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 > Dieter Bohlens Prügel für die jüngste Generation

Salon

DSDS für KinderDieter Bohlens Prügel für die jüngste Generation

Von Marie Amrhein 16. März 2012
picture alliance
Dieter Bohlen, DSDS, Deutschland sucht den Superstar, die geprügelte Generation,
Dieter kann auch anders – will er aber nicht, verkündet das aktuelle Werbeplakat.
Schrift:

Während die einen das Ende der Castingshows ausrufen, holt RTL zum finalen Schlag aus: „Deutschland sucht den Superstar“ soll es jetzt auch für Vierjährige geben. Wurde früher mit dem Rohrstock geprügelt, dürfte Dieter Bohlen der nächsten Generation dann verbale Schläge erteilen

Seite 1 von 2

Ein bisschen Bohlen zur Einstimmung? Bitteschön: „Du bist hier der Loser. Du kannst nix. Feierabend!“, „Dich haben sie bei der Mülltrennung offenbar auf den falschen Haufen getan“, „Wo gehst du denn hin: Zum Frauenarzt oder zum Männerarzt? Ich meine, wenn ich deine Brust sehe, ist das so 'n bisschen dazwischen...“

Dieter Bohlen soll jetzt auch vierjährige Kinder zur Minna machen. Glaubt man der Pressemitteilung von RTL, dann geschieht das auf Wunsch der Betroffenen selber. Die Gruppe der Vier bis Vierzehnjährigen habe Herrn Bohlen mehrfach mitgeteilt, auch sie wünsche sich ein Format wie die Castingshow „Deutschland sucht den Superstar“ (unter Kennern DSDS genannt) für ihre Altersklasse.

Das ist die Erklärung für die übel riechende Quotenjagd, die den Privatsender einmal mehr zu Höchstleistungen antreibt. Denn RTL schaut mit Sorge auf die sinkenden Zuschauerzahlen des einstigen Erfolgskonzepts DSDS, bei dem prollige Teens vor greller Südseekulisse billige Plastiksongs abspulen und dabei mit ihren hübschen Ärschen wackeln.

Nun also Kinder, die sich vor der Kamera – von den Machern gekonnt in Szene gesetzt –  seelisch entblößen und ihre Körper bühnentauglich präsentieren? Unter den Spaßbremsen der Republik hat prompt eine Diskussion über Bohlens fehlende „Wertschätzung für Menschen“ eingesetzt, wie es Heinz Hilgers, Präsident des Deutschen Kinderschutzbundes, formuliert. Schlimme Folgen könnte ein Auftritt der Kinder in dem Format haben, wenn sich die Macher an der Art der Bloßstellung und Demütigung der bisherigen Sendungen orientieren. Nun ja, das mag sein. Aber wenn es die Kinder so wollen? Was will man machen?

Was will man machen, wenn der gesunde Menschenverstand der Fernsehmacher immer weiter degeneriert? Auf wen kann man noch zählen, wenn Eltern es nicht vermögen, ihren Nachwuchs vor Derartigem zu schützen. Wenn sich zwar das Feuilleton der Qualitätszeitungen geschlossen gegen die Castinggesellschaft formiert, dieses aber bei der Zielgruppe nicht ankommt? Die Bild zumindest spricht verniedlichend von „Kinderquatsch mit Dieter Bohlen.“

Nächste Seite: Eigentlich dankt die „geprügelte Generation“ gerade ab

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panem et circenses

"Vielleicht gelingt es RTL, mit dieser Geschmacklosigkeit die letzte Runde öffentlicher Hinrichtungen eingeläutet zu haben. Vielleicht haben sich die Ideengeber ihr eigenes Grab geschaufelt. Und das Privatfernsehen frisst seine Kinder, sozusagen."

Panem et circenses hat schon immer funktioniert. Ihre Prognose ist ist redlich und wünschenswert, aber leider unrealistisch. Die Wahrheit ist vermutlich, dass DSDS nach mittlerweile zehn Jahren nichts mehr als den automatisierten Empörungsreflex zu bieten hat.
Demütigungen müssen spontan wirken, emotional, um psychologisch wirksam zu sein. Ein Dieter Bohlen, der außer Pöbelei keine rhetorischen Fähigkeiten vorzuweisen hat, hat sein Pulver verschossen. Wer zehn Jahre beleidigt und ´rumgeätzt hat, wandelt sich mehr und mehr in seine eigene Karrikatur.

BTW: Erinnert sich noch jemand, dass Monika Griefahn (SPD) Bohlen 2003 das Bundesverdienstkreuz anhängen wollte? Sigmar Gabriel hat nach eigener Aussage selbst dafür gesorgt, dass es nicht soweit kommt.

  • Antworten
Guido Hartmann18.03.2012 | 11:12 Uhr

Solch einen Stänkerer wie den

Solch einen Stänkerer wie den Bohlen lasse ich nicht auf meinen Bildschirm. Mein Fernseher ist schon 20 Jahre alt, dem kann ich das nicht zumuten. Überigens schaue ich sehr wenig, da die Sendungen kaum sehenswert sind. Würde man das Fernshen abschaffen, so würde ich nichts vermissen.

  • Antworten
Hennoch18.03.2012 | 19:38 Uhr

Bohlen

Das Privatfernsehen frißt seine Kinder ,das wäre schön.Wir dürfen nicht vergessen daß wir in einen reinen kapitaldemokratischen Staat leben, wo die Menschenwürde lediglich als Buchstabe auf dem Papier vorkommt.So wie wir mit unseren Kindern umgehen ,so werden sie einst auch mit uns umgehen.Gleichgültig ,gewissenlso ,nur dem Kommerz und dem Konsum verpflichet.Also bitte nicht wundern !

  • Antworten
Ahrens,Klaus18.03.2012 | 21:14 Uhr

Heuchelei

Die Sorge um Verletzungen der Kinderpsyche durch Dieter Bohlen ist absurd. Quantitativ und qualitativ um ein Vielfaches schlimmer ist das tägliche schwerste Mobbing durch Alterskameraden in der Schule, körperliche Übergriffe kommen noch hinzu. Die Medien sollten lieber darauf eine Antwort suchen, statt sich an Dieter Bohlen abzuarbeiten.

  • Antworten
Benedikt19.03.2012 | 12:45 Uhr

@Benedikt

Sicher wird sich die Teilnahme an Kinder-DSDS für die kleinen zudem noch sehr positiv auf deren Verhältnis zu ihren Mitschülern auswirken...
Dennoch keine Angst, die Heuchler werden Dir Deine Fremdschampornographie schon nicht wegnehmen können.

  • Antworten
HansonD.19.03.2012 | 15:09 Uhr

@HansonD.

Sie meinen es ironisch, aber in der Tat könnte ein Auftritt im Kinder-DSDS das Ansehen des Teilnehmers bei den Mitschülern eher stärken als schwächen. Übrigens: in der anderen Dieter Bohlen-Sendung "Supertalent" wurden die Kinder stets respektvoll behandelt. Wieso kann man dann davon ausgehen, dass das im Kinder-DSDS anders sein sollte?

  • Antworten
Benedikt19.03.2012 | 16:20 Uhr

Es trifft den Falschen!

Gut, dass man mit Dieter Bohlen gleich den Richtigen hat, auf den man einschlagen kann, ohne die wirklichen Probleme bei diesem Format zu hinterfragen.
Dieter Bohlen ist aber auch Vater und ohne DSDS-Kameras ist er durchaus fähig auch richtig vernünftig mit Jugendlichen zu reden. (Ja, eigene Erfahrung, bzw. die des Sohnes!)
Ich mache mir eher Sorgen um die kleinen Kinder, die von ihren Müttern zu diesem Event geschleift werden. Wie wichtig das Singen-Können ist, kann man schon bei den Anmeldebedingungen ersehen -> Gewünscht wird ein FOTO, keine Sangesprobe. ;o)
So kann man schon mal die Kinder mit dem erhöhten Niedlichkeitsfaktor à la Shirley Temple finden.
Und wenn hier die Einschaltquoten stimmen sollten, ist es nur noch ein kleiner Schritt bis zu Germanys Next Mini Model wie in den USA. Das gilt es zu verhindern!

  • Antworten
PeRiBa19.03.2012 | 18:28 Uhr

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