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 > „Beiseite mit deinem fetten Arsch!“

Salon

Kurt Krömer„Beiseite mit deinem fetten Arsch!“

Interview mit Kurt Krömer15. August 2012
picture alliance
Kurt Krömer, Krömer Late Night, Krömer ARD, Krömer Berliner Ensemble
„Ich habe mir alles immer schön selbst verbaut“
Schrift:

Kurt Krömer ist zurück. Am Samstag startet er mit seiner neuen "KRÖMER - Late Night Show" in der ARD. Zuvor sprach er mit Cicero Online über Kriegseinsätze, Diskriminierung und darüber, warum er Heinz Buschkowsky einst in den Raucherpuff sperrte

Seite 1 von 3

Herr Krömer, Ihre neue Show wird nach dem Wort zum Sonntag ausgestrahlt. Worauf können sich die „Wort-zum-Sonntag“-Zuschauer gefasst machen?
Kann schon sein, dass die „Wort-zum-Sonntag“-Zuschauer alle abschalten und dann schlafen gehen. Betend. Ich mache mir allerdings keinen Kopf darüber, wen wir wie in unser Programm rüber retten.

Aber der ARD-Zuschauer wird ja dann doch ziemlich rasant und weltlich geerdet.
Ja, mit mir beginnt dann wieder die irdische Normalität. (lacht)

Wie halten Sie es denn mit der Religion?
Überhaupt nicht. Ich bin ja Berliner und wir Berliner haben zwar Kirchen, ich weiß allerdings nicht für wen. Meine Eltern haben damals gesagt, wenn du alt genug bist, kannst du dir aussuchen, welchem Glauben du angehören möchtest. Es gibt bis heute keine Religion, die mir zusagt. Natürlich könnte ich jetzt sagen: „Ick bin Buddhist, weil da kann jeder machen, wat er will.“ Aber das mache ich ja sowieso. Für Anarchie braucht man keinen Anführer.

Praktischer Buddhist also…
… Vielleicht unterbewusst. Aber ich habe Schwierigkeiten mit Angehörigkeit.

Sie werden in Ihrer neuen Sendung auch politische Themen wie Rechtsextremismus, Krieg oder Migration ansprechen. Wie passt das zusammen, Krömer und ernsthafte politische Thematik?
Mich hat das sehr verwundert, dass es plötzlich heißt, ich dürfe nicht politisch werden. Vielleicht hatte ich einfach keinen Bock mehr zu sagen, ich bin Komiker, also darf ich mich nicht über Nationalsozialismus oder Behinderte unterhalten. Es gab auch so eine Art Aha-Erlebnis: Während einer Solo-Show versperrte mir ein Spastiker im Rollstuhl den Weg im Mittelgang. Und ich hab gesagt: „Jetzt mal beiseite mit deinem fetten Arsch“. Plötzlich war alles still, weil alle dachten, ich hätte mich über einen Behinderten lustig gemacht. Nach der Show hab ich mich dann mit ihm noch an der Bar unterhalten und ihn gefragt, ob er jetzt angepisst sei. Und er sagte: „Nee, ich war integriert. Ich war im Weg und dann ist das so.“ Und genau das will ich, mit Behinderten lachen, ohne es zu werten, ohne mich lustig zu machen. Am Ende sollten wir doch alle zusammen lachen.

Heißt das im Umkehrschluss, Sie wurden all die Jahre missverstanden und waren unfreiwillig komisch und eigentlich immer schon politisch?
Nö, das würde ich nicht so sehen. Ich habe das absichtlich nicht angeboten. Ich bin auch kein Kabarettist. Ich will nicht alles und alle über einen Kamm scheren, aber Kabarett ist mir meistens zu sehr Zeigefinger-Theater. Nach dem Motto: Ich hab‘s verstanden und erkläre euch das jetzt. Wenn ich auf der Bühne stehe und sage „Nazis sind Schweine“, dann kann ich mich bei meinem Publikum darauf verlassen, dass es applaudiert. Das ist mir aber zu einfach. Denn die Leute kamen ja schon als Nicht-Nazis zu mir ins Publikum und werden auch als Nicht-Nazi wieder nach Hause gehen. Von daher denke ich, dass die Konfrontation besser ist, wenn wir also sagen, wir sprechen mal mit Nazis, treiben es auf die Spitze, um die ganze menschenverachtende Absurdität des Naziseins aufzuzeigen.

Auch Kriegseinsätze werden thematisiert. Sie waren jüngst in Afghanistan und haben vor der Truppe gespielt.
Ja, ich wurde gefragt, ob ich nicht zur Truppenbetreuung nach Afghanistan kommen möchte. Zunächst war ich sehr erstaunt über die Anfrage, weil ich ein Totalverweigerer bin. Ich dachte, die müssen doch sehen, was die sich da für ein Kuckucksei ins Nest setzen. Und dann dachte ich: Mensch, die haben ganz schön Arsch in der Hose. Also habe ich gesagt, ich komme, unter der Bedingung, dass ich überall dort drehen kann, wo es möglich ist. Zwar hatten wir immer einen Pressevertreter dabei, aber wir durften alles filmen. Wir durften uns mit allen Leuten über alle Themen unterhalten. Wie ist das mit Homosexualität bei der Bundeswehr, wie ist das mit den Toten, bekommen wir überhaupt alles mit? Die waren wirklich aufgeschlossen.

Das amerikanische Militär holte einst Marilyn Monroe oder Amy Winehouse und die Bundeswehr schickt Kurt Krömer?
Ja, aber auch Peter Maffay und Gunter Gabriel.

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Schon kurz nach Erschaffung der Welt setzte er sich immer wieder für die Gründung Berlins ein .
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