Von einem Auftritt in der Hollywood Bowl, einer der größten Freiluftarenen der Welt, hatte unser Kolumnist Daniel Hope schon als Kind geträumt. Vom monsunartigen Regen, der einsetzte, als dieser Traum endlich wahr wurde, nicht
Es gibt Auftritte, von denen ein Musiker schon als Kind träumt: das erste Mal in der Carnegie Hall zu spielen etwa, der Royal Albert Hall oder im Sydney Opera House. Wenn man irgendwann tatsächlich das Glück hat, an diesen Orten aufzutreten, erfüllt es einen mit Stolz und Ehrfurcht.
Bis vor kurzem gab es für mich einen Ort, bei dem es nur bei einem Traum geblieben war: die Hollywood Bowl. Mitten in Los Angeles gelegen, ist sie eine der größten Freiluftarenen der Welt, mit Platz für über 18 000 Zuschauer. Eingeweiht wurde sie am 11. Juli 1922 und entwickelte sich schnell zum beliebten Spielort für die größten klassischen Musiker aller Zeiten. Jascha Heifetz, der legendäre Geiger, der 1931 dort sein Debüt gab, verglich einen Auftritt in der Hollywood Bowl mit einem Wettkampf bei den Olympischen Spielen. Man sei dort nicht Musiker, man sei Gladiator, sagte er. Neben meinen Klassikhelden sind inzwischen auch die Popgrößen der Welt in der Bowl aufgetreten: von den Beatles und Pink Floyd bis zu The Doors und Elton John. Klassik spielt jedoch immer noch eine große Rolle. Während des Sommers ist der Spielort Sitz des Hollywood Bowl Orchestra und des Los Angeles Philharmonic Orchestra.
Vom Letzteren kam vor ein paar Monaten die Einladung, auf die
ich mein Leben lang gewartet hatte: Am 12. Juli dieses Jahres
sollte ich mein Debüt geben, zusammen mit dem amerikanischen
Dirigenten Leonard Slatkin.
Alleine die ersten Schritte auf dem gigantischen Gelände, die ich
am Abend zuvor unternahm, um ein wenig Stimmung zu schnuppern,
erfüllten mich mit unbändiger Vorfreude. Als ich die Werbung für
mein Konzert auf der großen Leinwand vor dem Eingang fotografierte,
hastete ein schwer bewaffneter Polizist herbei und sagte:
„Weitergehen, Sir, hier dürfen Sie nicht stehen bleiben!“ Dann
erklärte ich ihm, warum ich das Plakat fotografierte, und er
grinste. „Echt? Sie spielen in der Bowl? Cool! Dann mache ich doch
ein Bild von Ihnen vor dem Plakat!“
Am Vormittag darauf fand die Probe in der Bowl statt. Das Thermometer zeigte 33 Grad, und die kalifornische Luft war ungewöhnlich feucht. Vor der Bühne hatte man eine Sonnengardine aufgehängt, um das Orchester zu schützen. Es hatte sich ein besonderer Gast angemeldet, der mittlerweile 93 Jahre alte Komponist Walter Arlen, der nach seiner Flucht aus Wien 1939 über 30 Jahre lang als Musikkritiker für die Los Angeles Times tätig gewesen war. Nach meiner Probe setzten wir uns in den Zuschauerraum, und er erzählte mir Anekdoten über Musiker wie Arturo Toscanini oder Bruno Walter, die er in der Bowl erlebt hatte.











