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Salon

SprachpanscherDie Englisch-Invasion

Von Paul-Hermann Gruner5. September 2012
picture alliance
schaufenster,coffeetogo,zeitung
Schon jetzt ein Klassiker: Kaffee aus dem afrikanischen Staat Togo?
Schrift:

Anglizismen bestimmen zunehmend das Straßenbild. Vor allem im Einzelhandel gilt es als modern auf englischsprachige Wörter zurückzugreifen. Leider werden sie entrückt und in einen falschen Kontext gestellt. Die Lächerlichkeit bahnt sich ihren Weg

Seite 1 von 2

Menschen gehen schrecklich nachlässig mit ihren Sprachen um. Die meisten Tortenheber, Einbauküchen oder Automobile werden pfleglicher benutzt. Das gilt besonders in Deutschland.

Sprache und Tortenheber sind beides Kulturwerkzeuge. Aber wir dürfen nicht so tun, als seien sie gleichzubehandeln. Sprache bleibt unser primäres, identitätsstiftendes Werkzeug. Wenn wir von dem einen verbindenden Element sprechen, das für Deutschland steht, dann sind es nicht Semmelknödel oder Spätzle, Udo Lindenberg oder Beethovens Neunte. Nein,  das alles Verbindende ist unsere Sprache. Dem folgend ist für dieses zentrale Werkzeug höchste Aufmerksamkeit und Wertschätzung zu fordern.

Bildergalerie: Crash-Kurs der lokalen Sprachkultur

Grade Letztere scheint ihr abhanden gekommen. Der deutsche Wörtersee der Einkaufstempel, des Einzelhandels, der Konsumwelt, der Außenwerbung in „Malls“ und „Centers“ zeigt landesweit erschreckend flache Wasser. Sie locken zurzeit mit New Brands im Fit-for-school-campus. Es ist zum Fürchten. Manche Einkaufsstraße kommt per Zufall noch auf eine Deutsch-Quote von 50 Prozent. Das ist zwar nur eine Problemstrecke für das Deutsche (neben seiner Ausdünnung und Gefährdung in den Bereichen Hochtechnologie, Wissenschaft, Werbung, Medien und Sport), dafür aber eine gut sichtbare.

Das Deutsche ­– mit rund 105 Millionen Muttersprachlern der größte Sprachraum in Europa zwischen Atlantik und Russland – tritt auf wie eine verhuschte Kleinsprache, die ohnehin untergangsgeweiht ist. Von Selbstbewusstsein in Würde keine Spur. Dabei ist Deutsch nicht bedroht, nein: Es wird verkorkst  durch eine sonderbare Form von Globalisierung.

Worte wandern ins Deutsche nicht ein, sie werden eingepresst  im Kontext einer kalten ökonomisch-technologischen Effizienz-Rechnung, die Vereinheitlichung auf Kosten der Vielfalt erzwingt. Deshalb sind auch alle Verweise auf frühere Wortübernahmen ins Deutsche, sei es aus dem Lateinischen oder dem Französischen, verharmlosend und schlicht hinfällig. Seit dem Ende des 20. Jahrhunderts dominiert ein sprachhistorisch bis dato einmaliger Anpassungsdruck hin zur weltweiten Uniformität.

Wie die Englisch-Invasion ungezügelt und ohne nachzudenken in den Schaufenstern Einzug hält 

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Englisch-Invasion

Ein mutiger Artikel. Er wird wahrscheinlich die Polemik jener hervorrufen, die Anglizismen- und Denglisch-Kritik sofort ins Gebiet der Sprachnörglerei und der Vorgestrigkeit verweisen. Mit diesem Vorwurf kann er aber leben: Hier wurde mit Vernunft geschrieben, nicht mit pseudowissenschaflichem Gebaren.

  • Antworten
Andreas Cyffka, PONS Deutschblog06.09.2012 | 12:07 Uhr

Englisch-Invasion

Toll geschrieben und auf den Punkt gebracht. Hinzu gefügt werden sollte aber auch, dass nicht nur Handel und Werbung diese scheußlichen Wortungetüme fabrizieren, sondern auch deutsche Firmen sich zunehmend (d)englische Namen geben wie zum Beispiel "Sales & Services", womit kein Mensch etwas anfangen kann.

  • Antworten
Jürgen Pahn06.09.2012 | 13:40 Uhr

„Anglizismen bestimmen

„Anglizismen bestimmen zunehmend das Straßenbild.“ – Was für ein ausgelutschter Allgemeinplatz! Er ist nicht widerlegbar, er muss aber auch nicht belegt werden, denn wir alle wissen ja, dass es stimmt, dass also die Anglizismen zunehmend das Straßenbild bestimmen – schließlich haben wir es schon etliche Male gelesen.

„Vor allem im Einzelhandel gilt es als modern auf englischsprachige Wörter zurückzugreifen.“ – Vor allem in der Sprachwissenschaft gilt es als modern, vor Infinitiv-Konstruktionen ein Komma zu setzen.

„Leider werden sie entrückt und in einen falschen Kontext gestellt.“ – „Entrückt“ definiert der Duden als „auf sehr angenehme Weise der Wirklichkeit entzogen“. Könnte es also sein, dass Sie beim Formulieren „entrückt“ waren und das Wort darum in den „falschen Kontext“ gestellt haben? Und wer entscheidet eigentlich, welcher Kontext für Wörter der richtige ist?

„Die Lächerlichkeit bahnt sich ihren Weg“ – Sie hat es schwer, die Lächerlichkeit, aber sie findet einen Weg.

„Das gilt besonders in Deutschland.“ – Das wird von Sprachnörglern gerne behauptet. Gibt es Gründe, die für die Annahme sprechen?

„Sprache und Tortenheber sind beides Kulturwerkzeuge. Aber wir dürfen nicht so tun, als seien sie gleichzubehandeln.“ – Ein Satz, der mit „Aber“ beginnt, ist immer etwas unschön – mein Sprachgefühlt würde ein Semikolon anstelle des Punktes bevorzugen. Über die Zusammenschreibung von „gleichbehandeln“ könnte man sicher streiten.

„Sprache bleibt unser primäres, identitätsstiftendes Werkzeug.“ – Ist Sprache unser primäres Werkzeug und zugleich unser identitässtiftendes Werkzeug? Oder ist sie unter unseren identitätsstiftenden Werkzeugen das primäre? Soll an der Stelle ein Komma stehen?

"Der deutsche Wörtersee […] zeigt landesweit erschreckend flache Wasser. Sie locken zurzeit mit New Brands im Fit-for-school-campus.“ – Locken die flachen Wasser? Oder doch die Einkaufstempel?

„Manche Einkaufsstraße kommt per Zufall noch auf eine Deutsch-Quote von 50 Prozent.“ – Auf welche Studie berufen Sie sich hier?

„Von Selbstbewusstsein in Würde keine Spur.“ – Da es hier nicht um einen grammatischen Satz handelt (das Verb fehlt), wäre eine Anbindung an den vorigen Satz eleganter (z.B. mit einem Doppelpunkt).

Ihr Artikel macht insgesamt nicht den Eindruck, als seien Sie ein Freund der deutschen Sprache. Neben offensichtlichen Fehlern und unschönen Sätzen fallen auch die Passiv-Konstruktionen an den zentralen Stellen unangenehm auf (höchste Aufmerksamkeit und Wertschätzung ist (nicht etwa „sind“) „zu fordern“, die Invasion der Fremdwörter wird "europaweit bestaunt“… ). Ihre wichtigsten Thesen werden nicht belegt (Zum Beispiel zeigen Sie nicht, dass die kritisierten Wörter deutsche Wörter verdrängen, dass es sich dabei um eine Folge von Globalisierung (oder einem falschen Verständnis davon) handelt, oder dass Wörter in den "falschen Kontext" gestelt werden.

  • Antworten
Heiopei06.09.2012 | 13:49 Uhr

Getroffene Hunde bellen?!

Schön, dass Sie im Artikel Fehler gefunden haben und diese minutiös kritisieren. Aber zum eigentlichen Inhalt des Artikels ist Ihr Kommentar verflixt mager: Sie entkräften keinen der Kritikpunkte, Sie mäkeln an Einzelheiten rum, ohne das Kernanliegen auch nur ins Visier zu nehmen. Warum nur? "Honni soit..."

Über Sinn und Unsinn der (oft eng nostalgisch-konservativen) Sprachpflege lässt sich sicher trefflich streiten, aber falls das, wie hier - mit Verlaub - auf Oberlehrerart passiert, kommt der Verdacht auf, jemand argumentiere gegen die Form und gegen den "Gegner", weil er zur Sache nichts einwenden kann.

Im ersten Absatz bestätigen Sie die Kernthese des Autors (Ironisch gemeint? Dann machen Sie mal wieder einen Stadtbummel oder lesen / schauen Sie Werbung (Fernsehen, Druckwerke, auf den Produkten selbst – egal) Schnell wird Ihre Ironie Realität: Das "Unkraut" Denglisch gedeiht, auch wenn es Sie nicht stört.

Zugegeben, manche rhetorische Volte des Autors wäre besser noch einmal geglättet worden, aber so wenig, wie er Sie mit seinem "Alarmruf" überzeugt, widerlegen Sie sein Anliegen.

Die Kernfragen sind doch wohl: Was bringt es, eine Sprache "rein" zu halten? Was ist überhaupt eine "reine" Sprache?

Für alle Sprachen der Welt lässt sich beobachten, dass sie lebendig sind und sich fortlaufend wandeln, zumal in ihrer Nutzung als Umgangs- und Alltagssprachen. Besonders gilt dies für Sprachen der pluralistischen und globalisierten Gesellschaften.

Auch die nostalgische Kritik daran ist international, aber Quichottesk. Es verwendet doch auch der gebildetste Deutschnutzer unvermeidlich eine Vielzahl von alten Lehnwörtern, die wir kaum noch als solche erkennen.

So gesehen ist die immer wiederkehrende Mäkelei am Verfall der deutschen Sprache zum einen geschichtsvergessen und realitätsfern.

Andererseits ist in den letzten Jahren im öffentlichen Raum die Sprache überwiegend als Instrument der Werbung (kommerziell, politisch, für was auch immer) präsent. Will sagen: Werbebotschaften prägen, oft mit besonderer (Auf-) Dringlichkeit, die Nutzung von Sprache. Und die Werbung ist eine Hure, für Aufmerksamkeit tut sie alles, provoziert, sprengt Grenzen ohne Rücksichtnahme. Das mag zweckmäßig sein, schön ist es nicht (immer). Und in hektischen Zeiten mit kurzer Aufmerksamkeitsspanne wird griffige Werbung (anstelle von Argumenten) für immer mehr Belange genutzt und zwar zunehmend professionell.

Das führt meines Erachtens dazu, dass der Sprachstil der Werbung durch seine Allgegenwärtigkeit schleichend den Stil der Alltagssprache beeinflusst. Wir alle passen unsere Kommunikation ja an unser Umfeld an.

Und darum kommt gerade den beruflichen "Lautsprechern" der Werbe- und PR-Branche eine besondere Verantwortung, ja Schuld, zu, wenn immer mehr cool klingende Anglizismen - "Facility Manager" , schillernde Seifenblasenworte ohne fassbaren Inhalt - "proaktiv", "nachhaltig" oder griffige, aber plumpe Formulierungen - "Literaturnobelpreis – Sooo muss Sprache!" ;-) in den allgemeinen Sprachgebrauch sickern.

Gerade die im ursprünglichen Artikel genannten Beispiele sind oft gesehene Folgen dieser Verplumpung und des gedankenlosen Nachäffens, es dürfte schwer fallen, die Beobachtungen zu entkräften.

Stil und Manieren sind nicht notwendig, aber sie sind das Gleitmittel, das die Reibungen im Umgang der Menschen miteinander erträglich bis erfreulich macht.

Darum ist der Artikel berechtigter Ausdruck eines Kulturpessimismus. Wir alle haben seine Thesen schon wiederholt gelesen und gehört, aber das macht dies Anliegen nicht wertlos. Alles - Wissen, Überzeugungen und materielle Dinge - ist permanent der "Erosion" unterworfen, gegen die immer wieder Widerstand geleistet werden muss. Auch wenn es eine Aufgabe ohne Ende ist und man manches Mal vielleicht den Sack schlägt, wo man den Esel meint.

  • Antworten
A sceptical chymist06.09.2012 | 20:02 Uhr

Artikel Englisch-Invasion

Fundstück

So etwas muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen:

„AS&S Radio launcht Web-Channel für RADIO DAY
Frankfurt am Main (ots) – In wenigen Tagen beginnt in Köln der RADIO DAY, ........
Quellenangabe: obs/AS&S Radio GmbH
Von DPWAdotDE am 03.09.2012 um 08:29 Uhr
gespeichert unter Allgemein Business und Wirtschaft TV und Medien“

Gefunden in dem sonst gar nicht schlechten Webportal: deutschland-omline.org

Jürgen T. Honig / Schweden

  • Antworten
Jürgen T. Honig, Tyresö/Schweden06.09.2012 | 16:08 Uhr

"Falsche assoziationen" weckt

"Falsche assoziationen" weckt der Artikel auch. zB, dass es die Ausdrücke "sale" oder "to go" im Englischen nicht gäbe. Tut es aber, auch, wenn andere Ausdrücke gebräuchlicher sind. Ebenso belanglos ist die Feststellung, was 'sale' im Italienischen oder Französischen bedeutet. Fragen Sie doch mal englische Schüler, was sie dneken, wenn sie im Deutschunterricht "Paul ist dick" lernen.
Und so verbindend, wie wir das gerne hätten, ist Deutsch nun auch nicht. Ich bin gerade mehrere 100km innerhalb usneres Landes umgezogen... was man hier plötzlich für Wörter nicht kennt... ;)
Es handelt sich aber auch um einen anscheinend generellen Trend im Deutschen auf allen Ebenen. Wie einst einer meiner Profs an der Uni sagte "In den USA gilt man als intellektuell, wenn man die kompliziertesten Dinge so ausdrücken kann, dass jeder Hinterwäldner sie versteht. In Deutschland hingegen, wenn man einfache Dinge so kompliziert ausdrücken kann, dass sie niemand ohne ein Fremdwörterbuch versteht."
Dem generellen Tenor des Artikels stimme ich dennoch oder gerade deshalb zu.

Bleibt die Frage, weshalb der 'Cicero' eigentlich nicht 'Ringelnatz' oder 'Bismarck' heißt...

  • Antworten
MichaelS06.09.2012 | 16:17 Uhr

Das Eindringen des Englischen

Der Artikel spricht mir aus dem Herzen. Ich freue mich, dass das dieses Thema hier Beachtung findet. Ich kann aber nicht umhin, auch den Heiopei-Kommentar zu loben, der eine weitere sehr auffällige und unschöne Entwicklung zum Gegenstand hat: Der unpflegliche Umgang mit der deutschen Sprache in den Medien, allen voran in den geschriebenen im Internet veröffentlichten Artikeln und Kommentaren. Diese Entwicklung scheint mir doch so hartnäckig und stark zu sein, dass sie selbst Herrn Gruner in seinen wohl besten Absichten und großen Sorge um unsere Sprachkultur nicht bewusst wurden. Das ist schade. Über die Gründe darf (und soll) man streiten - das wäre doch ein guter Grund für den Cicero, einmal kräftig nachzulegen!

  • Antworten
gth06.09.2012 | 16:40 Uhr

Aha, einen "Comment" soll ich hier hinterlassen!

Unter "Ihr Kommentar zu diesem Artikel" heißt es "Comment" über dem Kommentarkasten.
Herzerfrischend!
Wer im Glashaus sitzt, soll nicht mit Steinen werfen.
Schön auch der Cicero-Shop und Service, danke!

  • Antworten
Fischers Fritze06.09.2012 | 18:02 Uhr

Everything goes

Zitat MichaelS: "Falsche assoziationen" weckt der Artikel auch. zB, dass es die Ausdrücke "sale" oder "to go" im Englischen nicht gäbe. Tut es aber, auch, wenn andere Ausdrücke gebräuchlicher sind.

Ach, wenn's nur beim "Coffee to go" geblieben wäre...

Fast nichts, was nicht niet- und nagelfest ist, geht heute mehr ohne "to go". Wenn man auf deutschen Webseiten nach "to go" googelt, wirft die Suchmaschine 21.200.000 Ergebnisse aus. Hier nur ein paar Beispiele:

Gold to go, Print to go, Klimaschutz to go, Strom to go, Botox to go, German to go, Leonardo to go, Werkverzeichnis to go, Kirche to go, Beichte to go, Fernsehen to go, Bio to go, Maibaum to go, Koffer to go, Schreibtisch to go, Frühstück to go, Beauty to go, CEO to go, Haarfarbe to go, Gans to go, Gender to go, Sprachenlernen to go, Casino to go, Hörbuch to go...

Everything goes - so scheint es -, wenn es darum geht, unsere Muttersprache mit möglichst viel Denglisch zu "bereichern".

  • Antworten
Gregorius06.09.2012 | 18:36 Uhr

Auch die Zeichensetzung wird amerikanisiert

"Vor allem im Einzelhandel gilt es als modern auf englischsprachige Wörter zurückzugreifen." entbehrt des Kommas, richtig wäre:
"Vor allem im Einzelhandel gilt es als modern, auf englischsprachige Wörter zurückzugreifen."
Und statt
"Pure wirtschaftliche Einsicht und Opportunität würde mitten in Deutschland für deutsche Verbraucher tatsächlich die Sprache Deutsch als primär geeignete ansehen." muß es im Plural heißen:
"Pure wirtschaftliche Einsicht und Opportunität würdeN mitten in Deutschland für deutsche Verbraucher tatsächlich die Sprache Deutsch als primär geeignete ansehen."

  • Antworten
Florian06.09.2012 | 20:44 Uhr

Präambel zum polnischen Sprachschutzgesetz - Beispiel für uns

Das Parlament der Republik Polen hat
• im Hinblick darauf, daß die polnische Sprache ein grundlegender Bestandteil der nationalen Identität und ein nationales Kulturgut ist,
• Im Hinblick auf die Erfahrungen der Vergangenheit, als der Kampf der Eroberer und der Besatzungsmacht gegen die polnische Sprache ein Instrument der Zerstörung der Nation war,
• in Anerkennung der Notwendigkeit des Schutzes der nationalen Identität im Prozeß der Globalisierung,
• in Anerkennung der Tatsache, daß die polnische Kultur zum Bau des gemeinsamen und kulturell vielfältigen Europas unersetzlich ist und die Bewahrung dieser Kultur und ihrer Entwicklung nur mittels des Schutzes der polnischen Sprache möglich ist,
• in Anerkennung der Tatsache, daß der Schutz der polnischen Sprache eine Pflicht aller öffentlichen Organe und Institutionen der Republik Polen sowie eine Verpflichtung ihrer Bürger ist,
das folgende Gesetz beschlossen:
(ist am 20.5.2000 in Kraft getreten)
Und was machen wir Deutschen ?

  • Antworten
Ursula Bomba06.09.2012 | 22:33 Uhr

Die Englisch-Invasion

Natürlich hat Heiopei recht, wenn man genau hinguckt. Aber ansonsten trifft der Artikel genau den Punkt und vieles nervt eigentlich nur noch. Richtig: sale heißt nur Verkauf und ist schlicht der Geschäftszweck eines Ladens. Also einfach nur blöde! Sollte Sonder- oder Schluss-Verkauf gemeint sein, müsste es wenigstens special sale heißen. Ähnlich bescheuert: "Wir servicen". Dem coffe to go verweigere ich mir, weil ich den Kaffe ganz einfach im Sitzen oder bestenfalls im Stehen geniesse.
Problematisch könnte es für Hersteller elektrischer und elektronischer Geräte und "Applikationen" werden. Ich zähle zur Generation C64. Wir haben die Entwicklung von Anfang an mitgemacht und Ende der 70er unsere Firma mit 64 KB Hauptspeicher und 4 x 128 KB Floppy-Laufwerken erfolgreich geführt und ich bin stolz auf meinen neuen PC, der so viel mehr leistet. Aber vor Monaten habe ich mir mal wieder ein Computer-Zeitschrift gegönnt, um zu sehen, was denn da so auf dem Markt ist. Bahnhof? Kein Zug? Ich verstehe überhaupt nicht mehr, wovon die da schreiben! Wozu braucht man oder frau diese Geräte, Software oder Applikationen überhaupt? Was ist der Sinn oder der Vorteil für mich? Hersteller und Vertreiber vergessen hier offensichtlich, dass sie mit ihrem "Fachchinesich, oder besser Fachenglisch" eine durchaus potente Käuferschicht einfach durch "kommunikative Festplattenstörung" aus ihrem Kundenkreis ausschliessen. Ich brauche keinen multiple coffee an grain grinder, sondern einfach nur ein Pfund Kaffee zum Filtern und genießen.

  • Antworten
Gerd Nothhaft07.09.2012 | 00:12 Uhr

Ich liebe die deutsche Sprache nicht!

Trotz der berechtigten Kritik von Heiopei möchte ich dem Autor Paul-Hermann Gruner nicht unterstellen, er sei kein Freund der deutschen Sprache. Zu oft sind auch mir schon Formulierungen mißlungen. Allerdings: Man muß überhaupt nicht Freund einer Sprache sein oder sie gar lieben, um die geschilderte oder angedeutete Entwicklung zu bedauern. Es reicht, generell das Bessere dem Schlechteren vorzuziehen.

Das Wort "sale" zu benutzen, wo etablierte Begriffe wie "Sommer-" oder "Winterschlußverkauf" zur Verfügung stehen, oder Parkscheine, Eintrittskarten und Garderobenbelege zu "Tickets" zu vereinheitlichen, ist sicher keine Verbesserung. Dem "body bag" kann man "public viewing" (Leichenschau) oder "back factory" (Rückenfabrik oder was?) hinzufügen.

Anglizismen beschränken sich nicht nur darauf. Statt der bekannten deutschen ans Französische angelehnten Aussprache von "Budget" (Bühdsjeh) hörte ich kürzlich die Behauptung, jemand habe für einen Videoclip ein Riesenbudjet (butjett) zur Verfügung gehabt. Ich bin gespannt, wann wir von der butjetthoheit des Parlaments sprechen werden. Auch die Behauptung, irgendetwas werde "am Ende des Tages" eintreten, bezieht sich nicht auf den späten Abend, sondern ist eine gedankenlose Übernahme von "at the end of the day", was nur "schlußendlich" bedeutet. Ähnlich gedankenlos wird behauptet, jemand habe einen guten job gemacht, wo in Wirklichkeit nur jemand seine Arbeit (mag es auch schlechte Arbeit sein) gut erledigt hat. Haben Nutzer der englischen Sprache bei "hose" einen einzelnen Beinschlauch vor Augen und benutzen deshalb den Plural, sollte man das im Deutschen vermeiden und den Singular benutzen, der das gesamte Kleidungsstück meint. Leider ist das schon nicht mehr selbstverständlich.

Trotzdem liebe ich die deutsche Sprache nicht. Dafür ist sie mir zu mißraten, stellenweise geradezu absurd. Wie oft habe ich schon Zahlen falsch notiert, weil sie mir nicht ziffernweise diktiert wurden, und ich konnte froh sein, wenn ich aufmerksam genug war, mich selbst zu überwachen und noch mal nachzufragen oder die Ziffern am Ende zur Kontrolle aufzusagen. Schnell wird nämlich aus 73 bei "dreiundsiebzig" 37. Der Verein zwanzigeins wird sich für die bessere Variante "siebzigdrei" wohl ebenso vergeblich einsetzen wie früher schon der DDR-Mathematiker Paulmartin Scharfstein. Daß die niederländische Sprache diese Unsitte auch kennt, ist kein Trost.

Der Autor wünscht sich "Kein Defizit-Deutsch zum Fortlaufen. " Hätte er "Weglaufen" geschrieben, wäre ihm vielleicht auch aufgefallen, wie wenig konsequent die Konsonantverdopplung nach kurzem Vokal implementiert ist. Während man bei gleich klingemdem "das" und "dass" oder "daß" nicht so konsequent war, entweder die Aussprache von "das" zu verlängern oder die Rechtschreibeunterschiede zu beseitigen, wird "Weg" und "weg" (eigentlich "wegg") trotz unterschiedlicher Aussprache gleich geschrieben - ein Holzweg zum Weglaufen.

Kein Grund, die deutsche Sprache zu lieben, ist auch die absurde Mode, Sachen wie Personen zu bezeichnen. Vom "Fernseher" sind wir es leider gewohnt, das ist schlimm genug; aber seit der Jahrhundertwende kam der "Flieger" hinzu (der sogar "geht" statt "abfliegt"), obwohl traditionell verschiedene Begriffe für Sachen (Flugzeuge) und Personen (FliegerInnen) gebräuchlich waren und übrigens vor einem Jahrhundert (1912) vom "Sprachausschuß des Deutschen Luftfahrer-Verbandes" festgelegt wurden. Wo bleibt der Aufschrei der Feministinnen?

  • Antworten
Norbert Schnitzler07.09.2012 | 02:30 Uhr

Ausführliche Antwort

<a href="http://www.stilstand.de/der-toitsche-recke/#more-12787">... Deshalb ist auch Quatsch, von einem ‘falschen Englisch’ in dieser vernunftbefreiten Zone zu sprechen. Paul-Hermann Gruner kapriziert sich hier auf den “Body Bag”, also jenen schräg über den Oberkörper geschnallten Rucksack, den Radfahrer häufig verwenden ...</a>

  • Antworten
Klaus Jarchow07.09.2012 | 11:08 Uhr

Französisch

Na, wenigstens spricht, liest und schreibt unsere Staatsführung noch Deutsch. Das war bei Friedrich dem Großen noch anders ...

  • Antworten
Willy Ehrlich07.09.2012 | 12:46 Uhr

Wie jedes Kind weiß, ist eine

Wie jedes Kind weiß, ist eine Sprache durch vier Eigenschaften charakterisiert: Phonologie, Morphologie, Lexikon und Syntax, zu deutsch: Lautlehre, Formenlehre, Wortschatz und Satzbau.

Und wie in jedem Artikel zur "Sprachpflege" wird Sprache mal wieder auf den instabilsten dieser vier Teile reduziert, den Wortschatz.
In den anderen Bereichen zeigt sich das Deutsche sehr robust, englische Laute werden recht konsequent durch deutsche ersetzt und auch die Grammatik und Syntax ist intakt. Wenn wir sagen "ich loade etwas down" oder "das war ein okayer Film", ist das für manche an Hässlichkeit nicht zu übertreffen, aber das ist ein subjektives Urteil. Objektiv kann man sagen, dass für uns die strukturellen Regeln unserer Muttersprache noch greifen, da wir "downloaden" als zusammengesetztes Verb empfinden und teilen und wir "okay" in die deutsche Adjektivflexion überführen. Und wenn wir "daunlohden" sagen, mit langem, geschlossenem o wie in Mohn, dann ist das Wort völlig intergriert.

Das Argument, Anglizismen würden Leute ausschließen, die nie Englisch gelernt haben, zieht auch nicht. Wenn ein neues Phänomen aufkommt, ist es recht egal, wie man es bezeichnet. Bestes Beispiel ist das Telefon. Nach Argumentation der Sprachschützer dürfte niemand, der nicht Griechisch auf dem Gymnasium gelernt hat, verstehen, was das ist und verzweifelt vor dem Gerät stehen, was ein "Worfel" ist, aber jedem sofort klar sein, da es ein urdeutsches Wort ist, das man mit der Muttermilch aufgenommen hat. (Ein Gerät zum Reinigen von Getreide, gebildet aus dem Wortstamm werf- und der veraltetende Nachsilbe -el zur Bezeichnung von Gegenständen.)
Das zeigt, wenn man eine Sache kennt, mit ihr vertraut ist, weiß man, wie sie funktioniert und was man damit macht, egal wie sie heißt und andersherum, kennt man sie nicht, kann sie heißen, wie sie will und man wird es trotzdem nicht wissen. Es ist eine Illusion, dass die zusammengesetzten Begriffe des Deutschen so eindeutig sind, wie zum Beispiel "Hühnerknochen" = "Knochen des Huhn", aber "Hundeknochen" in der Regel als "Knochen für den Hund" gedeutet wird, auch hier ist das Weltwissen ein wesentlichen Faktor.

  • Antworten
Waltraud08.09.2012 | 10:54 Uhr

Dieser Artikel

Ich finde es nicht "schrecklich nachlässig" oder "erschreckend flach", wenn irgendwo ein Einkaufs- oder sogar Shopping-Center eröffnet wird. Ich finde es auch nicht "quasi zum Lachen", wenn in einem Laden "Outdoor-Jackets" angeboten werden. Ich finde auch den "Coffee to go" nicht "lachhaft". Und - wer hat nun recht, Herr Gruner oder ich? Das ist das Problem bei diesen Sprachverfallslamenti (und mehr oder weniger auch bei den Entgegnungen auf diese): Sie sind allesamt aus einer subjektiven Perspektive verfasst.

Der Kommentar von Heiopei bezieht sich hauptsächlich auf formale Aspekte. Man könnte noch hinzufügen:

"Deutsche Verbraucher ertragen es scheinbar mit Achselzucken" - Ertragen sie es scheinbar oder anscheinend mit Achselzucken?

"Ein Laden bietet „Interiors, accessoires, textiles, kids“ an. Also sind auch Kinder im Angebot." - Die Pointe hat nichts mit der Frage Deutsch oder Englisch zu tun, das Angebot wäre auf Deutsch genauso albern.

Es wurde daraufhin bemängelt, dass Heiopei zum "eigentlichen Inhalt" wenig zu sagen habe, Kritikpunkte nicht entkräften könne. Das Problem ist: Der Artikel bietet außer der, wie gesagt subjektiven, Meinungsäußerung, der man sich anschließen kann oder nicht, kaum greifbaren Inhalt.

Heiopei hat bereits die Frage gestellt, nach welcher Studie "Manche Einkaufsstraße ... per Zufall noch auf eine Deutsch-Quote von 50 Prozent" kommt. Solche Behauptungen lassen sich schnell aufstellen, man findet auch schnell geneigte Leser/innen, die ebenfalls diesen Eindruck haben. Es bleibt aber eine Behauptung. Ich habe auch keinen Gegenbeweis, aber ich behaupte einfach ebenfalls mal, dass ganz ganz viele Einkaufsstraßen eine Deutsch-Quote von 90% aufweisen. Wer beweist mir das Gegenteil?

Warum ist "Sale" ein unnötiger Anglizismus? Nachdem es den WSV und den SSV offiziell nicht mehr gibt, könnte man natürlich allgemein "Schlussverkauf" schreiben. Aber: Handelt es sich bei jedem "Sale" eigentlich um einen Schlussverkauf? Es mag sich auch um einen "Ausverkauf" handeln. Mein persönlicher Eindruck (hiermit als solcher gekennzeichnet) ist, dass "Sale" eher saison- und situationsunabhängig ganz allgemein für "Sonderangebote" steht. Das knackige englische Wort passt aber anscheinend gut für alle Gelegenheiten, darum ist es nicht unverständlich, dass es auch verwendet wird. (Dass "Sale" im Englischen nicht nur "Verkauf" bedeutet, sondern ebenfalls im Sinne von "Sonderangebote" verwendet wird, kann in jedem besseren Englisch-Wörterbuch nachgeschlagen werden.)

Gruner schreibt weiterhin:
"Ersetzung des Deutschen durch einen verqueren Sprech-Mix heißt dabei das Problem, keineswegs Ergänzung des Deutschen." Und:
"Worte [oder: Wörter??] wandern ins Deutsche nicht ein, sie werden eingepresst im Kontext einer kalten ökonomisch-technologischen Effizienz-Rechnung, die Vereinheitlichung auf Kosten der Vielfalt erzwingt."

Neben "Schlussverkauf", "Ausverkauf", "Sonderverkauf" etc. gibt es nun eben auch noch "Sale". Keiner ist gezwungen, "Sale" zu sagen, aber wer will, darf. Das Bezeichne ich durchaus als Ergänzung und innerhalb des Deutschen als Vermehrung der Vielfalt, schließlich haben wir dadurch ein Wort mehr zur Verfügung.

Und am Ende des Artikels dann:
"Alle Verbraucherbefragungen ergeben, dass zu viele Anglizismen das Verständnis blockieren, der Kaufimpuls hemmen und Ärger auslösen. Zudem werden mitunter vollkommen falsche Assoziationen in Bezug auf die Ware entwickelt."

Wenn "alle Verbraucherbefragungen" so, wie Gruner sie zitiert, recht hätten, ginge die "Effizienz-Rechnung" nicht auf und das Problem würde sich von selbst lösen. Also kein Grund für großes Wehklagen. Wenn die Läden trotz der englischen Bezeichnungen (oder wegen??) weiterhin gute Geschäfte machen, ist der Hinweis auf die Verbraucherbefragungen (und sind auch diese selbst) ebenso wie der Hinweis auf "Pure wirtschaftliche Einsicht und Opportunität" zu einem großen Teil obsolet geworden.

Die Formulierung, Wörter würden "eingepresst", lässt einen äußeren Zwang vermuten, den ich nicht erkennen kann. Wer will, kann. Wer nicht will, muss nicht. Mit der Behauptung des "Einpressens" und dem angeblichen Verschwinden der Vielfalt wird aber die nächste Behauptung begründet:
"Deshalb (!) sind auch alle Verweise auf frühere Wortübernahmen ins Deutsche, sei es aus dem Lateinischen oder dem Französischen, verharmlosend und schlicht hinfällig.

Auch diese Meinung teile ich nur begrenzt. Das Englische ist heute, wie es das Französische eben früher war, die "À-la-mode-Sprache". Es ist durchaus wahrscheinlich, dass die modernen Medien das Englische heute schneller und weiter verbreiten, als damals das Französische verbreitet wurde, aber "hinfällig" ist der Vergleich deshalb noch lange nicht. Auch deshalb nicht: Während das Französische damals hauptsächlich am Hofe parliert wurde und von dort aus auch bis zu einem gewissen Grad in die niedrigeren Schichten gelangt ist, aber längst nicht die gesamte deutsche Sprache großflächig verändert hat, werden englische Wörter heutzutage eben hauptsächlich in Wirtschaft und Werbung übernommen und verbreiten sich bis zu einem gewissen Grad auch von dort weiter. Mir ist aber nicht bekannt, dass diese Anglizismen auch im familiären, privaten Bereich, im Gros der Belletristik, in Zeitungsartikeln etc. überhand nehmen; man kann also nicht von einer Einkaufsstraße auf "die deutsche Sprache" schließen.

Abschließend noch der Hinweis, dass Gruner Regionalvorsitzender des Vereins Deutsche Sprache ist oder war. Er hat in seinem Beitrag nicht explizit für diesen Verein geworben, der Cicero hat ihm aber Raum zur Verfügung gestellt, um dessen Meinung zu verbreiten, dessen Ziele zu "promoten" und Lobbyarbeit zu betreiben. "Richtige" Sprachwissenschaftler werden in solchen Fragen ja leider selten gefragt.

Wer bis hierhin durchgehalten hat: Vielen Dank für die Aufmerksamkeit :-)

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happy.eater08.09.2012 | 16:00 Uhr

Kommerzielle Anglizismen

Bevor ich auf den Etablierungsprozess von Kommerzanglizismen zu sprechen komme, möchte ich klarstellen, was ich nicht behaupte. Kein Unternehmen drückt englischsprachige Produkte in den Sprachmarkt mit dem erklärten Ziel, die deutsche Sprache mutwillig zu beschädigen. Dass dies als "Kollateralschaden" dennoch dauernd geschieht, ist den meisten Unternehmen vermutlich gar nicht bewusst oder wird achselzuckend in Kauf genommen.

Werbung und PR-Maßnahmen sind nur der simpelste und sichtbarste Teil einer Sprachmarkteinführung. Produktplazierungen und Sponsorenauftritte (gerne in einem gemeinützigen oder Öko-Umfeld) sind weniger spektakulär, aber nicht minder effektiv. Je tiefer und breiter die Staffelung der Marketinginstrumente, desto größer die Wahrscheinlichkeit, im Sprachmarkt erfolgreich einen kommerziellen Anglizismus zu landen. Das geschieht am laufenden Band. Eine Aufzählung erübrigt sich hier

Doch englische Neuwörter für neue Dinge einzuführen und zu vermarkten, reicht den kommerziellen Anglisierern nicht mehr. Immer öfter werden nun auch bewährte, bildhafte deutsche Bezeichnungen in den Anglisierungssog gezerrt. Zum Beispiel "Rope Skipping", das heute auf deutschen Internetseiten fast ebenso häufig vorkommt wie Seilspringen.

An der Grundfunktion des Seilspringens hat sich seit Jahrunderten nichts geändert. Dass heute andere Materialien für Springseile verwendet werden und neue Sprungvarianten erprobt werden, ist - wie bei jeder anderen herkömmlichen Sportart - eine Binsenwahrheit.

Warum also "Rope Skipping" statt Seilspringen? Wer die Verenglischung als Erster "promotet" hat, lässt sich (wie so oft) im Nachhinein nicht mehr feststellen. Aber als sicher darf gelten, dass "Rope Skipping" ursprünglich nicht von Seilspringern, von Turnvereinen, vom Schulsport oder gar den Schulbehörden der Länder propagiert wurde.

Nein, die eigentlich Betroffenen haben nie nach "Rope Skipping" verlangt, stattdessen ging ein sattsam bekanntes Szenario über die Kommerzbühne.

Phase 1: Die fiktive Firma rope4you, ein einschlägiger Ausrüster kreiert als Alleinstellungsmerkmal "Rope Skipping" und macht mit hohem Werbe- und PR-Aufwand "Rope Skipping" für seine Produkte bekannt.

Phase 2: rope4you sponsert Veranstaltungen von Turnvereinen und schreibt "Rope Skipping-Wettbewerbe aus. Als Preise winken firmeneigene, bereits eingeenglischte Produkte wie Beaded Ropes, Speed Ropes, Double-Dutch-Ropes.

Phase 3: Nun werden Organisationen und Behörden im öffentlichen Sektor beackert, um dem "Rope Skipping" ein seriöses Flair zu verleihen. Gefördert werden Schulprojekte und Sportaktivitäten der Länderregierungen. Die nehmen in Zeiten knapper Kassen dankbar die Sponsorgelder an, verlinken in ihren Netzauftritten auf rope4you und schmücken ihre Broschüren mit dem rope4you-Logo.

Phase 4: Sport ist gesund, "Rope Skipping" ist für diesen Zweck unübertroffen. Auch im Gesundswesen klaffen unschöne Haushaltslöcher, die von Sponsoren gestopft werden wollen. Krankenkassen gehen Kooperationsprojekte mit rope4you ein. Der gute Zweck verdrängt rasch anfängliche Bdenken wegen der Namensgebung. "Rope Skipping" erhält schon einen quasi-offiziellen Charakter und wird dudengängig.

Phase 5: Den rope4you-Konkurrenten ist natürlich die rasante Karriere des neuen Anglizismus nicht entgangen. Da "Rope Skipping" nur die direkte Übersetzung von Seilspringen ist und als Markenname nicht geschützt werden kann, springen sie unverzüglich auf den "Rope-Skipping"-Zug auf. Seilspringen wird fortan nur noch gelegentlich als deutsches Synonym für "Rope Skipping" gebraucht

Phase 6: Die Medien, die anfangs ihrem Publikum keine simple englische Übersetzung für Seilspringen zumuten mochten, zeigen sich von den offiziellen rope4you-Kooperationspartnern beeindruckt. Mehr noch, sie greifen zunehmend rope4you Argumentation auf, dass man "Rope Skipping" mit dem altbackenen Seilspringen nicht vergleichen könne. Es müsse ein frischer jugendaffiner Begriff dafür her, Rope Skipping forever.

Dieser Etablierungsprozess von kommerziellen Anglizismen - in den ersten Phasen kaum als solcher zu erkennen - ist ständig im Fluss. Tagtäglich werden uns phasenweise Anglo-Neuwörter regelrecht "vorgeschrieben", auf die Sprechergemeinschaft nicht den geringsten Einfluss hat. Die Durchökonomisierung unseres täglichen Lebens hat längst auch den Sprachmarkt durchdrungen. Viele nehmen das schon nicht mehr wahr in der irrigen Annahme, dass nur Diktaturen Sprachregelungen in Gang und durchsetzen können. Das Sprachdiktat des "freien Marktes" angloamerikanischen Zuschnitts ist ungleich subtiler und effektiver. "Everything goes"-Linguisten verklären es gar als "lebendiges Deutsch".

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Gregorius08.09.2012 | 23:13 Uhr

Denglisch

Sicherlich ein sehr berechtigter Beitrag - aber warum steht dann da: "Bildergalerie Crashkurs lokaler...." ?

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Felix Fabri09.09.2012 | 21:12 Uhr

german angst

Sprache ist nunmal bunt. bunter als zahlen und die grammatik. Sprache dient der gesellschaft, sie eint, sie grenzt ab, sie ist kunst und waffe zugleich. Sprache wird sich immer verändern und nicht nur, weil einige Menschen sie anders sprechen oder ihre bildung gering ist. Sprache ist lebendig. Im Endeffekt muss jeder selbst wissen wie er spricht und was er damit ausstrahlt. Sprache kann so witzig sein und muss so oft so ernst sein. Da ist es doch klar, dass sie auf funktionaler Ebene auch expandieren muss.

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daniel11.09.2012 | 13:44 Uhr

Englisch- Invasion

In dem erbärmlich – fragwürdigen Bestreben, besonders schlau, weltoffen und fortschrittlich erscheinen zu wollen, verwenden mittlerweile alle möglichen Leute, angefangen vom Vorstand des drittklassigen Vereins über die Geschäftswelt bis hin in höchste Regierungskreise Anglizismen und das Primitivenglisch Denglisch.
Ein praktischer Nutzen dieser Entwicklung ist bislang offenkundig ausgeblieben, so daß das Anglizismengehabe eher ein Zeichen von Wichtigtuerei , Nachäfferei, Überheblichkeit und Minderwertigkeitskomplexen ist.
Warum lassen wir es uns nur gefallen, daß immer mehr Wörter unserer deutschen Muttersprache durch englische/ denglische Ausdrücke verdrängt werden ? Leider haben zu viele unserer Landsleute zu wenig oder das falsche Selbstbewußtsein hinsichtlich unserer Sprache. Mit dem unsinnigen und überflüssigen Gebrauch von Anglizismen schaufelt man der eigenen Muttersprache und somit der eigenen Identität langsam aber sicher das Grab.

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Erich Lienhart12.09.2012 | 20:11 Uhr

Anglizismen bei Cicero

Ihre Zeitung ist gespickt mit Anglizismen, Sie scheinen sich da sehr modern zu finden. Solche Überschriften wie "It's never too late" und ähnliche Albernheiten machen Cicero (Fúr mich) als sehr teure Zeitschrift uninteressant, denn die Qualität der deutschen Sprache bei Ihnen läßt sehr zu wünschen übrig. Persönlich gehe ich immer mehr dazu über, keine deutschsprachigen Publikationen mehr zu kaufen, die diese Anglizismenflut so aktiv fördern; gleiches gilt für Geschäfte und Kaufhäuser wie Peek & Cloppenburg, wo es einem vor lauter "Sale" ganz schwindlich wird, abgesehen von den übrigen Werbe- und Hinweistafeln dort oder ihren elektronischen Werbematerialien. Daß immer mehr Deutsche unfähig zu sein scheinen, sich auf Deutsch auszudrücken, ist letztlich auch das Verdienst von Medien wie Ihrer Zeitschrift.

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Atreides21.09.2012 | 12:50 Uhr

Würgereiz

Ich finde es außerdem seltsam, dass es nicht möglich erscheint, im öffentlichen Raum touristische Hinweise zweisprachig zu gestalten. Stattdessen wird ein seltsamer Mix aus Deutsch und Englisch bevorzugt.

In jedem Fall wird mir schlecht, wenn ich permanent Fernsehwerbung für einen "JackenSale" ertragen muss.

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Stefan13.10.2012 | 19:05 Uhr

Falsche Globalisierung

Wenn wir wirklich uns für eine internationale / kosmopolitische Gesellschaft halten, und wir dabei denken, dies bedeutet auch Fremdwörter im Alltag und Handel und auf Schilden zu verwenden, dann sollten wir gefälligst nicht nur die eine Fremdsprache herrschen: dies erweist nicht Weltoffenheit, sondern eine deutliche Geschlossenheit. Warum ausschließlich Englisch? Bitte auch dabei die slawischen, romanischen, usw. Sprachen auch repräsentieren!

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RS15.06.2013 | 21:08 Uhr

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