Mit voller Kraft, schier unermesslichem Reichtum und modernsten Mitteln segelt das Neue Russland zurück ins Mittelalter. Oder kann man diese Bilder anders verstehen? «Little Adults», kleine Erwachsene, hat die Fotografin Anna Skladmann ihre frappierende Bilderserie betitelt. Und tatsächlich finden sich darauf Kinder, die keine Kinder sein sollen oder wollen. Kinder, die es so zuletzt in der Ikonograe des fünfzehnten Jahrhunderts gegeben hat. Erst danach wurde – dem Historiker Philippe Ariès zufolge – der moderne Begriff der Kindheit ja überhaupt erst erfunden. Die vor Skladmanns Kamera bereitwillig posierenden Selbstdarsteller entstammen den Familien superreicher russischer Oligarchen. Zwischen sechs und zwölf Jahre alt, scheinen sie bereits ein unumstößliches Bewusstsein von ihrem Platz in der Welt ausgeprägt zu haben. Es ist eine Welt, in der sie nie werden arbeiten müssen – aber auch nie werden spielen dürfen. Sie wissen, dass auch Geldadel verpflichtet, und repräsentieren mit nahezu heiligem Ernst. Auch die Fotografin selbst ist noch nicht sehr alt. Anna Skladmann wurde 1986 in Bremen geboren, ihre Mutter und Großmutter aber stammen aus Moskau, beide haben dort am Bolschoi-Theater gearbeitet. An der Weise, in der Skladmann den Habitus und die Interieurs der superreichen Kinder ins Bild setzt, merkt man, dass sich ein Sinn für Bühnen-Inszenierungen vererbt haben muss. Anna Skladmann
Little Adults
Kehrer, Heidelberg 2011.
112 S., 36 €
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Die jüngsten und ältesten Gesichter Russlands
von 16. Juni 2011
ROD
Auf Anna Skladmanns Fotografien posieren die Kinder der russischen Oligarchen
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