Jump to Navigation
Startseite

Fernweh, Abenteuer & Exotik:

Warum reisen wir?

Reise Spezial
  • Magazin
    • Berliner Republik
    • Weltbühne
    • Kapital
    • Salon
    • Themen der Zeit
    • Merkel-Projekt
    • Kolumnen
    • Blogs
  • Mediathek
    • Bilder
    • Videos
    • Karikaturen
    • Titelbilder
  • Bücher
  • Service
    • Impressum
    • Anzeigen/Media
    • Redaktion
    • Autoren
    • Presse
    • Über uns
  • Newsletter
  • Shop
  • Abo

Suchformular


Mein Cicero


Sie sind hier: Startseite > Magazin
 > Alles irre komplex

Salon
Thomas Meineckes „Lookalikes“

Alles irre komplex

von 
Catharina Koller
8. November 2011

Thomas Meinecke schlägt sich mit seinem neuen Roman durch einen Dschungel an Verweissystemen

Die Romane von Thomas Meinecke zu lesen, kommt selten einem Sonntagsspaziergang gleich. Sie verströmen den Reiz mehr oder minder mühseliger Exkursionen durch ein Dickicht kulturtheoretischer Zitate und popkultureller Verweise. Die Romanfiguren sind dabei meist nicht viel mehr als die Träger des „Diskurses“. In Meineckes neuem Roman „Lookalikes“ haben sie nun nicht einmal mehr eigene Gesichter, sondern tragen diejenigen von Josephine Baker und Serge Gainsbourg, Britney Spears und Greta Garbo: Sie sind „Lookalikes“, pflegen ihre Ähnlichkeit mit den Berühmtheiten, bei Foto-Shootings und Wohltätigkeitsbällen verdienen sie sich damit Geld. Die meiste Zeit jedoch lesen und recherchieren sie im Internet, schauen Filme und diskutieren.

Sie knien sich derart hinein in ihre Themen, dass der Leser schon bald gar nicht mehr die Diskutierenden vor Augen hat, sondern die Diskussion an sich, einen hoch konzentrierten Themenwust. Es geht um Mode und Pelze, Begehren und Identität, Reisen und Religion, Authentizität und Synkretismus, gender und Musik, dauernd tauchen transdisziplinäre Bezüge auf – „alles irre komplex“, wissen auch die Lookalikes. Typisch Meinecke eben.

Ganz und gar untypisch ist hingegen, dass der Autor hier selbst im Roman auftaucht: „Thomas Meinecke ist jetzt eine Romanfigur“, heißt es nach dem ersten Viertel von „Lookalikes“ – erstaunlich bei einem Autor, der sich sonst so weit wie möglich zurücknimmt und höchstens den Kitt zwischen unterschiedlichen thematischen Schnipseln liefert. Bisher bestand die Funktion des Autors in Meineckes Romanen hauptsächlich darin, Ausschnitte dessen, was er selbst gerade liest, anei-nander zu reihen. Hier nun sitzt auf einmal der „Popliterat Meinecke“ höchstselbst im Flugzeug nach Brasilien, um in der Stadt Salvador da Bahia an einem Schriftsteller-Austausch teilzunehmen.

Dieser Austausch hat auch außerhalb des Romans: im wirklichen Leben, stattgefunden. Thomas Meinecke hat im Jahr 2010 drei Monate in Salvador gelebt und sich dort auf die Spuren des Autors Hubert Fichte begeben, bereits ein alter Bekannter aus anderen Romanen Meineckes. Währenddessen hat er Tagebuch geführt und die Texte später in „Lookalikes“ eingearbeitet. Lesen und Erleben, Diskurs und Alltag kommen hier nun einander in die Quere: „Gott sei Dank befinde ich mich nicht andauernd in ungewohnter Umgebung“, seufzt die Schriftstellerfigur Meinecke innerlich. „Ich käme ja überhaupt nicht mehr zum Lesen.“

Natürlich gelingt es Thomas Meinecke dann aber doch, die Lektüre von Fichtes Werk und das „Erwandern des Stadtplans“ miteinander zu vereinen: „Der Stipendiat lässt sich die Endstationen der im Verkehrsgewühl passierenden Busse auf der Zunge zergehen (lässt sie gleichsam auf Hubert Fichtes Zunge zergehen, der diese Vokabeln auf den Tondokumenten, die Thomas besitzt, in lustvoller Appropriation beinahe musikantisch umzusetzen pflegte): Bonfim, Itapuã. Die jetzt ungemein belebte obere Avenida kannte der Deutsche bislang lediglich als (von vereinzelten weiblichen Prostituierten vor heruntergelassenen Rolläden abgesehen) ausgestorbenen Abschnitt von nächtlichen Taxifahrten.“ Dass das staubtrocken klingt, ist Absicht. Genau wie der Autor Meinecke selbst kennt auch seine Romanfigur Meinecke sich hervorragend im postmodernen und postkolonialen Gedankengut aus und pflegt deshalb bei der Eingewöhnung in die Fremde eine distanzierte Selbstbeobachtung. Geradezu wie ein Musterschüler der postcolonial studies wirkt er dabei, und der Leser ahnt: Dass Meinecke sich dieses Mal selbst in seinen Roman hineinschreibt, ist doch gar keine Revolution seines Romankonzepts, sondern dient ganz dem Themenspektrum, das seine Bücher stets aufspannen.

Die Debatten der Lookalikes um gender, Musik und Mode finden ihr Echo in Meineckes Besuch bei Zeremonien des Candomblé, einer afro-brasilianischen Religion. Immer wieder werden die Oberflächen von Stoffen, Städten, Körpern, Religion und Sprache abgetastet. Angereichert mit Bausteinen aus Theorie-Texten von Julia Kristeva, Roland Barthes oder Homi K. Bhabha werden so Identitätsfragen gestellt. Und wie passend ist es da, dass sich der Duktus des Romans demjenigen des Internet-Netzwerks Facebook verschrieben hat: Die Romanfiguren chatten, schreiben sich gegenseitig auf virtuelle Pinnwände und schicken einander Links. So schaffen sie auf einer virtuellen Oberfläche neue Entwürfe ihrer selbst.

Damit zeigt sich auch die wahre Gestalt von „Lookalikes“: Thomas Meinecke hat vor allem ein Lektüre- und Erlebnisprotokoll getippt, kopiert und eingefügt. Hätte dieser fast undurchdringliche „Verweis-Dschungel“ seine digitale Form behalten, könnte man sich leicht kreuz und quer von Link zu Link klicken. Stattdessen gilt es hier, sich durch vierhundert nach gewohnter Meinecke-Manier beschriebene Seiten zu pflügen – wegen immerwährender Mühseligkeit irgendwann doch ein ziemlich zweifelhaftes Vergnügen.

Twitter
drucken
merken
in mein Dossier
versenden

zum Ressort

zurück zum Dossier

Weiterführende Links

Diese Artikel könnten
Sie auch interessieren:

Nerds, Pornos, Datenmüll
Ein Roman für die iPod-Generation
von
Annette Zerpner
13.12.2011
Barbara Honigmann
Eine sehr deutsche Geschichte
von
Manuela Reichart
06.12.2011
Michelangelo
Verloren für diese Welt
von
Martina Meister
12.11.2011
Feridun Zaimoglus „Ruß“
Phönix aus der Flasche
von
Oliver Jungen
08.11.2011
Philipp Lahms Buch
In der K-Frage gar nicht nett
von
Harry Nutt
08.11.2011

zum Dossier Literaturen
Diesen Artikel finden Sie auch in der Ausgabe 
Oktober 2011
 des Magazins Cicero – Hier bestellen

 
Zu Dossier hinzufügen:
  • Europa
  • Kommentare
  • Detuschland
  • Jochen Thies, Was Hitler wirklich wollte
  • Goetz
  • Goetz
  • afrika
  • afrika
  • Syrien
  • Euro krise
  • familienpolitik
  • familienpolitik
  • familienpolitik
  • familienpolitik
  • familienpolitik
  • filosofia
  • Offenen Demokratie
  • LINKE
  • Vorbereitung_Wahlen
  • Cicero
  • Politik
  • Politik
  • Wirtschaft
  • Grüne
  • Wahlen in D
  • Atomenergie
  • Terror
  • Lesenswert
  • Serina
  • _Wj
  • Papstreise 2011 Deutschland
  • Kapitalismus
  • Kapitalismus
  • Piraten
  • Grüne
  • Grüne
  • Grüne
  • Leben
  • haha
  • Migration
  • Generation 2.0
  • Kunst
  • Kunst aA
  • Kunst
  • EURO
  • Russland
  • Steuerpolitik
  • Internet-Kultur
  • Wulf
  • Wulf
  • Parteien
  • Parteien
  • Parteien
  • Finanzkrise und Staatsschulden
  • Gesellschaftspolitik
  • Gesellschaftspolitik
  • Gesellschaftspolitik
  • kindle
  • kindle
  • Rechtsradikalismus
  • USA
  • Religion und Tradition
  • Architektur & Bauen
  • Architektur & Bauen
  • Architektur & Bauen
  • Architektur & Bauen
  • Parteien
  • Kirche
  • Grass
  • Linke
  • Linke
  • Linke
  • Linke
  • Netz
Neues Dossier anlegen:

Ihr Kommentar zu diesem Artikel

Der Inhalt dieses Feldes wird nicht öffentlich zugänglich angezeigt.
Buch, Bücher, Literatur
Dossier

Die BUCH-SEITE

zum Dossier

  • Meist gelesen
  • Meist kommentiert
24h | letzte Woche | letzter Monat
ZDF-Wutinterview Hooligan Horst und die hohe Kunst der Diplomatie
Facebooks Börsengang „Zuckerberg ist ein Hütchenspieler“
Olaf Scholz Der Macher im Parlament
Das Journal: Buchrezension Wie kommt Hölderlin auf den Pamir?
lesen: Journal Reines Gedankenkino
Zu Besuch bei Stalins Tochter
Kurz und Bündig Elif Shafak: Der Bastard von Istanbul
Promenade Eine rote Kurtisane
Das Magazin Mitten aus...
Balkan heute Fotografien von Dragan Petrovic
Claus Kleber Selbstdemontage eines Nachrichtenstars
Merkel-Projekt Was macht die Bundeskanzlerin heute?
Merkels Europapolitik Die Kanzlerin hat verloren
Hans-Olaf Henkel „Wir brauchen ein Fukushima beim Euro“
Urheberrecht und Lobbyisten Die Copyright-Kriege
24h | letzte Woche | letzter Monat
Claus Kleber Selbstdemontage eines Nachrichtenstars
Republik der Rechthaber Sarrazin, der Euro und die Brüllaffen
Springer-Ehrenpreis Wie Ayaan Hirsi Ali Breiviks Massenmord erklärt
Verwilderung der Sitten Fußball als Kampfsport
Warum der Hype? Sarrazin II, die Politik und der Markt
heute-show Welkes Spiel mit der Politikverachtung
Claus Kleber Selbstdemontage eines Nachrichtenstars
Republik der Rechthaber Sarrazin, der Euro und die Brüllaffen
Die Schweiz Das deutschfeindlichste Land Europas
Matussek und die Katholiken „Diese Verblödung war unerträglich“
heute-show Welkes Spiel mit der Politikverachtung
Die Emanzipation ? ein Irrtum?
Claus Kleber Selbstdemontage eines Nachrichtenstars
Gedicht zum Israel-Iran-Konflikt Was spricht in Günter Grass?
Piraten Digital naiv, neoliberal und gefährlich
Anzeige

DAS NEUESTE AUS DEN BLOGS VON CICERO ONLINE

Bild des Benutzers stiftung neue verantwortung
Energiewende? Fehlanzeige!

Die bange Frage, ob die Energiewende bereits gescheitert sei, macht seit einiger Zeit die Runde…

zum Blogeintrag
Reise
Dossier

Reise Spezial

zum Dossier

Merkel, Kanzlerin, bissig, Gebiss, Jugend forscht Mundwasser
Dossier

Merkel, ihre Männer und die Macht

zum Dossier

Frage des Tages

Was fordert Athens Linkschef von Merkel?
In Kooperation mit dem Tagesspiegel
zur Frage
Euro, Krise, ratingagenturen, Tod des Euros, AAA+, Herabstufung
Dossier

Des Euros letztes Stündlein?

zum Dossier

Bildergalerie

WIM WENDERS - PLACES, STRANGE AND QUIET

WIM WENDERS - PLACES, STRANGE AND QUIET
zur Bildergalerie

Thema der Woche

Merkel, ihre Männer und die Macht
zum Dossier

Die Juni-Ausgabe ab Donnerstag am Kiosk

Angela Merkel
Das Geheimnis der Glucke

„Mehr Steuern, mehr Staat!“
Gespräch mit Gabriel und Trittin

Inhaltsverzeichnis
Hier bestellen

Anzeige
Video

Ein ganz normales Paar

Video
In Kooperation mit alle Videos
Merkel-
Projekt

Was macht
Angela Merkel heute?
Anzeige
Add to Google

Anzeige

© Cicero 2012
  • Impressum
  • Nutzungsbedigungen
  • Stellenangebote
  • Weitere Titel des Ringier Verlags: Monopol - Magazin für Kunst und Leben