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Schöne neue Facebook-WeltEine Freundschaft für 14 Cent

Von Timo Stein27. April 2011
picture alliance
Erkaufte Freundschaften? "Alles ist möglich!"
Erkaufte Freundschaften? "Alles ist möglich!"
Schrift:

Dass mit sensiblen Daten Handel getrieben wird, ist hinlänglich bekannt. Doch das Phänomen des Freunde-Kaufs auf Facebook findet weitgehend wenig Beachtung, ist jedoch im Netz seit längerem Realität. Cicero Online hat sich auf virtuelle Spurensuche begeben, sich Freunde „erkauft“ und mit Anbietern gesprochen.

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Susi E. grillt gerne. Sie hat eine Vorliebe für Marilyn Manson und ist in einer Beziehung mit C. Sie teilt ihren Freunden auf Facebook mit, wo sie arbeitet, wo sie zur Schule gegangen ist, in welcher Stadt sie lebt, welche Filme sie mag, auf welche Konzerte sie geht und anhand ihrer Bilder ist festzustellen, mit wem und wo sie ihren letzten Urlaub verbracht hat. Außerdem fährt sie gerne schnell Auto, was ihr kürzlich ein Bußgeld in Höhe von 370 Euro einbrachte. Susi ist eine gewöhnlich Facebook-Nutzerin, hat 166 Facebook-Freunde und geht nicht wesentlich offenherziger als viele andere Facebook-Nutzer mit ihren Daten um, nimmt sie doch an, dass die Menschen, die Zugriff auf ihr Persönlichkeitsprofil haben, zumindest in irgendeiner Art und Weise mit ihr bekannt sind.

Was Susi nicht weiß, sie ist mit dem Autor dieses Artikels „befreundet“, obwohl sie ihn nicht kennt. Er hat sich ihre Facebook-Freundschaft erkauft. Susis Freundschaft hat den Autor 0,1398 Euro gekostet.

Was wie ein virtueller Fetisch klingt, ist mittlerweile zu einem richtigen Markt avanciert. Bei Ebay werden 50 Facebook-Freunde bereits für 6.99 Euro angeboten. Ein solcher Anbieter ist beispielsweise der Ebay-Verkäufer „Media.solutions14“, der eine Freundschaft bereits für knappe 14 Cent feilbietet. Natürlich seien auch größere Pakete möglich, versichert der Verkäufer auf Nachfrage. Fünf Prozent Stammkundenrabatt gebe es bereits ab einer Bestellung von 500 Freunden. Die Freunde, so der Anbieter, kämen aus Deutschland und seien keine Fake-Accounts. Hinter den jeweiligen Profilen verbergen sich reale Personen. Bei einem Aufpreis von 0,05 Cent pro Freund können sogar Freunde nach Interessen generiert werden. Auf die Frage, ob auch das Geschlecht der künftigen Freunde wählbar sei, ob es beispielsweise möglich sei, nur fußballinteressierte Frauen zu „bestellen“, heißt es von Seiten des Anbieters: „Natürlich. Alles ist möglich!“ What a brave new Facebook-World! Wie genau die Freunde „generiert“ werden, will der Verkäufer nicht verraten. Dabei ist sein Schweigen weniger Ausdruck einer Angst vor möglichen datenschutzrechtlichen Konsequenzen, als er vielmehr um die vermeintliche Exklusivität seiner Geschäftsidee fürchtet.

Wesentlich auskunftsfreudiger ist da Jafeth Mariani. Seine Agentur Aladygma-Marketing bietet 10000 Freunde für bereits 390 Euro an. Mariani ist ein sehr umtriebiger und findiger Geschäftsmann, der seine Ideen in den Bereichen des Online-Marketings und Viralen-Marketings verortet. Er wirbt ganz offen und in verschiedenen Portalen für seine Angebote. Das kommerzielle Geschäft beziehe sich aber mehr auf sogenannte Facebook-Fans als auf Freunde, sagt Mariani. Fan kann ein Facebook-Mitglied einer gewerblich erstellten Facebook-Seite werden. Facebook-Freunde beschränken sich auf Profile zum Zwecke privater Nutzung. An Mariani treten vorrangig Anbieter solch kommerzieller Facebook-Seiten heran, um die Anzahl ihrer Fans zu erhöhen. Die Käufer erhoffen sich einerseits davon, ihre Inhalte unter mehr Anhängern zu verbreiten, andererseits signalisiert eine hohe Anzahl an Fans der Konkurrenz und der Kundschaft das Florieren des eigenen Geschäftes.

Um an die Fans zu kommen, bedient sich Mariani mehrerer Methoden. Er hat beispielsweise einen viel gelesenen Blog, auf dem er ein Thema bewirbt, das der Auftragsfirma entspricht. Bekommt er etwa einen Auftrag einer Autofirma, schreibt er auf seinem Blog einen auto-beziehungsweise unternehmens-affinen Artikel, der wiederum auf den Facebook-Auftritt des Kunden verweist und mal mehr, mal weniger subtil dazu auffordert, Fan dieser Seite zu werden. Außerdem wirbt Mariani in anderen Blogs und Netzwerken, um Fans für seine Kunden zu gewinnen. Mariani klagt jedoch, dass es immer schwerer geworden sei, Fans zu rekrutieren, da Facebook versuche, solche Entwicklungen zu erschweren.

Von Seiten einer Facebook-Sprecherin heißt es dazu nüchtern: „Facebook verurteilt Ansätze, die den Handel mit Facebook-Fans und -Freunden betreffen und prüft solche Hinweise selbstverständlich. Facebook behält sich dabei die Möglichkeit offen gegen Firmen und Marken, die den Kauf oder Verkauf von Fans unterstützen, rechtlich vorzugehen.“

Selbst Mariani warnt vor schwarzen Schafen in dem Bereich. Als solche bezeichnet er Anbieter, die beispielsweise damit werben, tausende Fans/Freunde innerhalb von 24 Stunden zu generieren. Das sei definitiv nicht möglich, ist sich Mariani sicher. Um 10 Leute zu erreichen, rechnet er vor, müssten mindestens 100 eingeladen werden.

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So ein schmarn, ich bin selber mitglied der Pro Guttenberg seite und kann bestätigen das ich dafür weder Geld, noch private Schäferstündchenangebote mit dem Seitenbetreiber erhalten habe, bevor jemand auf die Idee kommt, dieses gleichermaßen abwägige Gerücht breitzutreten.

  • Antworten
Peter Griffin28.04.2011 | 00:00 Uhr

So ein Blödsinn.
Als gegen Guttenberg demonstriert wurde, waren gerade mal 300 Studenten samt Schuhen auf der Strasse und da haben die Medien von "unzähligen" und "vielen" gesprochen. Bei Demos für Guttenberg waren tausende auf der Strasse und da wurde sich drüber lustig gemacht... schöne neue Welt indeed.

  • Antworten
Jo29.04.2011 | 00:00 Uhr

Für das Marketing via soziale Netzwerke, für PR via Twitter, Facebook und Co werden viele Stellen besetzt - es ist doch wohl anzunehmen, dass der Durchschnittsmensch den Empfehlungen seiner Freunde - ob real oder virtuell - mit der nötigen Skepsis begegnet, mit der er schon immer Empfehlungen anderer betrachtet hat, oder? Warum soll jetzt Facebook gefährlicher sein als der Freund aus der Kneipe? Warum werden soziale Netzwerke derartig überschätzt? Das liegt doch auch an Journalisten, die da neue demokratische Organisationsformen hineindichten - das ist doch ein Kontaktmedium, das einfach nur schneller als andere Netzwerke arbeitet. So what? Wer glaubt, die Anzahl seiner Facebook-Freunde bedeutet etwas, kann einem nur leid tun. Und wenn eine Firma meint, ihre Werbung wird effektiver, wenn sie bei jemandem etwas posten kann, der 2000 Freunde hat, dann kann sie einem auch leid tun - meiner Ansicht nach verballert sie ihr Geld. Sie ist eben nur dabei, dabei in den neuen Medien.

  • Antworten
larasara29.04.2011 | 00:00 Uhr

Bin ebenfalls Mitglied der Pro-zu Guttenberg Gruppen (wie viele meiner Freunde auch) und ich kann versichern, dass weder ich noch irgendeiner meiner Freunde durch irgendwelche Firmen dazu animiert wurde. Die Überraschung über die große Zustimmung lässt sich nur dadurch erklären, dass die Meinung des Volkes vor dieser Gruppe mit derer der Medien-Monopolisten Bild & Co. gleichgesetzt wurde. Hier findet sie (zumindest die der Facebook-user) direkten Ausdruck. Und wie man sieht war die Zustimmung größer als Gedacht. Dies wollen einiger aber nicht akzeptieren und flüchten sich in Verschwörungstheorien...

  • Antworten
Moritz29.04.2011 | 00:00 Uhr

Ich würde gerne mal die Quellen zu Ihrem Guttenberg Fall einsehen...?! Kann ich mir nicht vorstellen, und sehe das ganz genau so, wie Jo aus Frankfurt.
Und zu den Facebook Freunden, habe ich es richtig verstanden, dass die User selber darüber entscheiden, ob sie mit dieser Person befreundet sein wollen oder nicht? Was ist daran so tragisch? Ich nehme nur Leute an, die ich auch kenne... also passier mir so etwas nicht!!!
Gruß.

  • Antworten
Moritz29.04.2011 | 00:00 Uhr

Ich glaube, dass die Mehrheit

Ich glaube, dass die Mehrheit der hier postenden durch die Medien bereits eingenommenen Menschen (sonst wären sie nicht bei Facebook), gar nicht wissen, dass sie bereits unbewusst indoktriniert wurden. Ihr Opfer des gesellschaftlichen Gruppenzwangs.

  • Antworten
Marie29.06.2011 | 16:54 Uhr

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