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Salon

T. C. Boyle„Amerika droht eine Diktatur der Reichen“

Interview mit T.C. Boyle26. September 2012
Creative Commons: Martin Prechelmacher/Volltext
T.C. Boyle,Wenn das Schlachten vorbei ist
Erster großer Erfolg: „World's End"
Schrift:

Er ist Ex-Hippie, bekennender Umweltaktivist und seit 30 Jahren einer der erfolgreichsten Schriftsteller der USA: T.C. Boyle. Im Cicero-Interview spricht der 64-Jährige über die politische Bilanz Obamas, grüne Politik in Amerika und die Frage, warum unsere Natur dem Untergang geweiht ist

Seite 1 von 3

Thomas Coraghessan Boyle wuchs in einem Waisenheim auf, besuchte eine Sonderschule und kämpfte einst mit Drogenproblemen. Heute lehrt er als Professor an der University of Southern California kreatives Schreiben und wohnt im reichen Santa Barbara. Aber wenn er zur Begrüßung mit Turnschuhen, Punk-Frisur und umgedrehter Baseball-Mütze am Gartentor steht, will er eigentlich nicht so recht in diese exklusive Umgebung passen. Sein aktueller Roman „Wenn das Schlachten vorbei ist" widmet sich dem Umweltschutz in den USA. Vor dem Interview führt er durch seinen riesigen, von Waschbären bewohnten Garten, der mit Trampelpfaden, wuchernden Sträuchern und wildwachsenden Bäumen eher wie ein ausgetrockneter Dschungel anmutet.

Herr Boyle, hier und in Santa Barbara ist noch gar nichts vom amerikanischen Wahlkampf zu spüren: Keine Plakate, keine Wahlkampfbusse, keine Polit-Shows. Wie kommt das?
Das weiß ich selbst nicht. Die Maschinerie ist längst ist Gang, in anderen Städten wird man von all dem erschlagen. Hier ist das zum Glück noch nicht der Fall. Ich hasse Politik. Dieser ganze Wahlkampfzirkus ist so langweilig und so ermüdend! Die Wahlen sind erst im November, aber immer wenn ich heute den Fernseher oder das Radio einschalte, muss ich mir dieses Gelaber anzuhören. Und das geht schon seit zwei Jahren so. Amerika befindet sich seit zwei Jahren im Wahlkampf. Das ist doch Wahnsinn.

Sowohl die Republikaner als auch die Demokraten werden in diesem Jahr alle Rekorde brechen, was die Wahlkampfausgaben betrifft. Zusammen werden die Parteien mehr als eine Milliarde Dollar investieren, nur um Wähler für sich zu gewinnen.
Das ist krank. Und ich bin der Meinung, es sollte gesetzlich verboten werden, denn es führt zu einer Diktatur der Reichen. Was ist mit denjenigen, die keinen Dollar übrig haben, um ihn einer Partei zu spenden? Ich bin dafür, es den Kandidaten zu verbieten, jedwede privaten Mittel, sogar ihr eigenes Geld, für den Wahlkampf zu mverwenden. Ich würde den führenden drei Parteien, inklusive den Grünen, insgesamt 50 Millionen Dollar aus einem staatlichen Fond zur Verfügung stellen und mit diesem Betrag müssten sie dann ihre ganze Werbung, ihre  Bustouren und ihre pompösen Wahlkampfshows veranstalten. Und wenn eine Partei auch nur einen Cent mehr dafür ausgeben würde, würde ihre Kandidat direkt in den Knast wandern. So müsste man es machen, finde ich.

 

In der Oktoberausgabe berichtet Cicero, warum Steinbrück Angela Merkel herausfordern soll. Cicero-Chefredakteur Christoph Schwennicke zeichnet in seiner Titelgeschichte nach, wie die K-Frage für Peer Steinbrück selbst von einer ungeheuerlichen Idee zur Tatsache wurde und welches Kalkül des Parteichefs Sigmar Gabriel hinter der Entscheidung steckt.

 

Sie haben sich vor vier Jahren vehement für Barack Obama stark gemacht. Wie fällt Ihr Urteil über seine Präsidentschaft heute aus?
Ich werde ihn auch diesmal wählen. Ich bin Demokrat, ich glaube an Frauenrechte, an Multikulturalismus, an Bildung und an die Umwelt. Die andere Partei scheint vor allem daran zu glauben, die Reichen noch ein wenig reicher zu machen, und die Typen an die Macht zu bringen, die am meisten dafür zahlen. Solange sich daran nichts ändert, sehe ich keinen Anlass, die Seiten zu wechseln. Obama hat den Abzug aus dem Irak auf den Weg gebracht und endlich eine verpflichtende Krankenversicherung für alle Amerikaner eingeführt. Das sind historische Schritte.

Seite 2: Obama und das Superman-Image

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Auch in Deutschland regieren die Reichen

Den Vereinigten Staaten von Amerika (USA)droht keine Diktatur der Reichen, sie ist bereits traurige Realität!
In den USA kann nur jemand Politikerin oder Politiker werden und einen einflußreichen Posten erlangen, der über genügend Wahlkampfmittel verfügt, um in einer Wahlkampagne für sich zu werben.
Und das können eben nur Reiche oder Wohlhabende oder diejenigen, die sich den Reichen und Wohlhabenden andienen und vorgeben, deren politische Interessen als Gouvaneur, Senator oder Präsident zu vertreten und durchzusetzen. Das hat auch Barak Obama inzwischen scherzlich erleben müssen. Hinzu kommt, daß er es äußerst schwer hatte, sich gegen republikanische Mehrheiten in Senat und Repräsentantenhaus durchzusetzen.

In Deutschland liegen die Dinge ähnlich, aber anders. Die etablierten Parteien CDU, CSU, FDP und inzwischen auch die GRÜNEN erhalten massiv Spendengelder aus der Wirtschaft oder von den sogenannten Wirtschaftsverbänden, also Lobbygruppen der Finanz- und Wirtschaftswelt. Dafür revanchieren diese Parteien sich, in dem sie wirtschaftsfreundliche Gesetze beschließen.

Neue Parteien haben es schwer, nach oben zu kommen. Ein Beispiel ist DIE LINKE, aber auch DIE PIRATEN. Sie werden von den etablierten Parteien geächtet bzw. verächtlich gemacht oder in die krimminelle Ecke gerückt. Nichts fürchtet die herrschende Klasse, vertreten durch die etablierten Parteien, mehr als ein Erstarken antikapitalistischer Kräfte, die eine wirkliche Politik der Umverteilung von Einkommen und Vermögen anstreben, also eine wirkliche soziale Gerechtigkeit.
Also regieren auch hierzulande längst "maskierte" Parteien, die den Vermögenden willig zu Diensten sind. Das sollten wir nicht vergessen oder verdrängen, es ist bereits Realität.

  • Antworten
Yvonne Walden26.09.2012 | 12:58 Uhr

Diktatur der Reichen??

Da ist wohl jemand die Diktatur des Proletariats lieber. Hat wohl vergessen daß die im 20. Jahrhundert ca. 70 Mio. Opfer gekostet hat. Da kann der Kapitalismus nicht mithalten.

  • Antworten
Eloman26.09.2012 | 14:59 Uhr

Wie bitte?

Das Kaiserreich, welches den ersten Weltkrieg auslöste war kapitalistisch, Nazideutschland war es auch. Die Amerikaner, welche diverse Kriege angefangen haben, waren es auch. Und die Opfer des Kapitalismus, nicht nur durch Kriege, in den Jahrhunderten davor kommen auch noch dazu.

Ich werde jetzt hier nicht nachzählen, aber Ihre Behauptung ist mehr als gewagt. Zudem muss man den Sozialismus zugestehen, aus einer Revolution gekommen zu sein und erst mal aus den Kinderkrankheiten herauszuwachsen.

  • Antworten
Elvenpath10.10.2012 | 21:41 Uhr

Warum ""unsere" Natur dem Untergang geweiht ist" und die Links -

Warum „ „unsere“ Natur dem Untergang geweiht ist“ und die Links – Krankheit der (Anti) – Deutschen;

Im wesentlichen inauguriert durch Karl Barth, dessen „göttlich geförderte Resistenz gegen die politische Macht“ derzeit kulminiert in die einstweiligen Höhepunkte der jetzt versuchten deutschen Selbstauflösung (die Fortführung des ESM) in einen „geheimen“ Jesus- Sozialismus der links-hegelianischen Weltgeistigkeit ( J. Habermas ) in der providentiellen Zielführung eines Weltfortschritts nach Gottes Gnaden, eines insofern süddeutsch inspirierten
Weltguten, auch im Namen M. Walsers und eines Großteils der gegenwärtigen deutschen Philosophie und – Sozialwissenschaften mit und nach Marx, und aller seiner ideologischen Zuspitzungen.

Es ist graußlich, wenn man sich mal die Verschleimungen in dieser Hinsicht in den 60igern, 70igern und 80igern Jahren anschaut. (universitär, publizistisch, politisch, l.b.n.l. theologisch), es würden einem vor lauter
Realität die Augen übergehen bezüglich der Tatsache, wie die damaligen Verschwurbelungen zur geschichtlich- politischen Diskurshoheit gelangten und jetzt mit der Eurorettung oben auf scheinen.

Es ist der Habitus des Selbstgerecht und zutiefst Hochfahrend empfindenden Menschen der gutmenschlichen Empörung über die Ungleichheit des Menschen, die gleichzeitig ihr Siegerlächeln des „Willens zur Macht“ ge-
nießt.

Einerseits ist es verständlich wie diese UNENDLICHE BESIEGTENGEISTIGKEIT das Zepter gewinnen
konnte, andererseits war die historische Situation zur Vergegenwärtigung des allgemeinen Abendländischen
Nihilismus aufgerufen!.

Warum Nietzsche UNBEGRIFFEN blieb (der doch diese Krankheit umfassend beschrieben hatte), bleibt zu fragen!; denn diese Krankheit, insbesondere der Deutschen,
„mein Gott“ inzwischen aber auch der Welt, ist die Großartigkeit des idealistischen GEFÜHLS ( untermalt von
der 9. Beethovens), daß die Welt in Gänze sich erlösen könnte, mittels des abendländischen Subjekts und
seiner technischen Mittel, die im übrigen die „Freude des schönen Götterfunkens“ konsequent in ihren philoso-
phisch – genealogischen Epistemen hintertreibt. ( Die Habermas wiederum per Katholizismus zu retten versucht, natürlich zu Gunsten der sozialen Kohäsion.).

Stellvertretend steht dafür die Kritische Theorie.und ihr messianischer Anspruch den FORTSCHRITT per se
und in aller Gleichheit die MENSCHEIT per se und hochkommunizierbar zu erlösen;

die die eigentliche Konsequenz ihres Denkens scheut, in dem Quasi-Diktum, daß kein Richtiges Leben im Falschen
sei;

dies hat allen säkularisierten Weltverwindern der Linken ( part of a global Left, Judith Butler) in ein Unendliches der Utopie verholfen., so daß sich ihre marxistischen wie postmarxistischen Ideen heute nur noch in theo-
logisch - intellektualistischer Manier offenbaren, will sagen, sie sind nicht mehr hinterfragbar und nahezu überflüssig.

Diese Krankheit ist sozusagen präjudiziert durch das paulinische Christentum, welche die Wahrkeit einem sicherlich
seltenen Menschen zuschreibt und innerhalb der Gemeinden dem potentiellen Weltbürger durch fortzeugender
Taufe dem prototypischen Subjekt „offenbart“, in dem das nun ehemals griechische Unterscheidungsvermögen
Zwischen Göttern und Menschen nach Platon in einen Akosmismus Der Wahrheit für Alle mündet, wie eine Waffe,
die dem Welt-und Naturschützenden Pan der Antike den Dolch ins Herz stößt und vollens köpft die Überhäupt-
lichkeit (des Dionysos) der Natur. ( Mag die angedeutete Dithyrambe als Fingerzeig gelten!.)

Dies ist nur die leise und kleine Umschreibung eines gewaltigen Vorgangs, die letzlich zur Ermächtigung des abendländischen
Menschen führt, zu tun und lassen was er will, um nun in gesammelter Einfalt der technischen Völker die Welt zu zerstören
in dem Massendemokratie und die Auslagerung des Todes in entlegene Fernen das Projekt des Fortschritts gebiert
in die Schicksalslosigkeit „des letzten Menschen“ F. Nietzsche.

Nein, die eigenliche „Dialektik der Aufklärung“ haben ein F. Nietzsche und ein M. Heidegger geschrieben. Mit einer Radikalität, die den bodenlosen Fortschrittsglauben in all seinen nach-platonischen Facetten aufklärte:

(die Variante für den Gegenwartsmenschen wäre: Christentum und der Islam ist Platonismus fürs Volk; Sozialismus war Platonismus für Intellektuelle; der Euro ist Platonismus für Politiker.).

  • Antworten
petervonkloss26.09.2012 | 15:18 Uhr

Diktatur der Reichen

Welche ist schlimmer, die der Reichen oder die der Unfähigen, der Kakokraten ? Nach mir, diejenige der Unfähigen. Die kam zuerst und danach kommen alle anderen, auch die der Reichen.
ms

  • Antworten
Manfred STRICKER26.09.2012 | 16:38 Uhr

Hat der gute Mann das gesamte

Hat der gute Mann das gesamte letzte Jahrhundert verschlafen?
Eine Diktatur der Reichen gibt es schon so lange, und die Politik ist nur noch, übrigens auch in Deutschland, der ausführende Hebel für die heimlichen Interessen der Reichen. Und selbst der kleine Mann mit komischen Schnurrbart hat seine Wahlkampfspenden von Großkonzernen erhalten.

  • Antworten
Ivonne26.09.2012 | 17:21 Uhr

Teuerster Wahlkampf überhaupt

..Hauptsache die Krankenversorgung ist gewährleistet. Selbst ärmere Menschen können immerhin noch in die Notaufnahme gehen. So meint zumindest Romney (http://uspolitik.info/usmedien/2012/9/27/notaufnahme-oder-krankenversicherung.html)

Aber Spaß beiseite, die Ausmaße der Wahlkampffinanzierung in den USA nehmen bedenkliche Züge an. Hoffnung verspricht aber auch, dass es zumindest Obama auf eine Vielzahl von Kleinspendern verweisen kann (http://uspolitik.info/usmedien/2012/9/25/romney-braucht-knete.html).

  • Antworten
Markus28.09.2012 | 00:25 Uhr

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