Die Bundesliga feiert Jubiläum: Seit 50 Jahren gibt es sie. Fußball ist Erinnerungssport mit kuriosen Geschichten: In den Anfangsjahren konnte sogar der heute zweitklassige FC Köln zweimal gewinnen
Die Fußball-Bundesliga ist – im 50. Jahr ihrer Existenz – Deutschlands beliebteste Erinnerungsmaschine. Von Stadion zu Stadion, von Stadt zu Stadt verschieden, gewiss. Und am liebsten erinnert werden in den Fußballprovinzen immer noch die unverhofften Siege der ewigen Mitspieler über Bayern München (21 Titel), über Borussia Dortmund (5 Titel) oder – in der Hochzeit ihrer Spielkultur zwischen 1974 und 1976 – über Günter Netzers Borussia Mönchengladbach (5 Titel). Alle Siege über den unglückseligen Hamburger SV (3 Titel) galten als sportlicher Beitrag zur Dekonstruktion eines Meister-Mythos, der mit der Lebenszeit der Gebrüder Seeler zusammenfiel.
Jede Nation, sagt der Historiker Hans-Ulrich Wehler, ist eine „Erinnerungsgesellschaft“. Jeder Bundesligaverein und seine Fangemeinde sind es auch. Sehen wir ab von der Kommerzialisierung ihrer Identifikationsbedürfnisse in Fan-Artikeln, bezahlten TV-Abonnements und überhöhten Eintrittskosten. Vergessen wir die horrenden Investitionen in Spitzenfußballer aus aller Welt. Entschuldigen wir die geradezu gespenstisch inhaltsleeren Darlegungen Franz Beckenbauers, verdrängen wir - vorübergehend - jubiläumsgnädig den Rassismus auf den billigen Rängen zumal ostdeutscher Vereine. Und gedenken wir dankbar der fröhlichen Anonymität der Amateur- und Dorfvereine, so bleibt doch eines unbestritten: Einen größeren Spaß für Millionen als die Bundesliga hat Deutschland nicht zu bieten. Der naheliegende Einwand, dass jede Großstadt durchschnittlich an jedem Abend mehr Zuschauer zu Kulturereignissen anzieht (in Berlin täglich 50.000) als die Spitzenklubs alle zwei Wochen einmal, gehört mit Recht in jede kulturpolitische Zuwendungsdebatte (immerhin zahlt der Steuerzahler dafür jedes Jahr zehn Milliarden Euro): Aber dieser Einwand zählt nichts angesichts der Schönheit eines Dreißig-Meter-Passes in den freien Raum mit anschließendem Torschuss des verständig mitlaufenden Stürmers.
Mehr noch: Dass die Champions League inzwischen die Aufgabe erfüllt, in ritualisierten nachbarschaftlichen Kriegen, die historisch irrwitzigen Konflikte der europäischen Nationen zu sublimieren, ist so offenkundig, dass ihr eigentlich der nächste Friedensnobelpreis gebührt.
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