Jump to Navigation
Startseite

Magazin Cicero im Mai:

Moral-Standort Deutschland

Republik der Rechthaber
  • Magazin
    • Berliner Republik
    • Weltbühne
    • Kapital
    • Salon
    • Themen der Zeit
    • Merkel-Projekt
    • Kolumnen
    • Blogs
  • Mediathek
    • Bilder
    • Videos
    • Karikaturen
    • Titelbilder
  • Bücher
  • Service
    • Impressum
    • Anzeigen/Media
    • Redaktion
    • Autoren
    • Presse
    • Über uns
  • Newsletter
  • Shop
  • Abo

Suchformular


Mein Cicero


Sie sind hier: Startseite > Magazin
 > Bitte um Zahnpasta, Bitte um Zigaretten

Salon
Das Journal

Bitte um Zahnpasta, Bitte um Zigaretten

von 
Ulrich Baron
16. November 2009
Hans Fallada und sein Sohn geben in ihren Briefen Bericht vom Zerfall einer Familie
Seite 1 von 2

Briefwechsel zwischen getrennt lebenden Eltern und Kindern haben etwas Asymmetrisches, und das nicht nur, weil Kinder selten geborene oder begeisterte Briefschreiber sind. Der elterlichen Fürsorge begegnen kindliche Versorgungsansprüche, die sich vom Wunsch nach emotionaler Zuwendung auch auf profane Dinge verlagern können: «Liebe Mama, ich danke recht schön für die Pfannkuchen», hat einst Otto Julius Bierbaum seinen unvergesslichen «Stilpe» aus dem Internat schreiben lassen, «aber es waren sechs ungefüllte dabei.»

Uli Ditzen, der älteste, 1930 geborene Sohn Hans Falladas, stand diesem literarischen Zögling in nichts nach, wenn er am 22. Januar 1942 aus dem Joachimsthalschen Internat im uckermärkischen Templin an den Vater im nicht sehr weit entfernten Dorf Carwitz schrieb: «Schicke mir bitte sofort Zahnpasta. Meine ist vollständig eingetrocknet. Könnte ich auch bitte ein bischen Schmalz und Marmelade bekommen.» Es sind solche Details – hier Momentaufnahmen aus einem deutschen Kriegswinter –, die den Briefwechsel zu einer Quelle der Alltagsgeschichte machen. Von April 1940 bis ins Jahr 1946 schrieben Fallada und sein Sohn einander zunächst sehr regelmäßig und dokumentierten damit ungewollt, wie Krieg und Kriegswirtschaft auch die deutsche Provinz erfassten, wie die ersten Bomben fielen, die Versorgung schlechter und die militärische Organisierung auch der Jugendlichen immer intensiver wurde.

Selbst wenn Ulis Vater nur der kleine Nebenerwerbs-Landwirt gewesen wäre, als der er sich auf dem Carwitzer Seegrundstück betätigte, nur der Bienenzüchter, Gänsehirt und Vater dreier Kinder, schon dann wären diese Briefe lesenswert. Doch Rudolf Ditzen war eben auch der Schriftsteller Hans Fallada, ein labiler, suchtgefährdeter Mann. In Carwitz setzte er einen Therapieversuch fort, den seine Eltern initiiert hatten: Sie verschafften ihrem Sohn eine landwirtschaftliche Ausbildung, nachdem er 1911 wegen eines nur halb geglückten Doppelselbstmordes zunächst des Mordes angeklagt und dann in eine Nervenheilanstalt gebracht worden war.

Vor diesem Hintergrund dokumentiert «Mein Vater und sein Sohn» nicht nur, wie Deutschland in den Abgrund glitt. Zwischen den Zeilen eines liebenden, wegen Ulis schlechter Leistungen und manches seiner Streiche besorgten, manchmal auch strengen Vaters, zuletzt aber ganz offen, lässt sich darin verfolgen, wie Fallada und mit ihm seine Familie zerbrach.

Anfänglich erscheint Carwitz als die Idylle, die es für Fallada, seine Frau Anna und die Kinder hätte sein sollen – ein Paradies, aus dem Uli schon halb ausgeschlossen ist, während seine jüngere Schwester «Mücke» und sein gerade geborener Bruder Achim den Stoff für manche brieflich festgehaltene Anekdote liefern: «Der Achim wächst und schreit recht oft, / Weil er auf mehr Getränke hofft», reimt ein gut gelaunter Fallada am 30. Juni 1940. Die Land- und Familientherapie scheint ihm zu bekommen, und dem Sohn, der unter Heimweh leidet, schreibt er zwei Monate später: «Dein alter Vater ist viele Jahre in seinem Leben ganz einsam gewesen, und er weiss, wie schwer dann das Leben ist.» Das klingt, als sei dieses Kapitel abgeschlossen, und das soll es wohl auch.

  • 1
  • 2
  • nächste Seite »
Twitter
drucken
merken
in mein Dossier
versenden

zum Ressort

zurück zum Dossier

Weiterführende Links

Diese Artikel könnten
Sie auch interessieren:

Briefwechsel
Worüber streitet Wulff mit der Bild-Zeitung?
von
Sonja Pohlmann , Matthias Schlegel
06.01.2012
Wulff vs. Diekmann
Bitte, keine Briefe mehr!
von
Timo Stein
06.01.2012

zum Dossier Die BUCH-SEITEzum Dossier Literaturen
Aus Literaturen  
Mai 2004

 
Zu Dossier hinzufügen:
  • Europa
  • Kommentare
  • Detuschland
  • Jochen Thies, Was Hitler wirklich wollte
  • Goetz
  • Goetz
  • afrika
  • afrika
  • Syrien
  • Euro krise
  • familienpolitik
  • familienpolitik
  • familienpolitik
  • familienpolitik
  • familienpolitik
  • filosofia
  • Offenen Demokratie
  • LINKE
  • Vorbereitung_Wahlen
  • Cicero
  • Politik
  • Politik
  • Wirtschaft
  • Grüne
  • Wahlen in D
  • Atomenergie
  • Terror
  • Lesenswert
  • Serina
  • _Wj
  • Papstreise 2011 Deutschland
  • Kapitalismus
  • Kapitalismus
  • Piraten
  • Grüne
  • Grüne
  • Grüne
  • Leben
  • haha
  • Migration
  • Generation 2.0
  • Kunst
  • Kunst aA
  • Kunst
  • EURO
  • Russland
  • Steuerpolitik
  • Internet-Kultur
  • Wulf
  • Wulf
  • Parteien
  • Parteien
  • Parteien
  • Finanzkrise und Staatsschulden
  • Gesellschaftspolitik
  • Gesellschaftspolitik
  • Gesellschaftspolitik
  • kindle
  • kindle
  • Rechtsradikalismus
  • USA
  • Religion und Tradition
  • Architektur & Bauen
  • Architektur & Bauen
  • Architektur & Bauen
  • Architektur & Bauen
  • Parteien
  • Kirche
  • Grass
  • Linke
  • Linke
  • Linke
  • Linke
  • Netz
Neues Dossier anlegen:

Ihr Kommentar zu diesem Artikel

Der Inhalt dieses Feldes wird nicht öffentlich zugänglich angezeigt.
Buch, Bücher, Literatur
Dossier

Die BUCH-SEITE

zum Dossier

  • Meist gelesen
  • Meist kommentiert
24h | letzte Woche | letzter Monat
Peter Altmaier Twittern und Kochen für die Kanzlerin
heute-show Welkes Spiel mit der Politikverachtung
Menschen bei Maischberger FC Islam gegen VfB Katholische Kirche
Norbert Röttgen Beim Wähler durchgefallen, von Merkel entlassen
Verwilderung der Sitten Fußball als Kampfsport
Kunstsammler Heiner Pietzsch „Man muss auch Fehler kaufen!“
Sechs Gründe... ...warum Norbert Röttgen in NRW schon verloren hat
Wahltrend Keine Wechselstimmung. Nirgends
Merkels Europapolitik Die Kanzlerin hat verloren
Die Erben der Magda Goebbels
Die Erben der Magda Goebbels
„Europa, das ist, was zählt“
CDU Röttgens Niederlage ist Merkels Problem
Piraten und Urheberrecht Wirklichkeitsfremde Gratis-Konsumenten
NRW Ein Sieg für die Currywurst
24h | letzte Woche | letzter Monat
heute-show Welkes Spiel mit der Politikverachtung
Piraten und Urheberrecht Wirklichkeitsfremde Gratis-Konsumenten
Modetrend Occupy Bankenproteste sind anmaßend
Menschen bei Maischberger FC Islam gegen VfB Katholische Kirche
FDP nach NRW-Wahl Was wird aus Philipp Rösler?
heute-show Welkes Spiel mit der Politikverachtung
Republik der Rechthaber Sarrazin, der Euro und die Brüllaffen
Bankenschwindel Wie aus der Finanz- eine Schuldenkrise gemacht wurde
Piraten und Urheberrecht Wirklichkeitsfremde Gratis-Konsumenten
Letzte Chance NRW Das Projekt Linkspartei droht zu scheitern
heute-show Welkes Spiel mit der Politikverachtung
Die Emanzipation ? ein Irrtum?
Claus Kleber Selbstdemontage eines Nachrichtenstars
Gedicht zum Israel-Iran-Konflikt Was spricht in Günter Grass?
Piraten Digital naiv, neoliberal und gefährlich
Anzeige

DAS NEUESTE AUS DEN BLOGS VON CICERO ONLINE

Bild des Benutzers Göttinger Demokratie-Forschung
Himmelhoch jauchzend oder zu Tode betrübt

Seit dem heißen Stuttgarter Sommer des Jahres 2010 meint man, dass in Deutschland Proteste aller…

zum Blogeintrag
Bildergalerie

Das Ruhrgebiet - Keine Kohle im Revier

zur Bildergalerie
Die FDP in der Dauerkrise
Dossier

Die FDP in der Dauerkrise

zum Dossier

Thema der Woche

Ist die NATO noch zu retten?
zum Dossier
Euro, Krise, ratingagenturen, Tod des Euros, AAA+, Herabstufung
Dossier

Des Euros letztes Stündlein?

zum Dossier

Konservativ, Henkel, Bär, Schirrmacher
Dossier

Konservatismus heute

zum Dossier

Frage des Tages

Stellen sich Hollande und SPD gegen Merkel?
In Kooperation mit dem Tagesspiegel
zur Frage

Die Mai-Ausgabe jetzt am Kiosk

Moral-Standort Deutschland
Republik der Rechthaber

Ziemlich beste Feinde
Das FDP-Fernduell Lindner gegen Rösler

Leseprobe
Inhaltsverzeichnis
Hier bestellen

Video

Merkel und Hollande - Wie steht es um die deutsch-französische Harmonie?

Video
alle Videos
Anzeige
Merkel-
Projekt

Was macht
Angela Merkel heute?
Anzeige
Add to Google

Anzeige

© Cicero 2012
  • Impressum
  • Nutzungsbedigungen
  • Stellenangebote
  • Weitere Titel des Ringier Verlags: Monopol - Magazin für Kunst und Leben