Er ist Ex-Hippie, bekennender Umweltaktivist und seit 30 Jahren einer der erfolgreichsten Schriftsteller der USA: T.C. Boyle. Im Cicero-Interview spricht der 64-Jährige über die politische Bilanz Obamas, grüne Politik in Amerika und die Frage, warum unsere Natur dem Untergang geweiht ist
Thomas Coraghessan Boyle wuchs in einem Waisenheim auf, besuchte eine Sonderschule und kämpfte einst mit Drogenproblemen. Heute lehrt er als Professor an der University of Southern California kreatives Schreiben und wohnt im reichen Santa Barbara. Aber wenn er zur Begrüßung mit Turnschuhen, Punk-Frisur und umgedrehter Baseball-Mütze am Gartentor steht, will er eigentlich nicht so recht in diese exklusive Umgebung passen. Sein aktueller Roman „Wenn das Schlachten vorbei ist" widmet sich dem Umweltschutz in den USA. Vor dem Interview führt er durch seinen riesigen, von Waschbären bewohnten Garten, der mit Trampelpfaden, wuchernden Sträuchern und wildwachsenden Bäumen eher wie ein ausgetrockneter Dschungel anmutet.
Herr Boyle, hier und in Santa Barbara ist noch gar
nichts vom amerikanischen Wahlkampf zu spüren: Keine Plakate, keine
Wahlkampfbusse, keine Polit-Shows. Wie kommt das?
Das weiß ich selbst nicht. Die Maschinerie ist längst ist Gang, in
anderen Städten wird man von all dem erschlagen. Hier ist das zum
Glück noch nicht der Fall. Ich hasse Politik. Dieser ganze
Wahlkampfzirkus ist so langweilig und so ermüdend! Die Wahlen sind
erst im November, aber immer wenn ich heute den Fernseher oder das
Radio einschalte, muss ich mir dieses Gelaber anzuhören. Und das
geht schon seit zwei Jahren so. Amerika befindet sich seit zwei
Jahren im Wahlkampf. Das ist doch Wahnsinn.
Sowohl die Republikaner als auch die Demokraten werden
in diesem Jahr alle Rekorde brechen, was die Wahlkampfausgaben
betrifft. Zusammen werden die Parteien mehr als eine Milliarde
Dollar investieren, nur um Wähler für sich zu
gewinnen.
Das ist krank. Und ich bin der Meinung, es sollte gesetzlich
verboten werden, denn es führt zu einer Diktatur der Reichen. Was
ist mit denjenigen, die keinen Dollar übrig haben, um ihn einer
Partei zu spenden? Ich bin dafür, es den Kandidaten zu verbieten,
jedwede privaten Mittel, sogar ihr eigenes Geld, für den Wahlkampf
zu mverwenden. Ich würde den führenden drei Parteien, inklusive den
Grünen, insgesamt 50 Millionen Dollar aus einem staatlichen Fond
zur Verfügung stellen und mit diesem Betrag müssten sie dann ihre
ganze Werbung, ihre Bustouren und ihre pompösen
Wahlkampfshows veranstalten. Und wenn eine Partei auch nur einen
Cent mehr dafür ausgeben würde, würde ihre Kandidat direkt in den
Knast wandern. So müsste man es machen, finde ich.
In der O
ktoberausgabe
berichtet Cicero, warum Steinbrück Angela Merkel herausfordern
soll. Cicero-Chefredakteur Christoph Schwennicke zeichnet in seiner
Titelgeschichte nach, wie die K-Frage für Peer Steinbrück selbst
von einer ungeheuerlichen Idee zur Tatsache wurde und welches
Kalkül des Parteichefs Sigmar Gabriel hinter der Entscheidung
steckt.
Sie haben sich vor vier Jahren vehement für Barack Obama
stark gemacht. Wie fällt Ihr Urteil über seine Präsidentschaft
heute aus?
Ich werde ihn auch diesmal wählen. Ich bin Demokrat, ich glaube an
Frauenrechte, an Multikulturalismus, an Bildung und an die Umwelt.
Die andere Partei scheint vor allem daran zu glauben, die Reichen
noch ein wenig reicher zu machen, und die Typen an die Macht zu
bringen, die am meisten dafür zahlen. Solange sich daran nichts
ändert, sehe ich keinen Anlass, die Seiten zu wechseln. Obama hat
den Abzug aus dem Irak auf den Weg gebracht und endlich eine
verpflichtende Krankenversicherung für alle Amerikaner eingeführt.
Das sind historische Schritte.












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