Saubere Spiele gibt es nicht. Also alles Heuchelei – am besten das Dopingverbot aufheben, wie es jetzt wieder einige fordern? Nein, das Dopingverbot ist und bleibt alternativlos. Ein Kommentar
Doping im sportlichen Wettbewerb oder in der Vorbereitung darauf gehört verboten – ohne wenn und aber. Das schafft zwar keine Chancengleichheit - die gibt es im Sport ohnehin nicht. Aber das Verbot sorgt immerhin für mehr derselben. Es ist für das Kulturgut Sport die einzige Überlebenschance. Und es bleibt weiter die beste Strategie, das Dopingproblem wenigstens ansatzweise in den Griff zu bekommen - und den Sport nicht vollständig zu pervertieren.
Es ist zwar richtig, dass der weltweit mit Milliarden Euro aus Sportmarketing, TV-Rechten und staatlicher Sportförderung subventionierte Spitzensport von Dopern und anderen zwielichtigen Profiteuren in ihrem Schatten unterwandert ist. Genauso dürfte niemand, der das System des kommerzialisierten Hochleistungssports begriffen hat, den so oft beschworenen Selbstheilungskräften des organisierten Sports vertrauen. Der Glaube an „Saubere Spiele“ angesichts weniger positiver Dopingtests bei den zu Ende gehenden Olympischen Spielen ist irrig – denn nur die Dümmsten lassen sich noch während eines Wettkampfs erwischen. Dopingkontrollen sind zwar weit effektiver als etwa vor zehn Jahren, aber weisen weiter bedenkliche Lücken auf - weil Nachweismethoden fehlen.
Das effiziente Doping, wie jeder Leistungssportkenner weiß, findet zudem in der Trainingsphase Monate vor dem Wettbewerb statt und ist dann wenn’s drauf ankommt biochemisch nicht mehr aufzuspüren. Auch wenn die Schätzung des einstigen kalifornischen Dopingdrahtziehers Victor Conte, dass 60 % der Olympiateilnehmer auf diese Art gedopt an den Start gegangen seien, wahrscheinlich übertrieben ist – die Anzahl der Manipulateure ist mit Sicherheit weit höher als es Kontrollstatistiken aussagen. Also alles Heuchelei – am besten daher das Dopingverbot aufheben, wie es jetzt wieder einige fordern?
Nein. Denn Spitzensport ist zwar viel Heuchelei und Lug und Trug – das Dopingverbot ist dennoch alternativlos.
Zunächst: Doping ist nichts anderes als Medikamentenmissbrauch. Wenn Dopingmittel im Sport legalisiert würden, kämen nicht mehr nur Arzneimittel ohne medizinische Indikation zum Einsatz, sondern es dürften ganz neue Mittel zielgerichtet für den Einsatz im Sport kreiert werden. Ein neuer Industriezweig wäre wohl die Folge mit Millioneninvestionen in raffinierte biochemische Wunderdrogen. Der menschliche Körper getunt wie ein Formel-1-Fahrzeug? Wollen wir das wirklich? Wer leichtfertig eine Freigabe des Dopings fordert, hat diese dann drohende Entwicklung verkannt.











