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 > Der Fotograf Dennis Hopper

Salon
entdecken: Dennis Hopper

Der Fotograf Dennis Hopper

von 
Ronald Düker
11. Dezember 2009
Foto: Dennis Hopper
Der Fotograf Dennis Hopper
Exzentriker, Harley-Davidson-Idol - aber auch Kunstsammler und meisterlicher Fotograf: Dennis Hopper ist mehr als nur ein Filmstar

Ob es daran liegt, dass er in Dogde City zur Welt gekommen ist? Und auch als Nachgeborener noch eine Geistesverwandtschaft mit den Outlaws des Wilden Westens verspürte? Als Schauspieler schien Dennis Hopper wie geschaffen für die Verkörperung von gesetzlosen, randständigen, von Grund auf bösen Typen. Oder jenen Glückssuchern, die ihre Freiheit zwar friedlich, aber nur nach radikal selbstbestimmten Regeln auszuleben bereit waren. In «Easy Rider» (1969) verfolgte Hopper diesen Traum an der Seite Peter Fondas auf einer Harley Davidson. Hinterwäldlerische Rednecks setzen dieser Fahrt aber ein blutiges Ende, und nur wenige Monate nach der Filmpremiere schien es, als imitierte das Leben die Kunst. Durch ihre Morde verdüsterte die Manson-Familie die Aufbruchsstimmung der Hippies wie ein schlechter LSD-Trip. Dieses eine – einzige – Mal stand Hopper im Zentrum einer Bewegung: Keine ernsthafte Geschichte des New Hollywood genannten amerikanischen Autorenfilms kommt um «Easy Rider» herum. Sonst aber blieb dieser Schauspieler und Regisseur ein heimlicher Star, eine zentrale Randgestalt des Kinos. Spätere, auch großartige Regiearbeiten (wie «The Last Movie») enttäuschten an der Kasse, und vor der Kamera verkörperte Hopper hauptsächlich kleinere Rollen. Die entfalteten ihre ätzende Wirkung auch in homöopathischer Dosierung: Als perverser Frank Booth fräst sich der Darsteller mühelos ins düstere Zentrum von David Lynchs «Blue Velvet».

Nun erklärt sich all das kaum durch den Geburtsort Dogde City. Wer verstehen will, warum dieser hochbegabte Schauspieler und kluge Regisseur seinen Ort stets am Rand des Geschehens gefunden hat, dem gibt Francis Ford Coppola einen Schlüssel an die Hand. Im 1979 entstandenen «Apocalypse Now» spielt Hopper niemand anderen als sich selbst: einen übernervösen Fotojournalisten, den all die Gräuel, die ihm in Vietnam vor die Linse gekommen waren, beinahe noch stärker verwirrten als den entmenschten Protagonisten Kurtz selbst. An die Kamera klammerte sich Hopper, der dieses Jahrzehnt der Alkohol- und Drogenexzesse nur durch ein Wunder überlebte, auch im echten Leben. Schließlich hatte er schon 1955, mit gerade 19 Jahren, den Rat eines Freundes beherzigt, der kurz darauf bei einem Autounfall sterben sollte: Bei den gemeinsam Dreharbeiten zu «Rebel without a Cause» legte ihm James Dean ans Herz, sich neben dem Film in zumindest einer weiteren Kunst zu versuchen.

Wie ernsthaft Hopper das tat, belegt nun der monumentale Bildband «Photographs 1961–1967»: Hopper, der ohne Kamera nicht mehr aus dem Haus ging, wurde zu einem handwerklich versierten Bild-Chronisten seiner Zeit. Dabei reicht sein fotografischer Horizont weit über die Welt des Filmbetriebs hinaus. Als leidenschaftlicher Galerie-Gänger und ambitionierter Kunstsammler kommt er schon früh in Kontakt zur Avantgarde der bildenden Kunst. Davon zeugen intime Porträts von Robert Rauschenberg, Andy Warhol, Jasper Johns oder Joe Coleman. Hopper fotografiert die Bo­heme von Venice Beach, aber auch das soziale Elend der kalifornischen Suburbia, er beobachtet aus nächster Nähe Studentendemons­trationen und die öffentlichen Auftritte von Martin Luther King.

Seine Bilder haben aber nicht nur dokumentarischen Wert. Dieser vom Fotografen handsignierte und zentnerschwere Band zum Sammlerpreis versammelt ein ebenso gewichtiges künstlerisches Œuvre und macht deutlich, in welcher Beziehung Film, Foto­grafie und bildende Kunst hier einmal zueinander standen. Dennis Hopper entpuppt sich beim Blättern als akribischer Bild-Komponist. Und so verdichtet sich der Verdacht, dass auch sein Außen­seitertum nicht pure Exzentrik ist, sondern das bewusste Programm eines Meisters vor und hinter der Kamera. Heute ist Hopper ein freundlicher älterer Herr und noch immer auf Filmfestivals und Kunstmessen zu finden. Einer, der – anders als James Dean – wohl wusste, was er tat.

Dennis Hopper
Photographs 1961–1967
Taschen, Köln 2009. 546 S., 500 €

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