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Salon

Christian Ulmen„Der Shitstorm gehört zum Gesamtkunstwerk“

Interview mit Christian Ulmen28. Januar 2013
picture alliance
Christian Ulmen über Uwe Wöllners Who Wants To Fuck My Girlfriend?
Der Bachelor sagt nicht: „Who wants to be fucked by the horny rich man?“
Schrift:

Für seine neue Fernsehshow muss Christian Ulmen bereits Wochen vor der ersten Ausstrahlung harte Kritik einstecken. Feministinnen laufen Sturm gegen die Sendung „Who Wants To Fuck My Girlfriend?“. Das Konzept dafür hat sich Uwe Wöllner, Ulmens Alter Ego, ausgedacht. Ein Gespräch über Satire, Fremdscham und sexistische Kackscheiße

Seite 1 von 2

Die Geschichte: Uwe Wöllner, sozialisiert als Kind heutiger Fernsehunkultur hat sich eine Sendung ausgedacht, in der zwei Männer gegeneinander antreten. Der Preis: Ein Kranz mit einer goldenen Schärpe auf der steht „Everybody wants to fuck my girlfriend“. Die dazugehörigen Freundinnen erspielen sich Punkte, indem sie Annäherungsversuche, erotische Angebote oder anzügliche Blicke fremder Männer sammeln. Ein quotengeiler Fernsehredakteur, Gero Schorch, der Uwe Wöllner schon seit Jahren begleitet und vermarktet, hat ihm nun einen Sendeplatz und auch die Moderation der Sendung verschafft. Während Ulmen den Moderator Uwe Wöllner nur spielt, sind die Kandidaten reale Personen.

Herr Ulmen, von Ihrer  Sendung „Who Wants To Fuck My Girlfriend“ gibt es noch fast nichts zu sehen. Der Aufschrei im Netz ist trotzdem gewaltig. Was haben Sie da vor?
Das Konzept der Sendung ist im Gehirn der Figur Uwe Wöllner entstanden. Die Show funktioniert nur mit Uwe. Wöllners komplette Sozialisation fand ausschließlich als Konsument statt. Neben Spielekonsolen und Softpornos im Wesentlichen als Konsument von Fernsehen. Wöllners Muttermilch war „Dismissed“, „Girls Camp“, „Big Diet“.

Wöllner wirkt nicht nur falsch ernährt, sondern auch geistesgestört, krank?
Nein, Uwe Wöllner ist nicht behindert. Man muss ihn sich als Medien-Kaspar-Hauser vorstellen. Statt in Dunkelheit ist er ausschließlich mit dem Fernsehen aufgewachsen. Krank ist er überhaupt nicht. Er hat ja auch Anflüge von Reflexionsvermögen. Das Dschungelcamp findet Uwe zum Beispiel menschenverachtend.

Aber warum ist das Dschungelcamp oder der Bachelor – in dem sich Frauen einem Mann andienen – anders als das, was Sie da machen? Wo ist der Unterschied?
Wir sind sehr viel lustiger als der Bachelor. Und wir überhöhen maßlos, so, wie es nur über eine Kunstfigur möglich ist. Es ist Wöllners Formatidee. Wir stellen sie als Konzentrat seiner Einflüsse in die Welt und nennen das Ganze glasklar so wie es ist. Das ist der Unterschied. Der Bachelor sagt nicht: „Who wants to be fucked by the horny rich man?“, wer will vom reichen geilen Mann beschlafen werden? „Die Schöne und der Freak“ (auch eine menschenverachtende Sendung von Pro Sieben, Anm. d. Red.) heißt auch nicht „Wer ist der größte Vollhonk und wessen Individualität machen wir heute platt?“ Diese Formate tragen alle recht schöne Mäntlein, sie schillern und leuchten mit ihrem hübschen Vorspann, so dass viele Zuschauer gar nicht checken, was daran scheiße ist. Uwe ist einer dieser Zuschauer. Die Versuchsanordnung lautete: was würde sich einer wie Uwe für ne Show ausdenken, nachdem er sein Leben vor dem Fernseher und mit all diesem Kram verbracht hat? Das Ergebnis ist „Who Wants To Fuck My Girlfriend“. Ich finde das plausibel und folgerichtig.

Inwiefern ist „Who Wants To Fuck My Girlfriend“ diesem Kram moralisch überlegen?
Zuallererst ist unsere Show ein Kapitel in der großen Uwe-Wöllner-Saga, und die ist hochmoralisch. Dabei arbeiten wir seit jeher mit der absoluten Überschreitung moralischer Grenzen. Ganz genau so wie es das aktuelle Fernsehen jeden Tag macht, bloß lassen wir den Weichzeichner weg. Was dabei raus kommt, nennen wir so, wie es ist, nämlich „Fuck“, eben damit uns und dem Zuschauer ab und zu das Lachen im Halse stecken bleibt. Niemand regt sich über den Bachelor auf. Universitätsprofessoren sagen, Big Brother sei eine soziologische Studie. „ Who Wants To Fuck My Girlfriend “ löst sofort Empörung aus. Weil es so heißt, wie es heißt. Weil es so heißt, wie alle diese Formate eigentlich heißen müssten. Die Öffentlichkeit hat sich einheitlich dazu entschieden, diese Sendungen gelten zu lassen. Sie laufen seit Jahren, ohne dass es einen Shitstorm im Internet gibt. Den gibt es jetzt bei uns. Dafür hat es sich gelohnt.

[gallery:Rösler bleibt und Cameron geht – Die Karikaturen der Woche]

Die Kritik, die von feministischer Seite kam, hat Sie schon überrascht?
Es war interessant, mit welcher Kraft von persönlichen Attacken bis hin zu Morddrohungen diese erste Reaktion kam, ja. Vor allem weil die Show ja noch gar nicht lief. Selbst wenn es ein institutionalisierter Shitstorm von ein paar sehr professionellen Shitstormerinnen war: Es gab sofort eine scharfe Diskussion. Das ist erhellend. Obwohl es einen natürlich sticht, als Sexist bezeichnet zu werden. Bei den Drehs haben sich viele Männer in unserem Team mitunter für ihr eigenes Geschlecht geschämt: Eine Kandidatin steht spätabends an einer beliebigen Berliner Straßenkreuzung rum, die gar nicht als „Straßenstrich“ gilt, und es dauert trotzdem keine zwanzig Minuten bis das erste Auto anhält und die Frau „nach dem Preis“ gefragt wird. Das war tatsächlich die Regel. Unfassbar. Wenn sich eine Kandidatin im Internetcafé ins Chatroulette einloggt, muss sie nur einmal freundlich in die Webcam winken und ihr Gegenüber legt sofort sein Gemächt auf den Tisch und fängt ungefragt an, dran zu rubbeln – einfach so, weil da eine Frau vor der Webcam sitzt. Klickt sie den weg, macht’s der Nächste ohne viele Worte ganz genauso. Das geht unendlich. Wir erleben eine so peinlich stupide Sexualität, die vom Mann ausgeht, dass es weh tut. Die Sendung hat dadurch auch eine dokumentarische Qualität.

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Schönes Konzept!

Da kriegen die feministischen Sittenwächter den männlichen Vollhonk, nach dem sie allzeit suchen, auf dem Silbertablett serviert und merken es nicht mal!

Kritisch geht anders!

  • Antworten
djadmoros28.01.2013 | 14:54 Uhr

@djadmoros: hä?

@djadmoros: hä?

  • Antworten
uliba28.01.2013 | 16:32 Uhr

@uliba: Ok, buchstabieren wir!

1. In dem Format von "Who wants to fuck ..." werden nicht Frauen vorgeführt, sondern Männer: "Wir erleben eine so peinlich stupide Sexualität, die vom Mann ausgeht, dass es weh tut."

2. Es werden Männer vorgeführt, die dem feministischen Klischee vom Mann als sozialem und sexuellem Idiot perfekt entsprechen.

3. Das Format wird aus der feministischen Ecke angegriffen, bevor es noch im Äther ist, weil es angeblich sexistisch und frauenfeindlich sei.

Frage: wie ideologisch vernebelt muss man eigentlich sein, um nicht zu sehen, *wer und was* da vorgeführt wird?

  • Antworten
djadmoros28.01.2013 | 17:27 Uhr

verstehe!

verstehe!

  • Antworten
uliba29.01.2013 | 10:18 Uhr

Zerstreuungsindustrie

Was in diesen Köpfen und Seelen (Produzenten und männliche „Kreative“) vor sich geht, sollte einmal wissenschaftlich untersucht werden. Oder, wer produziert anhand welcher Maßstäbe jene medialen Angebote, in denen der weibliche und männliche Lebenszusammenhang derartig massiv annulliert und trivialisiert wird? Hier wird Sexuelles zur Ware und in technisch massenhafter unbegrenzter Weise verbreitet. Der Weg zur Prostitution und Zuhälterei ist nicht mehr weit. Der Gebrauchswert liegt nur noch in der Befriedigung der Schaulust. Der Voyeurismus wird verstärkt. Die Zielgruppen werden immer genauer definiert. Vor allem die Heranwachsenden ergreifen diese Möglichkeit, ihre Nachfrage wird neues Angebot nach sich ziehen. So wird natürlich die Chance ein gesellschaftlich relevantes und wichtiges Thema zu verhandeln vertan, nämlich Sexismus, oder z.B. die Modernisierung des Frauenbildes in den Medien, oder moderne und traditionelle Frauen- und Rollenbilder. Durch dieses menschenverachtende „Format“ fallen wir in längst vergangen geglaubte Zeiten zurück.

P.S.: Und da redet dieser Hans Wurst auch noch von einem „Gesamtkunstwerk“- der weiß gar nicht was das ist.

  • Antworten
bernhard jasper28.01.2013 | 18:03 Uhr

Sie haben aber schon

Sie haben aber schon begriffen, dass alles was Sie anführen im Fernsehen längst vorhanden ist, sowie Ulmens Sendung eine Satire auf eben diese Medienwelt darstellt, er also gerade das tut was Sie gerade getan haben? Sprich er greift genau diese Unterhaltungsindustrie an.

  • Antworten
Sebastian 29.01.2013 | 20:05 Uhr

Zustimmung zu Bernd Jasper

Wozu haben wir eigentlich einen Fernseh- und auch Ethikrat?

  • Antworten
Martin hausdorf31.01.2013 | 10:54 Uhr

MARTIN HAUSDORF und JASPER

Wozu haben wir eigentlich Interviews mit schlauen Humoristen und preisgekrönten Satirikern, wenn Leute wie Martin und Jasper sie entweder nicht lesen oder nicht verstehen?

Richtig, Andy Kaufman, genau - manchmal dürfen es 90% nicht verstehen, damit die Kunst für die verbleibenden 10% perfekt wird. Das ist gleichzeitig traurig wie wunderbar exklusiv, in den Genuss einer solchen Satire zu kommen, die die 90% Nicht-Versteher einschließt.

Drum Danke an Martin und Jasper.

  • Antworten
Ulibab31.01.2013 | 19:40 Uhr

„Niemand regt sich über den

„Niemand regt sich über den Bachelor auf“: Na das wage ich aber zu bezweifeln.
„Morddrohungen“: Ach bitte!
„in der großen Uwe-Wöllner-Saga“: dito

  • Antworten
nk28.01.2013 | 19:09 Uhr

@ nk, wie viele Kommentare

@ nk, wie viele Kommentare hast Du denn schon auf den Bachelor-Seiten hinterlassen? Wie viele Mails an RTL geschickt?
Und wieso bagatellisierst Du ohne jegliche Kenntnis, wen einer erzählt, er habe Morddrohungen erhalten? Würdest Du auch mit "Ach bitte" reagieren, wenn eine Frau von sexueller Nötigung berichtet?

  • Antworten
uliba29.01.2013 | 10:18 Uhr

hach, ich freu mich schon wie

hach, ich freu mich schon wie ein kleines kind auf diese sendung. =D

@bernhard
ich gehe davon aus, das du nix verstanden hast. und nun ab in deine hütte!

  • Antworten
slorm29.01.2013 | 09:52 Uhr

geile fette Kunst

Ulmen und Team weiter so..
Die, die das Kunstwerk nicht verstehen,
sollen weiterhin RTL schauen :)
Andy Kaufmann hat damals schon gezeigt, das es nicht nur um die 10 % Zuschauer, (die einen Lieben) geht, sondern auch um die 90 % die einen nicht verstehen.

  • Antworten
captain Mittelstrahl29.01.2013 | 18:33 Uhr

@djadmoros:

@djadmoros:
Sie wissen schon, dass "Sexismus" nicht gleichzusetzen ist mit "Frauenfeindlichkeit", sondern durchaus alle Geschlechter umfasst?

  • Antworten
Sysa31.01.2013 | 22:57 Uhr

Aber ja!

@Sysa: Lesen Sie meine übrigen Postings zur Sexismusdebatte, dann wird Ihnen klar, dass mir das klar ist! :-)

In diesem Fall wollte ich nur darauf hinweisen, wie reflexhaft und kurzsichtig geurteilt wird, sobald Ideologie im Spiel ist.

  • Antworten
djadmoros01.02.2013 | 10:48 Uhr

Mehr billig geht nicht

Sie beleidigen mit derartigen „Formaten“ meinen Intellekt, zumal wenn Sie immer von „Kunst“, oder gar „Gesamtkunstwerk“ reden. Selbstverständlich dürfen sie derartigen „Trash“ produzieren. Sie sollten vielleicht ihre Energien in kulturelle Leistungen umsetzen. Z.B. fehlen gute Drehbücher im deutschen Fernsehen. Dieser Pseudo-Realismus, auch wenn er scheinbar aufgeklärt zeitgenössisch bis avantgardistisch daherkommt, verschafft euch eine Art von Schein-Befriedigung, nicht wahr!? Ich weiß, ihr findet das alles witzig und "geil". Eine ganze Illussionsindustrie arbeitet an der Herstellung von derartiger Zerstreuung. Die bevölkert schon jetzt den medialen öffentlichen Raum, die spiegelt sich auch in anderen deutschen Fernsehprogrammen wider. Sex sells immer, nicht wahr? Mehr billig geht nicht.

  • Antworten
bernhard jasper01.02.2013 | 10:33 Uhr

Herr Jasper, mit Verlaub: das

Herr Jasper, mit Verlaub: das sind alles Plattitüden und Allgemeinplätze, die Sie da von sich geben. Erklären Sie uns doch mal, was genau die Botschaft von Ulmens Satire von Ihrer Haltung zum Thema Sexismus unterscheidet.

  • Antworten
Ulibab01.02.2013 | 16:56 Uhr

Antwort an Ulibab

Den Unterschied kann ich Ihnen sagen. Ihr Thema scheint die mediale Bühne als Inszenierungs-Option des Medienprodukts zu sein (sind die Werbespots für die Sendung eigentlich schon gebucht?). Dabei schrecken sie auch nicht zurück ihre Protagonisten zu instrumentalisieren. Das hat etwas mit ästhetischer Bildung zu tun. Ihre Wirklichkeitserzeugung wird mit fiktionalen Mitteln gemacht (Scripted Reality).
Natürlich kann ich ihre „kreativen Zustände“ nicht beeinflussen. Daraus folgt auch, dass das Individuum immer seine eigene Erlebniswelt hat, und dass die Erlebniswelten der Individuen nur partiell übereinstimmen. Für den einen ist etwas Satire oder satirisch gemeint, für den anderen jedoch nur geschmacklos. Für den einen ist es ein Witz oder witzig, für den anderen jedoch eine Beleidigung, für die einen sind es nützliche Fiktionen, für mich Trivialisierungen (komplex reduzierende Bedingungen).

P.S.: Und es gibt sie doch, nämlich gute Unterhaltung im Fernsehen auch zu diesem Thema.
„Cartagena – Zwischen Liebe und Tod“, ARTE F
sehenswert.

  • Antworten
bernhard jasper02.02.2013 | 13:13 Uhr

Mich verwundert, dass hier so

Mich verwundert, dass hier so ernsthaft darüber gestritten wird, was diese Sendung IST und was sie nicht IST. Ist sie Frauenfeindlich? Oder zeigt sie gerade DEN Mann, gegen den Feministinnen Sturm laufen? So eine Debatte ist durch das Format natürlich nicht ungewollt. Aber BEIDE Seiten gehen ihr m.E. auf den Leim! Diese Sendung ist eben auch "bloß" satirisches Unterhaltungsformat... damit IST sie weder das eine noch das andere. Wer wird da ERNSTHAFT Frauenfeindlichkeit vorwerfen wollen? Wer wird da aber auch ERNSTHAFT behaupten, so eine Sendung würde Argumente liefern, an die etablierte feministische Kritik tatsächlich anschließen kann. Ich denke,zwischen beiden Seiten dieses Arguments lässt sich mit Blick auf die Sendung gar nicht sinnvoll entscheinden, weil sie diese von jeweils verschieden Seiten mit der gleichen Zumutung überfordern: Ernsthaftigkeit!

  • Antworten
Förster06.02.2013 | 00:47 Uhr

Who wants to fuck

Die FSF prüfte bislang 4 der 12 Folgen und gab sie antragsgemäß für das Spätabendprogramm / ab 16 Jahren frei. Die Parodie auf Geschlechterrollenbilder sei für Jugendliche ab 16 Jahren zu erkennen, Übertragungseffekte daher auszuschließen.
Mehr Infos zu "Who wants to fuck" in der FSF-Prüfung hier: http://blog.fsf.de/neues-aus-der-programmprufung/who-wants-to-fuck-my-girlfriend/2013/02
Neu zum Thema im Blog:„Who wants to fuck“ – Kalkulierter Tabubruch als virales Marketing.
http://blog.fsf.de/diskurs/who-wants-to-fuck-kalkulierter-tabubruch-als-virales-marketing/2013/02

  • Antworten
FSF13.02.2013 | 12:39 Uhr

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