Geschlechterdebatte

Der Mann, der ewige Täter

Weltfrauentag ist Anklagetag. Am Pranger stehen die Männer als Schläger, Unterdrücker und Vergewaltiger. Passend dazu liefert eine aktuelle EU-Studie die Argumente. Zeit für eine Gegenrede

Handschellen
picture alliance

Unser Autor

Wolfgang Bok war Ressortleiter und Chefredakteur in Stuttgart und Heilbronn sowie Direktor bei der Berliner Agentur Scholz & Friends. Der promovierte Politologe lehrt an der Hochschule Heilbronn Kommunikationsmanagement. Regelmäßig schreibt er für verschiedene Medien Kolumnen zu gesellschaftspolitischen Themen und ist Buchautor.

So erreichen Sie Wolfgang Bok:

Grausiges trägt sich täglich zu in Europas Schlafzimmern, Büros und Straßenfluchten: „Jede dritte Frau ist Opfer von körperlicher oder sexueller Gewalt. Jede 20. Frau berichtet von Vergewaltigung.“ Diesen alarmierenden Befund liefert die Agentur der Europäischen Union für Grundrechte (FRA), die insgesamt 42.000 Frauen zwischen 18 und 74 Jahren in allen 28 EU-Mitgliedsstaaten befragt hat. Von „weiblichen Interviewerinnen“, versteht sich. Männer wurden erst gar nicht befragt. Wozu auch? Sie sind zu allererst Täter. Weiß doch jede.

Für Verwunderung sorgt lediglich die „Tatsache“, dass ausgerechnet Skandinavien für Frauen eine besonders bedrohliche Region sein muss. Nicht der südeuropäische Macho-Gürtel von Portugal bis Griechenland fällt als Hort „männlicher Gewalt“ auf, sondern Dänemark (52 Prozent), Finnland (47 Prozent) und Schweden (46 Prozent). Ausgerechnet die Hochburgen von Emanzipation und Frauenpower! Schlägt hier eine unterdrückte Spezies zurück? Etwa wenn sie vom „Bordell Deutschland“ oder der „Trinkhalle Tschechien“ heimkehrt? Seitdem das deutsche Fernsehen von Wallander & Co. geflutet wird, wissen wir ja, welch’ männliche Ungeheuer sich zwischen den Fjorden tummeln, die von taffen Polizistinnen gezüchtigt werden müssen.

Naheliegender ist die offizielle Erklärung: In Skandinavien werden eben schon der schiefe Blick oder schräge Witz des Mannes als „sexuelle Belästigung“ gewertet. Frauen seien dort selbstbewusster und sensibler. Unfreiwillig geben Studienmacher damit zu, wie subjektiv die Antworten sind: Es zählt nicht das tatsächliche Vergehen, das nachprüfbar ist, sondern das gefühlte Fehlverhalten. Das persönliche Empfinden auf  intime Fragen wird bereits als harte  Tatsache verkauft: 61,3 Millionen Frauen sind Opfer von Gewalt, verkünden vornehmlich weibliche Berichterstatterinnen, ohne auch nur den Hauch eines Zweifels aufkommen zu lassen.

Kritischer Journalismus? Den gibt es, wenn „die Wirtschaft“ oder wahlweise die „Atom-,  Pharma-  oder Bankenlobby“ entlastende Studien verbreiten. Wenn überhaupt, dann werden allenfalls Bankerinnen als gute Feen der Finanzwirtschaft porträtiert. Prinzipiell aber ist die Gier männlich. So wie alles Schlechte auf dieser Welt. Werden hingegen Frauen zu Täterinnen, dann begegnen wir ihnen mit viel Nachsicht. Selbst wenn die (alleinstehende) Mutter ihre Kinder übel malträtiert oder gar verhungern lässt, wird mitfühlend „Überforderung“ oder eine „psychische Störung“ attestiert. Dabei weisen unvoreingenommene Forscher wie Michael Bock seit langem darauf hin, dass Frauen nicht weniger gewalttätig sind. Sie gehen dabei nur subtiler vor, sagt der Mainzer Professor für Kriminologie, wenn sie Kinder quälen, Alte im Pflegeheim traktieren oder ihren Mann physischem und psychischem Terror aussetzen. Davon können auch Scheidungsanwälte ein Lied singen. Doch welcher Mann klagt schon offen über häusliche Gewalt durch seine Frau? Zu den inneren und äußeren Verletzungen kämen Hohn und Spott der Gesellschaft.

Der Psychologe Alexander Homes kommt zu dem Schluss, dass die Hälfte aller Missbrauchstäter weiblich ist. Doch an den öffentlichen Pranger schaffen es nur Männer. Erst recht, wenn politische Verwicklungen hinzu kommen, wie im Fall des Sebastian Edathy. Der ehemalige SPD-Abgeordnete steht aktuell für die dunkle Seite des Mannes: Sind sie nicht alle ein bisschen pädophil? Wenn selbst dem angesehenen Mandatsträger die abgründige Neigung nicht anzumerken ist – welchem Mann kann man dann noch trauen? Endet, wer heimlich nackte Jungs auf Fotos anschaut, letztlich nicht als Vergewaltiger? Muss diesen verkappten Triebtätern nicht der Notausgang zur Prostitution verschlossen werden, wie die steuerhinterziehende Ober-Frauenrechtlerin Alice Schwarzer fordert? Radikale Feministinnen hatten ja schon immer die richtige Therapie parat: Schwanz ab!

Der diffuse Vorwurf der „sexuellen Belästigung“ genügt, um die Karriere eines Mannes zu ruinieren. Manchmal reicht schon eine alter Herrenwitz zum vernichtenden „Aufschrei“, der dann  – wie der Fall des FDP-Spitzenkandidaten Brüderle gezeigt hat – die politische Reputation von heute auf morgen zerstört. Erst viel später wird die Nichtigkeit erkannt. Dem Geächteten hilft das freilich nicht mehr. Der Makel bleibt.

Wenn Scheidungen schmutzig werden, wird der Vorwurf der Pädophilie gerne in Sorgerechtsfällen eingesetzt. Es ist die zerstörerische Waffe der Frau, um die Kinder vom Vater zu trennen. Wie soll sich der Mann dagegen wehren, wenn doch ein gesellschaftliches Klima geschaffen wird, wonach in jedem Mann ein verkappter Kinderschänder und Vergewaltiger steckt? Die hessische Lehrerin Heidi K., die ihren Kollegen Horst Arnold mit dem frei erfundenen Vorwurf der Vergewaltigung erst fünf Jahre ins Gefängnis gebracht und dann letztlich in den Tod getrieben hat, bezieht bis heute trotz Verurteilung Beamtengehalt und muss nicht einmal Schadenersatz zahlen. Auch die Frau, die den Wetterfrosch Jörg Kachelmann ruiniert hat, geht straffrei aus. Und für das Zimmermädchen, das den IWF-Chef Strauß-Kahn zu Fall brachte, hat sich der – offenbar fingierte – Vorwurf der Vergewaltigung siebenstellig ausgezahlt.

Der Autor Ralf Bönt hat dem „entehrten Geschlecht“ ein Manifest gewidmet (Pantheon 2012). Darin beschreibt der Vater zweier Kinder anhand trauriger Beispiele, wie dem Mann „die Rolle des Mindermenschen zugewiesen wird“. Er steht nicht nur am 8. März am Pranger, wenn lila gewandete Frauen mit grauem Kurzhaarschnitt ihre Klagereden anstimmen. Sondern permanent. Eigentlich ein klarer Fall für die Grundrechte-Agentur der EU. Man muss nur fragen.

Ihr Kommentar zu diesem Artikel

*
*
Der Inhalt dieses Feldes wird nicht öffentlich zugänglich angezeigt.
*