Der Hamburger Spitzenkandidat der Partei „Die PARTEI“ - Heinz Strunk - verrät im Interview mit Cicero Online, wie er zur politischen Konkurrenz steht, dass er nicht zur Wahl geht und warum es in Hamburg schwierig wird eine Mauer zu errichten.
Herr Strunk, was machen Sie am 20. Februar?
Ich bin mir da nicht ganz sicher. Aber ich werde jedenfalls nicht
zur Wahl gehen. Ich vermute mal, dass der 20. der Wahlsonntag
ist?
Genau, der Wahlsonntag. Hamburg wählt seinen
Bürgermeister. Sie gehen nicht wählen?
Ich verweigere mich bestimmt schon seit zehn Jahren, auf Kommunal-,
Landes- sowie auf Bundesebene. Ich werde meiner Linie treu bleiben.
Für mich persönlich ist keine Partei wählbar.
Nicht einmal Die PARTEI?
Die PARTEI wäre wohl wählbar. Aber ich bevorzuge es am heiligen
Sonntag im Bett zu bleiben, beziehungsweise im Volkspark laufen zu
gehen. Den beschwerlichen Weg ins Wahllokal möchte ich tatsächlich
ungern auf mich nehmen.
Dann müssten Sie sich ja auch selbst
wählen?
Ja, ich müsste mich tatsächlich selbst wählen. Das gilt unter
Demokraten als uncool und der Konkurrenz die Stimme geben, möchte
man ja auch nicht. Deswegen schließe ich einen Kompromiss mit mir
selber: Ich bleibe zu Hause.
Was wären die ersten Maßnahmen bei einem Wahlerfolg
ihrer Partei?
Wenn ich diktatorische Vollmachten ausüben dürfte, würde ich
tatsächlich eine gewisse Grundreinigung in Hamburg vornehmen und zu
aller erst die Musicaltheater schließen. Ich würde die Musicals in
die Provinz auslagern, dort wo sie hingehören. Damit die Provinzler
auch in die Städte fahren können, in denen sie sich wohlfühlen und
nicht in unsere schöne Hansestadt kommen, um dort marodierend die
Innenstädte unsicher zu machen. Politik ist ja bekanntlich die
Kunst des Möglichen. Man müsste das Unmögliche wagen und wird dann
wahrscheinlich auf den Boden der traurigen Tatsachen
zurückgeholt.
Die PARTEI ist in die Schlagzeilen geraten, weil sie die
Mauer wieder aufbauen wollte. Sind für Hamburg ähnliche Projekte
geplant?
Eine Mauer aufzubauen wird schwierig, aber ich finde, es wäre an
der Zeit, dass sich der Solidaritätspakt für die nächsten 20 Jahre
umdreht. Das heißt, dass nicht mehr der Osten am Tropf des Westens
hängt, sondern umgekehrt. Sozusagen: Payback-Time! Ansonsten
verfolge ich die Idee einer Vorstadtmaut. Es geht darum, Hamburg
etwas überschaubarer und schöner zu halten. Alle fremden
Kennzeichen müsste von einem Mautsystem automatisch erfasst und
gleichzeitig Abgaben erhoben werden. Je nach Ekelhaftigkeit der
Stadt, aus der die Leute kommen, würde dann die Höhe der Maut
ausfallen.
Sozusagen eine Maut für Ostdeutsche und
Pinneberger?
Genau. Für all jene, die aus einigermaßen annehmbaren Metropolen
wie beispielsweise Berlin kämen, würde die Maut gering ausfallen
bzw. gar nicht erhoben werden. Aber all jene, bei denen man mit
Ärger rechnen kann, müssten im Vorfeld ordentlich blechen. Allein
die Kosten, die durch Hamburger Vorstädter verursacht werden, gehen
ins Fantastische.
Ein solches Programm klingt mehrheitsfähig.
Ich glaube auch. Niemand hätte in Wahrheit etwas dagegen.
Bis auf die Ostdeutschen und Pinneberger natürlich.
Minderheiten.
Ja, aber die zählen ja nicht.
In Hamburg wirbt ihre Partei „Die PARTEI“ mit
originellen Sprüchen wie „Hamburg, Stadt im Norden.“ Im Vergleich
dazu heißt es im Hamburger SPD-Programm beispielsweise: „Hamburg
muss ordentlich werden.“ Oder: „Statt ideologischen
Auseinandersetzungen braucht unsere Stadt pragmatische Vernunft.“
Und auf den Plakaten grüßt Olaf Scholz mit Begriffen wie: Vernunft,
Klarheit, Verantwortung. Was unterscheidet ihre bewusst inhaltsfrei
gehaltenen Phrasen von solchen Slogans anderer
Parteien?
Meine Formulierung „Hamburg, Stadt im Norden“ ist quasi das
Kondensat von all diesem Müll. Sozusagen runtergedampft auf eine
vollkommen sinn- und bedeutungsleere Kernaussage. Besser kann ein
entleerter Slogan nicht lauten als „Hamburg, Stadt im Norden“.
Hat es Satire aktuell nicht besonders schwer als solche
überhaupt wahrgenommen zu werden, wenn die Grenze zwischen
Realpolitik und Satire mitunter verschwimmt?
Es wäre tatsächlich interessant meine Slogans einfach mal Bürgern
vorzulegen, verbunden mit der Frage, was sie davon halten. Ich
glaube, den meisten würde es vermutlich gar nicht auffallen, dass
es sich um Quatsch handelt.
Lesen Sie im zweiten Teil: Was denkt Strunk über hässliche Politiker, saufende Abgerodnete und die Zukunft des Freiherrn von und zu Guttenberg?











