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Salon

Olympia in LondonDie Briten werden es schon schaukeln

Von Til Knipper27. Juli 2012
picture alliance
Cicero-Empfehlung, Olympia, Til Knipper, Olympische Spiele, London
Wenlock (l) und Mandeville, die Maskottchen der Spiele und Sinnbild britischer Gelassenheit im Umgang mit Form und Ästhetik
Schrift:

Mit den Olympischen Spielen kehren auch die üblichen Schreckgespenster zurück: Doping, Kommerzialisierung, Chaos beim Organisationskomitee. Doch die britische Gelassenheit wird sie wiederbeleben – die Olympische Idee

Wenn jemand in diesen Zeiten erfolgreich die Olympischen Spiele ausrichten kann, dann ja wohl die gelassenen Inselbewohner mit ihrem weltberühmten Humor.

Irgendwie machen sich kurz vor der Eröffnung alle Sorgen um die Olympischen Spiele. London 2012 müsse die Olympische Idee retten, schreibt der Tagesspiegel heute in seinem Leitartikel. Die Zeit fürchtet schon, dass nach London und Rio in vier Jahren nur noch „autokratisch geführte Nationen das Über-Ereignis ihren Bevölkerungen aufnötigen“ können. Das erscheint schon insofern sinnvoll, da diese bei ihren Bewerbungen nicht von lästigen rechtsstaatlichen Vorschriften behindert werden, gelten doch die Mitglieder des Internationalen Olympischen Komitees nur als etwas weniger korrupt als ihre Pendants beim Weltfußballverband FIFA.

Die anderen üblichen Schreckgespenster im Vorfeld des größten Sportereignisses der Welt heißen derzeit: Doping, Gigantomanie und Kommerzialisierung des Sports, Chaos beim Organisationskomitee oder, wenn man bei der FAZ arbeitet, „Das Ende der deutschen Sportkultur“.

Aber es gibt eben auch Meldungen, die einen hoffnungsfroh stimmen, dass gerade die britische Gelassenheit in diesen Krisenzeiten Olympische Spiele ermöglichen wird, die sich wohltuend von der chinesischen Leistungsschau vor vier Jahren in Peking abheben.

Dass beim bereits vor der offiziellen Eröffnung gestarteten Frauen-Fußballturniervor dem Spiel zwischen Nordkorea und Kolumbien in Glasgow die Flagge Südkoreas auf der Anzeigentafel erschien, hat zwar zu einem kurzen 60-minütigen Boykott der Nordkoreanerinnen geführt, ließe sich aber auch als erster olympischer Auftritt des weltberühmten britischen Humors deuten. Möglicherweise handelte es gar um eine subtile Form der Boykott-Provokation durch die Organisatoren, da trotz überschaubaren Zuschauerandrangs, die Fans beim Frauenturnier wegen der Einlasskontrollen erst 20 Minuten nach dem Anpfiff ihre Plätze einnehmen konnten.

Fast etwas enttäuscht schien daher auch der SZ-Reporter Holger Gertz zu sein, da bei der Begrüßung des kasachischen Teams im Olympischen Dorf die richtige Hymne gespielt wurde. Recht hat er, wäre es in der Heimat des „Borat“-Schöpfers Sasha Baron Cohen doch naheliegend gewesen, die eigens für den Film komponierte „neue“ Hymne Kasachstans abzuspielen. Aber diesbezüglich hatten die Londoner Organisatoren ihre Hausaufgaben gemacht, anders als die Verantwortlichen bei den Arabischen Meisterschaften der Sportschützen in Kuwait, als die kasachische Gewinnerin bei der Siegerehrung Cohens Gesang lauschen durfte, der die Vorzüge der zentralasiatischen Prostituierten lobte. Als kleinen Dämpfer gegen den stärker werdenden Nationalismus unserer Tage sollte man möglicherweise für alle Teilnehmer-Staaten eine Alternativ-Hymne in petto haben.

Einen hübschen Kontrapunkt gegen die Kommerzialisierung des Sports und den immer größeren Einfluss der Sponsoren auf den Sport hat die Ägyptische Delegation gesetzt. Wie die Synchron-Schwimmerin Yomna Khallaf über Twitter mitteilte, schmücke ihre Tasche ein großes Nike-Logo, während die Reißverschlüsse vorgäben von Adidas zu sein. Dass es sich hierbei nicht um eine ungewöhnliche Kooperation der beiden größten Sportartikelkonzerne handelt, bestätigte kurze Zeit später der Chef des Ägyptischen Olympischen Komitees (EOC), General Mahmoud Ahmed Ali: „Wir haben angesichts der angespannten wirtschaftlichen Situation in der Heimat einen Vertrag mit einem chinesischen Händler abgeschlossen.“

Gut, da ist es natürlich echt überraschend, dass den Ägyptern ausgerechnet aus dem Mutterland des Urheberrechts gefakte Ware geliefert wurde. Geschickt versuchte der EOC-Chef auch eine mögliche Klage von Nike abzuwehren. Die Amerikaner mögen sich bitte direkt an seinen chinesischen Vertragspartner richten, sagte Ali: „Außerdem kann man Originale und Fälschung ohnehin nicht auseinander halten.“ Sollten in Zukunft mehrere Länder dem ägyptischen Beispiel folgen, ließe sich vielleicht auch der Einfluss der Sponsoren  wieder etwas zurückdrängen und die ursprünglichen Olympischen Ideen wieder in den Vordergrund zu bringen. Dass das mithilfe chinesischer Produktpiraten passierte, macht da auch nix mehr. Sie leben doch einfach nur ganz konsequent den alten Nike-Werbeslogan: „Just do it!“

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