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 > Günter Wallraff, das Genuss-Gen und ein Tabu, das keines ist

Salon

DumpinglöhneGünter Wallraff, das Genuss-Gen und ein Tabu, das keines ist

Von Marie Amrhein3. Juni 2012
RTL
Günter Wallraff, Paketzusteller, Ausbeutung, GLS
Moderne Sklaverei? Wallraffs Tabu, das keines ist
Schrift:

Unser Genuss-Gen ist defekt, enthüllt eine neue Studie. Gleichzeitig machen Günter Wallraffs Beobachtungen aus der Arbeitswelt der Paketpacker Furore und lassen erahnen, warum sich die Deutschen keinen Müßiggang mehr erlauben

Seite 1 von 2

Jetzt ist er da, der Sommer. Er soll schön sein, er soll warm sein, wir wollen in der Sonne sitzen, baden, abends einen Weißwein im Straßencafé, morgens das Frühstück mit frischen Erdbeeren. Am besten in den Urlaub fahren. Wer arbeiten muss, der nutzt die freien Stunden. Gefälligst. Denn ehe wir uns versehen, ist der Sommer dahin. Vielleicht verspricht der Herbst noch ein paar schöne Tage, goldgelb mit bunten Blättern. Aber dann kommt wieder der lange Winter. Und? Haben wir den Sommer effektiv genossen? Haben wir ihn – Achtung – genutzt?

Da geht es schon los mit dem Stress, mit dem Druck des Genießens. Was Loriot („Jetzt sei doch mal gemütlich“) schon vor etlichen Jahren als Problem der Deutschen erkannte, wird heute mehr denn je als Volkskrankheit identifiziert. Die Forschungsgruppe des Instituts Rheingold Salon hat in tiefenpsychologischen Interviews 60 Probanden ausgehorcht. Eine anschließende repräsentative Befragung ergab: Das Genuss-Gen der Deutschen ist defekt. Labsal erlauben sich die Deutschen nur noch, wenn sie vorher etwas geschafft haben, nur ein Prozent könne heute noch „ohne Vorleistung“ genießen, heißt es in der Studie.

Da müssen wir nur aufpassen, dass bei der ganzen Strapaze kein Burnout droht. Und der naht dort, wo nicht aufgepasst wird auf den Körper. Wo keine Rücksicht genommen wird auf etwaige Schwächen und Verluste. Wo etwas benutzt wird, ohne es sorgfältig zu behandeln. Günter Wallraff hat gerade wieder eine solche Stelle aufgedeckt, wo im deutschen Organismus etwas falsch läuft.

Wallraffs Besuch bei den Paketzustellern von GLS hat Furore gemacht. Durch die Veröffentlichung sowohl in der Wochenzeitung Die Zeit als auch bei RTL haben seine Beobachtungen eine breite Masse erreicht.

Wallraff mischte sich in seinem neuesten Coup unter Menschen, deren Arbeitstag um fünf beginnt und nicht vor sieben Uhr abends endet, die ohne Pause körperlich schuften, einladen, ausladen für einen Bruttolohn von 1.200 bis 1.400 Euro. Die mit falschen Versprechungen, Einschüchterungen und Zwang bei der Stange gehalten werden. Die gezwungen sind, als scheinselbständige Subunternehmer zu arbeiten, die das gesamte Risiko tragen, deren Arbeitsweg oft in der Insolvenz endet, deren Familien darunter zerbrechen. „Ein harter Job“ sei das, aber ihre Mitarbeiter „sind dafür geboren“, hieß es dazu lapidar aus der Unternehmensführung.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, wieso Wallraffs Empörung sein Ziel verfehlt

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ist natürlich relativ. Ohne die Berichterstattung anderer Medien hätten ZEIT und RTL gerade einmal fünf Millionen Menschen erreicht. Bei RTL war die Quote unterdurchschnittlich.

  • Antworten
ms03.06.2012 | 11:52 Uhr

Wer service will, mueste dafür mehr zahlen

da jedoch keiner direkt für den Service zahlen muss, sondern es über Trinkgeld nach Gutdünken individuelle Zuwendungen für Servicekräfte gibt die sogar versteuuert werden müssen, sind die Preise für den Transport ein Skandal. Selbst die Briefpost wird daher von Subunternehmern der Post AB DEM BRIEFKASTEN transportiert, um hier noch Gewinn zu machen. Wer sich empört, egal ob RTL-zuschauer oder Zeitleser kann leicht nachrechnen wie mehr an die Fahrer bezahlt werden kann und ein Commitment unterzeichnen, für den Transport mehr bezahlen zu wollen, oder seinem Brief- oder Paketboten was zustecken!

  • Antworten
fuhriello03.06.2012 | 14:32 Uhr

Lektorat?

"Lesen Sie auf der nächsten Seite, wieso Wallraffs Empörung sein Ziel verfehlt" - Wer verfehlt wessen Ziel? Verfehlt die Empörung ihr (!) Ziel oder verfehlt die Empörung sein Ziel?

  • Antworten
someone06.06.2012 | 13:47 Uhr

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