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 > Fleisch trifft Moral, ein unappetitliches Thema wird massentauglich

Salon

Fleisch trifft Moral, ein unappetitliches Thema wird massentauglich

Von Timo Stein21. Januar 2011
Jonathan Safran Foer und Karen Duve
Jonathan Safran Foer und Karen Duve
Schrift:

Die Bestseller Autoren Jonathan Safran Foer und Karen Duve verfolgen ein gemeinsames Ziel: Fleischverzicht. Bei einer Veranstaltung in Berlin lesen sie aus ihren aktuellen Büchern vor und stellen sich den Fragen rund um das Thema Ernährung. Mal wütend, mal witzig, mal fragend.

Seite 1 von 2

Der Dioxinskandal kam den Veranstaltern gerade recht. Die sich anschließende Debatte um die industrielle Massentierhaltung, die hilflosen Reaktionen von Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner und ihre offensichtliche Nähe zu Betrieben der Massentierhaltung hätten die Lesung nicht besser vorbereiten können. Insofern hatte die Fleisch-Lobby ihr bestmöglichstet getan, um den literarischen Fleischgegnern am Donnerstagabend im Postbahnhof in Berlin ihren Saal zu füllen. Nicht weniger werbewirksam waren jedoch die Protagonisten des Abends: Die Bestsellerautoren Jonathan Safran Foer und Karen Duve.

Der Amerikaner und die Deutsche haben sich für ihre Mission, der Massentierhaltung den Kampf anzusagen, zusammengetan. Von dem ethisch nicht mehr vertretbaren Fleischkonsum handelt Foers jüngstes Buch „Tiere essen“ genauso wie Duves Tagebuchroman „Anständig essen“. Eigens dafür hat sich Duve zehn Monate lang erst nur von Bio, dann vegetarisch, später vegan und schließlich frutan ernährt, eine Ernährungsweise bei der nur Teile der Pflanze verzehrt werden ohne sie zu zerstören.

Die Autoren haben das unappetitliche Thema der Massentierhaltung massentauglich gemacht. 850 Menschen drängten sich an einem Ort, der normalerweise zu Tanz, Musik und Spektakel einlädt. Die Veranstalter wussten ihre Autoren entsprechend zu inszenieren. Bereits vor der Tür wurden den Wartenden von Vegan-Aktivisten im Schweine- oder Kuh-Kostüm Flyer und die Botschaft „Schlachten ist kein Tierschutz!“ in die Hand gedrückt. Die moralische Unterlegenheit aller fleischessenden Zuhörer, zu denen sich auch der Autor dieses Artikels zählt, wurde so gleich am Eingang in aller Deutlichkeit in Erinnerung gerufen.

Drinnen dann gab es allerlei Stände vegetarischer Verbände, es war eine Art veganischer Speckgürtel, der sich um die eigentliche Lesung formte. Längst so scheint es, ist auch hier eine ganze Industrie am Werke. Der Andrang war so groß, dass rund 400 der Gäste die Lesung auf einer Leinwand in einem Nachbarsaal verfolgen mussten. Selbst für Foer war die Absurdität des Abends augenfällig und so konnte er sich ein Extralob für die Zuschauer, die gekommen waren, um ihn auf Leinwand zu sehen, nicht verkneifen.

Dabei ging es doch eigentlich nur um zwei Bücher, um Literatur. Und ganz nebenbei: um ein wichtiges Thema.

Wer nun jedoch eine zweistündige Moralpredigt erwartete, wurde enttäuscht. Wesentlich differenzierter als die plakativen Statements der Aktivisten vor der Tür war die Botschaft die Foer und Duve zu verkünden hatten. Abwechselnd lasen sie Passagen aus ihren Büchern vor und beantworteten Fragen.

Foer plädiert in seinem Buch vor allem dafür, die jeweiligen Essgewohnheiten zu hinterfragen und sich dieser bewusst zu werden. Er fragt sich, woher das Fleisch kommt, wie Massentierhaltung letztlich die Würde von Mensch und Tier berührt. Wichtig sei es nicht eine Mission zu haben, sondern Bewusstsein zu schaffen. Es geht ihm nicht zwangsläufig um einen radikalen Verzicht, sondern um die Reduzierung des Fleischkonsums. Seine Sätze sind klug, überlegt und er weiß bei aller Reflektion immer um die „verzeihliche Fehlbarkeit des Menschen“.

Lesen Sie im zweiten Teil des Artikels, wohin der missionarische Eifer von Vegetariern führt und warum es sich trotzdem lohnt, seine Essgewohnheiten zu überdenken.

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  • Antworten
Antonietta22.01.2011 | 00:00 Uhr

Die "Bestseller Autoren"? Oh Herr, lass Hirn und Bindestriche regnen! Aber egal - es geht um den Inhalt, nicht wahr? Solange man diesen noch "identifizieren" kann. Es ist schön, dass die Medien das Thema entdecken. Aber warum nicht 30 Jahre früher?

  • Antworten
Oliver Bendel28.01.2011 | 00:00 Uhr

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