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 > „Das werden die Hamburger Ahlhaus nie verzeihen“

Salon

Hamburger Spitzenkandidat Strunk„Das werden die Hamburger Ahlhaus nie verzeihen“

Interview mit Heinz Strunk14. Februar 2011
Strunk der Provokateur. Bei der letzten Wahl hieß sein politischer Gegner Ole von Beust.
Schrift:

Der Hamburger Spitzenkandidat der Partei „Die PARTEI“ - Heinz Strunk - verrät im Interview mit Cicero Online, wie er zur politischen Konkurrenz steht, dass er nicht zur Wahl geht und warum es in Hamburg schwierig wird eine Mauer zu errichten.

Seite 1 von 2

Herr Strunk, was machen Sie am 20. Februar?
Ich bin mir da nicht ganz sicher. Aber ich werde jedenfalls nicht zur Wahl gehen. Ich vermute mal, dass der 20. der Wahlsonntag ist?

Genau, der Wahlsonntag. Hamburg wählt seinen Bürgermeister. Sie gehen nicht wählen?
Ich verweigere mich bestimmt schon seit zehn Jahren, auf Kommunal-, Landes- sowie auf Bundesebene. Ich werde meiner Linie treu bleiben. Für mich persönlich ist keine Partei wählbar.

Nicht einmal Die PARTEI?
Die PARTEI wäre wohl wählbar. Aber ich bevorzuge es am heiligen Sonntag im Bett zu bleiben, beziehungsweise im Volkspark laufen zu gehen. Den beschwerlichen Weg ins Wahllokal möchte ich tatsächlich ungern auf mich nehmen.

Dann müssten Sie sich ja auch selbst wählen?
Ja, ich müsste mich tatsächlich selbst wählen. Das gilt unter Demokraten als uncool und der Konkurrenz die Stimme geben, möchte man ja auch nicht. Deswegen schließe ich einen Kompromiss mit mir selber: Ich bleibe zu Hause.

Was wären die ersten Maßnahmen bei einem Wahlerfolg ihrer Partei?
Wenn ich diktatorische Vollmachten ausüben dürfte, würde ich tatsächlich eine gewisse Grundreinigung in Hamburg vornehmen und zu aller erst die Musicaltheater schließen. Ich würde die Musicals in die Provinz auslagern, dort wo sie hingehören. Damit die Provinzler auch in die Städte fahren können, in denen sie sich wohlfühlen und nicht in unsere schöne Hansestadt kommen, um dort marodierend die Innenstädte unsicher zu machen. Politik ist ja bekanntlich die Kunst des Möglichen. Man müsste das Unmögliche wagen und wird dann wahrscheinlich auf den Boden der traurigen Tatsachen zurückgeholt.

Die PARTEI ist in die Schlagzeilen geraten, weil sie die Mauer wieder aufbauen wollte. Sind für Hamburg ähnliche Projekte geplant?
Eine Mauer aufzubauen wird schwierig, aber ich finde, es wäre an der Zeit, dass sich der Solidaritätspakt für die nächsten 20 Jahre umdreht. Das heißt, dass nicht mehr der Osten am Tropf des Westens hängt, sondern umgekehrt. Sozusagen: Payback-Time! Ansonsten verfolge ich die Idee einer Vorstadtmaut. Es geht darum, Hamburg etwas überschaubarer und schöner zu halten. Alle fremden Kennzeichen müsste von einem Mautsystem automatisch erfasst und gleichzeitig Abgaben erhoben werden. Je nach Ekelhaftigkeit der Stadt, aus der die Leute kommen, würde dann die Höhe der Maut ausfallen.

Sozusagen eine Maut für Ostdeutsche und Pinneberger?
Genau. Für all jene, die aus einigermaßen annehmbaren Metropolen wie beispielsweise Berlin kämen, würde die Maut gering ausfallen bzw. gar nicht erhoben werden. Aber all jene, bei denen man mit Ärger rechnen kann, müssten im Vorfeld ordentlich blechen. Allein die Kosten, die durch Hamburger Vorstädter verursacht werden, gehen ins Fantastische.

Ein solches Programm klingt mehrheitsfähig.
Ich glaube auch. Niemand hätte in Wahrheit etwas dagegen.

Bis auf die Ostdeutschen und Pinneberger natürlich. Minderheiten.
Ja, aber die zählen ja nicht.

In Hamburg wirbt ihre Partei „Die PARTEI“ mit originellen Sprüchen wie „Hamburg, Stadt im Norden.“ Im Vergleich dazu heißt es im Hamburger SPD-Programm beispielsweise: „Hamburg muss ordentlich werden.“ Oder: „Statt ideologischen Auseinandersetzungen braucht unsere Stadt pragmatische Vernunft.“ Und auf den Plakaten grüßt Olaf Scholz mit Begriffen wie: Vernunft, Klarheit, Verantwortung. Was unterscheidet ihre bewusst inhaltsfrei gehaltenen Phrasen von solchen Slogans anderer Parteien?
Meine Formulierung „Hamburg, Stadt im Norden“ ist quasi das Kondensat von all diesem Müll. Sozusagen runtergedampft auf eine vollkommen sinn- und bedeutungsleere Kernaussage. Besser kann ein entleerter Slogan nicht lauten als „Hamburg, Stadt im Norden“.

Hat es Satire aktuell nicht besonders schwer als solche überhaupt wahrgenommen zu werden, wenn die Grenze zwischen Realpolitik und Satire mitunter verschwimmt?
Es wäre tatsächlich interessant meine Slogans einfach mal Bürgern vorzulegen, verbunden mit der Frage, was sie davon halten. Ich glaube, den meisten würde es vermutlich gar nicht auffallen, dass es sich um Quatsch handelt.

Lesen Sie im zweiten Teil: Was denkt Strunk über hässliche Politiker, saufende Abgerodnete und die Zukunft des Freiherrn von und zu Guttenberg?

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