Jump to Navigation
Startseite

Magazin im Juni:
Deutschland auf dem Weg zum 100-Millionen-Volk

Hurra, wir wachsen!
  • Magazin
  • Mediathek
  • Literaturen
  • Service
  • Newsletter
  • Shop
  • Abo
  • Berliner Republik
  • Weltbühne
  • Kapital
  • Stil
  • Salon
  • Bücher
  • Themen der Zeit
  • Kolumnen
  • Blogs
  • Ressorts
  • Dossiers
  • Karikaturen
  • Suche

Suchformular


Mein Cicero


Sie sind hier: Startseite > Magazin
 > Kriegsherr und musischer Schöngeist

Salon

Der alte FritzKriegsherr und musischer Schöngeist

Von Daniel Hope10. Dezember 2011
picture alliance
Friedrich der Große, alter Fritz, Preußenkönig, Statue, Oderbruch
So schlecht war die Musik des alten Fritz nun auch nicht
Schrift:

Beim Einspielen einer CD mit Kompositionen von Friedrich dem Großen fällt unserem Kolumnisten auf, dass der so begabte wie zerrissene Preußenkönig alles andere war als ein musikalischer Dilettant

Als ich vor ein paar Jahren Ahnenforschung für mein erstes Buch betrieb, meinte irgendjemand zu mir: „Dann bist du ja ein halber Preuße!“ Die Bemerkung zielte auf meinen Urururgroßvater ab. Er hatte anno 1812 von der königlich-kurmärkischen Regierung zu Potsdam das Bürgerrecht bescheinigt bekommen. Mütterlicherseits hatte ich sowieso eine starke Berliner Komponente in meiner Vorgeschichte entdeckt, überschattet freilich vom unheilvollen Ende, das die meisten Familien jüdischer Abstammung in Deutschland nahmen.

Aber ein „halber Preuße“? Nein, so habe ich mich nie gefühlt. Doch das ändert nichts daran, dass mich der Mann, der als Inbegriff alles Preußischen gilt, der große König Friedrich, schon lange fasziniert. In letzter Zeit sogar noch mehr denn je, da ich gerade eine CD und einen Dokumentarfilm über den „Alten Fritz“ mitproduziert habe, in Vorbereitung auf das Gedenkjahr 2012, in dem er 300 Jahre alt geworden wäre.

Ein Philosoph auf dem Thron, der komponiert, Opernlibretti entwirft und Flöte spielt – so einer muss eigentlich jeden Musiker für sich einnehmen. Wäre es nicht besser um die Welt bestellt, gäbe es mehr von dieser Sorte, säßen überall nur Schöngeister wie er an den Hebeln der Macht? Man stelle sich vor: Nach den profanen Staatsgeschäften greifen Bundeskanzler oder Präsident zum Instrument, tauchen ab ins Reich der Harmonie und kurieren sich bei Sonaten und Quartetten von finsteren Machtgelüsten und feindseligen Intrigen aus.

Natürlich ist das naiv gedacht, bestenfalls ein frommer Wunsch. Schließlich hat sich auch Preußens Friedrich durch die Musik nicht davon abhalten lassen, zur Durchsetzung seiner Interessen blutige Kriege zu führen. Und trotzdem, dieser König mit seinen musischen Talenten und Passionen, der Gedichte und Sinfonien schrieb, Folter und Zensur weitgehend abschaffte, jeden nach seiner Fasson selig werden lassen wollte, die Kartoffel in seinem Land heimisch machte und Pflichterfüllung zur obersten Maxime erklärte – dieser „Alte Fritz“ ist eine singuläre Gestalt in der Geschichte.

In den vielen Biografien über ihn kommt, finde ich, die menschliche Seite manchmal zu kurz, der tragische Zwiespalt, der sein Leben prägte und aus dem er nie ein Geheimnis machte. „Ich fühle mich nicht für das Jahrhundert gemacht, in dem wir leben“, schrieb er als junger Kronprinz seinem langjährigen Briefpartner Voltaire, und mehr als einmal gab er zu erkennen, dass er lieber zeitlebens auf seinem Schloss in Rheinsberg geblieben wäre, um sich mit Musik zu beschäftigen, anstatt König zu werden. Als beinahe fatalistisch empfinde ich seinen Gedanken, dass „wir eben doch nicht Meister unseres Schicksals“ sind.

Über das Heerwesen von Friedrich II schreibt der britische Militärhistoriker Christopher Duffy: „Im Einsatz hatten sich die Bläser hinter den Kompaniefahnen einzuordnen, deren Platz zwischen dem vierten und fünften Zug des Bataillons war … Sobald die Artillerie und die Handfeuerwaffen beider Seiten zu schießen anhoben, wurde bei den Musikanten jedoch das Pflichtbewusstsein durch den Selbsterhaltungstrieb verdrängt … Bei dem Rückzug war einer der ‚Hauboisten‘ so unvorsichtig, sich im Freien von einem Kosak erwischen zu lassen, der ihn über eine Wiese gejagt hatte. Friedrich lenkte die Aufmerksamkeit seines Stabes auf diesen seltenen Vorfall und bemerkte: ‚Mich soll doch wundern, ob Apoll und die Muse der Tonkunst ihren Zögling retten werden.‘ Im letzten Augenblick wendete sich der Musiker und hielt dem Kosak den riesigen Trichter seines Fagotts entgegen, der daraufhin auch prompt die Flucht ergriff.“

Dass sich Friedrich als Komponist nicht mit den ganz Großen der Zunft messen konnte, hätte auch er selbst wohl kaum bestritten. Böse Zungen behaupten sogar, er habe die eine oder andere Melodie von seinem hoch begabten Hofkomponisten gelegentlich „ausgeliehen“. Doch dass er sehr viel mehr als ein bloßer Dilettant war, wurde mir spätestens in dem Moment klar, als ich mich für die CD daranmachte, das Finale seines G-Dur-Flötenkonzerts für Solovioline umzuschreiben. Vor allem seine vorzüglichen Flötensonaten sprühen vor Frische und lassen einen ganz eigenen individuellen Stil erkennen. Die edle Gestaltung und ihr Gedankenreichtum haben mir hohen Respekt abgenötigt und gezeigt, dass der königliche Tonsetzer ein ebenso gelehriger wie eigenständiger Schüler seines Lehrmeisters Quantz gewesen ist.

In diesem Sinne: Happy Birthday, Majestät!

Twitter
drucken
merken
in mein Dossier
versenden

zum Ressort

zurück zum Dossier

Weiterführende Links

Musik und Krise

Bloß nicht ans Geld denken

Musik und Neurowissenschaften

Musische Rätsel unter der Schädeldecke

Diese Artikel könnten
Sie auch interessieren:

Sphärenmusik
Der Klang des Weltraums
von
30.03.2013
Jähzorniger Meister
Stürzt den Mythos Mozart!
von
16.03.2013
Benotet
Brittens unfreiwilliges Geschenk
von
04.02.2013
Instrumentenkunde
Ob die Geige vom Teufel erfunden wurde?
von
12.01.2013
Spurensuche in Israel
Am Grab des fremden Vaters
von
12.12.2012

zum Dossier Das Musik-Dossier
Diesen Artikel finden Sie auch in der Ausgabe 
Dezember 2011
 des Magazins Cicero – Hier bestellen
Twitter
zum Ressort

zurück zum Dossier

Weiterführende Links

Musik und Krise

Bloß nicht ans Geld denken

Musik und Neurowissenschaften

Musische Rätsel unter der Schädeldecke

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:

Sphärenmusik
Der Klang des Weltraums
von
30.03.2013
Jähzorniger Meister
Stürzt den Mythos Mozart!
von
16.03.2013
Benotet
Brittens unfreiwilliges Geschenk
von
04.02.2013
Instrumentenkunde
Ob die Geige vom Teufel erfunden wurde?
von
12.01.2013
Spurensuche in Israel
Am Grab des fremden Vaters
von
12.12.2012

 
Zu Dossier hinzufügen:
  • Europa
  • Kommentare
  • Detuschland
  • Jochen Thies, Was Hitler wirklich wollte
  • Goetz
  • Goetz
  • afrika
  • afrika
  • Syrien
  • Euro krise
  • familienpolitik
  • familienpolitik
  • familienpolitik
  • familienpolitik
  • familienpolitik
  • filosofia
  • Offenen Demokratie
  • LINKE
  • Vorbereitung_Wahlen
  • Cicero
  • Politik
  • Politik
  • Wirtschaft
  • Grüne
  • Wahlen in D
  • Atomenergie
  • Terror
  • Lesenswert
  • Serina
  • _Wj
  • Papstreise 2011 Deutschland
  • Kapitalismus
  • Kapitalismus
  • Piraten
  • Grüne
  • Grüne
  • Grüne
  • Leben
  • haha
  • Migration
  • Generation 2.0
  • Kunst
  • Kunst aA
  • Kunst
  • EURO
  • Russland
  • Steuerpolitik
  • Internet-Kultur
  • Wulf
  • Wulf
  • Parteien
  • Parteien
  • Parteien
  • Finanzkrise und Staatsschulden
  • Gesellschaftspolitik
  • Gesellschaftspolitik
  • Gesellschaftspolitik
  • kindle
  • kindle
  • Rechtsradikalismus
  • USA
  • Religion und Tradition
  • Architektur & Bauen
  • Architektur & Bauen
  • Architektur & Bauen
  • Architektur & Bauen
  • Parteien
  • Kirche
  • Grass
  • Linke
  • Linke
  • Linke
  • Linke
  • Netz
  • Politik, Gesellschaft ...
  • Politik, Gesellschaft ...
  • Politik, Gesellschaft ...
  • politik
  • Tourismus
  • Moral
  • Urheberrecht
  • favs
  • Digitalisierung
  • A Nachlesen
  • A Nachlesen
  • internet
  • Film
  • Literatur
  • Literatur
  • NH
  • Polemik
  • Praktische Philosophie
  • diethart
  • Steinbrück
  • Bildung & Schule
  • Bildung & Schule
  • Bildung & Schule
  • Mark Twain
  • Mark Twain
  • Mark Twain
  • MILANKO
  • Entwicklungspolitik
  • Gunter Hofmann
  • dudelfunk
  • pit
  • Material-SK
  • Steuern
  • Antisemitismus
  • Intellektuelle
  • Türkei
  • Jan von Alen
  • Autoren
  • Autoren
  • Autoren
  • Doppelte Staatsbürgerschaft
  • Test
  • Hyperkorrekte
  • Stasi
  • Fernsehen Qualität
  • Kretschmer
  • Kretschmann
  • Politik
  • Pressegleichschaltung
  • NSU
  • gender
  • gender
Neues Dossier anlegen:

Ihr Kommentar zu diesem Artikel

Der Inhalt dieses Feldes wird nicht öffentlich zugänglich angezeigt.
Buch, Bücher, Literatur
Dossier

Die Buch-Seite

zum Dossier

Bildergalerie

„Die nackte Wahrheit und anderes“ − Aktfotografie um 1900

zur Bildergalerie
Anzeige

Wulf Schmiese

Leicht gesagt. Die Mittwochskolumne von Wulf Schmiese

Von der Volks- zur 20-Prozent-Partei

SPD-Chef Gabriel auf der Pressekonferenz zum Parteijubiläum

Ist alt, sieht auch so aus: Cicero-Kolumnist Wulf Schmiese über den 150. Geburtstag der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands


DAS NEUESTE AUS DEN BLOGS VON CICERO ONLINE

Bild des Benutzers Eric Bonse - Lost in EUrope
Brüssels neue Gurke

Die EU-Kommission ist in der Defensive. Nach der umstrittenen Konzessionsrichtlinie zum Wasser…

zum Blogeintrag

Frage des Tages

Kann ein Handelskrieg verhindert werden?
In Kooperation mit dem Tagesspiegel
zur Frage

Thema der Woche

150 Jahre SPD: Vom Fürstenfeind zur Kaviarlinken
zum Dossier
Zu viel Nähe zwischen Medien und Politik?
Das Cicero-Meinungsbild

Eine Umarmung zwischen Diekmann und Rösler löst eine Debatte aus

Umfrage
150 Jahre SPD: Ist die SPD noch eine Volkspartei?
Ja, die SPD wird wieder deutlich zulegen
38%
Nein, die SPD ist nicht mehr zeitgemäß
62%
Gesamtstimmen: 112
zur Umfrage
Medizin, Gesundheitssystem, krank
Dossier

Wie krank ist unser Gesundheitssystem?

zum Dossier

Die letzten 24 Stunden
Dossier

Die letzten 24 Stunden

zum Dossier

Mittelstand,Mittelschickt,Bürgertum,Internetstore AG
Dossier

Mythos Mittelstand

zum Dossier

Anzeige
Anzeige

Video

„Deutschland wird nicht mehr zu den G8 gehören“

Video
alle Videos
Anzeige

Jetzt den Newsletter von Cicero Online abonnieren

Liebe Leserinnen und Leser. Gerne informieren wir Sie regelmäßig über das aktuelle Angebot von Cicero Online. Bitte tragen Sie ihre E-Mail-Adresse ein und wir schicken ihnen montags bis freitags unseren täglichen Newsletter.

E-Mail*
Anrede
Vorname
Nachname

Anzeige

Weitere Angebote des Ringier Verlags: Monopol – Magazin für Kunst und Leben | Geschenkidee.de – Der Shop für ausgefallene Geschenkideen
© Cicero 2013
  • Impressum
  • Nutzungsbedingungen
  • AGB
  • Stellenangebote

Weitere Angebote des Ringier Verlags: Monopol – Magazin für Kunst und Leben | Geschenkidee.de – Der Shop für ausgefallene Geschenkideen
© Cicero 2013
 
RESSORTS
Startseite
Berliner Republik
Weltbühne
Kapital
Stil
Salon
Bücher
Karikaturen
Bildergalerien
Videos
Blogs
Dossiers
Newsletter
 
  • Datenschutz
  • Impressum
  • Redaktion
© Cicero Online 2013zum Seitenanfang