Kurt Krömer ist zurück. Am Samstag startet er mit seiner neuen "KRÖMER - Late Night Show" in der ARD. Zuvor sprach er mit Cicero Online über Kriegseinsätze, Diskriminierung und darüber, warum er Heinz Buschkowsky einst in den Raucherpuff sperrte
Herr Krömer, Ihre neue Show wird nach dem Wort zum
Sonntag ausgestrahlt. Worauf können sich die
„Wort-zum-Sonntag“-Zuschauer gefasst machen?
Kann
schon sein, dass die „Wort-zum-Sonntag“-Zuschauer alle abschalten
und dann schlafen gehen. Betend. Ich mache mir allerdings keinen
Kopf darüber, wen wir wie in unser Programm rüber retten.
Aber der ARD-Zuschauer wird ja dann doch ziemlich rasant
und weltlich geerdet.
Ja, mit mir beginnt dann wieder
die irdische Normalität. (lacht)
Wie halten Sie es denn mit der Religion?
Überhaupt nicht. Ich bin ja Berliner und wir Berliner haben zwar
Kirchen, ich weiß allerdings nicht für wen. Meine Eltern haben
damals gesagt, wenn du alt genug bist, kannst du dir aussuchen,
welchem Glauben du angehören möchtest. Es gibt bis heute keine
Religion, die mir zusagt. Natürlich könnte ich jetzt sagen: „Ick
bin Buddhist, weil da kann jeder machen, wat er will.“ Aber das
mache ich ja sowieso. Für Anarchie braucht man keinen Anführer.
Praktischer Buddhist also…
… Vielleicht
unterbewusst. Aber ich habe Schwierigkeiten mit Angehörigkeit.
Sie werden in Ihrer neuen Sendung auch politische Themen
wie Rechtsextremismus, Krieg oder Migration ansprechen. Wie passt
das zusammen, Krömer und ernsthafte politische
Thematik?
Mich hat das sehr verwundert, dass es
plötzlich heißt, ich dürfe nicht politisch werden. Vielleicht hatte
ich einfach keinen Bock mehr zu sagen, ich bin Komiker, also darf
ich mich nicht über Nationalsozialismus oder Behinderte
unterhalten. Es gab auch so eine Art Aha-Erlebnis: Während einer
Solo-Show versperrte mir ein Spastiker im Rollstuhl den Weg im
Mittelgang. Und ich hab gesagt: „Jetzt mal beiseite mit deinem
fetten Arsch“. Plötzlich war alles still, weil alle dachten, ich
hätte mich über einen Behinderten lustig gemacht. Nach der Show hab
ich mich dann mit ihm noch an der Bar unterhalten und ihn gefragt,
ob er jetzt angepisst sei. Und er sagte: „Nee, ich war integriert.
Ich war im Weg und dann ist das so.“ Und genau das will ich, mit
Behinderten lachen, ohne es zu werten, ohne mich lustig zu machen.
Am Ende sollten wir doch alle zusammen lachen.
Heißt das im Umkehrschluss, Sie wurden all die Jahre
missverstanden und waren unfreiwillig komisch und eigentlich immer
schon politisch?
Nö, das würde ich nicht so sehen. Ich
habe das absichtlich nicht angeboten. Ich bin auch kein
Kabarettist. Ich will nicht alles und alle über einen Kamm scheren,
aber Kabarett ist mir meistens zu sehr Zeigefinger-Theater. Nach
dem Motto: Ich hab‘s verstanden und erkläre euch das jetzt. Wenn
ich auf der Bühne stehe und sage „Nazis sind Schweine“, dann kann
ich mich bei meinem Publikum darauf verlassen, dass es applaudiert.
Das ist mir aber zu einfach. Denn die Leute kamen ja schon als
Nicht-Nazis zu mir ins Publikum und werden auch als Nicht-Nazi
wieder nach Hause gehen. Von daher denke ich, dass die
Konfrontation besser ist, wenn wir also sagen, wir sprechen mal mit
Nazis, treiben es auf die Spitze, um die ganze menschenverachtende
Absurdität des Naziseins aufzuzeigen.
Auch Kriegseinsätze werden thematisiert. Sie waren
jüngst in Afghanistan und haben vor der Truppe
gespielt.
Ja, ich wurde gefragt, ob ich nicht zur
Truppenbetreuung nach Afghanistan kommen möchte. Zunächst war ich
sehr erstaunt über die Anfrage, weil ich ein Totalverweigerer bin.
Ich dachte, die müssen doch sehen, was die sich da für ein
Kuckucksei ins Nest setzen. Und dann dachte ich: Mensch, die haben
ganz schön Arsch in der Hose. Also habe ich gesagt, ich komme,
unter der Bedingung, dass ich überall dort drehen kann, wo es
möglich ist. Zwar hatten wir immer einen Pressevertreter dabei,
aber wir durften alles filmen. Wir durften uns mit allen Leuten
über alle Themen unterhalten. Wie ist das mit Homosexualität bei
der Bundeswehr, wie ist das mit den Toten, bekommen wir überhaupt
alles mit? Die waren wirklich aufgeschlossen.
Das amerikanische Militär holte einst Marilyn Monroe
oder Amy Winehouse und die Bundeswehr schickt Kurt
Krömer?
Ja, aber auch Peter Maffay und Gunter
Gabriel.












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