Am Samstag um 20.15 Uhr ist es wieder soweit: Nach zehn Monaten kehrt „Wetten, dass..?“ zurück – mit Markus Lanz. Es könnte so schön werden, hätte sich der Moderator in den vergangenen Wochen nicht selbst schrittweise demontiert
Zwei mal werden wir noch wach, dann ist wieder Großshowtag. Oma und Enkel sitzen zusammen auf der Couch. Die Fanfare der Eurovision ertönt. Die goldenen Buchstaben hüpfen. Applaus im Düsseldorfer ISS-Dom. „Wetten, dass..?“ beginnt.
Bei der 200. Folge des Dauerbrenners richten sich alle Scheinwerfer auf den Neuen: Markus Lanz. Dieser brave, etwas biedere Anzugherr, den man sonst nur als weichgespülten Talkmaster kennt – und der aussieht wie der Vertriebsleiter eines Waschmittelherstellers – wird für sein „Wetten, dass..?“-Debüt keine alten Teppiche aufarbeiten lassen, hatte er zuvor versichert. Ein kleiner Seitenhieb auf die eigenwillige Mode seines Vorgängers.
In diesen Minuten sitzen die Zuschauer über Markus Lanz zu Gericht. Finden sie Gnade mit dem Nachfolger von Europas größter Fernsehunterhaltungsshow?
Sie werden Lanz am Samstagabend an seinen Vorgängern messen, von Showgründer Frank Elstner über Wolfgang Lippert bis Showlegende Thomas Gottschalk. 151 Sendungen hatte dieser moderiert. Jetzt ist das geliebte Haribo-Goldlöckchen fremdgegangen, blödelt mit Dieter Bohlen und Michelle Hunziker bei RTL auf „Supertalent“-Suche.
Bei Gottschalk ging es um Gottschalk, bei Lanz – ja, worum soll es bei ihm gehen? Das ZDF versucht krampfhaft, die Sendung irgendwie „anders“ zu machen. Hier ein bisschen mehr Wetten, da eine neue Bühnenlandschaft mit einer Kandidatenlounge. Die legendäre Couch hat ausgedient, stattdessen gibt es jetzt bewegliche Sitzelemente – eine Idee, die Stefan Raab bereits mit dem mobilen Sofa zum Erfolg führte. „Wetten, dass…?!“ will auch digitaler werden, eine Webapp anbieten und in die sozialen Netzwerke gehen.
„Spürbar verändert und modernisiert“, nennt Programmdirektor Norbert Himmler das. Die Zuschauer sollen den „neuen Präsentator“ zudem „von einer ganz anderen Seite kennenlernen“. Etwa bei dem Duell gegen einen Zuschauer: Die „Lanz Challenge“ könne eine „skurrile, sportliche oder auch einfach nur bescheuerte Herausforderung“ sein, erklärte der Moderator. Einen Vorgeschmack gab es bereits bei der Comedy-Show „Switch Reloaded“. Dort witzelte erst ein Lanz-Double über das neue „Wetten, dass..?“, am Ende der Sendung war dann der echte Lanz zu sehen, wie er den Fußboden schrubbte.
In der ersten Sendung sind unter anderem die Sängerin Jennifer Lopez, die Toten Hosen, Modeschöpfer Karl Lagerfeld und die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Hannelore Kraft zu Gast. Acht Millionen – diese Zahl hatte ZDF-Intendant Thomas Bellut vorgegeben. Als das Showkonzept vergangene Woche in Köln der Presse vorgestellt wurde, zeigte sich Lanz noch locker. Die ersten Minuten am 6. Oktober würden wahrscheinlich die besten drei, vier Minuten seines Berufslebens werden, sagte er. „Danach geht es nur bergab.“
Es fragt sich allerdings, wie steil diese Talfahrt überhaupt noch werden kann, haben Lanz und das ZDF doch schon zuvor einiges an Niveauhöhe eingebüßt. So keilte der neue Frontmann gegen seinen RTL-Samstagabend-Konkurrenten Gottschalk: „Ich bin mir ganz sicher, dass er ‚Wetten, dass..?‘ schaden will.“ Das Zitat bei Focus löste heftigen Ärger aus; das Dementi folgte umgehend. Das Magazin habe das Wort „nicht“ weggelassen – ein Autorisierungsfehler.
Was folgte, war ein Seelen-Striptease in den Boulevardblättern: Lanz plauderte aus, dass er das „Wetten, dass..?“-Debüt schon monatelang in seinem Kopf durchgegangen sei – und sogar mit Psychologen geübt hätte. Er klagte über körperliches Leiden, nachts schrecke er seit einiger Zeit regelmäßig auf. „Manchmal habe ich einen Traum, in dem ich in einem dunklen Tunnel stehe, vor mir eine dünne Wand“, erzählte er der Bild am Sonntag. Von hinten nähere sich dann der Aufnahmeleiter und zähle die Sekunden runter.
Seite 2: Reaktionen auf die Außenwette: „Wenig originell“, „doof und bescheuert“












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