Ist das nicht genau das, was die Reformkatholiken
fordern? Die Verkündigung der Kirche heute verständlich und
verdaubar zu machen?
So meine ich das nicht. Im Gegenteil. Ich meine, man muss
sich der geistigen Anstrengung stellen, nicht alles
mundgerecht serviert zu bekommen. Ja, man muss sich dieser
großartigen Fremdheit des Evangeliums aussetzen. Es gibt keine
Sprache, die die Lazarus-Geschichte oder die wundersame
Brotvermehrung für die heutige Vernunft plausibler machen könnte.
Jesus selbst hat doch gesagt: „Mein Reich ist nicht von dieser
Welt.“ Der Gottesdienst soll mir nicht helfen politische
Entscheidungen zu treffen, oder die nächste Öko-Plattform richtig
zu verstehen. Es geht um meine Seele. Darum kümmert sich sonst
niemand. Und im Katholizismus sind Formen keine atavistischen,
überholten Rituale, sondern immer auch Inhalt. Deshalb hält man
manchmal die Banalisierung der Formen kaum aus.
Wie meinen Sie das?
Auf einer viel trivialeren Ebene hat es das Regietheater
vorgemacht. Zwanzig Jahre lang ist ein Klassiker nach dem anderen
„entrümpelt“ und teilweise neu geschrieben worden. Nach all den
Entrümpelungsversuchen springen auf einmal nur noch nackte Hamlets
auf der Bühne herum. Die brüllen dann, und setzen sich auf Eimer,
aber keiner kann mehr den Text. Ich war mit meinem Sohn im Thalia
Theater im Hamlet, und der hat das Stück einfach nicht mehr
verstanden. Und selbst die, die den Hamlet inszenieren, kennen auf
einmal nur noch die Readers Digest Fassung. Da geht etwas verloren.
Es gibt nur noch Mitspieltheater. Und der neue Katholizismus ist
ein Mitspielkatholizismus geworden. Jeder malt mit, jeder hat ne
Idee, jeder steuert was bei, jeder will am besten Priester sein.
Ist ja ein schöner Gedanke, nur geht dabei eben die eigentliche
Gestalt verloren. Und wenn wir heute bedroht sind, dann nicht von
zuviel Konservativismus, sondern von zuviel Korrosion. Vom
Treibsand. Und da bin ich ganz eigensinnig: Da ist die reaktionäre
Haltung die Fortschrittlichere.
Danke sehr für das Gespräch!
Das Interview führte Constantin Magnis.











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