Dass Künstler Geld für ihre Werke erhalten sollten, bezweifelt niemand mehr, sagt die CSU-Netzexpertin Dorothee Bär. In einem Beitrag für Cicero Online plädiert sie für ein moderneres Urheberrecht
Ende Mai machte der Amerikaner Isaak Lamb seiner Freundin Amy einen der wahrscheinlich schönsten Heiratsanträge der Mediengeschichte – und dokumentierte diesen mit einer Handycam. Nachdem er ihn dann bei Youtube eingestellt hatte, erreichte der fast vierminütige Clip innerhalb einer Woche knapp 10 Millionen Klicks. Man sieht darin Freunde und Verwandte des Bräutigams in Spe, die zu dem Song „Marry You“ von Bruno Mars tanzend einem offenen Wagen hinterherlaufen, in dem die Angebetete sitzt.
Ich möchte das jetzt gar nicht weiter beschreiben: Man muss es einfach gesehen haben, um den ganzen Charme, den diese Szenerie ausstrahlt, nachvollziehen zu können. Das Video ist ein weiteres Beispiel dafür, welch zauberhafte Geschichten das digitale Zeitalter schreibt, und wie einfach Millionen von Usern unabhängig von Zeit und Ort an diesen Geschichten teilhaben können.
Bruno Mars, der Urheber des verwendeten Songs fand die Aktion des jungen Amerikaners übrigens ebenso gelungen. Er twitterte: „Glückwunsch für Isaac Lamb und seine zukünftige Frau. Ich selber hätte kein besseres Musikvideo für diesen Song machen können. Danke schön.“
Soviel zum schönen Teil dieser Geschichte. Der unschöne ist, dass ein solcher Liebesbeweis in Deutschland vermutlich nicht erbracht werden könnte. Würde man ein solches Video hierzulande veröffentlichen wollen, würden die potenziellen Zuschauer beim Klick auf den entsprechenden Link die eher unterkühlten Zeilen „Dieses Video ist in Deutschland leider nicht verfügbar, da es möglicherweise Musik enthält, für die die erforderlichen Musikrechte von der GEMA nicht eingeräumt wurden. Das tut uns leid“ sehen. Romantik stelle ich mir anders vor.
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Warum sehen wir also immer nur ein frustriertes rotgesichtiges Emoticon, wo andere neue Musikvideos, Trailer oder selbstgedrehte Clips von Menschen aus aller Welt (außer aus Deutschland) sehen können? Warum fühlen wir uns schon fast kriminell, wenn wir ein Familien-Video vom ersten Schultag unserer Kinder mit „Everybody‘s got to learn sometime” von The Korgis aus dem Jahre 1980 unterlegen und dann auf unseren Youtube-Channel laden möchten?
Die Antwort ist einfach: Weil wir die digitale Revolution noch nicht verarbeitet haben. Weil, um einmal in diesem Bild zu bleiben, die Paläste des vordigitalen Zeitalters zwar weitgehend gestürmt, aber noch nicht neu möbliert wurden. Und weil wir bei der Auswahl der neuen Inneneinrichtung sehr sorgfältig vorgehen müssen, da es gilt, teilweise diametral zueinander stehende Geschmäcker auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen. Dabei muss uns aber klar sein, dass, sollte uns dies nicht gelingen, die bloße Fassade bliebe, und sich die Menschen ihre eigenen Häuser bauten. Dann liefen wir Gefahr, in einem babylonischen Chaos einer digitalen Gesellschaft zu landen, durch die ein Riss ginge, der die Menschen dieses Landes in Diggies und Internetausdrucker, in Cracks und Beckenrandschwimmer teilte.
Seite 2: Die „Generation Kostenlos“ gibt es nicht












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