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 > Die Narzissmus-Falle

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Freundschaft im InternetDie Narzissmus-Falle

Von Petra Sorge14. August 2012
picture alliance
Facebook,Timeline,Freundschaft,soziale Netzwerke,Narzissmus im Internet
„Wenn wir allein sein können, während wir Kontakt herstellen, können wir mit dem Zusammensein umgehen“
Schrift:

Haben wir durch die sozialen Netzwerke verlernt, was Freundschaft ist? Nicht unbedingt. Wer auf Facebook & Co. unterwegs ist, pflegt keine Freundschaften, sondern bedient seinen Narzissmus

Seite 1 von 2

Als Karen im Instant Messenger las, dass der Vater ihres Freundes gestorben war, war sie erleichtert. Nicht über die Todesnachricht selbst – sondern darüber, dass sie davon per Computer erfuhr. „Das machte es einfacher, es zu hören. Ich brauchte keinen erschüttert anzusehen.“

Der Philosoph Arthur Schopenhauer schrieb einmal: „Wahre, echte Freundschaft setzt eine starke, rein objektive und völlig uninteressierte Teilnahme am Wohl und Wehe des anderen voraus.“ Freunde lachen miteinander, trauern gemeinsam, nehmen sich auch mal in den Arm. Freundschaft heißt Geben und Nehmen. Eigentlich.

Doch mittlerweile ist das, was Karen da berichtet, längst kein Einzelfall mehr, wie die US-Psychologin Sherry Turkle in ihrem Buch Verloren unter 100 Freunden berichtet. Das Internet sei zum sozialen Abstandhalter geworden. Es ergänzt nicht die interpersonale Kommunikation – also das Vier-Augen-Gespräch –, sondern ersetzt sie, schreibt die Autorin. Das früher noch alltägliche Telefongespräch ist heute fast verschwunden, zumindest, wenn man sich unter Teenagern umhört. Statt Streitgesprächen gibt es Statusmeldungen, es wird gechattet und gesimst, gepostet und geliked. „Wenn wir allein sein können, während wir Kontakt herstellen, können wir mit dem Zusammensein umgehen“, schreibt Turkle.

Ist Freundschaft also eine soziale Kategorie der Vergangenheit? Ein Mythos unverbesserlicher Optimisten?

Bildergalerie: Was bedeutet heute Freundschaft?

Mitnichten. Es ist eher so, dass Turkle an die Cyberwelt einen Maßstab anlegt, den das Internet als komplexes Medium weder erfüllen kann noch dessen Zweck es ist. Und die Psychologin lässt auch das Henne-Ei-Problem ungeklärt: Sind es eher die einsamen, kontaktscheuen Menschen, die sich im Netz engagieren – oder ist es andersherum eher das Internet, das die soziale Isolation verstärkt?

Vor rund 2.000 Jahren stellte Aristoteles fest: „Die Neigung zur Freundschaft entsteht (…) oft plötzlich, die Freundschaft selbst aber braucht Zeit.“

Die Idee von Facebook-Gründer Mark Zuckerberg ist deshalb so genial, weil er es verstanden hat, diese uralte Sehnsucht zu bedienen. Das Versprechen von Facebook ist das Versprechen von „billiger“ Freundschaft. Die Kosten: gleich null, der Nutzen: viele Freunde, (scheinbar) hohe Beliebtheit. Und doch zeigt die Statistik, dass auch diese Art der „Freundschaft“ nicht ohne Zeiteinsatz funktioniert: Der durchschnittliche deutsche Facebook-Nutzer verbrachte im vergangenen Jahr monatlich rund 15,5 Stunden auf dem Portal. Das war mehr als ein Sechstel der gesamten Online-Zeit – so lang wie kein anderes Ziel im Internet, wie eine Studie ergab.

Doch das Nutzungsverhalten suggeriert, dass Facebook längst kein Kanal mehr zur Freundschaftspflege ist – wenn es das je war – als vielmehr der Selbstdarstellung dient. Internetnutzer – vor allem minderjährige – geben immer mehr Geld aus, um ihr digitales Ich zu füttern. Sogar Turkle beschreibt die verzweifelten Versuche, sich Aufmerksamkeit mit permanenter Kontaktbereitschaft zu erkaufen.

Seite 2: „Ich poste, also bin ich.“

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von außen betrachtet...

Naja, der Artikel ist nicht wirklich aus Sicht einer Person geschrieben, die sich natürlich im Facebook bewegt.
Es gibt (und gab sicher schon immer) Leute, die alle fünf Meter auf der Straße einen "Freund" zu treffen - und Narzissmus damit befriedigen, wenn man beim Artikel bleiben will. Das hatte noch nie was mit echten Freunden zu tun und darüber würde sich auch niemand aufregen. Der einzige Unterschied zum Facebook ist, dass es kein Verfallsdatum von Bekanntschaften gibt, sondern sie immer fein säuberlich aufgelistet und kontaktierbar (!) bleiben.
Man sollte nicht so viel Wortklauberei betreiben (warum jetzt Freund, Bekannter, Dahergelaufener alles "Freund" heißt), sondern darüber nachdenken, ob Facebook effektiv Bekanntschaften länger am Leben erhält oder nicht.

  • Antworten
Marvin14.08.2012 | 20:15 Uhr

Die Entwertung

des Begriffes "Freund oder Freundin" ist schon länger im Gange und wird von facebook sicher gefördert.

Männer kennen ja den "Kumpel". Mit dem hat man schon mal "einen gesoffen" oder war mit ihm "auf Piste". Frauen machen daraus gleich eine "Freundin".

Erleichtert wird diese Entwicklung seit mehreren Jahrzehnten durch den inflationären Gebrauch des "Du". Abteilungsleiter in Bundesbehörden, die heute mit "Hallo" grüßen, sind fast eine Selbstverständlichkeit. Alle wollen ja so cool und locker sein.

Vielleicht sollte man den "Freundesbegriff" bei facebook nicht so ernst nehmen. Es sind Bekannte - bestenfalls.

  • Antworten
Katharina K.15.08.2012 | 09:51 Uhr

Umweltverschmutzung

Die sogenannten Sozialen Netzwerke sind eine moderne Form der Umweltverschmutzung. Auf mehrfache Weise. Sie bringen die Menschenheit nicht weiter, im Gegenteil. Reale Beziehungen werden ersetzt. Und sollte unsere Regierung mal das Internet abstellen, weil es ihnen so passt, dann sinkt die Anzahl von Freunden der Facebookuser plötzlich von 100 auf NULL.

  • Antworten
EuroTanic15.08.2012 | 23:01 Uhr

Die Narzissmusfalle

Sehr geehrte Frau Sorge,

Dank für diesen hervorragenden Beitrag!

Mit freundlichen Gruß

Bert Steffens
Freier Philosoph
Andernach

  • Antworten
Bert Steffens16.08.2012 | 07:53 Uhr

Ich halte auch nicht viel von

Ich halte auch nicht viel von sozialen Netzwerken, aber die Möglichkeiten gerade für Autoren sind durch sie einfach hervorragend. Gerade wenn man sich anschaut wie wichtig <a href="http://www.buch-seo.de">Buch SEO</a>
sein kann.

  • Antworten
Hanni16.08.2012 | 10:26 Uhr

Kommerzielle Aspekte sollten erwähnt werden

Dass Facebook und Twitter keine echten Freundschaften erzeugen, wissen die meisten Netzwerkler wohl meistens selber. Auch der Begriff Bekanntschaften trifft es nicht, richtig könnte frau/man sagen: Oberflächliche Bekanntschaften. Ich wundere mich immer wieder, wie extrem kurz und oberflächlich haufenweise Kommentare, verpackt in ein bis zwei dürren Sätzchen, gepostet werden, die eigentlich nach ausführlichen Schilderungen schreien.
Was in dem Artikel "Die Natzissmus-Falle" fehlt, ist der kommerzielle Aspekt. Das ist zwar nicht das Thema von diesem Artikel, aber es gehört zu Facebook und Twitter einfach dazu. M.Zuckerberg und Co sind dadurch reich geworden. Ganz nebenbei: Sie fördern den Konsumidiotismus in Reinkultur.

  • Antworten
Dietrich Daub29.01.2013 | 18:15 Uhr

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