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 > „Doping“ ist ein Mythos!

Salon

Leistungssport„Doping“ ist ein Mythos!

Von Matthias Heitmann2. August 2012
picture alliance
Doping, olympische Spiele, Olympia, dopen
Doping legalisieren?
Schrift:

An den ritualisierten Debatten über „Doping“ offenbart sich das Dilemma des Leistungssports in Zeiten, in denen das Leistungsstreben in Zweifel gezogen wird. Es ist an der Zeit, sich von dem Begriff "Doping" zu trennen

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Olympia-Zeit ist Dopingjäger-Zeit. Alle Jahre wieder erschrickt die Welt angesichts der neuen Höchstleistungen, die die internationale Leistungssportelite zeigt. Dabei folgen die Athleten in ihrem Streben nach Rekorden lediglich der olympischen Devise, die da lautet: „Citius, altus, fortus“ – „Schneller, höher, stärker!“ Gelingen keine neuen Bestleistungen, wird schnell die Frage gestellt, wofür man sich als Gesellschaft die ganze Sportförderung überhaupt leistet. Wachsen Sportler aber über sich hinaus, so wird reflexhaft die Stirn in Falten gelegt. „Da war doch bestimmt Doping im Spiel!“, heißt es dann. Das öffentliche Urteil ist gefällt, bevor die Urinprobe überhaupt abgegeben ist. Schließlich sprechen die Indizien für sich. Welche Indizien das sind? Nun ja, die Leistung eben.

Der Leistungssport steckt in einem Dilemma: Höchstleistungen werden verlangt, in Höchstleistungen wird investiert, nur goutiert werden sie nicht, vor allem dann nicht, wenn sie scheinbar „unnatürlich“ sind. Dabei sorgt allein schon die Sport- und Elitenförderung dafür, dass hier nichts dem Zufall oder den Launen der „Natur“ überlassen wird. Und das ist auch gut so, denn Sport ist eine zutiefst unnatürliche Angelegenheit. Außer dem Menschen gibt es kein anderes Lebewesen, das „Sport“ treibt. Er ist ein rein künstlich geschaffenes Zivilisationsprodukt ohne natürliches Vorbild.

Ebenso wenig wie den natürlichen Sport gibt es eine „natürliche menschliche Leistungsfähigkeit“. Im Jahr 1922 stellte der US-amerikanische Leistungsschwimmer und spätere Tarzan-Darsteller Jonny Weissmüller einen Fabelweltrekord auf: Als erster Mensch schwamm er die 100-Meter Freistil in weniger als einer Minute. Mit dieser Zeit würde sich Weissmüller heute nicht einmal für Landesmeisterschaften der Jugendlichen qualifizieren. Dies liegt nicht daran, dass heute schon Jugendliche mit Steroiden oder ähnlichem vollgepumpt werden, sondern daran, dass die Menschen heute insgesamt zu größeren Leistungen fähig sind: Sie werden größer, leben gesünder (und deutlich länger), und sie werden stärker in ihren Leistungen gefördert als jemals zuvor.

Der Drang, die eigenen Leistungen wie auch das eigene Leben zu verbessern, ist ein durch und durch menschlicher. Ihm haben wir es zu verdanken, dass wir nicht mehr auf Bäumen leben, nicht mehr mit 40 Jahren an Altersschwäche sterben und nicht von aus heutiger Sicht banalen Krankheiten dahingerafft werden. Doch gerade solche Errungenschaften werden heute vielfach skeptisch beäugt. Die Abkehr von natürlichen Lebensweisen sowie das Überschreiten vermeintlich natürlicher Grenzen wird in einer Zeit, in der die Menschen sich selbst und ihrer Gattung misstrauisch gegenüberstehen, für zahlreiche gesellschaftliche Missstände verantwortlich gemacht. Ein möglichst natürliches oder zumindest nachhaltiges Leben gilt heute vielen Menschen als einzige Alternative.

Es ist dieser Zeitgeist, der den Diskussionen über die Verwendung leistungssteigernder Substanzen und Trainingsmethoden seine so große gesellschaftliche Bedeutung verleiht. „Doping“ erscheint als Inbegriff aller negativen Eigenschaften der modernen Gesellschaft. Betrachtet man die offizielle Definition des Begriffes „Doping“, wird deutlich, warum das so ist: Im olympischen Anti-Doping-Code wird „Doping“ definiert als „die Verwendung von Hilfsmitteln in Form von Substanzen und Methoden, welche potenziell gesundheitsschädigend sind und/oder die körperliche Leistungsfähigkeit steigern können“. Im Zentrum der Doping-Definition steht eine Liste von als verboten eingestuften Substanzen und Methoden.

Was auf den ersten Blick einleuchtend wirkt, entpuppt sich bei einer genaueren Betrachtung als ein Konstrukt, dass zwar dem skeptischen Zeitgeist Rechnung trägt, einer kritischen Untersuchung jedoch nicht standhält. Fakt ist: Nach Ansicht der der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) wäre jeder Mensch des Dopings schuldig. Wir alle tun kontinuierlich unnatürliche Dinge oder nehmen Substanzen zu uns, um unser Leben und unsere Leistungsfähigkeit zu beeinflussen. Ganz offensichtlich gibt es also für Leistungssportler akzeptable und inakzeptable Methoden der Leistungssteigerung. Doch wo genau verläuft die Grenze zwischen beiden, und warum verändert sie ihren Verlauf? Bis vor einigen Jahren stand Koffein auf der Liste der verbotenen Substanzen. Ist der morgendliche Espresso „Doping“? Macht es Sinn, Substanzen, die potenziell gesundheitsschädigend sein können, zu verbieten, wo doch Leistungssport an sich nicht eben gesund ist und auch nicht Gesundheit zum Ziel hat? Gelten für Marathonläufer dieselben Körpermerkmale als „gesund“ wie für Gewichtheber oder Lieschen Müller? Todesfälle im Leistungssport gibt es leider immer wieder, doch nur selten sind diese direkt auf die Einnahme verbotener Substanzen zurückzuführen. Jedoch sind es hauptsächlich diese Fälle, die öffentliches Interesse erregen.

Seite 2: Warum es an der Zeit ist, sich von dem Begriff "Doping" zu trennen

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Absolut naive Darstellung!

Absolut naive Darstellung! Espresso, Hoehentraining...? Da liegen ganz andere Kaliber in den Schubkästen der zuständigen "Sportärzte". Man erinnere an die Beispiele ehemaliger DDR Leistungssportler, die sich im Nachhinein das Ganze gern erspart hätten. Wie will man so ein System steuern. Wie das Ganze vor den Kinder und Jugendlichen verantworten. Dann noch die teuren von GEZ Geldern bezahlten Sport-Uebertragungen mit vollgedroehnten Akteuren. Es würde nicht vor lebensgefährlichen Substanzen halt gemacht werden!

  • Antworten
Eddie 02.08.2012 | 16:43 Uhr

Sport lebt vom Zuschauen!

Der Sport lebt nicht allein von den Athleten, sondern auch von den Zuschauern - Sportsoziologie, erstes Semester. Die komplementären Rollen Athlet/Zuschauer bilden das vom Autoren angesprochene zivilisatorische Konstrukt und der Zuschauer wünscht nun einmal keinen Wettkampf der Pharmaindustrie, die sich der Sportler im Falle einer Freigabe des Dopings bedienen würde. Der Zuschauer will sich mit den Athleten identifizieren(!) können und das kann er nur, wenn die Athleten "sauber" bleiben. Die Ansichten der passiv Sportbegeisterten und die sich dahinter verbergenden kollektiven Werte kann man kritisieren, als Gegebenheit muss man sie aber akzeptieren.

Im Übrigen widerspricht sich der Author selbst, wenn er einerseits Sport als "unnatülich" kennzeichnet, andererseits aber die Opposition natürlich/unnatürlich grundsätzlich in Frage stellt. Wenn man die Unterscheidung ablehnt, kann man nicht gleichzeitig mit den Begriffen operieren.

Die Grenze zwischen verbotenen und legalen Substanzen verläuft im Übrigen nicht entlang der "Demarkationslinie" natürlich/unnatürlich, sondern ist wie im zweiten Teil postuliert eine willkürliche Festlegung. An diese Unterscheidung müssen sich alle Athleten halten und daran misst sich die sportliche Fairness; nicht am Gebrauch leistungssteigender Mittel an sich.

Es ist an der Zeit, sich von dem Begriff Doping zu trennen, wenn es an der Zeit ist. Momentan ist es das nicht, andernfalls wäre es eine Verkennung der Wirklichkeit. Den Begriff "Doping" gibt es auch nur innerhalb des sozialen Konstrukts Sport, im Alltag ist Doping kein Problem. Jeder ist frei legale Mittel zur Leistungssteigerung zu konsumieren, warum es in einer freien Gesellschaft Verbote für gewisse Substanzen gibt ist eine anderes Thema.

  • Antworten
Lamento02.08.2012 | 21:09 Uhr

Mythosgeschwafel

Wieder einer dieser unsäglich einfältigen Kommentare zum Thema der die eignetlichen Aspekte komplett ausblendet.

1.) Der Begriff Doping ist ersetzbar durch den Begriff "Betrug"
Es handelt sich nämlich um einen Betrug am Zuschauer und am Konkurrenten. In den Sportarten, in denen das Doping ein großes Thema ist geht es nicht nur um Sieg und Niederlage, sondern um Sponsorenverträge, die ich dem Konkurrenten vor der Nase wegschnappen muss. Wer nicht betrügt, ist der Dumme.
2) Fairness, Fairplay
Der Sport wird immer wieder auch mit diesem Begriff in Verbindung gebracht, der in unserem Alltag weitestgehend unter den Tisch fällt. Und das ist es, was ich als Zuschauer haben möchte. Mir ist ein fairer Verlierer lieber als ein Betrüger als Sieger. Mit denen muss ich mich schon im Alltag rumschlagen.
3) Vorbildfunktion
Man mag das ablehnen, aber Sportler haben eine Vorbildfunktion. Das lässt sich nicht wegdiskutieren. Und Betrüger sind nun mal keine guten Vorbilder.
4) Legalisierung von Doping ist Legalisierung von Betrug
Warum haben wir eigentlich Gesetze gegen Betrug, wenn sich ohnehin nicht jeder dran hält? Auch für Betrug gibt es keine klare "Demarkationslinie" sondern ist teilweise Auslegungssache, weswegen Gerichte darüber entscheiden müssen. Wo ist da also der Unterschied?
..."Warum tut man sich also so schwer mit einer klaren Definition von „Doping“?.. Man ersetzte nur "Doping" durch "Gesetze" ... ist das jetzt ein Grund Gesetze abzuschaffen?

Aber eigentlich ist das ganze Thema eine einzige Augenwischerei. Solange Menschen mit Sport reich werden können, also mit einer Tätigkeit, deren gesellschaftliche Relevanz eigentlich weit hinter z.B. Pflegeberufen steht, solange wird auch betrogen - wie in allen Bereichen, in denen es um viel Geld geht.
Und wenn der Autor glaubt, eine Legalisierung würde die im letztem Absatz beschriebenen Auswirkungen haben, kann ich nur sagen: Träum weiter! Diese "freiheitliche" Ideologie scheitert wie alle anderen Ideologien immer am real existierenden Menschen, der sich nie so verhält, wie man sich das in der Ideologie vorstellt.

  • Antworten
CortoMaltese6203.08.2012 | 10:30 Uhr

Nehmt das Doping nicht weg.....

So lange (und das wird es immer sein) Sport als lukrative Geldmaschine für diverse Bereiche nutzbar ist (von den Sportlern selbst über die Medien bis zu den Herstellern von Fan-Artikeln), wird es legale und illegale Möglichkeiten geben, den Geldgewinn zu maximieren. Und so, wie man Mototoren nicht öffentlich in der Box frisiert, wird es auch künftig ein Reiz sein, Sportler zu frisieren. Und die Dopingjäger werden auf ihre nie zu gewinnende Jagd gehen, Medien werden daran verdienen und Labors schneiden sich ein Stück Speck ab. Jeder hat etwas davon und der Zuschauer finanziert es mit GEZ und Eintrittsgeldern. Er will es so und die Diskussion über Doping oder nicht ist längst ein abendfüllendes Programm an Stammtischen geworden. Das wollen wir doch keinem nehmen.

  • Antworten
hallertauer03.08.2012 | 12:18 Uhr

... "auch andere Mythen zu knacken"

Was denkt der Autor Herr Heitmann über die Legalisierung von bestimmten chemischen Drogen? Ist das einer dieser anderen Mythen?

  • Antworten
Christopher P.05.08.2012 | 02:09 Uhr

Praxisfremder Artikel

Ich frage mich: ist der Autor aktiver Sportler? Ich bin letzte Woche an einem Tag 200 km Mountainbike gefahren (u.a. Teil des Rheinradwegs, d.h. ebene Strecke). Für mich war dies die Grenze, mehr wäre nur schwer gegangen. Allerdings weiß ich aus Erfahrung: ich hätte noch Reserven gehabt, Reserven welche mein Körper angezapft hätte, wenn eine Notsituation eingetreten wäre. Doch das wären halt auch die letzten Reserven gewesen und es ist gut, dass der Mensch auf diese nicht willentlich zugreifen kann. Doping macht es nach meinem Wissen möglich, auf solche Reserven zuzugreifen. Dies ist allerdings gefährlich. Und es ist etwas ganz anderes, als wenn ich meine Leistungsfähigkeit durch Training oder gesunde sportorientierte Ernährung fördere. Denn dann bleibt die Reserve erhalten. Mir kommt es so vor, als wenn der Autor rein theoretisch geschrieben hat, ohne Praxiserfahrung mit Sporternährung/Training.

  • Antworten
BS05.08.2012 | 03:20 Uhr

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