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 > Das Dogma der neuen Netz-Konservativen

Salon

Ideologisch, ängstlich, antimodern:
Das Dogma der neuen Netz-Konservativen

Von Alexander Pschera 23. September 2014
Surian Soosay/Flickr
Antimodernes, fantasieloses Dogma der Internetkritiker. Kunstwerk: "Just Ain't Bling Enough for Daft Punk" (Surian Soosay)
Antimodernes, fantasieloses Dogma der Internetkritiker
Schrift:

Enzensberger wütet gegen Smartphones, Grass wird ordinär, wenn es um Facebook geht und das Feuilleton der FAZ polemisiert gegen die Allianz der Netzkonzerne: Die Auseinandersetzung um das Netz gleicht mittlerweile einer weltanschaulichen Endschlacht. Hier entsteht eine neue konservative Ideologie der Vereinfachung

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Konservative? Gibt es die überhaupt noch? Kirchen, Parteien, Institutionen und Medien verschreiben sich rückhaltlos der Dynamik der Zukunft. Die Beschleunigung der Diskurse entwurzelt konservative Werte-Positionen wie ein Sommersturm alte Fichten. Selbst der Vatikan oder die AfD lassen sich nur ungern als „konservativ“ bezeichnen. Das schließt Bedeutungen wie „der Zukunft nicht gewachsen“ und damit „ohne Relevanz“ ein. Sie bestehen darauf, als „moderne“ Organisationen wahrgenommen und angesprochen zu werden, um im Gespräch zu bleiben.

Unter diesem Blickwinkel ist es interessant, die Entstehung eines selbstbewussten neuen konservativen Milieus zu beobachten, das aus dem Geist der Netz-Opposition erwächst. Dieses Milieu formiert sich nicht „für“, sondern „gegen“ etwas. Es ist sozial nicht homogen, sondern heterogen. Es folgt keiner ökonomischen, sozialen oder moralischen Logik. Es ist ein existenzialistischer Konservativismus, der über die Grenzen der Einkommensschichten und Bildungsniveaus hinweggreift und sich die Rettung eines – wie auch immer definierten – „alten, analogen Menschen“ auf die Fahnen geschrieben hat. Aber es ist zweifelsohne ein Konservativismus. Denn er gehorcht in vielen Merkmalen der Logik konservativen Denkens, die in Vereinfachung, Selbstinszenierung, Misogynie und im Ausschluss von Neugier besteht.

Die Rede ist von der Bewegung des Anti-Digitalen, die sich fast jeden Tag ganzseitig im Feuilleton der FAZ, in den Publikationen einer Miriam Meckel, eines Byung-Chul Han, eines Roland Reuß – um nur die wichtigsten Protagonisten zu nennen – nachlesen lässt. Hier entsteht eine überzogene Theorie der digitalen Verschwörung gegen die Menschheit, die die Saat des Misstrauens verbreitet und die Gesellschaft lähmt. Die Debatte um das Netz ist in eine Phase der kulturellen Endschlacht getreten, in dem es um die nackte Existenz geht. Entsprechend alarmistisch ist diese Debatte, in der sich ein neuer Konservativismus der Unterkomplexität formiert.

„Big Data macht euch alle nackt“


Ein Leitmedium wie die FAZ opfert große Teile ihres einstmals so vielfältigen Feuilletons einer gebetsmühlenartigen Wiederholung der These „Big Data macht euch alle nackt“. Alte, linke Männer des Literaturbetriebs wie Grass und Enzensberger, die früher in jedem zweiten Satz mit ihrem Willen zur „gesellschaftlichen Veränderung“ genervt haben, werden primitiv und menschenverachtend („Facebook ist Scheißdreck“) oder einfach nur lächerlich („Schaltet die Smartphones ab“), wenn sie zu den neuen Medien, die die Gesellschaft nun tatsächlich verändern, Stellung beziehen. Manchmal denkt man sich: Si tacuisses… Aber dann ist man auch wieder froh um diese Worte, die so unbedacht und emotional gesprochen oder geschrieben werden. Entlarven sie doch das neue Dogma der neuen Konservativen.

Video

Günter Grass: „Facebook ist Scheißdreck“

Günter Grass: Facebook is shit from Louisiana Channel on Vimeo.

In Kooperation mit
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Dieses Dogma lautet: Die Menschen sind gefangen in einer Transparenzfalle, die sie erschöpft und auslaugt, während sich das echte Leben woanders abspielt. Gleichzeitig ist diese Transparenzfalle eine gigantische Apparatur, die amerikanische Konzerne installiert haben, um nichts weniger als einen „neuen Menschen“ zu erzeugen. Dieser neue Mensch, eine Ausgeburt des Silicon Valley, ist vollkommen durchsichtig, steuer- und ausbeutbar, er ist ausgemessen und quantifiziert. Er ist eine Gestalt aus Big Data, die sich wie ein Roboter programmieren lässt. Gesellschaftlich gesehen beenden die sozialen Medien, in denen nur „Scheißdreck“ geredet wird, die Habermas‘sche Diskursethik und zersetzen dadurch den politischen Raum und seine Meinungsbildung. Die kulturelle Fraktion dieser konservativen Gruppe beklagt flankierend und wortreich den kulturellen Verfall, der mit Unternehmen wie Amazon eine Bresche der Verwüstung in die blühende Landschaft des deutschen Buchhandels schlägt. E-Books werden als ein Ende von Literatur, ja gar als ein Ende des Schreibens bewertet.

Plumper Anti-Amerikanismus


Dieses anti-digitale Dogma hat zwei Funktionen. Zum einen leistet es das, was alle konservativen Dogmen leisten: eine radikale Vereinfachung einer überkomplexen Wirklichkeit und dadurch eine Verortung des Orientierung suchenden Lesers. Es reduziert komplexe, untereinander verzahnte Realitäten auf einen simplen gemeinsamen Nenner (Daten und Quantifizierung = Gefahr, Zerfall, Untergang), der dann flux noch in einer wohl bekannten Geste des Anti-Amerikanismus politisch verortet wird. So entsteht das Szenario: Böse amerikanische Technokraten wollen den guten alten Europäern, die noch Vinylplatten hören und in alten Folianten blättern, an den Kragen. Zum anderen funktioniert das Dogma wie das Credo in der katholischen Kirche. Es wird permanent wiederholt in einer Liturgie, die die Apokalypse des Abendlandes herbeiruft, und scheint durch diese Wiederholung immer wahrer zu werden.

Dem Dogma kann natürlich nicht entgegengehalten werden, dass es vollkommen falsch ist. Natürlich befindet sich unsere Gesellschaft in einem radikalen Umbruch. Natürlich befinden wir uns in einer Phase der Inkulturation, eines Hineinwachsens neuer Technik in unser Leben. Natürlich geht alles viel schneller, als wir denken und schreiben können. Das Problem besteht tatsächlich darin, dass Unternehmen schneller agieren, als moralische Koordinatensysteme und gesetzliche Rahmenwerke nachwachsen können. Aber das ist in der Medizin und in der Biotechnologie nicht anders, und dort wird die Asymmetrie zwischen Möglichem und Erlaubtem, zwischen Risiko und Chance längst nicht so laut beklagt wie in der Sphäre der Daten. Das sollte nachdenklich stimmen und zu einem Überdenken der Prioritäten anregen.

Die Internet-Unternehmen optimieren die Möglichkeiten ihrer Daten- und Vertriebsmodelle unter den Gegebenheiten eines globalen Finanzmarktes. Das kann man ihnen nicht vorwerfen, auch dann nicht, wenn sie das, was wir in Europa unter „Kulturgut“ verstehen, ihrer Wachstumslogik unterwerfen. Das konservative Erklärungsmodell geht einen entscheidenden Schritt zu weit, indem es vereinfachend und projektiv zugleich arbeitet.

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Es wäre besser für alle Beteiligten, Grass noch nichtmal mehr zu ignorieren.

  • Antworten
Wolfgang Schmid
Berlin
23.09.2014 | 10:06 Uhr

Netz Konservativismus

Ich stehe FB, Google und Apple auch kritisch gegenueber. Macht mich das zum Selbstinszenierer ? Doch wohl eher im Gegenteil. Es sind doch gerade die FB- und Smartphone-in-allen-Lebenslagen-Benutzer die ausser Selbstinszenierung nichts mehr im Kopf haben.
Ich werde mich jedenfalls auch in Zukunft den zahlreichen Manipulationsversuchen im Netz widersetzen.
Und werde trotzdem weiter neugierig sein und Phantasie haben. Nur eben ohne Aussenkontrolle, nicht ferngesteuert.
Der Vergleich mit der katholischen Kirche passt im Uebrigen ganz hervorragend auf Apple.
Gerade Kritik bedeutet doch den Ursprung des Fortschritts und der Aufklaerung !
Mit dem Bezahlen fuer Dienstleistungen sorgen Sie auch mit dafuer dass Arbeitsplaetze in Deutschland bleiben. Mit Ihrer Geiz-ist-geil Mentalitaet allerdings sorgen Sie nur dafuer dass im Ausland unter Bedingungen gearbeitet wird die wir in Deutschland seit 100 Jahren bekaempfen.
Wenn Achtsamkeit und Vorsicht gegenueber der schoenen neuen Netzwelt konservativ sind, dann bin ich gern konservativ.

  • Antworten
Robert Flag
Koeln
23.09.2014 | 11:57 Uhr

Wissensstandsbewahrer

Unter aktuellen Gesichtspunkten betrachtet, ist der Konservative sowohl ein Besitzstandsbewahrer - also reformresistent, als auch ein Wissensstandsbewahrer - also resistent (und auch renitent) gegenüber "Neuen Medien".

  • Antworten
Willy Ehrlich
Berlin
23.09.2014 | 14:29 Uhr

Aufgeklärter Umgang mit der digitalen Welt

Ich bedanke mich für diesen bemerkenswerten Artikel. Doch empfinde ich Ihre Inschutznahme von Datensammlung und -vernetzung als verharmlosend. Big Data bietet große Chancen, ja, aber auch Risiken - insbesondere für diejenigen, die unfreiwillig und unbewusst erfasst werden. Eine Verteufelung ist ohne Frage reaktionär und bringt keine Lösungsansätze mit sich.
Eine Herangehensweise im Sinne der Aufklärung wäre aber nicht nur, diese neuen Möglichkeiten weder zu verteufeln noch zu verharmlosen und stattdessen die Chancen und Risiken vernünftig abzuwägen. Entscheidend ist, die Prinzipien, die Mechanismen zu erkennen, die der digitalen Welt und allen ihren Ausprägungen zugrunde liegen. Nicht über die Dinge zu staunen, sondern sie zu verstehen und sie sich zum Wohle Aller zunutze zu machen und zu verbessern - das sollten wir uns als aufgeklärte Menschen zum Ziel setzen.
Die Netzkonservativen haben noch nicht einmal den ersten Schritt, das Verstehen, getan, weil sie nicht neugierig sind. Ebenso kann Nichtverstehen aber auch die Gefahr einer zu großen Unbeschwertheit mit sich bringen. Beides würde unserer Gesellschaft nicht guttun.

  • Antworten
Folker Pappa
Kiel
23.09.2014 | 14:33 Uhr

Staunen

Sehr geehrter Herr Pschera,

Sie schreiben: "Staunen ist keine konservative Haltung." Ich bitte Sie! Als Jünger-Leser lasse ich Ihnen das nicht durchgehen. Das Gegenteil ist der Fall! Ernst Jünger: "Das alles gibt es also."

Ich denke, so einfach und schön ist die Sache nicht. Wir haben es bei den neuen Medien nicht nur mit einer neuen Technik zu tun, sondern mit dem Embryonalstadium eines völlig neuen Produktionsverhältnisses. Ich will das jetzt gar nicht werten, nur feststellen: Wir sind an jenem kritischen Punkt angelangt, an dem die Menschen nicht mehr die Waren, sondern die Waren die Menschen kaufen.
Schon jetzt werden uns von einer angeblichen Umsonstökonomie / Belohnungsökonomie / Internetökonomie die „Zahlungsmittel“ zur Verfügung gestellt, mit denen wir uns an Waren und Dienstleistungen binden, ohne daß wir uns fragen, ob und wozu wir diese Waren/Dienstleistungen überhaupt brauchen.

Nicht ganz richtig ist Ihre Behauptung, von Links käme ausschließlich Kritik. Wenn ich nicht irre, war es Andre Gorz, der meinte das Netzt produziere den Typus des Wissensarbeiters, der, weil sich Wissensarbeit nicht ausbeuten lasse wie Fließbandarbeit, das „Zwangssystem des Kapitalismus“ verlassen und eine neue Gesellschaft schaffen werde.

  • Antworten
Rainer Gebhardt
Bad Nauheim
23.09.2014 | 14:54 Uhr

Von Revolution zu Revolution

Vorbemerkung

In der Geschichte der Informations- und Kommunikationstechnik gab es immer neue Entwicklungen. Der entscheidenede Schritt nach vorn war jedoch der Übergang von der Analog- zur Digitaltechnik. Heute liegt der Akzent auf dem „Netz“. Aus den einzelnen Informations- und Kommunikationstechniken ist ein weltumspannendes Telekommunikationsnetz entstanden. Dieses „Netz“ besagt jedoch erst einmal gar nichts.

Simulationen und virtual realities

Der „ergänzungsbedürftige“ Mensch, der diese Werkzeuge erfunden hat (seine zweite Natur), sucht immer nach neuen Möglichkeiten des Gebrauchs- auch zur „Weltverbesserung“. Schlagworte wie „das Medium ist die Botschaft“ und die Welt wird zu einem „globalen Dorf“ (Stichwort mehr Transparenz und Demokratie) sind übliche Überhöhungen. Heute wissen wir, technische Erfindungen und Werkzeuge, sind immer nur so gut wie die Aktionen und der Gebauch seiner Nutzer. Geraten Techniken außer Kontrolle, können sie ebenso zerstörerisch wirken. Um richtig verstanden zu werden- ich schätze die sogenannte „Virtual Reality“ als Werkzeug, z.B. mit Monitorbrille und Datenhandschuh in einem dreidimensionalen Modell Entwürfe zu reflektieren und zu korregieren. Oder aber auch Innovationen die es in der Medizin gibt (z.B. digitale Hörimplatate). Stichwort Zweckmäßigkeit. Jedoch gibt es auch Gegenbeispiele wie der sogenannte „Hochfrequenzhandel“ im Finanzsektor. Auf dem Weg zum heutigen Stand, oder von der Buschtrommel bis zur modernen Telekommunikation, gab es viele Schritte zu immer schnellerer Datenübertragung. In der Anwendung kommt man jedoch um sinnvolle Unterscheidungen nicht herum. Unterscheidungen schützen uns vor Heilversprechen, Ideologien und Supertherorien in Marketing und Werbung.

Auf dem Weg der vielen Möglichkeiten und Anwendungen ist die Zukunft völlig offen.

  • Antworten
Bernhard Jasper
Hannover
23.09.2014 | 16:56 Uhr

Blinder Fortschrittsglaube

Konservatismus in Bezug auf die technologischen Neuerungen und den hiervon ausgehenden Veränderungen für die Gesellschaft bedeutet wohl eher etwas anderes, nämlich kritische Distanz und Hinterfragung dessen, was mit vermeintlicher Zwangsläufigkeit unser bisheriges Dasein in Teilen auf den Kopf stellt. Dagegen wird von Einigen immer noch ein naiver, heute fast altmodisch wirkender Fortschrittsoptimismus gepflegt, von dem der Autor auch an mehreren Stellen schöne Kostproben gibt.
Wer auch heute noch nicht verstanden hat, daß Dienste wie Google und co. eben alles andere als kostenlos sind, dem ist wahrlich kaum noch zu helfen - oder es ist ihm schlicht egal, daß er sich als lebende Datenmasse in alle Richtungen erfassen und algorithmisch vermessen lässt. Studien, Experimente etc. darüber, was sich mit solchen Daten anstellen lässt und welch persönliche Analysen damit möglich sind, gibt es zuhauf (man lese, höre bspw. Frank Schirrmacher). Wer hier nicht mindestens die Frage nach grundlegenden Auswirkungen auf unser Leben (und vor allem auf unser Menschenbild) stellt, wenn soetwas zur grundlegenden Normalität wird, ist in meinen Augen ganz einfach blind für Realitäten.
Daß die Macher von Google, Facebook und Co. einfach nur "geschäftstüchtige Jungs" sind, die ein bisschen Geld verdienen wollen, ist schlicht blanker Unsinn. Es sind doch gerade diese Kreise, aus denen bspw. die Rede vom Ende der Privatsphäre immer lauter zu vernehmen ist - stuft der Autor das allen Ernstes als nebensächlich ein? Natürlich handelt es sich bei diesen Unternehmen nicht um "böse Verschwörer gegen die Menschheit", im Gegenteil: man handelt in der festen Überzeugung, die Welt aus eigener Sicht zu verbessern. Diese Verbesserung besteht dabei hauptsächlich in einer messbaren Optimierung von Menschen und Gesellschaften im betriebswirtschaftlichen Sinne - und das wiederum ist wohl mindestens einer breiten gesellschaftlichen und höchst kritischen Diskussion würdig. Vermutlich sind das aber gedankliche Dimensionen, die dem Autor schon wieder fernliegen, da er ja lieber die praktischen und lebensnahen Vorteile der Netzgesellschaft herunterbetet, wie man das noch aus Zeiten der frühen Interneteuphorie in- und auswendig kennt.

Konservatismus bedeutet, sich der Totalität des Fortschritts- und Erneuerungsgedankens zu entziehen, indem man sich einen Bezug zur Menschheits- und Zivilisationsgeschichte und deren Errungenschaften erhält und Veränderungen nicht plump als Selbstweck betrachtet. Eben alles nicht so einfach...

  • Antworten
Alexander Mangold
Berlin
23.09.2014 | 18:42 Uhr

Flux geschwafelt

Ein offenbar „flux“ daherschwadronierter Schwall komplett unbelegter Behauptungen, mit Imponiervokabeln aufgebrezelt und westentaschenpsychologisch garniert. Lieber Cicero, bitte keine E-Mail-Werbung mehr für solches Geschwätz. Ihr habt bessere Autoren.

  • Antworten
Erich Virch
Hamburg
23.09.2014 | 19:00 Uhr

PR-Trolle trollt euch!

Wäre es nicht angebracht gewesen, diese miese Unterstellungen eines PR-Trolls aus München, als Werbeanzeige zu kennzeichnen verehrte CICERO Redaktion? Beim 60+-Rassismus gegen weiße Männer scheint mittlerweile alles erlaubt im Printwald.

  • Antworten
Hendrik Tongers
Langeoog
24.09.2014 | 09:10 Uhr

das Dogma der neuen Netz-Konservativen, Alexander Pschera

bin voll der Meinung des Artikelverfassers A. Pschera. Typischerweise schüren diese „Netz-Konservativen", wie viele ältere Menschen, ÄNGSTE um die Zukunft und bedienen sich nicht neuer Technologien, weil sie sie einfach nicht verstehen. Viele von Ihnen haben ein gestörtes Verhältnis zur Innovation in der Kommunikationstechnologie, sind bereits mit dem Computer („Jobkiller“) ausgestiegen, haben längst den Anschluss verpasst und entwickeln eine Schutz-Antihaltung. Man kann das auch verstehen, in Anbetracht des rasanten Innovationstempo, das sie überfordert.
Eine andere „Fraktion“, die durch den Verfasser mit "Der Deutsche ist der Technik gegenüber, wie sich wieder einmal zeigt, zutiefst konservativ und träge eingestellt“ erwähnt wird, ist eher beunruhigend und sollte man nachdrücklich thematisieren.

  • Antworten
luis barrios
gröbenzell
24.09.2014 | 10:27 Uhr

Dogma und Gegendogma

Dogma und Gegendogma - mehr ist der Artikel nicht und sogar weniger als das.
Das behauptete Dogma gibt es so doch gar nicht - es gibt eher Versatzstücke aus Befürchtungen, Überforderung und Ignoranz. Diese DEN "Netz-Konservativen" zuzuschreiben ist reine Effekthascherei, Marketing.
Und das Gegendogma, die schöne neue Welt der Neugierde und einiger netter Jungs von google, die ein paar Dollar verdienen wollen und mal dies und mal das ausprobieren gibt es erst recht nicht. Diese Sichtweise ist ebenso antiquiert wie der behauptete Netz-Konservatismus. Apple, google & Co. sind keine Amateure aus irgendwelchen Hinterhofgaragen, die einfach nur bateln und keine langfristigen großen Ziele verfolgen. Der Autor ist wohl gerade aus einem Dornröschenschlaf erwacht.

  • Antworten
Tobias Heinwald
Berlin
24.09.2014 | 14:56 Uhr

Na, wenigstens haben sie

Na, wenigstens haben sie „Misogynie“ irgendwie untergebracht. Good boy.

  • Antworten
karl kalrssen
hier
24.09.2014 | 23:49 Uhr

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Alexander Pschera ist Publizist, Autor und Blogger. Er ist Geschäftsführer der Münchner Agentur Maisberger. Zuletzt erschien von ihm der Essay „Vom Schweben. Romantik im Digitalen“

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