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Salon

SterbehilfeDer Staat als Tötungsspezialist

Von Alexander Kissler22. Januar 2013
picture alliance
Tod,Urne,Seebestattung,Sterbehilfe
„Euthanasie an Selbstmordkandidaten, die nicht die Kraft zum Selbstmord haben“
Schrift:

Der Tod ist eine höchst private Angelegenheit, sollte man meinen. Doch fast wäre er zur Staatsaktion geworden. Der vorzeitige Tod als Dienstleistung für alle, ausgeführt von staatlich geprüften Fachleuten

Seite 1 von 2

Am Ende dieses Monats sollte der Bundestag ein Gesetz zur Sterbehilfe beschließen. Weil der Entwurf der Justizministerin in den Reihen von CDU, CSU und FDP nicht mehrheitsfähig war, wurde die Abstimmung auf unbestimmte Zeit verschoben. Was nach dem üblichen kleinen Karo streiterprobter Koalitionäre aussieht, könnte sich langfristig als menschenfreundlichste Tat dieser Legislaturperiode herausstellen. Das Gesetz hätte nämlich verrechtlicht, was noch gar nicht begriffen ist: die Sterbehilfe. Das Gesetz hätte Fakten geschaffen, ohne die Abgründe dieser Fakten auszuloten.

Keineswegs leuchtet es ein, warum das Sterben zu Beginn des 21. Jahrhunderts ein Vorgang sein soll, der der Hilfe bedarf. Zu Tode kommt jeder Mensch – und dank avancierter Palliativmedizin fast nie unter schlimmen Qualen. Das Schreckensszenario, das die Sterbehilfebefürworter grell ausmalen, bleibt in weiten Teilen Fiktion, und Anteilnahme lässt sich sowieso nicht kodifizieren. Noch weniger leuchtet es ein, weshalb eine Gesellschaft, der es so gut geht wie nie zuvor und vielleicht nie wieder, den Tod von einem intimen, höchst individuellen Abschied zu einer Staatsaktion machen soll. Das im gescheiterten Gesetzentwurf intendierte Verbot „gewerblicher“ Sterbehilfe hätte die „organisierte“ Sterbehilfe als Königsweg der Lebensbeendigung inthronisiert. Dadurch, so der Medizinethiker Axel W. Bauer jüngst im „Deutschlandfunk“, hätte man die organisierte Suizidbeihilfe geradezu geadelt. Ein flächendeckendes Netz staatlich geprüfter Sterbeexperten und Tötungsspezialisten entstünde.

Der neu gefasste Paragraph 217 im Strafgesetzbuch würde zur „diskreten Ermahnung, sich jederzeit zu überlegen, ob man nicht bald gehen sollte“ – befürchtet der Publizist Andreas Krause Landt in seinem soeben erschienenen Essay „Wir sollen sterben wollen“. Warum aber will der Staat mit diesem Ansinnen an seine Bürger herantreten? Laut Landt sind „Pflegenotstand, Fachkräftemangel und explodierende Krankenkosten“ die wahren Treiber der Bestrebungen, den vorzeitigen Tod zur Dienstleistung für alle zu machen. „Wer wird noch weiterleben wollen“, fragt er, „wenn er erfährt, dass die Verwandten bereits ‚unverbindlich‘ Kontakt zu einem Sterbehilfeverein aufgenommen haben?“ Offenbar soll die Sterbehilfe ein kollabierendes Gesundheitssystem entlasten.

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Da geht's lang, - Exit

Da geht's lang, - Exit!

Sterben sollen-wollen-müssen….nein?
Na, na…wird denn da so überpingelig sein, es spricht doch vieles für den erlösenden, alles lösenden Exit.

Die sterbenskranken Alten bringen doch nichts mehr, diese Rentenvergeuder.
Sie machen nur Mühe und Stress dem genervten Pflegepersonal.
Sie kosten den an Überflussmilliarden notleidenden Krankenkassen unsinnig Geld, das man doch besser präventiv für die Gesundheit der Gesunden nützen könnte. Vor lauter Hospizeinrichtungen gibt es kaum noch Kurhotels für Arbeiter und Arbeitslose.

Und die Lösung macht uns doch wohl keine Schwierigkeiten, wir haben schließlich Erfahrungen sammeln können. Ist zwar schon ne Weile her und die Jüngeren der zwei bis drei Generationen können auf das Wissen der immer noch reichlich vorhandenen Zeitzeugen zurückgreifen.

Deswegen muss man doch nicht gleich ein Nazi sein. Ich bitte Sie! Man ist doch schließlich noch Mensch und kein Misanthrop.

inriboxan

  • Antworten
Heinz Boxan22.01.2013 | 12:39 Uhr

Sterbehilfe ein Menschenrecht

Sicher kann jede Möglichkeit missbraucht werden. Aber was erlauben wir alles, wenn die Menschen es selbst wollen. Sie dürfen sich die Brüste aufpumpen lassen (mit allen Risiken), unerwünschte Föten dürfen bis zur 12 Woche abgetrieben werden, Tiere werden im Namen der Forschung oder des Kommerzes gequält, aber der verantwortliche Sterbewunsch, bei dem ein Mensch Hilfe brauchen könnte, wird staatlicherseits unter Strafe gestellt. Nicht nur für mich, auch für viele andere Menschen, wäre es ein äußerst tröstlicher Gedanke, der es letztlich einfacher macht, froh zu leben, wenn ich wüsste, ich habe die Möglichkeit "die Reißleine" zu ziehen. Und - nein ich bin absolut nicht selbstmordgefährdet.

  • Antworten
GAST22.01.2013 | 12:50 Uhr

schnelle Lösungen

Tja, da drängen sich einem ja wirklich tolle Bilder auf....
@Alle, die nicht funktionieren, weg damit, Sterbehilfe ist eine lautlose, stumme, nicht im Brennpunkt stehende Lösung, -alternativlos-, wenn man der Diktion einiger "Fachleute" im Raumschiff Berlin folgt... Offensichtlich haben die, die einmal angetreten sind dem Land und Volk zu dienen, völlig den Kontakt zu seinem Auftraggeber, dem Volk, verloren.
In meiner Phantasie bleibt e snicht bei den ALten, Kranken etc, da fallen mir ne Menge "Fälle" zusätzlich ein, die nicht DIN-genormt sind, nicht zur Gewinnoptimierung beiragen, sondern Geld und Mühe kosten könnten.....
Mein Gott sind wir eine verkommenen Gesellschaft, etwas anderes fällt mir dazu nicht ein.

  • Antworten
rosselfee22.01.2013 | 12:54 Uhr

Der Staat als Tötungsspezialist ? Nein !

Der Kommentar von "Heinz Boxan" erschüttert mich. Etwas weltfremderes und zynischeres habe ich lange Zeit nicht gelesen. Völlig abwegig. Lieber Herr "Heinz Boxan", wir alle sind vielleicht noch jünger und denken einfach nicht ans Alter bzw. Älterwerden. Unsere Welt besteht seit Millionen von Jahren. Geht alles gut, so leben wir darin nur 60-90 Jahre. Sie müssen doch erkennen, wie definitiv d.h. endlich unsere eigene Lebensdauer ist. Schlimm daran der Gedanke, dass Menschen die nicht mehr "funktionieren" z.B. wegen Erkrankung kein Lebensrecht mehr besitzen sollen und zum Abfall der Weltgeschichte gehören. Ältere Menschen haben mehrere Jahrzehnte damit zugebracht, dass Leben der jüngeren Generation sozial und wirtschaftlich abzusichern. Nicht nur aus diesem Grunde haben sie das Recht, selbst sozial abgesichert ihr Leben und ihren Lebensabend verbringen zu können. Das wünschen wir uns doch alle. Wirtschaftliche und finanzielle Probleme des Staates selber, sind nicht gerechfertigt, das zu ändern. Seien wir doch alle menschlicher im Umgang mit unseren älteren Mitbürgern. Denken wir daran, was sie uns alles ermöglicht haben, um uns Freude am Leben selbst zu schenken.

  • Antworten
Gerd Ginnom22.01.2013 | 13:48 Uhr

Exit

Lieber Herr Ginnom,

Satire ist nicht immer so leicht zu verstehen, wie Zynismus.
Lesen Sie bitte noch mal in aller Ruhe.

Freudliche Grüße Heinz Boxan

  • Antworten
Heinz Boxan22.01.2013 | 14:11 Uhr

Lebensfremdes Geschwätz

Der Kolumnist ist offenbar ein "high potential" voller Saft und Kraft, welcher es in seinem jugendlichen (oder vielleicht: jung gebliebenen) Überschwang allerdings übersah, dass der Regierungsentwurf nicht etwas zu erlauben, sondern er etwas unter Strafe zu stellen vorsah, nämlich "die gewerbsmäßige Sterbehilfe". Dass dies nun so wahnsinnig freiheitlich war, macht auch diese Kolumne nicht nachvollziehbarer.
(Zunächst sollte ein freiheitlicher Geist die Schaffung neuer Straftatbeständee unter die kritische Lupe nehmen, oder ...?)

Der Autor hätte - wenn er denn schon nach Strafe ruft; das tut er doch wohl? - es kritisieren können und auch eigentlich müssen, dass es die Bundesregierung und deren tragende Koalitionen nicht schaffte, einen Vereinbarungsgegenstand des Koalitionsvertrages, in welchem es doch angeblich um das hohe Rechtsgut des Lebensschutzes ging, gesetzgeberisch umzusetzen.
Aber nichts davon, obwohl wir es hier offenkundig mit lauter lautstarken selbsternannten Lebensschützern zu tun haben, welche ihr eigenes Lebenschutzsprojekt nicht umsetzen. Und dies über Jahre hinweg.

Dieser Artikel ist ebenso geschwätzig, wie das Getue der konservativen Seite in dieser Frage insgesamt.

Jenseits der schlechten Posse um den gescheiterten Gesetzgebungsentwurf der Bundesregierung darf man vermuten, dass sich hier im wirklichen Leben (das Leben geht ja weiter) derweil ähnliches ereignet, was weiland bei der Abtreibungsfrage zu beobachten war: Nach außen hin gibt man sich katholischer als der Papst, redet viel von Verantwortung und kriminalisiert gerne, vor allem rhetorisch, nach innen aber - wenn es dann wirklich hart auf hart kommt (so etwas kommt im Leben durchaus vor, anders als der hier etwas lebensfremde Autor vielleicht in einem Anfall von Kurzamnesie momentan selber glaubt), organisiert man sich durchaus seinen gepflegten ärztlich assistierten Suizid.

Bei der Forderung nach der Straffreiheit für den ärztlich assoziierten Suizid geht es nicht um "Leben" oder "Tod", sondern um Gleichberechtigung. Das Volk muß sich auch verschaffen können, was sich CDU-CSU-FDP-Abgeordnete verschaffen können, den Tod von eigener Hand mit ärztlicher Assistenz.

  • Antworten
Heribert Süttmann22.01.2013 | 14:58 Uhr

Punktgenau aufgespießt!

Danke, Herr Kissler, dem so ein Satz einfällt... :
"Auch aus erbender Nähe kann der Ruf erschallen: Lass dich doch abholen."
Hach... :-)) !

  • Antworten
Hedwig v. Beverfoerde22.01.2013 | 15:15 Uhr

Staatliche Sterbehilfe

Keiner will freiwillig sterben, wenn er gesund ist und genügend Geld hat. Jedoch in dieser Gesellschaft,
wo die Lobbiisten die Politiker fest im Griff haben, da kann schon Sterbelust aufkommen.
Gäbe es mehr Platz für Großfamilien bzw. mehr Wohnraum für jeden, nicht die Gier der Monopolisten
und die ständige Preissteigerung auf allen Sektoren, niemand würde Sterben wollen. In diese Situation hat sich das Volk selbst hineingebracht. Nun sterbt mal schön.
Gruss
Tyll Ruhtenberg

  • Antworten
Tyll Ruhtenberg22.01.2013 | 15:45 Uhr

Deutsche Erfahrungen

Die Deutschen haben ja "gute" Erfahrungen mit der Sterbehilfe. Würde mich nicht wundern, wenn die aktuellen Gesetzesvorlagen von den alten teils abgeschrieben werden konnten? *Ironie aus

  • Antworten
EuroTanic23.01.2013 | 11:41 Uhr

Tod als Ausdruck des Selbstbestimmungsrechts?

Es ist schon ein verquerte Welt, in der das Selbstbestimmungsrecht des Menschen immer dann angeführt wird, wenn hiermit am Ende das Recht auf den eigenen Tod (Sterbehilfe) oder den Tod eines anderen (Abtreibung) begründet werden soll. Dass eine humane Gesellschaft stattdessen die Hilfe zum Leben in der Vordergrund stellen sollte, wird verdrängt. Aber ein schnell gestricktes Gesetz ist allemal billiger als der weitere Ausbau von Palliativmedizin, Hospizen und der Suizidprävention. Wenn man den Menschen wirklich helfen will, müssen alle Formen der organisierten Suizidbeihilfe verboten werden und nicht nur die kommerzielle, welche in Deutschland selbst von den selbsternannten Sterbe"helfern" Dignitas und Sterbehilfe Deutschland gar nicht betrieben werden.

  • Antworten
Lebensschutz23.01.2013 | 18:24 Uhr

Lächerlich, diese ganzen

Lächerlich, diese ganzen Horrorszenarios, die heraufbeschworen werden.

Man kann ja mal andere Länder angucken, bei denen Sterbehilfe oder "Suizidbegleitung" praktiziert wird, und schauen, wie die Verhältnisse dort sind. Vielleicht kommt es eher auf des genaue "Wie" drauf an, als auf das "was". KÖNNTE man ja mal untersuchen, anstatt hier gleich das Maul groß aufzureißen und sich zu empören über Dinge, die man nur vom Wort her kennt.

Hier hat jeder eine große Meinung, aber keine davon wohlfundiert (oder überhaupt fundiert). Diese Bürger sind auch nicht mündiger als Siebtklässler.

  • Antworten
Torben Pasucha23.01.2013 | 19:47 Uhr

Sterben dürfen

Man kann es drehen und wenden, wie man will - was bleibt, ist das Menschenrecht auf einen selbstbestimmten Tod (juristisch: straffreier Suizid). Dieses Grundrecht kann ein neues Gesetz nicht 'aushebeln'. Ich habe immer schon betont, dass ein solches Gesetz NICHT kommen wird oder sehr bald vom Verfassungsgericht wieder kassiert wird.

Das Positive ist, Sie brauchen nicht einmal einen Verein mit Mitgliedsbeiträgen, um Ihr Menschenrecht zu verwirklichen. Siehe hier:

www.sterbenduerfen.de

  • Antworten
Peter Puppe24.01.2013 | 15:06 Uhr

Du sollst nicht töten!

Du sollst nicht töten!
Wie weit sind wir schon davon entfernt. Es wird nicht etwas moralisch gut, auch wenn der Staat es gesetzlich bestimmt, wenn es in sich böse ist! Selbst kleine Ausnahmen verändern das Bewusstsein der Ehrfurcht vor dem menschlichen Leben.
Der Mensch braucht in Alter und Krankheit und auf seinem letzten Weg Hilfe und Zuwendung, keine Giftpritze. Suizid bedeutet keinen Sieg für Selbstbestimmung und Freiheit. Er ist immer eine menschliche Niederlage! Es ist beängstigend wie immer mehr Dämme brechen-
jeden Tag werden in Deutschland 1000 Kinder abgetrieben(wenn die in die Rentenkasse einzahlen würden, hätten wir keine Probleme)
jetzt die Alten u. Kranken= eine Kostenfrage, war es auch bei Hitler=
Unwertes Leben. Beihilfe zum Selbstmord dauert nicht lange. Die Gewissensqual aber oft ein Leben lang.

  • Antworten
Tilda27.01.2013 | 18:38 Uhr

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