Mark Zuckerberg hat die Vision einer absolut transparenten Welt. Trotzdem ist über Facebooks Vorgehensweise und Umgang mit Daten kaum etwas bekannt, der öffentliche Diskurs schleppend und widersprüchlich. Gesucht: Eine kritische Öffentlichkeit, die die Entwicklung aller Netz-Riesen begleitet
Mark Zuckerberg hatte mal wieder die Zukunft im Gepäck. Mit Talent zur Selbstironie stellte der Chef von Facebook vor ein paar Wochen dessen neue Features vor. Die größte Neuerung trägt den Titel „timeline“ und macht aus dem „Buch der Gesichter“ eine Bibliographie der Online-Biographien. Letztere enthalten, wie der begleitende Werbeslogan informiert, „alle deine Stories […]“ und geben „eine neue Möglichkeit, auszudrücken, wer du bist.“
Ein „timeline“-Nutzer erstellt auf Facebook seinen eigenen, mit automatisierten Inhalten (z.B. welche Lieder zuletzt oder besonders oft gehört wurden) gespickten Internet-Lebenslauf. Und was hat Facebook davon? Nun, „alle deine Stories“. Also eine ganze Menge werberelevanter Daten, die von den Nutzern auf dem Silbertablett überreicht werden.
Zuckerberg predigt Transparenz. Er hat eine Weltsicht, nach der die Privatsphäre de facto nicht mehr für wichtig erachtet werde und genau wie der Datenschutz veraltet sei. Aber Transparenz muss in beide Richtungen funktionieren. Bei Facebook herrscht in diesem Punkt eine bezeichnende Asymmetrie. Einerseits weiß es theoretisch alles über seine Nutzer und nötigt ihnen die Preisgabe persönlicher Informationen ab. Andererseits weiß kaum jemand genaues über Facebook und seinen Umgang mit Daten. Die öffentliche Debatte ist von Widersprüchen, Verwirrung und Unwissen geprägt.
Was für Daten – und wofür?
Mit den riesigen, gefüllten Datenbänken ist und bleibt Facebook Vorreiter im größten laufenden Netz-Projekt: der Errichtung des „semantischen Internets“. Semantische Internetseiten generieren massenhaft Daten, die automatisiert verarbeitet und interpretiert werden können. Eingegeben werden diese Daten größtenteils von den Nutzern selbst.
Zuckerbergs Konzern sammelt jedoch mehr Daten als bewusst eingegeben werden. Zum Beispiel liegen auf den Servern Myriaden an E-Mail-Adressen von Menschen, die noch nie etwas mit Facebook zu tun hatten. Dies liegt an Facebooks „Kontaktlisten-Import“, der es Nutzern ermöglicht, schneller Bekannte auf Facebook zu finden – und die Kontaktlisten anschließend behält.
Die größten Datenfänger sind aber sicherlich die „Like-Buttons“ („Gefällt mir“). Diese kleinen Peilsender sind inzwischen auf fast jeder Seite im Internet präsent. Sie weisen jedem Internetnutzer eine individualisierte Nummer zu, bei Facebook-Mitgliedern ist diese mit dem Account verknüpft. Ruft ein Internetsurfer eine Seite auf, die einen „Like-Button“ enthält (der Aufruf reicht, ein Klick auf den Button ist nicht nötig), werden nebst anderer Daten die Adresse der Seite und die Nummer des Surfers an Facebook übertragen.
Einfach gesagt zeichnen diese Buttons also fleißig die individuellen Bewegungsmuster aller Internetnutzer auf – und zwar unabhängig davon, ob man bei Facebook registriert ist oder nicht.
Lesen Sie auf der nächsten Seite, welches Interesse hinter Facebooks Datensammelei und dem semantischen Internet steht.












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