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TV-SerienDeutsches Fernsehen macht dumm

Von Robin Detje1. September 2012
picture alliance
Ausdruck von Grauen und Dummheit im Fernsehen: Florian Silbereisen
Schrift:

Wer deutsches Fernsehen schaut, wird dumm, meint Kolumnist Robin Detje. Dabei beweisen kluge Fernsehserien wie „The Wire“, dass Intelligenz nicht absatzschädigend sein muss

Seite 1 von 2

Heute geht es um die Frage: Gibt es intelligentes Leben im Fernsehen? Man muss sie differenziert beantworten: In Deutschland eher nicht, in den USA eher doch. Komisch, wir Deutschen machen uns so gerne über die Dummheit der Amerikaner lustig. Dabei ist dort, anders als bei uns, in der Unterhaltungsindustrie Intellektualität erlaubt. Intelligenz gilt nicht als absatzschädigend. Nur beim deutschen Fernsehen lautet das Gesetz: Was noch nicht doof ist, wird doof gemacht.

Die US-amerikanische Kabelfernsehserie „The Wire“ aus den Jahren 2002 bis 2008 gehört zu den ersten großen Kunstwerken des 21. Jahrhunderts. (Staffel 1-3 auf DVD bei Warner Home Video; zwischen 10 und 35 Euro; Box mit allen fünf Staffeln von HBO Video, nur auf Englisch, circa 100 Euro.) Getaggt unter: Später Höhepunkt des Naturalismus, Gesellschaftspanorama, Honoré de Balzac. Ein Racheakt gestandener Reporter und Polizisten an einem System, das sie ausgestoßen hat: Sie wollten mit der Wirklichkeit umgehen. Aber die Gesellschaft wollte nichts mehr von der Wirklichkeit wissen. Also schlugen sie dieser Gesellschaft eine Fernsehserie um die Ohren und führten uns vor, was mit uns passiert, wenn wir uns der Wirklichkeit verweigern und uns stattdessen in potemkinschen Dörfern einbunkern: Wir verrotten.
Die Heroinsüchtigen in den Abbruchhäusern der Stadt Baltimore, an deren Leid sich diese Serie entzündet, verrotten buchstäblich.

Rundherum sind es dann eher die Strukturen, die zu verrottet sind, ihnen zu helfen: Die Polizei soll lieber Statistiken frisieren, damit die Politiker besser dastehen, anstatt die Verbrechen an der Wurzel zu bekämpfen. Die Lehrer sollen den Schülern Testfragen einbläuen, damit die Schule besser dasteht, anstatt die Schutzbefohlenen fürs Leben stark zu machen. Die Journalisten sollen lieber kitschige Geschichten für die Pulitzer-Preis-Jury erfinden, mit denen die Zeitungen sich selbst inszenieren, anstatt ihren Kontrollauftrag zu erfüllen. Staffel für Staffel zeigt „The Wire“, dass bei uns – denn Baltimore ist überall – das Funktionieren der Institutionen nur noch eine hohle Behauptung ist. Und wenn es Probleme gibt, engagieren wir einen neuen PR-Berater, der sie wegredet, anstatt sie zu lösen. Es geht um die Dummheit selbst, eine zerstörerische Dummheit, erzeugt von den von uns selbst geschaffenen Strukturen. Es geht sozusagen um die strukturelle Gewalt der Dummheit. Und um die Menschen, die sich an unserer Dummheit bereichern.

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Deutsches Fernsehen macht dumm

Sehr geehrter Herr Detje,
mit Ihrer Analyse bin ich einverstanden, aber dies wusste ich schon seit fast 30 Jahren, als private Fernsehsender sich mit Hilfe der CDU/FDP Regierung Kohl in den deutschen Wohnzimmern breit machten. Was ich damals befürchtete, ist alles eingetroffen. Um an hohe Einschaltquoten zu kommen, werden die niedrigsten Instinkte bedient! ( Sex, Gewalt, pseudo-nostalgische Heimatschnulzen, benebelnde volkstümliche Musikshows, sowie menschenverachtende Talkshows) Unterbrochen werden diese Sendungen durch Werbung, damit die so manipulierten Gehirne der Zuschauer wissen, was sie kaufen müssen. Dies steigert nämlich den Konsum und schafft Wachstum. Gleichzeitig geht der Masse des Volkes die Kritikfähigkeit verloren, was letztendlich für die Wiederwahl oben genannter Parteien existentielle Bedeutung hat! Leider haben sich die öffentlich - rechtlichen Fernsehanstalten den privaten Sendern in den letzten Jahren immer mehr angepasst, sodass für mich nur noch Nischenprogramme übrig bleiben, wie Phoenix, Arte, 3Sat und dritte Programme. Dass Sie jedoch gerade eine amerikanische Fernsehserie als leuchtendes Beispiel intellektuellen Fernsehens propagieren, erstaunt mich schon. Ist doch die US-amerikanische Fernsehlandschaft ein leuchtendes Beispiel hiesiger Fernsehmacher! Ich kenne diese von Ihnen beschriebene Serie nicht und es kann auch sein, dass Sie mit Ihrer auf diese Serie bezogenen Analyse richtig liegen, aber es gibt mit Sicherheit auch positive Beispiele aus anderen Ländern.
Hubert Mork

  • Antworten
Hubert Mork01.09.2012 | 14:37 Uhr

Danke für nichts.

Jetzt weiß ich also was für Bücher und DVDs ich zu einem Thema kaufen kann.
Warum deutsches TV dumm macht erschließt sich mir auch nicht.
Und wo steht auf der zweiten Seite was von Silbereisen.
Sind Journalisten schon so wirr im Kopf?

  • Antworten
Physiker8201.09.2012 | 17:41 Uhr

Gibt es intelligentes Leben in Deutschland?

Nein.

  • Antworten
gth01.09.2012 | 22:04 Uhr

Deutsches Fernsehen macht dumm

Man könnte es auch anders formulieren: Das deutsche Fernsehen ist bisweilen dumm gemacht.Robin Detje hat mit seinem Artikel den wunden
Punkt der Fernsehmedien aufgedeckt.Es fehlt an Eigenständigkeit,
an Kreativität und oft an Originalität.Das Fernsehen muß sich neu
erfinden, wenn es in Zukunft maßgeblich Akzeptanz finden möchte.
Reflektierender,kommentierender Journalismus reicht nicht mehr aus.
Es geht um die Einrichtung einer medialen Ideenbörse.Thinktank im
besten Sinn.Erfinder,Protagonisten,Tüftler...So wie sich jedes Unternehmen heute ständig neu platzieren muß, so ist dies vordringlich für den Medienbetrieb.Ein Programmbeirat ist mit einer
derartigen Aufgabe längst überfordert.Die Medien müssen sich in vieler Hinsicht neu vernetzen,international,laufend aktuelles Gedankengut von Insidern wie Außenexperten aufnehmen.Abkehr vom Schema,Routine hin zu erfrischenden, experimentellen Sendeformen.So betrachtet muß Fernsehen sich revolutionieren: In eigener Sache und für den Zuschauer.Festhalten an alten und wie die Macher denken bewährten Formaten,sollte der Vergangenheit angehören.Wo ist eigentlich eine europäische Medienakademie? Wo der international agierende Medienpool?
Wie kooperieren Medien mit anderen Bildungseinrichtungen?" The Wire",
"Sopranos", "The West Wing" sind Fingerzeige.Wo bleiben wir?

  • Antworten
Bernd02.09.2012 | 19:00 Uhr

dumm?

Jeder bekommt das TV-Programm, dass er/sie sich selber zusammenstellt. Wenn es einem dumm vorkommt, ist es dumm ausgesucht.

... und noch ein Tränchen für die armen, unverstandenen Intelligenten.

  • Antworten
CortoMaltese03.09.2012 | 11:06 Uhr

Herr Detje:

Gefahr erkannt ist Gefahr gebannt.... irgendwo an ihrem Fernseher ist sicherlich auch ein Schalter der die Flimmerkiste abstellt.

  • Antworten
Lill-Karin Bryant03.09.2012 | 14:58 Uhr

Schon Hans-Joachim Kulenkampff wußte in den 1960er Jahren:

"Die Leute sind gar nicht so dumm, wie wir sie mit dem Fernsehen noch machen werden."
Recht hatte er.

  • Antworten
René Artois04.09.2012 | 13:40 Uhr

Deutsches Fernsehen macht dumm

Sehr geehrter Herr Detje,

ja, es stimmt. Selbst das öffentlich-rechtliche Fernsehen und Radio trägt überwiegend zur Verdummung breiter Schichten der Bürger bei.

Aber, losgelöst vom Fernsehen und Radio, auch dann, wenn behauptet wird:

"Die Journalisten sollen lieber kitschige Geschichten für die Pulitzer-Preis-Jury erfinden, mit denen die Zeitungen sich selbst inszenieren, anstatt ihren Kontrollauftrag zu erfüllen."

Wer, bitte schön, hat den Journalisten diesen "Auftrag" gegeben?
Niemand!
Journalisten können mittels öffentlichkeitswirksamer Mittel eine Kontrollfunktion, z. B. über das Handeln von Politikern wahrnehmen, wie auch jeder Bürger, der sich öffentlich äußert.

Mit freundlichem Gruß

Bert Steffens
Freier Philosoph
Andernach

  • Antworten
Bert Steffens04.09.2012 | 17:39 Uhr

Zustimmung

Ich würde nicht pauschal behaupten, dass deutsches Fernsehen dumm macht, allerdings sieht man anhand von Aktionen wie der Boykottierung von Hulu durch ua RTL, dass der deutsche Markt, sobald amerikanischer Content frei und legal zugänglich ist, ein Riesen Problem hätte. Hinzu kommen alternative Channels, ich baue mit einem engagierten Startup-Team im Moment an einem: http://www.dreama.tv . Bei der Kuratierung des Contents zeigt sich auch hier ein starker Hang Richtung US, das Thema scheint in Europa etwas problematisch zu sein.

  • Antworten
Manuel Gruber05.09.2012 | 16:41 Uhr

Gut, dass wir darüber gesprochen haben

Intellektualität und Fernsehen stellen totale Gegensätze dar. Es hilft wenig, die Misere segmentweise zu beschreiben. Silbereisen ist nicht einmal die Spur eines Problems, zumal sich sein Publikum biologisch gesehen vorhersehbar verringert. Ähnlich wird es den Schwatzbuden (neudeutsch Talkshows) gehen. Junge Zuschauer? Fehlanzeige. Ein Großteil der Zuschauer "dämmert" in Richtung Tiefschlafphase. Zeiten der TV-Dickschiffe" wie "Wetten dass...?" sind ebenfalls vorbei. Der letzte Versuch mit einem absoluten "Totschwätzer" wie Lanz das Format zu retten dürfte mehr als schwierig werden.
Und angesichts dieser erkennbar Situation will uns der Kolumnist "intelligente Serien" schmackhaft machen? Die Sender beherrschen nicht einmal das kleine 1x1, haben also wenig Chancen eine einfache Gleichung zu lösen.
Ändern wird sich -trotz aller Kolumnistenmühe- nichts, obwohl für zwei Sendeanstalten rund 8 Mrd. Euro Zwangsgebühren erhoben werden. Gemessen an diesem Betrag müsste der/das öffentlich-rechtliche Rundfunk/Fernsehen vor anspruchsvollem Programm nur so strotzen - im Vergleich zum überwiegend flachen Angebot der sogenannten "Privaten". Aber: Weit gefehlt - die Privaten beissen sich so durch, teilweise mit beachtlichen Quoten bei angesagtem Trash.
Selbstbewusstsein ist in den Sendern genügend vorhanden, das allerdings in zig Hierachien gut versteckt ist, wo Entscheidungen für wohl gesteuerte Seichtheit getroffen werden. Palaver vom Morgenmagazin bis zum nächtlichen, eher für die Beleuchtungsindustrie werbenden "philosophischen Sonntagsausklang" macht kein sehenswertes Programm.
Glaube keiner, die Fernsehverantwortlichen wüssten das alles nicht. Aber solange die verantwortlichen "Medienaufseher" vor sich hindösen und in den Verwaltungsräten lieber Stühle statt Themen besetzen, ändert sich daran nichts.
Immerhin hat Cicero mit einer Kolumne das Thema aufgegriffen. Gut, dass wir darüber gesprochen haben.

  • Antworten
Frederik Weiss06.09.2012 | 01:11 Uhr

Grauenerregend

Das geht doch alles am Zuschauer vorbei. Da sind auf der einen Seite die sogenannten „Reality-Dokus“, wo billig und skrupellos Menschen vorgeführt werden. Auf der anderen Seite unterirdische Programme, die mit einer „Rundfunkgebühr“ (ab Jan. 2013 für jeden Haushalt 17,98 Euro, nicht mehr geräteabhängig) produziert werden. Das ist doch eine Zwangs- und Zwecksteuer. Da kann man nur noch vor dem Bundesverfassungsgericht klagen.

  • Antworten
bernhard jasper06.09.2012 | 10:13 Uhr

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