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 > Liebe deinen Geiselnehmer

Salon
Geschäftsmodell Apple

Liebe deinen Geiselnehmer

von 
Paul Solbach
6. Februar 2012
picture alliance
Apple,steve,Jobs,Google,Datenkrake,Geschäftsmodell,iCloud,Rekordumsatz
Vielleicht ein Visionär, bestimmt kein Altruist

Im Januar war Apple für wenige Tage das wertvollste Unternehmen der Welt, ganz ohne Öl und Raffinerien. Doch den Sprung auf die nächste Entwicklungsstufe der IT hat Apple bisher nicht geschafft, das Geschäftsmodell der geschlossenen Systeme ist veraltet

Seite 1 von 3

„Gib es endlich zu, Apple. Du hast das Spiel um die Hardware verloren. Entweder du lagerst die Produktion aus, oder lässt es gleich ganz bleiben. Nur ohne die Last einer eigenen Herstellung kannst du es noch mit Microsoft aufnehmen.“ Diesen heißen Tipp richtete der Autor James Daly im Jahr 1997 an den maroden Konzern Apple. Steve Jobs war gerade erst zurückgekehrt, die langsamen und klobigen Maschinen mit ihren verunstalteten Betriebssystemen versauerten in den Lagerhallen, kein iPhone oder iPod bahnte die Rettung an, es stand im Allgemeinen schlecht um Apple. Rechner mit dem Apfel waren eine Seltenheit, ihre Nutzer ein exklusiver Kreis. Daly empfahl vor allem eine offene Unternehmenspolitik, die Weitergabe des Betriebssystems Mac OS an andere Hersteller – den Rückzug.

Jobs handelte antizyklisch, riegelte seine Produkte hermetisch ab. Er schuf ein Gesamterlebnis aus Hardware und Software, das gänzlich kontrollierbar ist. Und fand einen Weg, dieses ganzheitliche Design an jeden Menschen zu verkaufen. Musik und Mobiltelefone. Daly dachte in den Grenzen des Bestehenden, nicht an die Revolution eines Produktes, von dem die Menschen noch gar nicht wissen, dass sie es brauchen könnten. Henry Ford, der große Industrielle des Automobils, beschrieb dieses mangelnde Innovationsdenken mit dem Bonmot: „Hätte ich die Leute gefragt, was sie sich wünschen – sie hätten nach einem schnelleren Pferd verlangt.“

Schnellvorlauf in das Jahr 2012. Ein paar Tage lang war Apple mit 419 Milliarden das wertvollste Unternehmen der Welt. Im Januar schoss der Marktwert Apples zeitweise an Exxon Mobil vorbei, nachdem die Nachricht über ein Rekordquartal aus dem Weihnachtsgeschäft die Runde machte. Mehr wert als der größte Mischkonzern auf dem Erdball. Ohne Ölfelder und Raffinerien, mit wenigen Produkten und einer Politik des geschlossenen Systems.

Doch jeder Zyklus muss ein Ende haben. In der Abgeschlossenheit des Ökosystems Apple liegt zugleich seine Unzugänglichkeit für Entwicklungsschübe aus der Umwelt. Während die Revolution der Geräte mit ihrer exzellenten Haptik alle Anwendungsbereiche erreichte, wird der Ort der Datenverarbeitung von den Geräten langsam aber sicher in das Netz verlagert. Bald schon werden Computer kaum mehr als Tastatur und Bildschirm sein, in ständiger Verbindung zur Datenwolke.

Jobs Designphilosophie einer Kontrolle der Endpunkte wird als Idee entlarvt, die der Natur einer internetgestützten IT eigentlich diametral entgegensteht. Sie reicht bis in die Gründertage von Apple zurück, als Netzwerkexperten über das richtige Verfahren zur Vermittlung von Datenpaketen in den Vorläufern des Internets diskutierten. Sie einigten sich auf eine Notlösung, die den weitverzweigten und unterschiedlichen Ausläufern des Netzes Rechnung trug. In einer Art Minimalkonsens erfüllten die Endgeräte weiterhin die Funktion der intelligenten Datenverarbeitung, während das Internet eine passive Rolle behielt. Die zeitgleiche Entwicklung des Heimrechners ist vergleichbar mit der Vormoderne, als die Wahrheit dem Gestaltungswillen der spirituellen Vermittler unterlag. Apple versucht noch immer, die Menschen an den Geräten abzuholen, ihnen eine eigene Wahrheit vorzuführen.

Warum es unmöglich ist, Produkte von Apple zu besitzen

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Geschlossen?

Die Wolke kann im Prinzip auch Teil eines geschlossenen Systems sein. Tatsächlich ist Apple so "geschlossen" gar nicht, die Apps, die Musik, die ebooks kommen ja von außen. Das Neue ist, dass die Vorgaben von Apple nicht mehr wie bei Microsoft in der Software liegen, sondern die Hardware mit umfassen. Der Content ist dagegen, mehr oder weniger, offen. Funktionieren tut das nur so lange Apple viel mehr Geld für die eigenen Produkte verlangen kann, als die Konkurrenz. Das ist nur bei sehr innovativen Unternehmen machbar, für me-too Produkte zahlt keiner einen Premiumpreis. PS: Deshalb agiert Apple auch so hart gegen die Konkurrenz.

  • Antworten
Robert07.02.2012 | 07:25 Uhr

So gern ich Apple-kritische

So gern ich Apple-kritische Meinungen lese, so sehr hat mich dieser Artikel enttäuscht. Aber ich erwartete auch eine Analyse des geschlossenen Geschäftsmodells, die man hier nicht bekommt. Den Artikel hätte Herr Sollbach genauso gut vor 9 Jahren veröffentlichen können, denn es ist eine Sammlung der üblichen Vorbehalte.

Seitdem hat sich Apple auch als tüchtigen Händler verschiedenster Sachen etabliert, die zuvor nicht in dieser bekömmlichen Form dem Konsumenten angeboten werden konnten. Und daher ist der Betrachtungswinkel, den sonst viele "freiheitsliebende" Nerds gern einnehmen, ein trügerischer. Aus ihm kann man genausowenig den Erfolg Apples als auch den Erfolg der Autoindustrie: Sie liefern praktische, einfache, dienliche Sachen, die jeder gleich benutzen kann gleichwohl nicht verstehen braucht. Ein Auto ist ja genauso Teil eines -im weitem Maße- geschlossenen Ökosystems und doch widerstrebt dies keinem Autofahrer: Oder hat Herr Sollbach schon seinen Wagen reklamiert, weil die Fahrradreifen für die Tour im Gelände nicht dran passen?

Eine kritische Betrachtung unserer kalifornischen Freunde beginnt an einem anderen Punkt: Wie kommt es, dass Gerätehersteller mit immensem Hardwarewissen und einem klaren Erfahrungsvorsprung selbst nach Jahren nur lustlose Plagiate anbieten? Wie kommt es, dass Inhalteanbieter ihre Vertriebskanäle nicht pflegen und auf die Amazons und Apples dieser Welt warten, Märkte zu gestalten? Und wieso erlauben sie Apple ein parasitäres Dasein?

Ich bin überzeugt, Apple könnte viel bessere Produkte anbieten. wenn sie es müssten.

  • Antworten
Helen07.02.2012 | 16:28 Uhr

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