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Salon

Robert Pattinson „DeLillos Worte sind wie die Bibel“

Interview mit Robert Pattinson30. Juni 2012
picture alliance
Robert Pattinson,Interview,Cosmopolis,David Cronenberg
Robert Pattinson in David Cronenbergs „Cosmopolis“
Schrift:

Mit seinem neuen Film „Cosmopolis“ wagt sich Robert Pattinson in die Abgründe der Finanzwelt vor. Cicero Online sprach mit dem Ex-Vampir über die Antriebslosigkeit seiner Generation, gespaltene Persönlichkeiten und Tortenattacken

Seite 1 von 2

Herr Pattinson, da verlässt Eric Packer einmal seinen Nimbus, seine Limousine, und schon wird er mit einer Torte attackiert. Gab es einen ähnlichen Moment in Ihrer Karriere?
Komischerweise habe ich eine ähnliche Szene in „Wasser für die Elefanten“ gedreht. Aber sonst, nein, nicht dass ich wüsste. Vielleicht in einem metaphorischen Sinne...

Keine aggressiven Paparazzi oder übereifrige Fans?
Nein, das hat sich bisher noch niemand getraut. Gott sei Dank, das hätte sonst ein böses Nachspiel gehabt.

Bildergalerie: David Cronenberg „Cosmopolis“

Wie würden Sie Ihren Charakter im Film beschreiben?
Eric Packer ist ein Mensch, der die gesamte Welt sehr abstrakt betrachtet, sich selbst, seinen Körper, seine Mitmenschen. Er trägt egomanische Züge und lebt in sein tiefstes Inneres zurückgezogen, in einer Welt, in der die eigentliche Realität nicht existiert. Im Laufe des Films versucht er schließlich, die Kontrolle über seinen Körper, über sich selbst zurückzuerlangen, bis er sie am Schluss vollständig aufgibt.

Was ist Ihnen von Eric Packer geblieben?
Es ist seltsam. Ich musste mir so viel Text merken und dachte, diese Zeilen würden aus meinem Kopf verschwinden, sobald die jeweilige Szene abgedreht ist. Doch die Wörter sind noch da; ich kann das gesamte Skript immer noch auswendig. Das hört sich jetzt bescheuert an, aber es gibt Momente am Tag, an denen ich DeLillos Passagen zitiere, fehlerfrei. David (Cronenberg) sagt dann immer: „Es ist wie die Bibel! Es gibt ein Zitat für jede Gelegenheit!“ Irgendwie sind DeLillos Worte immer noch mit mir verhaftet. Ihre Bedeutung wird mir mehr und mehr bewusst. Besonders in der Szene mit Samantha Morton, als wir uns über die Zukunft unterhalten, gibt es Passagen, die mich regelrecht verfolgen.

Liegt das an DeLillos sehr starken lyrischen, poetischen Wortgebilden?
Ja. Ich war zuerst unsicher, das Filmangebot anzunehmen, weil ich dachte, es könnte extrem langweilig werden. Denn im Grunde geht es in „Cosmopolis“ um Leute, die sich in einem Auto unterhalten – ausschließlich. Man kann im Film leicht den Anschluss verpassen. Entweder, du folgst DeLillos Worten die gesamte Zeit über, oder du verlierst dich darin, ohne genau zu wissen, was eigentlich passiert – dann bleiben dir lediglich ein paar schöne Bilder. David (Cronenberg) hatte so viele seltsame Ideen, Dinge, die ich im ersten Moment noch nicht wirklich verstand. Wenn du dich aber darauf einlässt, siehst du das große Ganze! Ich habe den Film mittlerweile drei Mal gesehen. Erst beim zweiten Mal konnte ich mich wirklich ganz darauf einlassen und war einfach vollkommen überwältigt.

Sie sagen, DeLillos Worte verfolgen Sie. Hat Ihnen der Film etwas über das Leben, über unsere Zeit beigebracht, das Ihnen vorher nicht bewusst war?
Über einige Dinge aus dem aktuellen tagespolitischen Geschehen habe ich mir beim Drehen keine Gedanken gemacht, wie beispielsweise die Occupy-Wall-Street-Bewegung. Dann drehten wir die Protest-Szene: 200 Statisten rüttelten an der Limousine, kletterten auf das Dach und versuchten mit aller Gewalt, den Wagen umzukippen. Wir saßen drin und konzentrierten uns auf unseren Dialog – und es war so einfach das alles zu ignorieren! Du vergisst, dass da draußen 200 Leute sind, die im Grunde gerade versuchen, dich umzubringen. Das ist doch wahnsinnig! Jeden Tag verfolgen wir ähnliche Szenen in der Wirklichkeit, vor dem Fernseher. Und du musst ihn nur abschalten, schon vergisst du, was gerade draußen in der Welt passiert. Mit Occupy kämpfen tausende Menschen für eine Sache und all ihre Bemühungen haben absolut keine Auswirkungen auf diejenigen, gegen die sich der Protest richtet. Das ist doch irgendwie beängstigend.

Vor ein paar Jahren habe ich ein Buch über Sklaverei gelesen. Es wurde beschrieben, wie brutal die Sklavenhalter tagsüber zu ihren Sklaven waren und abends unterhielten sie sich dann über Theologie und Gott. Das zeigt doch, dass ein und derselbe Mensch in zwei vollkommen unterschiedlichen Realitäten leben kann. Als ich mich auf meine Rolle vorbereitete, schaute ich mir das Interview zwischen dem Serienmörder Jeffrey Dahmer und seinem Vater an. Das ist so tieftraurig. Wenn man sich dann Dahmers Taten vor Augen führt, fragt man sich, wie man mit so einer Kreatur überhaupt Mitleid haben kann. In solchen Momenten spaltet sich das eigene emotionale Befinden von der Lebensgeschichte, der Realität dieser Person.

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Endlich mal ein intelligentes

Endlich mal ein intelligentes Interview mit Robert Pattinson in der deutschen Medienlandschaft. Daumen hoch!!!
Und... Cosmopolis ist fantastisch, aber unbedint im Original anschauen.

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Hochzwei03.07.2012 | 10:10 Uhr

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