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Salon
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Das Wunder von Rom

von 
Daniel Kothenschulte
23. Oktober 2009
Foto: Constantin Film
Fromme Frau in Hosen
Sönke Wortmann verfilmt Donna W. Cross’ Bestseller «Die Päpstin» – als opulente Kolportage mit der hinreißenden Johanna Wokalek. Von Daniel Kothenschulte
Seite 1 von 2

Ebenso eindrucksvoll wie unbequem sei er gewesen: der Thron, den die «Päpstin» Johanna im gleichnamigen Roman im neunten Jahrhundert bestieg. Wie überall auf diesen 566 Seiten lässt die Autorin Donna W. Cross über kein Detail im Ungewissen: «Ein schwerer, mit reichen Schnitzereien verzierter Stuhl aus massiver Eiche mit hoher Rücken­lehne und mit Rubinen, Perlen, Saphiren und anderen kostbaren Juwelen besetzt …» Es ist wohl nicht zuletzt diese Fülle an bildkräftigen Einzelheiten, die diesen historischen Roman zu einem der erfolgreichsten seiner Art gemacht hat. Der Comicschöpfer Carl Barks nannte solche Mühen einmal den reellen Gegen­wert für die 10 Cent, die Kinder für ein Heft bezahlen.

Den Verkaufspreis von zehn Euro für ein Taschenbuch wiegt «Die Päpstin» natürlich nicht nur in der Menge der darin aufgebotenen Substantive und Adjektive auf. Es ist in der Tat mitreißend, wie hier eine seit dem 14. Jahrhundert kolportierte Legende zu einem gewaltigen Zeitbild ausgesponnen wird – zu einem utopisch gefärbten Roman über die Vergangenheit, getragen von einem schönen Wunsch: Vielleicht hat es die Päpstin in Männerkleidung ja wirklich gegeben, und wenn nicht, dann sollte es sie gegeben haben, stellvertretend für alle anderen unbesungenen Heldinnen ihrer Zeit. Als hochmoderne Frauenfigur trägt sie mit unstillbarem Bildungshunger, mit Intelligenz und Selbstbestimmtheit das Licht der Vernunft in eine finstere Welt.

Reise aus dem Schatten ins Licht

Es ist ein Buch, wie geschaffen für eine Verfilmung – vorausgesetzt, ein Produzent lässt sich nicht davon abschrecken, was solcherart opulente Einzelheiten nun einmal kosten, will man sie denn tatsächlich auf der Leinwand sehen. Wie dies genau zu geschehen habe, darüber gab es schon vorher einige Differenzen. Der Regisseur Volker Schlöndorff hatte den Stoff zwei Jahre lang für Bernd Eichingers Constantin-Filmgesellschaft vorbereitet, Franka Potente sollte damals noch die Hauptrolle spielen. Dann aber klagte der Filmemacher in der «Süddeutschen Zeitung» über die ihm abverlangten künstlerischen Kompromisse, denn es sollten – wie derzeit in Mode – gleich zwei Fassungen entstehen, eine fürs Kino und eine längere als Fernseh-Mehrteiler. Prompt wurde Schlöndorff gefeuert – und machte das Beste daraus: Er nutzte die unverhoffte Freizeit, um eine angemessen ironische Autobiografie zu schreiben (siehe „Literaturen” 10/2008).

Nun hat sein jüngerer Kollege Sönke Wortmann den Film gedreht, vielleicht nicht ganz mit Schlöndorffs Anspruch, dafür aber mit der nötigen Unbefangenheit und Ungeduld, zweieinhalb Kinostunden nicht langweilig werden zu lassen. Und wem Wortmanns «Wunder von Bern» etwas zu märchenhaft und schönfärberisch mit der Geschichte umging, der sieht diese Lust an der Überhöhung nun sogar als Tugend.

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