein Irrtum.

  • Antworten
Anke Behrend06.03.2013 | 15:39 Uhr

Intoleranz

Hier hat jemand offene Augen und macht auch noch den Mund auf - Danke!

  • Antworten
Günter-Helmrich Lotz05.03.2013 | 13:26 Uhr

Minderheiten regieren Mehrheiten

.

da sie an den Schaltpulten der Deutungs-Macht sitzen.

Und wie Seilschaften funktionieren.

Werbeindustrie
Feuilleton
Parteien
Medien
Mode
TV

.

Die beste Vorraussetzung für Propaganda jeglicher Couleur.

.

Das heisst nicht, dass ich gegen die Homo-Ehe oder Tierversuche bzw. Massenhaltung bin!

.

Bsp. Eine gefühlte 2% Partei XXX verhindert ständig den sozial-marktwirtschaftlichen Ausgleich!

.

  • Antworten
Differenzierer05.03.2013 | 14:21 Uhr

Treffende Polemik das!

Am Anfang nur gestreift: Religion als ehemals verbindliche Wertordnung scheint passe (etwas, wofür ein Moslem zurecht nur Verachtung aufbringt). Langsam erwachen wir aus dem Rausch einer Säkularisierung und bemerken, dass die neue "Freiheit" Orientierungslosigkeit bedeutet und dass dadurch eigentlich ALLES passe ist, was je mit Metaphysik zu tun hat.

Zurück bleibt der Mensch ohne besondere Bedeutung außer der einer Tierart, die - bislang - sehr erfolgreich damit war, die anderen zu verdrängen. Mit Hilfe einer gewissen technischen Überlegenheit und einem großen Appetit, selbst eine eigene Welt zu schaffen.

Gelungen ist das, und betrübt sehen wir aufs Ergebnis? Wo sind die Werte? Ja, wo sollen sie sein?? Werte sind Metaphysik - und sie gründen letztlich selbst bei Kant noch auf einem christlichen Weltbild, das zwar nur Verachtung für den "Kirchenglauben", aber Einsicht in die Notwendigkeit für "Religionsglauben" hatte. Zu spät.

So also machen wir uns hektisch und unkoordiniert daran, eigene "Werte" zu erfinden - und schießen anders als die meisten Religionen weit über jedes Ziel hinaus: mit 10 Geboten kommen wir nicht aus. Wir vergleichen uns, und alles, was nicht ist wie wir oder unser Ideal hat SO keine Berechtigung. Früher hat man getötet, was für unwert gehalten wurde. Heute operieren wir es um, selektieren möglichst bereits pränatal und beschimpfen den Rest so andauernd, dass ihm die Lust auf jede Abweichung vergeht. Aber Abweichung wovon? Jeder versucht, seine eigene Maxime absolut zu setzen - und jede Maxime ist anders, ein klein wenig. Frägt sich also: wem will ich denn so gefallen, dass er mich in Ruhe lässt? Früher reichte da noch der unmittelbare Nachbar, der Ort, die Kultur. Heute ist digital JEDER der Maßstab, was einer Gesellschaft, die nur durch die Zusammenrottung noch getragen wird, den Todesstoß versetzt.

Ja, wo sind sie, die Werte? Wo ihre Legitimation?? Die ist mit Gott gestorben. Mit welchem? Egal.

  • Antworten
Leo05.03.2013 | 15:15 Uhr

Es ist wenig dagegen

Es ist wenig dagegen einzuwenden, dass Exzentrikern erlaubt ist, ihre eigenen Ansichten, auch wenn sie noch so abwegig sind, zum Ausdruck bringen.
Doch der Versuch, Menschen madig zu machen, die anderer Überzeugung sind und denen das Wohl der Kinder vorrangig ist und dieses Wohl nicht heterophoben Experimenten unterworfen sehen wollen, ist niederträchtig und sollte dementsprechend gekennzeichnet werden.

  • Antworten
Jonardo Tenner05.03.2013 | 16:09 Uhr

Andersdenkende madig machen

ist grundsätzlich nicht in Ordnung und verschließt auch Türen der Einsicht, die möglich wären, wenn man sich mit Argumenten auch dann beschäftigt, wenn sie einen zunächst abstoßen.

Aber, Herr Tenner, das tun Sie doch in Ihrem 2. Absatz GENAU AUCH. Darin befindet sich die Unterstellung, dass anderen das Wohl der Kinder nicht wichtig sei und die Unterstellung, dass homosexuell = heterophob sei. Das macht zumindest mit Ihnen scheinbar eine Diskussion unmöglich, weil Sie vorab Andersdenkende diffamieren, UM deren Mienung gar nicht hören zu müssen.

Ich bin nicht schwul, und auch nicht adoptionswütig. Aber was an dem "Experiment" so falsch sein soll, erschließt sich mir nicht. Kinder wachsen in mehr oder minder gut funktionierenden "normalen" Familien auf, sie wachsen bei alleinerziehenden Müttern und auch Vätern auf, in Patchworkfamilien; in früheren Zeiten unterstanden sie zudem dem gesamten verwandtschaftlichen Hausstand. Sie werdne in all diesen Konstallationen nicht immer nur gut behandelt - die größte Missbrauchshäufigkeit besteht nämlich nicht in der katholischen Kirche, sondern in der heterosexuellen Familie. Also ob die per se schon allein dadurch, dass es Mami und Papi gibt, das Gelbe vom Ei ist, hat sie nie beweisen müssen. Zudem sprechen wir hier von Kindern, die von den Eltern abgegeben wurden und in einem HEIM leben. also müsst eman die Alternative Heim - homosexuelles Paar untersuchen, nicht nur die Alternative Hetero - Homo. Ich denke, dass das einfach nur eine Art von Lebensform ist, die es auch geben sollte. Und eigentlich ist mir nicht verständlich, was das den Gesetzgeber angeht. Wer Kinder zur Adoption vermittelt, sollte eine Sorgfaltspflicht bezüglich der mentalen Eignung der Personen haben, zu der deren Geschlecht aber gerade nicht gehört.

  • Antworten
Leo06.03.2013 | 13:17 Uhr

Ich liebe diesen Artikel.

Ich liebe diesen Artikel. Mehr davon!

  • Antworten
Mariandl05.03.2013 | 18:22 Uhr

Jahrzehnte später kommt das Kopfschütteln

Und Jahrzehnte später werden wir es dann alle nach uns wieder gewusst haben und sich schämen, wie ihre Eltern und Großeltern so blind in die nächste Diktatur geschlittert sind und wie es wohl möglich ist/war, dass der Mensch aus der Geschichte nichts lernen kann.

  • Antworten
Sandra05.03.2013 | 23:32 Uhr

Verwechslung

Mich dünkt, Herr Kissler verwechselt das Recht, seine Meinung zu äußern, mit dem Recht, seine Meinung UNWIDERSPROCHEN zu äußern. Blog dazu: http://parsinglife.blogspot.co.at/2013/03/i-call-poe-on-that-one-und-zwar-auf.html

  • Antworten
Christian Friedl06.03.2013 | 07:43 Uhr

vollgepinkelte Klobrillen

Spätestens, wenn sich die Bürgerinnen (= Menschen mit Menstruationshintergrund) in den Unisextoiletten auf vollgepinkelte KlobrillInnen setzen müssen, werden sie merken, dass GeschlechterInnentrennung keine soooo falsche Sache ist...

  • Antworten
w.schmid06.03.2013 | 09:04 Uhr

Sprechen Sie mal

mit einem "MmM" über den Zustand öffentlicher Damentoiletten. Sie werden sich wundern, woran die gewöhnt sind. Da wäre Unisex auch vollends egal ....

  • Antworten
Leo06.03.2013 | 13:53 Uhr

Ähm, Transsexuelle können

Ähm, Transsexuelle können sich einem Geschlecht zuordnen. Diese Zuordnung entspricht nur nicht ihren Genitalien. Aber lassen wir das und scheren lieber alles über einen Kamm, direkt in die Ecke "Iiih das ist ja anders".
Dass sich ein weißer heterosexueller Cis-Mann aus wohlhabender, schon lange in Deutschland lebender Familie über politische Korrektheit beschwert, ist aber auch zu erwarten. Nicht angenehm, dauernd auf eigene Privilegien hingewiesen zu werden, hm? Wer im aktuellen gesellschaftlichen Gefüge ganz oben steht, wird nur seltenst das Streben der anderen nach dieser Stellung unterstützen. Was das ganze nicht weniger traurig macht. Ich freue mich auf den Tag, an dem die ach so dystopische "Gleichheit für alle, alles kann, nichs muss"-Aussichten sich bewahrheiten.

(Oh, und: jaja, war ne Hyperbel, trotzdem hat keiner je behauptet, dass Homosexuelle die besseren Eltern wären. Nur, dass sie genauso gute Eltern sein können wie Heterosexuelle und dass es unfair ist, ihnen pauschal ein Recht abzusprechen, das jeder noch so unqualifizierte Hetero widerspruchsfrei genießen kann.)

  • Antworten
Nina06.03.2013 | 12:01 Uhr

Es geht bei der Diskussion

Es geht bei der Diskussion leider oftmals gar nicht darum, was korrekt wäre. Das wäre zu schön. Im Kern geht es leider viel zu oft darum die Nicht-Korrekten zu diskreditieren und damit ein neues Machtgefälle aufzubauen. Wenn es wirklich um den Inhalt ginge, würde sich die Diskussion auf Bereiche beschränken, in denen das Handeln zu einem Schaden für Andere führt. Es ginge dann zum Beispiel nicht mehr darum, Raucher abzustrafen, sondern das Rauchen in Gesellschaft von Nichtrauchern unter unzureichenden Belüftungsbedingungen. Diese Differenzierung ist für den Hyperkorrektheitswahn aber zu viel, da ist dann direkt Alles per se ein Problem, das zugunsten der neuen hyperkorrekten Norm bekämpft wird. Im Prinzip also alter Wein in neuen Schläuchen.

  • Antworten
Geraldine06.03.2013 | 14:37 Uhr

@Nina

Ja, erst mal wird der andre niedergemacht. Wie kann ein weißer Mann sich erlauben gegen etwas zu sein das Sie für richtig halten.
Könnte es sein, daß Sie ganz extrem in sexistischen rassistischen Kategorien denken?

Ich fende wes sehr schade, daß ein guter Freund von mir wegen beruflicher Gründe nicht zu meiner Geburtstagsparty am Samstag kommen kann. Er hätte auch gern seinen Lebenspartner mitbringen können. Auch ein Netter. Aber ich fände es falsch, daß die beiden Kinder adoptieren sollen. Oder das Ehegattensplitting auch für die Zwei einzuführen.
Das brauchen nämlich Familien mit Kindern. So wie wir. Wo meine Frau soviel Zeit mit ihrem Geschäft und ihren Angestellten verbringt, daß ich da nicht auch noch arbeiten und Kindererziehen kann und will.Ich glaube nämlich noch an die alte Hausmännerehe. Und find es blöd in meiner Stammkneipe nicht rauchen zu können.

  • Antworten
TirolerBracke06.03.2013 | 17:22 Uhr

Aufstand der Massen

Lesen Sie José Ortega y Gasset, "Der Aufstand der Massen" aus 1930. Der Mann hat's gut vorhergesehen: "Charakteristisch für den gegenwärtigen Augenblick ist es jedoch, dass die gewöhnliche Seele sich über ihre Gewöhnlichkeit klar ist, aber die Unverfrorenheit besitzt, für das Recht der Gewöhnlichkeit einzutreten und es überall durchzusetzen. Wie es in Nordamerika heißt: Anderssein ist unanständig. Die Masse vernichtet alles, was anders, was ausgezeichnet, persönlich, eigenbegabt und erlesen ist. Wer nich <wie alle> ist, wer nicht <wie alle> denkt, läuft Gefahr, ausgeschaltet zu werden. Und es ist klar, dass <alle> eben nicht alle sind. <Alle> waren normalerweise die komplexe Einheit aus Masse und andersdenkenden, besonderen Eliten. Heute sind <alle> nur noch die Masse."
Und ein anderer Philosoph, Emmanuel Levinas schrieb etwas später, das das Problem der "Moderne" nicht ist, dass alles technisch (scheinbar) möglich ist, sondern dass ales "gleich-gültig" ist.
Beide haben Recht: Heute bestimmen die Vorlauten und aufsässig-aufmüpfig-Unbelehrbaren, die daran gewöhnt sind, niemals von sich fort auf eine Instanz außer ihnen zu blicken".
Zurück zu Ortega y Gasset: "Die <Ideen> dieses durchschnittlichen Menschen sind keine echten Ideen, noch ist ihr Besitz Bildung. Die Idee ist ein Schach, das man der Wahrheit bietet. Wer Ideen haben will, muss zuerst die Wahrheit wollen und sich die Spielregeln aneignen, die sie auferlegt. Es geht nicht an, von Ideen oder Meinungen zu reden, wenn man keine Instanz anerkennt, die über sie zu Gericht sitzt, keine Normen, auf welche man sich in der Diskussion berufen kann."
Den heute "politisch Korrekten" geht's nicht um Wahrheit, sondern um Macht. Und es sieht so aus, als ob sie obsiegen könten.

  • Antworten
Blase06.03.2013 | 21:38 Uhr

Könnten Sie mir dazu

"Und ein anderer Philosoph, Emmanuel Levinas schrieb etwas später, das das Problem ..."

noch das Buch / die Quelle nennen? Würde mich interessieren. Danke im Voraus!

  • Antworten
Leo07.03.2013 | 12:13 Uhr

alles gleich-gültig ...

Gern: Emmanuel Lévinas, Wenn Gott ins Denken einfällt, Diskurse über die Betroffenheit von Transzendenz, ISBN 3-495-47959-7, S. 40.

  • Antworten
Blase07.03.2013 | 18:44 Uhr

Vielen Dank!

Kannte ich bislang nicht: ich werds lesen.

  • Antworten
Leo09.03.2013 | 23:01 Uhr

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