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 > Freaks bei Maischberger

Salon

Hokuspokus in der ARDFreaks bei Maischberger

Von Alexander Marguier25. Juli 2012
ARD / screenshot
Ochsenknecht,Tarot,Tarotkarten,Kartenlesen,Karten,Horoskop,Wahrsager
Uwe Ochsenknechts Karten liegen gut
Schrift:

„Horoskope, Handlesen, Tarotkarten: Unsinn, der hilft?“, fragte sich Sandra Maischbergers Esoterik-Runde am Mittwochabend und kultivierte Volksverdummung in Reinkultur

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Selber schuld, könnte man sagen, wer sich am ersten Sommerabend, der diesen Namen tatsächlich verdient, vor den Fernseher setzt und „Menschen bei Maischberger“ schaut. Ich war so doof und habe es getan. Weil das Thema dann doch irgendwie interessant klang: „Horoskope, Handlesen, Tarotkarten: Unsinn, der hilft?“

Hätte ja spannend werden können, so eine Sendung, in der diese dünne Linie zwischen Esoterik und Religion vermessen wird. Zumal mit Michael Schmidt-Salomon als Sprecher der „Giordano-Bruno-Stiftung“ der Chef des organisierten deutschen Atheismus unter den Gästen war. Und mit Prof. Ulrich Walter ein Physiker, der als ehemaliger Astronaut die Gelegenheit hatte, mit einem gewissen Abstand ein Auge auf unseren seltsamen Heimatplaneten zu werfen. Ja, es hätte ganz interessant werden können. Wenn nicht die üblichen Verdächtigen in dieser sommerlochtiefen Talkshow ihre schwarze Labermaterie hätten verbreiten müssen.

Aber so ist es offenbar im öffentlich-rechtlichen Schwafel-Gewerbe: Irgendein Schauspieler muss immer dabei sein – sonst würde ja die Gefahr bestehen, dass es doch noch zu einer ernsthaften Diskussion kommt. Weil die ARD-Verantwortlichen diesen Fall offenbar so sehr fürchten wie der Teufel das Weihwasser, wurden gleich drei Show-Schwätzer eingeladen, um dann aber auch wirklich sicherzustellen, dass es zum Äußersten nicht kommt und sich alles in der gewohnten Seichtheit abspielt: Hella von Sinnen in Astro-Kostüm und mit einer „Aszendenten-Uhr“ in der Tasche; Uwe Ochsenknecht, der nun wirklich nichts zu sagen hatte, dies aber in erfrischend-volkstümlicher hessischer Mundart tat. Und der notorische Fernsehpfarrer Jürgen Fliege, geboren im Sternzeichen Wichtigtuer. Als esoterisches Sahnehäubchen durfte dazu noch eine Astrologin namens Mauretania Gregor ihre Weisheiten verbreiten, die sich rühmen kann, unter anderen DJ Bobo die Zukunft vorausorakelt zu haben, was in diesem Fall leider auch nicht so richtig geholfen zu haben scheint.

Lesen Sie im zweiten Teil mehr über die „Freaks bei Maischberger“

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Sogar der ARD-Programmbeirat bemängelt diese Formate

Wie aus einem internen Papier des ARD-Programmbeirates hervor geht, wird die "Talkshow-Kultur" à la Maischberger und Jauch äusserst kritisch gesehen. Und gerade das Einlaen der üblichen Verdächtigen, sowie schlechte Recherchen werden hart gerügt: http://www.localheroes-radio.de/news/details/article/ard-programmbeirat-straft-talkshows-ab/

  • Antworten
MW25.07.2012 | 12:33 Uhr

Ja, das war schon ärgerlich.

Ja, das war schon ärgerlich. Gleich beim allerersten Satz Schmidt-Salomons wurde er von der Astrologin unterbrochen und durfte seine Anmerkung nicht fortsetzen. Dann wieder das Gleiche bei der Kartenlegerin. Bevor in der ganzen Sendung nur die erste vernünftige Kritik geäußert werden durfte, hatte die Astrologin schon allein eine halbe Stunde der Sendung für sich beansprucht, und war dann noch angefressen, dass sie mal jemand Anderem zuhören sollte, der nicht ihrer Meinung war.
Was schön gewesen wäre, wenn ein Skeptiker mal selber das Kartenlegen vorgeführt hätte. Da wäre dann klar gewesen, das kann Jeder, der nur geübt schwafeln und auf Bilder zeigen kann. Allein schon die Nummer der Kartenlegerin mit der Krankheitskarte: "Hier steht 'Große Krankheit', Sie werden also in den nächsten ein, zwei Wochen mal Kopfschmerzen oder Zahnweh haben." Die erfinden den Mist, während sie reden, und bleiben dabei sorgfältig nahe an der Zufallswahrscheinlichkeit. Schlichte Gemüter halten das dann für verblüffend genaue Ratschläge und Vorhersagen.
In unserer Wirtschaft darf man mit allem Möglichen Geld verdienen, solange man keinen nachweislichen Schaden anrichtet. Nichts dagegen - Dummheit ist nicht verbietbar. Aber es ist trotzdem ärgerlich, wenn so eine Astrologin rund 60 Euro pro Stunde verdient (ihre Angabe in der Sendung), während qualifizierte Bürger in ihrem Beruf gerade ein Viertel oder noch weniger bekommen. Angeblich verbringt sie anderthalb bis drei Stunden mit dem Erstellen eines solchen "Astro-Diagramms". Dafür gibt es Computerprogramme, das dauert höchstens ein paar Minuten. Der Rest der "Arbeitszeit" einer solchen Frau besteht im Durchlesen von Artikeln aus Klatschmagazinen, damit sie ihr Gerede mit "Wissen" über die Personen unterfüttern kann. Ist es 150 Euro wert, wenn man nach der dritten Scheidung gesagt bekommt, dass man ein unruhiges Privatleben hat? Wer's braucht.

  • Antworten
Felix25.07.2012 | 15:15 Uhr

Immerhin ist keiner weggelaufen

Hätte Maischberger Nina Hagen eingeladen, wäre auch nicht auszuschließen gewesen, daß jemand aus der Sendung flüchtet. Schmidt-Salomon brauchte eigentlich nicht viel zusagen, um der Sieger der Herzen zu werden. Sollen sich doch die anderen um Kopf und Kragen reden.

  • Antworten
Norbert Schnitzler26.07.2012 | 19:44 Uhr

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