Am Anfang seiner Karriere als Agent stand Petra Eggers. Ihr war Matthias Landwehr über seine Öffentlichkeitsarbeit beim Berlin Verlag und bei Volk & Welt aufgefallen. 1996 machte sie ihm das Angebot, sich in ihre Agentur einzukaufen, bis dato ein auf Sachbuch konzentriertes Ein-Frau-Unternehmen, das so gut lief, dass eine personelle Verstärkung und Erweiterung der Geschäftsbereiche sinnvoll erschien.
Am Anfang seiner Karriere als Agent stand Petra Eggers. Ihr war Matthias Landwehr über seine Öffentlichkeitsarbeit beim Berlin Verlag und bei Volk & Welt aufgefallen. 1996 machte sie ihm das Angebot, sich in ihre Agentur einzukaufen, bis dato ein auf Sachbuch konzentriertes Ein-Frau-Unternehmen, das so gut lief, dass eine personelle Verstärkung und Erweiterung der Geschäftsbereiche sinnvoll erschien. Eggers & Landwehr, das ist heute neben Graf & Graf die erfolgreichste Agentur für deutsche Literatur, die unter anderen Autoren wie Florian Illies, Sybille Berg, Benjamin von Stuckrad-Barre, Christian Kracht, Rainald Goetz und Wladimir Kaminer vertritt.
Die Grenzen in der Betreuung von Sachbuch und Belletristik haben sich zwischen Eggers und Landwehr mittlerweile aufgelöst. Dennoch ist es vor allem Landwehrs Name, der mit den glamourösen Pop-Autoren in Verbindung gebracht und dessen Tätigkeit von der Branche besonders missliebig beäugt wird: «Manche hassen mich geradezu, weil ich als der Härtere im Verhandeln gelte.»
Beobachtet man Landwehr im Gespräch, auf der Buchmesse, bei gesellschaftlichen Anlässen in Berlin, zu denen die Agentur gerne auch selber einlädt, kommt einem die Vision, man sähe John Malkovich agieren in einer glücklichen Version des Films «Gefährliche Liebschaften», bei der es um die Verkupplung von und Verführung zu Büchern, Autoren und Verlagen geht. Geschmeidig, eloquent, höflich, gleichwohl absolut entschieden tritt er auf, ein Krieger der verdeckten Strategie im literarischen Netzwerk, schwärmend für seine Autoren in koketter Bescheidenheit: «Als Agent bin ich die Summe meiner Autoren und ohne sie nichts.» Zu dienen sei seine Aufgabe, und für andere zu streiten, an deren Werk er glaubt, deshalb keine unangenehme Sache. Voraussetzung: Er muss vom Potenzial seiner Autoren überzeugt sein und mit ihnen menschlich klar kommen.
Zwischen vier- und sechs-, in der Spitze bis zu siebenstellige Summen erzielt der Agent bei der Auktion von Autorenverträgen; 15 Prozent davon gehen an ihn. Das Ganze kann man sich durchaus wie bei Sotheby’s vorstellen: Das Manuskript eines von der Agentur vertretenen Autors wird an verschiedene Verlage geschickt, nach einer festgesetzten Frist für die Lektüre vermittelt der Agent in einer Telefonauktion so lange zwischen den verschiedenen Bietern, bis das Höchstgebot feststeht.
Das Geraune, das um diese Vorgänge in der Branche entsteht, «amüsiert» Landwehr geradezu. Wie bei «Stille Post» würden da die Summen immer höher, je länger eine bigotte, missgünstige deutsche Branche über sie tuschelt. Es sei aber doch nur gerechtfertigt, dass auch ein Schriftsteller mit seiner Arbeit Geld verdienen könne und ein Agent ihm dabei helfe – im angelsächsischen Raum eine längst akzeptierte Gegebenheit. Die bisweilen hohen Vorschüsse ständen dabei immer in einem Verhältnis zu dem bereits erzielten und dem erwartbaren Absatz eines Autors – sagt Landwehr. Debütantenverheizen könne sein Interesse gar nicht sein.
Darüber hinaus ist von ihm zu diesem Thema nur vornehmste Diskretion zu erwarten. «Einem guten Agenten geht es nicht nur um die Abschlüsse, sondern vor allem darum, einen Autor von Buch zu Buch zu begleiten.» Matthias Landwehr ist ein so guter Agent, dass er sich zwei Dinge leisten kann. Zum einen spricht er keine Autoren an, im Gegenteil: Er wartet darauf, angesprochen zu werden und ist dabei in seiner Auswahl so selektiv, dass im vergangenen Jahr der Autorenstamm der Agentur sogar verkleinert wurde. Zum anderen vertritt er auch Autoren, an denen er nichts verdient, für deren Bücher er sich gleichwohl begeistern kann. – Die sich quer subventionierende Agentur als Ersatz für Verlage, die sich um ihre Autoren nicht mehr ausreichend kümmern können? «Ja, wir profitieren von der Beschleunigung der Buchbranche. Die Autoren sollen sich bei uns zu Hause fühlen, wo alles andere in ihrem Bezugsfeld wechselt.»
Kein Wunder, dass sich in der Konkurrenz um die Autoren eine gefährliche Spannung zwischen Verlag und Agent aufgebaut hat: «Lektoren und Verleger neigen dazu, Agenten für ihren eigenen Misserfolg verantwortlich zu machen.» Auch deswegen sei man bei manchen so unbeliebt. Das führt zu Gerüchten über Seilschaften, Absprachen und willfährige Rezensionen von Journalisten, die gleichfalls bei der Agentur unter Vertrag stehen. Wie alle anderen Vorwürfe pariert Landwehr auch die-sen mit Leichtigkeit: «Wer dich schlecht machen will, macht dies, egal was du tust. Man darf sich nicht korrumpieren lassen, weder durch Freundschaft noch durch antizipierte schlechte Nachrede. Das wichtigste Gut ist die eigene Glaubwürdigkeit.» Wer wäre davon nicht überzeugt?
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