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 > „Ein Leben als Versager hätte ich nicht ausgehalten“

Salon

Andreas Altmann„Ein Leben als Versager hätte ich nicht ausgehalten“

Interview mit Andreas Altmann4. März 2013
Wolfgang Schmidt
Reporter Andreas Altmann
Schrift:

Seit über 25 Jahren bereist der Reporter und Schriftsteller Andreas Altmann die Welt, kommende Woche erscheint sein neues Buch „Dies beschissen schöne Leben”. Im Interview spricht Altmann über Bücherklau, Narzissmus und den Wunsch, bisexuell zu sein

Seite 1 von 2

Herr Altmann, wann haben Sie zuletzt ein Buch geklaut?
Das war bei meiner letzten Lesetour. Ich stand schon an der Kasse, aber die Kassiererin konnte den Strichcode nicht ablesen und bat mich, ein anderes Exemplar zu holen. Ich bin zwar noch rüstig – aber die Zeit habe ich nicht. Da habe ich es eben mitgenommen.

Sie haben es eingesteckt?
Vorher habe ich noch nachgeschaut, ob eine Metallsonde drin war.

Autor Andreas Altmann (Foto: picture alliance)In Ihrem neuen Buch „Dies beschissen schöne Leben“ berichten Sie von jahrelangem Bücherklau. Wie ist es dazu gekommen?
Weil ich kein Geld hatte. Das ist keine Rechtfertigung – aber vielleicht eine Erklärung. Außerdem habe ich nur die großen Buchhändler beklaut.

Hat der Diebstahl einen besonderen Reiz?
Ja, klar! Weil: Was mache ich, wenn sie mich erwischen? Denken Sie mal an die Schlagzeilen: „Autor Altmann beim Klauen erwischt!“ Großartig!

Der Reiz des Verbotenen?
Natürlich. Wie sagte Billy Wilder: Volksschullehrerinnen sind nicht fotogen; böse Menschen schon.

Fürs Bücherklauen hatten Sie einen speziellen Mantel mit eingenähten Taschen.
Ein Mantel und ein dickes Harris Tweed Sakko. Beide hatten vier spezial erweiterte Inntaschen. Der Mantel war ein Nazimantel, so ein schwarzer, ganz schwerer. Den haben die Bücher nicht ausgebeult.

Raffiniert!
Das kommt alles noch vom Briefmarkenklauen in meiner Jugend. Da habe ich das entdeckt, diesen Thrill, diese Freude. Eigentlich wollen wir das doch alle. Die meisten trauen sich bloß nicht.

Ziehen Sie die geklauten Bücher den gekauften vor?
Nein, das hat sich immer so ergeben. Was mir der Markt angeboten hat, das habe ich genommen. Ich wüsste heute auch nicht mehr bei jedem einzelnen Buch, ob ich es geklaut habe oder nicht.

Als erfolgreicher Schriftsteller stehen Sie heute auf der anderen Seite.
Ja, heute sind alle Buchhändlerinnen meine Freundinnen.

Dieser Tage beginnt Ihre Lesetour mit „Dies beschissen schöne Leben“. Könnten Sie es einem Leser nachsehen, wenn er Ihr Buch bei einer Lesung klaute?
Ich habe neulich einem zugeschaut! Als Ex-Klauer hat man dafür ein Auge. Wenn einer noch nicht ganz Profi ist, macht er ein paar Bewegungen, die man nicht machen sollte. Ich habe gleich gesehen, dass der Typ im Begriff war, eine Missetat zu begehen. Nach erfolgreich begangener Tat wollte ich zu ihm gehen und mich bedanken.

Und?
Er hat es dann  doch gekauft.

Woran haben Sie ihn erkannt?
Er hat anscheinend überlegt, ob es in seine Tasche passen könnte. Er war so wie ich am Anfang. Hat sich umgeschaut. Das sollte man nicht machen.

Sind Sie beim Bücherklauen jemals erwischt worden?
Nicht ein einziges Mal.

Nächste Seite: „Banker riechen Geld, Nutten riechen Freier und ich rieche Stories”

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Narzisstisch die Welt bereisen...

Gratulation zum Lebenswerk, Herr Altmann. Gut, dass sie es zu etwas gebracht haben, und die Welt etwas besser gemacht haben.

Oder war das vielleicht nur das eigene Vergnügen, dass sie jetzt so verkaufen?

Schade, dass sie durch dieses Interview etwas bekannter geworden sind. Das würde ich mir eigentlich für wichtige Personen wünschen.

Es grüßt,
Franz Huber

  • Antworten
Franz Huber06.03.2013 | 14:11 Uhr

Bücherklau..

Mich verwundert die großmütige Aussage des Herrn Altmann zu seinem letzten Bücherklau. Um so verwunderlicher, da er doch als Autor vom Verkauf und nicht vom Klau seiner Bücher lebt.
Ist das die einzige Art für ihn, einen 'Thrill' zu erleben? Was will er uns damit sagen? Tatsache bleibt doch, dass durch Ladendiebstähle hohe Schäden entstehen, die wir alle tragen, weil diese Schäden wiederum auf die Güter aufgeschlagen werden.
Der Autor schreibt in seinem aktuellen Buch über Freundlichkeit und Respekt. Sorry, aber Klauen finde ich weder freundlich noch respektvoll noch sexy, Herr Altmann.

  • Antworten
Ellen Langer08.03.2013 | 10:52 Uhr

Was für ein unfassbar

Was für ein unfassbar unsympathischer Zeitgenosse! Kreist um sich seblbst und schreibt über sich selbst. Und verachtet seine Leser. Und die Buchhändler, die seine Bücher verkaufen. Und die Buchhändlerinnen, die ihn zu Lesungen einladen. Widerlich. Ein Narziss der übelsten Sorte.

  • Antworten
Pierre Geipel11.03.2013 | 13:46 Uhr

"Ich bin zwar noch rüstig –

"Ich bin zwar noch rüstig – aber die Zeit habe ich nicht. Da habe ich es eben mitgenommen."

So argumentiert ein Krimineller ohne moralisches Gewissen auch. Wieso nimmt sich Herr Altmann das Recht heraus, dass sein Bedürfnis (jetzt sofort gehen zu wollen) höher steht als das Bedürfnis des Verkäufers, Geld für sein Produkt nehmen zu wollen? Ich darf doch niemanden bestehlen, nur weil ich finde, ich habe keine Zeit dafür, an einer Kasse anzustehen!!

Herr Altmann denkt offensichtlich, dass für ihn die normale Gesetzgebung nicht gilt. So denken Psychopathen und Soziopathen auch. Es ist schlimm, dass diesem Gedankengut hier ein Forum geboten wurde. Es sei denn, Cicro wollte die üble Gedankenwelt des Herrn Altmann hier entlarven. Dann nehme ich mein urteil zurück, denn das ist geglückt.

  • Antworten
Markus Feldmann12.03.2013 | 13:15 Uhr

Andreas Altmann

nun las ich alle Kommentare, bin etwas irritiert. Natürlich tat er Unrecht, als er die Bücher einfach so mitgenommen hat. Aber ihn deswegen so zu beschimpfen, geht mir zu weit, auch wenn ich weiss, dass Altmann das Geld sehr wichtig ist, er momentan auch viel verdient, war es dumm von ihm. Nun, diese Geschichte tut seiner Begabung als Schreiber keinen Abbruch. Er schreibt seine Geschichten in einem wunderschönen Deutsch. Seine Biografie erschütternd, sein Wille, dem Kindheits-Jugendschicksal zu entrinnen, das Suchen nach seinem Wert, brauchte Jahre. Nun, sein neu erschienenes Buch. Er schont sich nicht, er öffnet Persönlichstes, wir nehmen Teil an seiner "Sucht nach Leben" (wie ein anderes Buch von ihm titelt). Ein Narziss nennt er sich selber, ist er. Preisgekrönt wird er hoch gelobt, reist mit seinen Büchern von Ort zu Ort, wird bejubelt. Ich ahne, neben seinem Gehabe , einen feinfühligen, sensiblen, jedoch durch sein Schicksal verletzten Menschen. Er flieht und reist, schreibt und lebt ohne Bindung, in Eigenverantwortung. Lest seine Bücher trotz seinem Vergehen, trotz seiner Arroganz, es lohnt sich! Lasst die Person Andreas Altmann einfach nur der Schreiber sein.

  • Antworten
marianne erni-stiner21.03.2013 | 15:58 Uhr

"Ein Leben als Versager hätte

"Ein Leben als Versager hätte ich nicht ausgehalten", das ist ja eine komische Schlagzeile. Wer ein Versager ist und wer nicht, wer bestimmt das? Ist nicht jemand, der seine Freunde um Geld betrügt, seine Freundinnen mit anderen Frauen betrügt, arrogant, überheblich und menscheinfeindlich daherkommt, jemand, der vier Jahrzehnte seines Lebens nichts auf die Reihe gekriegt hat, kein Versager? Jemand, der seine ehemalige Lebensgefährtin in einem Buch als "Geldhure" beschimpft? Ich war wirklich entsetzt, als ich gelesen habe, mit wie viel Hass Andreas Altmann Menschen verfolgt.

Ich will damit nur sagen, dass es immer vom individuellen Blick abhängt. Andreas Altmann hat offenbar für sich selber definiert, dass er kein "Versager" ist. Die Gründe, warum, lässt er im dunkeln. Aber das ist natürlich schön für ihn, wenn er sich selber als so toll sieht. Nur sehen ihn andere Menschen eben anders. Jemand, der so egoman und überheblich durch die Welt marschiert, ist in meinen eigenen Augen gleichwohl ein "Versager", weil er nicht begriffen hat, auf was es im Leben ankommt. Andreas Altmann ist nie erwachsen geworden. Von Mutti verwöhnt und verhätschelt (o ja, ich kenne das Buch, das er geschrieben hat - und meiner Meinung nach spricht aus dieser "Autobiographie" lediglich das narzisstisch verletzte Ego eines enttthronten Thronfolgers, der nicht damit umgehen konnte, dass seine Geschwister ebenfalls von seinen Eltern geliebt wurden!) kann er offenbar nicht damit umgehen, dass die Welt ihn nicht ebenso verhätschelt und anbetet wie seine Mutti ihn als Kind.

  • Antworten
Johannes Erler25.03.2013 | 15:49 Uhr

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