Jump to Navigation
Startseite

Cicero Spezial:
Deutschland wählt und ganz Europa fiebert mit

Bundestagswahl 2013
  • Magazin
  • Mediathek
  • Literaturen
  • Service
  • Newsletter
  • Shop
  • Abo
  • Berliner Republik
  • Weltbühne
  • Kapital
  • Stil
  • Salon
  • Bücher
  • Themen der Zeit
  • Kolumnen
  • Blogs
  • Ressorts
  • Dossiers
  • Karikaturen
  • Suche

Suchformular


Mein Cicero


Sie sind hier: Startseite > Magazin
 > „Da kriege ich das Kotzen“

Salon

Frank Castorf„Da kriege ich das Kotzen“

Interview mit Frank Castorf21. April 2012
picture alliance
Castorf, Theaterstück, Toilette, Klo, Kasimir und Karoline
„Ich weiß auch, dass ich diese asoziale Komponente habe“: Szene aus dem von Castorf bearbeiteten Theaterstück „Kasimir und Karoline“
Schrift:

Die Welt, nicht das Theater, ist der Spielplatz des Zynischen. Warum es einer als politisches Statement versteht, sich auf der Bühne als anarchistischer Querulant zu geben und trotzdem alles Geld einzusacken, das er kriegen kann. Volksbühnen-Intendant Frank Castorf über Obdachlose, Macht, Merkel und die DDR

Seite 1 von 6

Paris. Montmartre. Volksbühnen-Intendant Frank Castorf studiert in Frankreich eine neue Inszenierung ein. Hier in der Ferne hat er Zeit. Zu Hause in Berlin ist es zu hektisch für lange Gespräche. Wir treffen uns in seinem Apartment, ziehen durch die Straßen, landen in einer Kneipe. Castorf bestellt Weißwein. Einen. Und noch einen. Sein Leben ist so widersprüchlich wie seine Sechs-Stunden-Aufführungen von Dostojewski. Aber Widersprüche gehören für ihn zur Normalität. Ein Gespräch, das nüchtern begann und im Delirium endete.

Herr Castorf, genießen Sie es, in Frankreich zu arbeiten?
Wenn ich in Paris die Avenue de Clichy entlanggehe, macht mich das nicht glücklich. Überall sehe ich Bettler und Obdachlose. Gestern hat es geregnet. Ich habe nur Beine gesehen, die aus den Hausfluren schauten. Mich hat das an tote Ratten erinnert. In Berlin habe ich bei den Obdachlosen irgendwie noch das Gefühl, dass sie Teil der Gesellschaft sind. Und auch in Rio oder Caracas habe ich nicht dieses erdrückende Gefühl der Machtlosigkeit wie hier in Frankreich. Nein, ich mag dieses Land mit seinem Napoleon-Pinocchio an der Spitze nicht. Ich finde es in vielen Zügen asozial.

Asozialer als Drogenkrieg und organisierte Kriminalität? Das ist nicht Ihr Ernst.
Soziokulturell gesehen spüre ich in Südamerika eine gesellschaftliche Wut, die dazu führt, dass sich Menschen zu kriminellen Zwecken zusammenschließen. Mich erinnert das an Heiner Müller, der einmal sagte, dass die Heimat der Schwarzen der Aufstand sei. Das gefällt mir – dieses Vererben der Wut. Ich überlege mir dauernd, wie es wäre, diese Wut in das Theater zu lenken. Nicht auszudenken, wenn die Bühne so anarchisch, subversiv und so wütend wäre wie die Drogenjünger in Caracas …

Herr Castorf, bitte – diese pubertären Provokationen sind ja hübsch, aber ich würde gerne ernsthaft mit Ihnen über das Theater in Deutschland reden. Darüber, warum es politisch nicht mehr wirksam ist. Was tut die Bühne zum Beispiel für einen Obdachlosen? Was geht die Armen Ihr Schickimicki-Publikum in Berlin-Mitte an? Die kommen doch zum Partymachen ins Theater.
Ist das so? Ich will Ihnen Ihre Meinung nicht rauben, glaube aber nicht, dass sie stimmt, und gebe zu, dass ich einen Teil unseres Publikums auch nicht mag. Und, ja, alles, was ich für einen Obdachlosen tun kann, mache ich als Mensch, nicht als Regisseur. Ich gebe ihm einen Euro – das ist schon mehr als ein guter Grüner zu geben bereit wäre. Aber vielleicht schaffe ich es am Theater wenigstens, meine Wut darüber zu formulieren, dass diese Welt, durch die ich täglich gehe, nicht in Ordnung ist. Dabei ist mir vollkommen klar, dass ich dabei keinen politischen Konsens mit Leuten wie Klaus Wowereit oder Angela Merkel finde – die sind und bleiben auf der anderen Seite.

Sie glauben nicht, dass Berlins Bürgermeis­ter oder die Kanzlerin sich auch schlecht fühlen, wenn Sie einen Obdachlosen in Berlin sehen?
Das können die doch gar nicht, ihnen geht es lediglich um die Erhaltung des Machtapparats. Nein, die stellen dann höchstens irgendwann Kerzen auf, wenn mal wieder ein Ausländer totgeschlagen wird. Und dann reihen sich die Theatermoralisten und Strickjackenträger wie mein Freund Frank Baumbauer gleich mit ein. Da kriege ich das Kotzen.

Theater und Politik dürfen also nicht solidarisch werden?
Was ich meine, ist, dass es den alten Zadek und den Stuttgarter Peymann nicht mehr gibt. Ich sehe überall nur noch diese jungen Karriereregisseure, die schlecht abkupfern, was wir vor zehn oder 15 Jahren gemacht haben. Die haben keine Wut mehr, sondern wollen im Apparat nach oben. Ihre Effekte sind blutleer. Das alles ist große bürgerliche Kacke. Ich habe übrigens nichts gegen Frau Merkel – sie hat Chuzpe, ist wach und für die aktuelle Situation vielleicht nicht einmal die Schlechteste. Aber aus meiner sexistischen Sicht ist sie eben auch verletzend, überheblich und vernichtend. Letztlich ist sie wie Barack ­Obama: Er ist Schwarzer, aber weiß wie kein Weißer. Merkel ist eine Frau, aber so männlich wie kein Mann.

  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • nächste Seite »
Twitter
drucken
merken
in mein Dossier
versenden

zum Ressort

zurück zum Dossier
Zu diesem Artikel gibt es
2 Kommentare

Weiterführende Links

Kai Hermann
Auch Punks und Junkies haben eine Geschichte

Carolin Emcke
"Ich verehre Péter Nádas"

Diese Artikel könnten
Sie auch interessieren:

NSU-Theaterstück
Die Stimmen der Toten
von
11.04.2013
G+J-Chefin Julia Jäkel
Zwischen Journalismus und PR
von
10.04.2013
Agenda 2010
Die verleugnete Erfolgsgeschichte der SPD
von
11.03.2013
Ware Frau
Prostitution abschaffen!
von
08.03.2013
Selbstverschuldete Unmündigkeit
Karlsruhe agiert, Berlin reagiert
von
08.03.2013

zum Dossier Das Kunst-Dossierzum Dossier Opern-Dossierzum Dossier Alles Theater!
Twitter
zum Ressort

zurück zum Dossier

Weiterführende Links

Kai Hermann
Auch Punks und Junkies haben eine Geschichte

Carolin Emcke
"Ich verehre Péter Nádas"

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:

NSU-Theaterstück
Die Stimmen der Toten
von
11.04.2013
G+J-Chefin Julia Jäkel
Zwischen Journalismus und PR
von
10.04.2013
Agenda 2010
Die verleugnete Erfolgsgeschichte der SPD
von
11.03.2013
Ware Frau
Prostitution abschaffen!
von
08.03.2013
Selbstverschuldete Unmündigkeit
Karlsruhe agiert, Berlin reagiert
von
08.03.2013

 
Zu Dossier hinzufügen:
  • Europa
  • Kommentare
  • Detuschland
  • Jochen Thies, Was Hitler wirklich wollte
  • Goetz
  • Goetz
  • afrika
  • afrika
  • Syrien
  • Euro krise
  • familienpolitik
  • familienpolitik
  • familienpolitik
  • familienpolitik
  • familienpolitik
  • filosofia
  • Offenen Demokratie
  • LINKE
  • Vorbereitung_Wahlen
  • Cicero
  • Politik
  • Politik
  • Wirtschaft
  • Grüne
  • Wahlen in D
  • Atomenergie
  • Terror
  • Lesenswert
  • Serina
  • _Wj
  • Papstreise 2011 Deutschland
  • Kapitalismus
  • Kapitalismus
  • Piraten
  • Grüne
  • Grüne
  • Grüne
  • Leben
  • haha
  • Migration
  • Generation 2.0
  • Kunst
  • Kunst aA
  • Kunst
  • EURO
  • Russland
  • Steuerpolitik
  • Internet-Kultur
  • Wulf
  • Wulf
  • Parteien
  • Parteien
  • Parteien
  • Finanzkrise und Staatsschulden
  • Gesellschaftspolitik
  • Gesellschaftspolitik
  • Gesellschaftspolitik
  • kindle
  • kindle
  • Rechtsradikalismus
  • USA
  • Religion und Tradition
  • Architektur & Bauen
  • Architektur & Bauen
  • Architektur & Bauen
  • Architektur & Bauen
  • Parteien
  • Kirche
  • Grass
  • Linke
  • Linke
  • Linke
  • Linke
  • Netz
  • Politik, Gesellschaft ...
  • Politik, Gesellschaft ...
  • Politik, Gesellschaft ...
  • politik
  • Tourismus
  • Moral
  • Urheberrecht
  • favs
  • Digitalisierung
  • A Nachlesen
  • A Nachlesen
  • internet
  • Film
  • Literatur
  • Literatur
  • NH
  • Polemik
  • Praktische Philosophie
  • diethart
  • Steinbrück
  • Bildung & Schule
  • Bildung & Schule
  • Bildung & Schule
  • Mark Twain
  • Mark Twain
  • Mark Twain
  • MILANKO
  • Entwicklungspolitik
  • Gunter Hofmann
  • dudelfunk
  • pit
  • Material-SK
  • Steuern
  • Antisemitismus
  • Intellektuelle
  • Türkei
  • Jan von Alen
  • Autoren
  • Autoren
  • Autoren
  • Doppelte Staatsbürgerschaft
  • Test
  • Hyperkorrekte
  • Stasi
  • Fernsehen Qualität
  • Kretschmer
  • Kretschmann
  • Politik
  • Pressegleichschaltung
  • NSU
  • gender
  • gender
  • demographie
  • Österreich
Neues Dossier anlegen:

Das Theater in der Nussschale

Die Bühne der Welt ist heute das Internet. Es ist das moderne Welttheater. Gespielt wird in x-facher Wiederholung: „Die Diktatur der Schamlosen“.
Die Drehbücher dazu werden von den Medien geschrieben und in den Pausen an den „Coco Cola Ständen“ der Welt verteilt. Ihre Protagonisten sind die Ziellosen, die gerade dabei sind in einer Nussschale die Weltmeere des Internets zu überqueren und von einem Hafen zum anderen laufen. Warum? Keiner weiß es.

  • Antworten
Heinz Pelzer22.04.2012 | 10:40 Uhr

Unsere Gesellschaft

Es wird viel Schlechtes über die DSDR geredet, aber hier gab es keine Bettler, die um Almosen zu erbittend, auf den Straßen herumsaßen. Wo waren die damals? Wir alle hatten wenig und es gab nicht viel zu kaufen, aber wir kamen damit zurecht. Heute leben ein aramer Menschen unter den Reichen, aber man sieht sie nicht und man tut nichts für sie. Sie gehöreen einfach zum so "sozialen Kapitalismus dazu." Menschen können hier verkommen, aber die Politik redet in hohler Geste von der Würde des Menschen und den Menschenrechten. Diese Gesellschaft ist einereseits gespalten und die Politik tut das Übrige, um Milliarden für die Schulden anderer Länder zu verbrennen. Unser Deutschland isr irgendwie heruntergekommen. Hätte ich in der DDR etwas Kritisches gesagt, hätte sich Stase um mich gekümmert. Heute sage ich täglich meine Meinung, aber es kümmert niemanden. Die Ignoranz der wahren Lebensbedingungen der Menschen in diesem Land, ist wirklich zum Kotzen und hat unter Merkel einen traurigen Höhepunkt erreicht. Es muss sich etwas ändern!

  • Antworten
Otmar Schütze26.06.2012 | 14:11 Uhr

Ihr Kommentar zu diesem Artikel

Der Inhalt dieses Feldes wird nicht öffentlich zugänglich angezeigt.
Buch, Bücher, Literatur
Dossier

Die Buch-Seite

zum Dossier

Bildergalerie

Die Karikaturen der Woche: Einstürzende Zentralbanken und Merkel ärgere Dich nicht

zur Bildergalerie
Anzeige

Wulf Schmiese

Die Mittwochskolumne: Leicht gesagt

Wahlkampf ohne die deutsche Wirtschaft

Die Stimme der deutschen Wirtschaft ist nur leise im Wahlkampf zu vernehmen.

In diesem Bundestagswahlkampf fehlt ein entscheidendes Detail: Kaum eine Partei äußert sich zu industriepolitischen Themen


Der Meinungskompass

 
Obama - der Besucher: Große Erwartungen, große Enttäuschungen?

 

DAS NEUESTE AUS DEN BLOGS VON CICERO ONLINE

Bild des Benutzers Eric Bonse - Lost in EUrope
Gipfel der Intransparenz

Bis zu 545 Euro im Jahr könnte jeder EU-Haushalt durch Freihandel mit den USA gewinnen. …

zum Blogeintrag

Frage des Tages

Wie weit bewegt sich Putin in der Syrienfrage
In Kooperation mit dem Tagesspiegel
zur Frage

Thema der Woche

Deutschland empfängt Obama
zum Dossier
Wie stehen Sie zu Barack Obama?
Das Cicero-Meinungsbild

Drohnen, Guantanamo und der Friedensnobelpreis. Was ist passiert mit Obama?

Umfrage
Merkel vs. Steinbrück – Wer hat das bessere Personal hinter den Spitzenkandidaten?
CDU/CSU und FDP
29%
SPD und Grüne
71%
Gesamtstimmen: 480
zur Umfrage
Gummistiefel Hochwasser
Dossier

Deutschland unter Wasser

zum Dossier

Dossier

Die perfekte Frau

zum Dossier

Verteidigungsminister Thomas de Maizière
Dossier

Das Drohnen-Debakel

zum Dossier

Anzeige
Anzeige

Video

Generation Bambus - Balis „Green School“

In Kooperation mit
alle Videos
Anzeige

Jetzt den Newsletter von Cicero Online abonnieren

Liebe Leserinnen und Leser. Gerne informieren wir Sie regelmäßig über das aktuelle Angebot von Cicero Online. Bitte tragen Sie ihre E-Mail-Adresse ein und wir schicken ihnen montags bis freitags unseren täglichen Newsletter.

E-Mail*
Anrede
Vorname
Nachname

Anzeige

Weitere Angebote des Ringier Verlags: Monopol – Magazin für Kunst und Leben | Geschenkidee.de – Der Shop für ausgefallene Geschenkideen
© Cicero 2013
  • Impressum
  • Nutzungsbedingungen
  • AGB
  • Stellenangebote

Weitere Angebote des Ringier Verlags: Monopol – Magazin für Kunst und Leben | Geschenkidee.de – Der Shop für ausgefallene Geschenkideen
© Cicero 2013
 
RESSORTS
Startseite
Berliner Republik
Weltbühne
Kapital
Stil
Salon
Bücher
Karikaturen
Bildergalerien
Videos
Blogs
Dossiers
Newsletter
 
  • Datenschutz
  • Impressum
  • Redaktion
© Cicero Online 2013zum Seitenanfang